1000 gute Nachrichten

Die Menschheit befindet sich offensichtlich in keinem guten Zustand. Es herrschen Kriege, Armut und in vielen Weltgegenden ist die Gesellschaft in sich offen bekämpfende Banden zerfallen. Das spiegelt sich auch in den Nachrichten wieder. Die „Reporter positiver Nachrichten“ finden das nicht gut und haben die Webside „1000 gute Nachrichten“ eingerichtet. Ich zitiere die „Idee“ hinter diesem Projekt:

RPN >>> Reporter positiver Nachrichten ist ein Projekt zur Verschönerung der Nachrichten- und Meldungswelt. Jeder ist eingeladen, sich mit auf die Suche nach den großen und kleinen schönen Dingen im Leben zu machen. Egal, ob Meldung im Internet, Sendungstipp im Fernsehen oder selbst erlebtes Ereignis auf der Straße, Hinweis auf eine Internetseite, ein gefundenes Foto, ein Termin oder ein neuer Witz… hierhin gehören ausschließlich positive Nachrichten und neue Blickwinkel auf die von den Medien so negativ präsentierte Welt. Wir möchten die Menschen dazu animieren, mit ihren eigenen Augen und Sinnen in die (Um)Welt zu blicken, anstatt auf alle fremden Alarmglocken blind zu reagieren…

Offensichtlich halten diese Leute die Welt lediglich für „negativ präsentiert“. Und um zum eigentlich positiven „Wesen“ der Welt vorzudringen, müsse man einfach „Augen und Sinne“ benutzen. Es ist zu ahnen, dass ein hübsches Bild – vielleicht ein Delphin oder ein Sonnenuntergang – weit mehr über diese Welt sagt, als es jedes Nachdenken über Kapitalismus, Antisemitismus oder Rassismus tut.
Das wir nur noch von der „Vision“ getopt:

Vielleicht schaffen es die >>> Reporter positiver Nachrichten irgendwann einmal, Sponsoren zu gewinnen, die für jede positive Meldung einen Euro spenden. Von dem Erlös könnte dann der “Tag der positiven Meldungen” eingeführt werden. Alle großen Medien würden in der Hauptausgabe oder Hauptsendung ausschließlich positive Meldungen bringen, oder ein Tag lang dürften die RPN´s mal die Schlagzeilen des Tages bestimmen, vielleicht könnte auch ein Fest entstehen, bei dem die Menschen eingeladen werden, schönes zu erleben und positives von der Welt zu erfahren oder selber positives zu berichten. Ebenfalls spannend: Ein Buchprojekt mit Autoren der ganzen Welt, die ihre positivste Reportage des Jahres abdrucken… Und zwar zu dem Thema, dass im Vorjahr von den großen Medien so negativ und angsteinflößend dargestellt wurde… egal, was es sein könnte. Fest steht: Es soll eine Pause geben – von der negativen Medienwelle. Und wenn es nur 24 Stunden sind!

Ein Tag ohne schlechte Nachrichten. Einmal nicht belästigt werden von Nachrichten über Morde an Migranten oder ähnliches, das ist es wonach sich diese Hobby-Reporter sehnen.
Um eins klarzustellen: Mir ist sehr wohl bewusst, dass auch die Medien nach kapitalistischen Gesetzen funktionieren. Schlechte Nachrichten verkaufen sich einfach besser als gute. Aber statt die falsche Einrichtung der menschlichen Gesellschaft zu verändern, einfach nur noch die „postiven“ Seiten sehen zu wollen, ist Kapitulation vor der Realität und somit entschieden abzulehnen.


3 Antworten auf „1000 gute Nachrichten“


  1. 1 Kerstin 03. August 2008 um 22:49 Uhr

    Hallo! Als Gründerin der 1000 guten Nachrichten eines hinterhergeschoben: Wir möchten weder kritischen Journalismus bieten noch die Augen vor der Realität verschließen. Wir möchten nur an die Kräfte menschlichen Handels erinnern, die nun mal durch Optimismus geweckt werden. Der Großteil unserer bisher „gefundenen“ guten Nachrichten bezieht sich auf zivilgesellschaftliches Engement, friedliches Miteinander sowie Leuchttürme in der Bildung. Allesamt Entwicklungen, die nur durch mediale Präsenz zum Nachahmen anregen können.

    Herzliche Grüße!

  2. 2 Michel 05. August 2008 um 1:44 Uhr

    Kerstin, dass was du schreibst, klingt fast ekliger als die Du-bist-Deutschland-Kampagne. Was sind denn die Kräfte menschlichen Handelns und Leuchtürme in der Bildung? Wenn wir alle an das „Gute“ glauben und uns alle lieb haben, wird alles besser?
    Anstatt sich was schön zu reden, sollte man sich dem falschen Ganzen/der Wertvergesellschaftung bewusst werden.

  1. 1 Der neuste Text der GWG Köln « critique aujourd’hui Pingback am 25. August 2008 um 20:28 Uhr
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