Ein Salih…

Da ich im Moment leider nicht dazu komme, hier eigene Artikel zu veröffentlichen, zitiere ich einen Kommentar zu den neusten Äußerungen Justus Wertmüllers aus Gremlizas Express (Konkret 8/08):

Justus W., im Laufe der Jahre wie viele seiner Genossen zum Pfaffen der Kapitalherrschaft, ihrer Polizei und „Bildzeitung“ gereift, wirft noch einmal ein Schäufelchen Kot auf Ulrike Meinhof, die „völkische Antisemitin“, der er ihr Gerede von „Israels Nazi-Faschismus“ und „Israels Himmler“ (Moshe Dayan) vorhält – die Halluzinationen einer im Toten Trakt mit vollständiger Isolierung Gefolterten, die, ein paar Jahre zuvor und ganz bei Sinnen, die deutsche Linke zur Solidarität mit Israel ermahnt hatte. Wozu hingegen andere schon in ihrer gut beheizten Wohnstube fähig sind, führt der zum Mehrwertmullah konvertierte Exkommunist an sich selber vor. Über einen Mann aus Köln-Kalk, der einen türkischen Jugendlichen namens Salih mit seinem Messer tödlich verletzt hat, schreibt er:

Unvorhergesehen war für Salih, daß man als junger deutscher Kalker schon weiß, wer da nachts auf Beute ausgeht und diesmal der Überfallene, der schon mehrfach unbewaffnet Opfer eines Salih geworden war, mit einem Messer herumfuchtelte…

„Ein Salih“ ist das Singularetantum für jeden Kanaken, wie im „Völkischen Beobachter“ „ein Itzig“ für jede Judensau. Und weiter geht’s:

Ein deutscher Fauerwehrmann, der ein kleines Kind, das ihm aus dem dritten Stock des brennenden Gebäudes in Ludwigshafenzugeworfen wurde, geschickt aufgefangen hatte, wurde z.B. von der „Hürriyet“ deshalb gelobt, weil seine Eltern Türken sind und er damit auch einer zu sein hat.

Mann glaubt ihm aufs Wort – wer kann schon Türkisch? Zwar gibt „Hürriyet“ sich schon dadurch als chauvinistisches Dreckslatt zu erkennen, daß sie Springers „Bild“-Chef Kai Diekmannin ihren Beirat berufen hat, allerdings hat das Blatt in diesem Fall die gesamte Ludwigshafener Polizei für ihren Einsatz gelobt, bevor sie in einem weiteren Bericht tatsächlich erwähnt, daß der rettende Polizist Hakki Pater heiße und „türkischstämmig“ sei. An Justus W. lernen heißt lernen, wo Polemik (oder Kommunismus) endet und Hetze (oder Faschismus) beginnt.

Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.

Nachtrag:
Dem ist sehr wohl noch etwas hinzuzufügen. Dass ein Lob der KONKRET immer eine heikle Angelegenheit ist, sollte noch bemerkt werden. Man beachte Stefan Franks Verschwörungsphantasie in der Rubrik „Herrschaftszeiten“ der selben Ausgabe.


10 Antworten auf „Ein Salih…“


  1. 1 lahmacun aka Laura 26. Juli 2008 um 20:46 Uhr

    nützen wird’s nicht, für hardcore-ads ist das lediglich verharmlosung der islamistischen gefahr und deutscher antirassismus (sind ja alle deutsche im antira engagiert, alles klar?).

  2. 2 Hannes G. 28. Juli 2008 um 0:51 Uhr

    So funktioniert linke Ideologie. Wertmüller wird als Pfaffe der Bildzeitung, der Polizei u. des Kapitals hingestellt. Ein einfacheres linkes Weltbild ist kaum möglich. Polizei, Bild, Kapital böse, Wertmüller gehört dazu. Den Rest puzzelt man irgendwie zurecht.

    Dass Wertmüller im spärlich zitierten Text die Selbstinszinierung der „Türken“ als Türken kritisiert und gegen solche Volkstürken jene Personen türkischer Herkunft verteidigt, die sich nicht als Türken, sondern als Individuen zu profilieren versuchen, muss verschwiegen bleiben.

  3. 3 Simone 28. Juli 2008 um 18:19 Uhr

    Wo steht, dass Kapitalherrschaft, Polizei und „Bildzeitung“ böse seien? Die Kritik an diesen Institutionen ist doch wohl das, was jeder Linksradikale im Schlaf beherrschen muss, um erstgenommen zu werden.
    Und was ist das für ein Begriff – „Volstürke“? Soll das an den Begriff „Volksdeutscher“ erinnern? Das ist ja wohl plumpester Geschichtsrevisionismus.
    Und wenn Wertmüller türkischen Nationalismus unter Migranten kritisieren will, sollte er auch die sie umgebende deutsche Mehrheit und ihre Projektionen und ihr Verhalten in seine Reflexion einbeziehen, und nicht einen solchen Hetzerjargon verwenden.

  4. 4 abdel kader 29. Juli 2008 um 20:10 Uhr

    So funktioniert linke Ideologie. Wertmüller wird als Pfaffe der Bildzeitung, der Polizei u. des Kapitals hingestellt. Ein einfacheres linkes Weltbild ist kaum möglich. Polizei, Bild, Kapital böse, Wertmüller gehört dazu. Den Rest puzzelt man irgendwie zurecht.

    Doch, es gibt ein Weltbild, das mindestens genau so einfach ist wie das des Pappkameradens, den du dir aufbaust.

    Bildzeitung:
    Verteidigt Springer!

    Deutsche Polizei:
    Nicht so toll, aber nichts im Vergleich zur saudi-arabischen Religionspolizei!

    Kapital
    Schon mal ganz gut, weil im Kapitalismus der Kommunismus schon angelegt ist. Kommunismus= Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, jetzt aber wirklich!

    Wertmüller:
    Der hat immer recht. Seine Kritiker können also nur von Ressentiments getrieben sein.

    So funktioniert post-antideutsche Ideologie.

  5. 5 abdel kader 29. Juli 2008 um 20:55 Uhr

    Dass Wertmüller im spärlich zitierten Text die Selbstinszinierung der “Türken” als Türken kritisiert und gegen solche Volkstürken jene Personen türkischer Herkunft verteidigt, die sich nicht als Türken, sondern als Individuen zu profilieren versuchen, muss verschwiegen bleiben.

    Bitte, das ist doch billig.
    „Ich kann kein Rassist sein, weil ich konstruktivistisch argumentiere!“

    Das ist doch nur eine Legitimationsstrategie, um sich gegen Rassismusvorwürfe zu immunisieren.
    Mit dieser Argumentation wurde die Bahamas von Seiten der Antideutschen Kommunisten schon vor Jahren in Schutz genommen:

    (…)Rassistisch sind solche Verallgemeinerungen nur, wenn man glaubt es gäbe so etwas wie Ethnien überhaupt wirklich. Die Bahamas ist davon aber weit entfernt. Wenn die Zeitung Deutsche, Kosovoalbaner oder Palästinenser beschimpft, dann ist dies nicht mehr als eine Aufforderung, mit dem Deutsch-Sein, Palästinensch-Sein endlich zu brechen. Niemand zwingt die Deutschen und die Palästinenser, sich als solche zu fühlen oder als solche zu handeln. Wenn sie es trotzdem tun sind sie zu kritisieren.

    Genau so würde ja auch niemandem einem Antisemiten die Argumentation abnehmen er sei gegen „die Juden“ weil diese sich als Juden definierten und jederzeit mit ihrem Judentum brechen könnten.

    Bei Wertmüller und Bahamas dient diese Legitimitationsstrategie dazu alle möglichen Abstrustitäten über Muslime zu behaupten ohne dass es in ihrer eigenen Szene nenneswerten Einspruch dagegen gäbe.
    Der von Gremliza zitierte Artikel ist unzweifelhaft rassistisch weil er den „orientalischen Jugendlichen“ als fiesen Messerstecher darstellt. Wie sich der Autor dafür rechtfertigt ist dabei völlig egal.

    Wertmüller macht selbst das, was er Antirassisten unberechtigt vorwirft, nämlich Menschen nicht als Individuen wahrzunehmen, sondern immer in Kollektive einzusortieren.

    Beispielsweise im Artikel „Tatort Staatsfernsehen“ (zu finden auf der Bahamas-Homepage). Hier greift Wertmüller die Debatte um eine Tatortfolge mit Stereotypen über Aleviten auf, zu denen die Alevitische Föderation eine berechtigte Kritik geschrieben hatte.
    Wertmüller benützt das aber als Vehikel um sunnitische Türken generell als rückständige islamistische Barbaren darzustellen.
    Aleviten= gute Türken
    Sunniten= schlechte Türken (müssen sich erst von „ihrer Kultur“ emanzipieren).

    P.S. @ Simone: könntest du in meinem obigen Beitrag das Wort „Kapital“ einfügen?

  6. 6 abdel kader 29. Juli 2008 um 23:58 Uhr

    Danke.
    Trag‘ dich doch mal auf dem Politik-Planeten ein, dann kann man deine Blogkommentare darüber lesen.
    http://blogsport.de/2007/07/02/planet-mit-kategorien-am-start
    http://comments.blogsport.de/category/politics

  7. 7 peter 14. August 2008 um 11:53 Uhr

    Ein Beitrag zum Thema.

  8. 8 .. 19. August 2008 um 18:11 Uhr
  1. 1 Fascho Justus « Lysis Pingback am 26. Juli 2008 um 12:53 Uhr
  2. 2 konkret 08/2008 « Entdinglichung Pingback am 26. Juli 2008 um 15:58 Uhr
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