What is this liberal rubbish?

Mal wieder etwas Feindbildpflege. In der aktuellen Jungle World darf ein Tobias Kaufmann, stellvertretender Ressortleiter Online beim »Kölner Stadtanzeiger«, seinen staatstragenden Müll abladen und daherschreiben wie ein Sozialkundelehrer.

Erst flohen sie aufs Schiff, dann fiel der ganze »Kongress« ins Wasser. »Pro Köln« und ein paar Dutzend geladene Rechtspopulisten aus Europa sind am Wochenende vom Protest der Bürger, von Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Medien daran gehindert worden, sich als Warner vor der Islamisierung aufzuspielen. Das ist ein großer Erfolg. Diese Unterstützung für die Muslime zeigt nebenbei, wie haltlos die Le­gen­de von der um sich greifenden Islamphobie ist.

Bürger, Parteien, Kirchen und Medien also: drei gesellschaftliche Institutionen, die nicht grundlos immer wieder Gegenstand von Gesellschaftskritik werden und eine Zurichtungsform von Menschen wie man sie auch aus Leipzig und Dresden kennt: ach so tolerante Leute, die ihre ach so toleranten Städte frei von Nazis haben wollen, die es aber auch nicht stört, wenn Obdachlose aus den Innenstädten vertrieben und Migranten abgeschoben werden. Vielleicht sollten in einer der nächsten Ausgaben die Lichterketten der Neunzigerjahre abgefeiert werden. War ja auch ein toller Bürgerprotest.

Aber es sind an diesem Wochenende auch einige Dinge passiert, die das erfolgreiche »Arsch huh!« mit einem kleinen Makel belegen. Wieder einmal ist es nicht gelungen, »Antifaschisten« abzuhalten, die glauben, sie dürften Steine auf Menschen werfen, die ihnen nicht genehm sind. Auch die Taktik, den »Kongress« nicht mit einer hörbaren Gegenstimme zu begleiten, sondern ihn komplett zu verhindern, ist fragwürdig. Denn »Pro Köln« ist keine nukleare Bedrohung, sondern ein Haufen, der auf solche Gelegenheiten wartet, um der angeblich freiheitsfeindlichen »PC«-Gesellschaft entgegen treten zu können.

Ja, die Antifa hat mal wieder das Bild des friedlichen Bürgerprotestes gestört. Hat mal jemand ein Taschentuch? Diese Antifa hat im Übrigen den von Kaufmann vermissten Gegenkongress veranstaltet.

Deshalb darf die Anti-»Pro-Köln«-Bewegung nicht damit enden, dass sie einer Handvoll köllscher Wirrköpfe die Stirn geboten hat. Es geht auch darum, den Rechtspopulisten die Deutungshoheit über wichtige Themen zu entreißen. Jene, die sich einem antifaschistischen Grundkonsens verpflichtet fühlen, müssen den islamischen Faschismus als Problem anerkennen. Sie müssen gegen ihn Stellung beziehen – nicht aus Abneigung gegen Moslems, sondern aus der Position der unteil­baren Menschenrechte.

Islamischer Faschismus? Wenn man keinen Begriff vom Faschismus hat, sollte man besser den Mund halten. Sonst könnte es passieren, dass man den historischen relativiert. Aber Schuldabwehr ist den Deutschen ja fremd.

Ich schäme mich, diesem Kommentar hier fast nur Gepöbel entgegenzusetzen. Vielleicht ist er auch nicht mehr wert. Der Jungle World empfehle ich jedenfalls, in Zukunft lieber eine Spalte freizulassen, anstatt deutschen Paradebürgern eine Plattform zu bieten. Oder soll die Jungle World noch mehr zu einem liberalen Blättchen werden, in dem sogar „Welt“-Autoren veröffentlichen dürfen.


25 Antworten auf „What is this liberal rubbish?“


  1. 1 antifa 6000 30. September 2008 um 11:37 Uhr

    Schlimm ist vor allem, dass der rechte Kurs der Jungle inklusive der Autorenschnittemnge mit Springerblättchen 99% der Leser einer selbsternannten „linken Wochenzeitung“ nicht mal auffällt. Inhaltlich ist ja nicht nur die Jungle auf Rechtskurs. Eine ganze Szene macht sich auf endlich brave Staatsbürger und „aufgeklärte“ Nationalisten zu werden.

  2. 2 Earendil 30. September 2008 um 12:37 Uhr

    Ich hatte mir auch mal wieder ne Jungle gekauft (ab und an steht ja doch mal was gutes drin), aber war halt ein Fehler, diesmal besonders. Da bringt der Mensch es fertig zu betonen, „wie haltlos die Le­gen­de von der um sich greifenden Islamphobie ist“, und schwadroniert kurz darauf über „islamischen Faschismus“. Naja, „den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt“ – ist doch so ein Lieblingsspruch von Antideutschen.

    Aber grad in dem Punkt fügt sich der Artikel in den Mainstream des Blattes ein. Noch nichtmal die (ansonsten ganz interessante) Reportage über Spuren von jüdischem Leben und dessen Vernichtung auf dem Balkan kommt ohne antiarabisches Ressentiment aus: „Auch im benachbarten Jugoslawien ließ man die Juden auswandern. Dort setzte Josip Tito im Zuge seiner Bemühungen um eine Bewegung so genannter Blockfreier nicht auf einen israelischen, sondern, mit dem ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser, auf einen arabischen Bünd­nispartner. Und das, obwohl von 12 000 Belgrader Juden nur 2 300 die deutsche Besatzung überlebten und von den insgesamt über 80 000 Juden im Königreich Jugoslawien 80 bis 85 Prozent ermordet worden waren.“ Für so einen an den Haaren herbeigezogenen Übergang muss man die Gleichung „Nasser = Nazi“ schon obsessiv verinnerlicht haben, zumal weder Nasser noch irgendwelche anderen Araber oder Muslime (von der bekannten Ausnahme eines durchgeknallten Muftis mal abgesehen) irgendwas mit dem Holocaust auf dem Balkan zu tun hatten.

    Und die Rede von „steinewerfenden Chaoten“ ist zwar (noch?) nicht ganz so verbreitet in der Jungle, aber wenn ich mir etwa Stefan Wirners Ausfälle gegen Christian Klar, die so auch in jedem bürgerlichen Blatt hätten stehen können, in Erinnerung rufe, wundert mich das auch wieder nicht soo sehr. Nicht umsonst ist Wirner ja inzwischen ganz zum Liberalismus konvertiert…

  3. 3 Kuckuck 30. September 2008 um 13:58 Uhr

    ach, hat die antifa nicht in köln ziemlich autoritär polizei gespielt und haben nicht antifas mina ahadi eine rassistin oder nazi genannt? police brutality bad, antifa brutality taboo.

    an kaufmann hat mir eigentlich gut gefallen, daß er sich diskussionsbereit zeigt: die antifa nicht pauschal verurteilt, wie es sonst so oft im bürgerlichen lager üblich ist; umgekehrt, wo bullen faschisten aber moslems es nie sind, dürfte solche diskussionsbereitschaft noch weniger verbreitet sein. wenn man dann so diskutieren würde, käme man vielleicht auch zum ergebnis, daß statt islamfaschismus besser von einem ummasozialismus gesprochen werden sollte.

  4. 4 Kuckuck 30. September 2008 um 14:01 Uhr

    hat nicht auch lysis die mitglieder des iranischen regimes religiöse faschisten genannt? spezifiziert man die religion, der sie sich zugehörig fühlen, dann muß es wohl heißen: iran ist von muslimischen faschisten regiert, es herrscht dort ein islamfaschismus.

  5. 5 Earendil 30. September 2008 um 15:10 Uhr

    Was in Köln im Einzelnen abging, weiß ich nicht. An den, hm, Aktionsformen von Antifa und Autonomen lässt sich gewiss vieles kritisieren (Stichwort Militanzfetischismus), aber nicht so und nicht von Leuten, für die Gewalt immer nur dann zum Problem wird, wenn sie mal ausnahmsweise nicht vom Staat ausgeht. Und klar macht Kaufmann das, wie es in der Mainstream-Presse üblich ist: Die Guten sind die „Bürger, Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Medien“, die Bösen die steinewerfenden „Antifaschisten“ (die natürlich in Anführungsstrichen stehen, denn wer Steine wirft, kann ja kein echter Antifaschist sein…).

    Mag sein, dass auch Lysis mal das Mullahregime als faschistisch bezeichnet hat (er soll ja gerüchteweise manchmal zu polemischen Ausfällen neigen ;-) ), aber er hat doch an anderen Stellen ganz gut dargelegt, dass der Begriff eigentlich ungeeignet ist. Der Islamismus hat zwar auch Gemeinsamkeiten mit einigen Formen des Faschismus, aber auch so viele Unterschiede, dass er nicht unter dem Begriff gefasst werden kann. Ob „Ummasozialismus“ da weiter hilft oder nicht eher dazu dient, alles „sozialistische“ zu diffamieren? Ich glaube, Islamismus ist einfach ne eigene Kategorie und kann nicht sinnvoll unter was anderes (außer vielleicht unter religiösen Fundamentalismus allgemein) subsummiert werden.

    Wenn Bullen als faschistisch bezeichnet werden, ist das natürlich genauso falsch. Diese linke Unart, alles, was einem nicht passt, als faschistisch zu bezeichnen, nervt einfach nur.

  6. 6 klepto 30. September 2008 um 17:57 Uhr

    „haben nicht antifas mina ahadi eine rassistin oder nazi genannt?“

    oder vielleicht „frau ahadi“? oder gar „herr bundespräsident“? oder „auto“?

  7. 7 ex-P.F.C. Wintergreen 30. September 2008 um 20:01 Uhr

    „Dort setzte Josip Tito im Zuge seiner Bemühungen um eine Bewegung so genannter Blockfreier nicht auf einen israelischen, sondern, mit dem ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser, auf einen arabischen Bündnispartner.“

    Lese ich das richtig, Israel potenziell blockfrei? Sind die anti-Deutschen wirklich so kaputt im Kopf?

  8. 8 ex-P.F.C. Wintergreen 30. September 2008 um 20:05 Uhr

    „Dort setzte Josip Tito im Zuge seiner Bemühungen um eine Bewegung so genannter Blockfreier nicht auf einen israelischen, sondern, mit dem ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser, auf einen arabischen Bündnispartner.“

    Lese ich das richtig, Israel potenziell blockfrei? Sind die anti-Deutschen wirklich so kaputt im Kopf?

  9. 9 subwave 30. September 2008 um 22:58 Uhr

    PFC Wintergreen: mag sein, dass manche antideutsche so hohl in der birne sind wie du, aber: so absurd ist das mit israel und blockfrei gar nicht. die usa waren zunächst eher zögerlich in ihrem support und die ersten israelischen waffen stammten aus dem im entstehen begriffenen ostblock. israel war damals nicht festgelegt, also tatsächlich im wahrsten sinne des wortes blockfrei.

  10. 10 ex-P.F.C. Wintergreen 01. Oktober 2008 um 1:15 Uhr

    1. Als Nasser Präsident war, war Israel sicher nicht blockfrei (Suezkrieg ’56)

    2. Die Zionisten haben sehr früh erkannt, dass ihre eigenen Interessen mit denen der imperialistischen Staaten großteils übereinstimmen. Was sich mit den Jahren geändert hat, war lediglich, an welchen Staat sie sich geheftet haben: zuerst an das Osmanische Reich (und auch das Deutsche), dann während des 1. Weltkriegs bis kurz vor Ende des 2. an das Britische Empire und schließlich im weiteren Verlauf an die USA; es mag zwar sein, dass es in den Jahren bis zur Staatsgründung zum offenen Konflikt mit Großbritannien gekommen ist, und in den Jahren kurz nach der Staatsgründung die Außenpolitik noch nicht ganz ausgeformt war, aber das heißt nicht, dass zu irgendeinem Zeitpunkt Blockfreiheit eine denkbare außenpolitische Alternative gewesen wäre, da den führenden Politikern zu jederzeit bewusst war, dass sie ihre Ziele nur gegen den Willen der arabischen Bevölkerungen durchsetzen konnten und sich damit im Großen und Ganzen auf einer Linie mit den imperialistischen Staaten befunden haben, mit denen es folglich zu kooperieren galt. Dass die USA am Anfang etwas zurückhaltend waren, und die Sowjetunion sehr interessiert gewesen wäre, ist in diesem Kontext irrelevant

  11. 11 Anette 01. Oktober 2008 um 9:19 Uhr

    Da hat ex-P.F.C. Wintergreen aber tief Luft geholt. Mir fehlt sie jetzt. Obwohl doch seine Sprache so eindeutig offenbart, wessen Kind er ist. Da haben sich die Zionisten an Staaten geheftet, wo doch jeder weiß, dass es sich dabei um jene handelt, die das Adjektiv „imperialistisch“ verdienen. Das sieht ihnen recht, diesen verdammten Zionisten wollten im warmen Mief der Gruppe ihren Staat machen, um sich vor dem Antisemitismus zu schützen. Da geht einem doch nicht nur Imperialismusvorwurf, sondern auch der Hut hoch.
    Wunderlich nur, dass nicht gleich die halluzinierte Verbindung mit dem Nationalsozialismus angesprochen wurde, denn das würde sein Statement noch untermauern. Ein Statement übrigens, dass keine Unterscheidung macht zwischen verschiedenen Zionismen und dem was man im materialistischen Duktus „historische Besonderheiten“ nennt. Wenn man jetzt auch noch darüber nachdenkt was „der Staat“ ist und feststellt, dass das Prädikat „imperialistisch“ so ausnahmslos auf alle oder keinen zutrifft, dann könnte man denken, Herbert Marcuse hat „Der eindimensionale Mensch“ über dich geschrieben!
    Nichts für ungut.

  12. 12 Earendil 01. Oktober 2008 um 11:01 Uhr

    Wintergreen, deine platte dualistische Weltsicht (wie sowas jemals als „Antiimperialismus“ laufen konnte, ist mir eigentlich ein Rätsel) hat mehr mit Star Wars gemein als mit der Realität.

    „Die Zionisten haben sehr früh erkannt, dass ihre eigenen Interessen mit denen der imperialistischen Staaten großteils übereinstimmen.“
    Was ist denn das für ein sinnfreier Satz? Zum einen sind alle Staaten per se imperialistisch, nur dass manche erfolgreicher sind als andere. Zum anderen stimmten die Interessen der Zionisten zunächst mit keinen anderen überein, sondern mussten gegen die Interessen anderer Staaten durchgesetzt werden, gewaltsam und diplomatisch. Außer den Zionisten selbst wollte niemand diesen Staat!

    Und die Blockfreiheit ist gar nicht weit hergeholt, im eigentlichen Sinne war Israel immer blockfrei und hat sich seine Verbündeten opportunistisch gesucht – zunächst die SU, dann Frankreich, schließlich die USA, daneben neuerdings die Türkei und ein bisschen Deutschland. Aber letztlich hat es, wohl offener als jeder andere Staat, immer auf eigene Rechnung gehandelt und nie als Vasall von irgendeinem Imperium. Und 1955, bei der Geburt der Blockfreienbewegung (VOR dem Suezkrieg), war es noch gar nicht so mit den USA verbunden.

    Und auf so einen Unsinn wie „den Willen der arabischen Bevölkerungen“ (was bei dir ja auch noch positiv besetzt zu sein scheint) muss ich jetzt nicht auch noch eingehen, oder?

  13. 13 Kuckuck 01. Oktober 2008 um 13:30 Uhr

    ex-P.F.C Wintergreen hat doch recht, Israel war sich doch eigentlich immer bewußt, daß es ihre Ziele, nämlich Frieden mit den arabisch-muslimischen Nachbarn, nur gegen deren Interessen durchsetzen kann.

    Ummasozialismus: soll ein Begriff sein, der Unterschied und Nähe zu dem des National-sozialismus darstellen kann, gerade bezogen auf Iran. Hauptunterschied ist eben der schwache Nationalismus, man orientiert sich nur an der einen stets voranzuschiebenen Glaubensgrenze anstatt an der des Volks, der Nation und des dazugehörigen Bodens. Beide gleich im Opfer- und Vernichtungswillen, und das Sozialistische soll im Iran wohl auf das anspielen, was es auch im Dritten Reich war: starker autoritärer Staat, Asyl für Obdachlose, Gemeinschafts- oder Gleichheitsideologie, Abschaffung des Marktes. Ein Sozialismus nicht der Arbeiterklasse, sondern im einen Fall ein national-völkischer, im anderen einer der Gläubigen, beide wiederum antikommunistisch.

    @klepto: Stimmt, es war eigentlich „auto“, hab nochmal bei indymedia nachgeschaut. Ich hab es ja auch bei FOX ursprünglich gehört, deshalb kann es nicht stimmen. Wie dumm von mir. So wie zu denken, Kaufmann könnte recht haben, wenn er das autoritäre Element der Antifa herausstellt, und Pro-Köln Rassisten oder so etwas nennt.

    Aber wie blöd ist das, du hast ein Boot, und plötzlich kommen welche, und zertrümmern es halbwegs mit Steinen, oder du willst irgendwo hin und kommst nicht durch, weil irgendwelche in ihren Machtphantasien glauben, dir den Weg versperren zu dürfen. Wenn ich zur Wohnung eines Antifa gehe und seinen Fernseher, Computer, Klo und Fenster mit Steinen zerstöre, oder ihn in seinem Haus einsperre, dann darf der mir auch nichts erzählen, denn sonst schweigt er ja auch über nicht-staatliche Gewalt, die er selbst ausübt.

  14. 14 Earendil 01. Oktober 2008 um 14:30 Uhr

    Au wei, was ist das denn nun wieder für wirres Zeug… Also „Ummasozialismus“ soll tatsächlich eine nicht vorhandene Nähe zum Nationalsozialismus herstellen, waren meine Vorbehalte gegen den Begriff doch berechtigt.

    Zu den „Gemeinsamkeiten“ Iran/Nazidtl.: „Opfer- und Vernichtungswillen“? Ersteres vielleicht noch, ist aber ein bisschen allgemein und gilt auch z.B. für die Verteidiger von Masada oder ein Dutzend anderer Beispiele. Und bei letzterem ist außer Rhetorik aus dem Iran noch nicht viel gekommen. „Starker autoritärer Staat“? Im Iran haben wir eine Machtteilung zwischen demokratischen (Parlament), präsidialen und theokratischen (Wächterrat) Elementen, wobei letztere klar den stärksten Einfluss haben. Das widerspricht doch diametral der faschistischen Vorstellung vom Führerstaat! „Abschaffung des Marktes“? Ähm, noch alles klar? Ist mir bislang weder hier noch da bekannt… aber man lernt ja gern dazu.

    Zu den Unterschieden: Im Prinzip ist zwar richtig, dass der Islamismus nicht auf ethnische, sondern auf bekenntnisabhängige Ausgrenzung setzt. Aber ausgerechnet dem Iran fehlenden Nationalismus anzudichten ist doch hanebüchen, da verbinden sich doch grade Nationalismus und Islamismus. Der Drang zur Atombombe hat z.B. auch mehr mit nationalem Machtstreben zu tun als mit Vernichtungswillen, was man ja schon daran sehen kann, dass religiöse wie säkulare Nationalisten gleichermaßen die Bombe wollen.

    Und eine Reihe weiterer Unterschiede hast du außer Acht gelassen, etwa dass es in Dtl. nichts mit dem Tugendterror oder der Scharia vergleichbares gab, dass der Iran keine expansionistische Außenpolitik betreibt, dass die Nazis tendenziell eher antireligiös waren u.a.m.

    Nun könntest du natürlich als Gemeinsamkeit noch die Homophobie anführen – ist aber eher ungünstig, da die ja nun nicht von den Nazis, sondern den ach so demokratischen Kolonialmächten in den Nahen Osten exportiert wurde…

    Quintessenz: Ummasozialismus wie Islamfaschischmus unsinniger Begriff, nicht mehr verwenden.

  15. 15 Earendil 01. Oktober 2008 um 14:49 Uhr

    Fällt mir jetzt erst auf:

    „Israel war sich doch eigentlich immer bewußt, daß es ihre Ziele, nämlich Frieden mit den arabisch-muslimischen Nachbarn, nur gegen deren Interessen durchsetzen kann.“

    Bitte wie? Ziel Israels ist Frieden mit seinen Nachbarn? Das glauben ja noch nichtmal Hardcore-Antideutsche. Eine der klarsten Kontinuitäten in der israelischen Politik ist doch „Sicherheit vor Frieden“. Das mag man (ich z.T. auch) für notwendig halten, aber Tatsache ist doch, dass sich israelische Regierungspolitik i.d.R. einen Dreck um Frieden mit den Nachbarn schert! Aber vielleicht hast du von Frieden ja auch einen Begriff, der der pax romana nicht fern liegt…

  16. 16 ex-P.F.C. Wintergreen 01. Oktober 2008 um 16:12 Uhr

    Mit „imperialistisch“ meine ich hier jene Staaten, die sich direkt in der Region betätigen. Und deren Interessen treffen sich mit denen der Zionisten dahingehend, dass beide die arabischen Staaten möglichst schwach und möglichst abhängig haben möchten. Und diese beiden wiederum haben ein gemeinsames Interesse mit den autokratischen Herrschern der arabischen Staaten darin, emanzipatorische Massenbewegungen in diesen Staaten zu unterdrücken

    Was soll das heißen von wegen „Zionismen“? – Gab oder gibt es etwa irgendeine zionistische Fraktion, die keinen jüdischen Staat in Palästina haben will? Zwischen Mapai, Mapam, Herat bestand in Bezug auf die politischen Ziele, wenn es darauf ankam, immer Einigkeit. Alle Fraktionen haben an der Aufbauarbeit teilgenommen, haben die anti-arabische Politik der „jüdischen Arbeit“ von Anfang an unterstützt, haben ’67 für die Annexion Jerusalems gestimmt (einzig eine abgespaltene Gruppe der KP hat damals dagegengestimmt), usw

    (Die Leute von Brith-Shalom waren keine Zionisten. Sie wären bereit gewesen, auf die Etablierung es eigenen jüdischen Staates zugunsten des Ausgleichs mit den Palästinensern zu verzichten)

    Und nur als Anmerkung: bereits beim Ausbruch des Koreakriegs hat Israel offen die USA unterstützt

  17. 17 Kuckuck 01. Oktober 2008 um 16:13 Uhr

    Offen gestanden, ich bin es nicht gewöhnt, wenn Menschen miteinander sprechen oder sich schreiben, daß einer den anderen dabei als Wirrkopf bezeichnet. Ich würde mir schon wünschen, daß es hier in Zukunft unterbleibt. Abgesehen davon: was ist denn jetzt schon wieder? Mir ist klar, daß beide Staaten sich unterscheiden, und der Iran nie einen konventionellen Eroberungskrieg führen kann, weil er nie die Chance haben würde ihn zu gewinnen. But now I can see the light: der Iran ist ein demokratischer Staat mit eigentlich funktionierender Gewaltenteilung, man kann dort sich frei wirtschaftlich entfalten, die Entwicklung der Atombombe ist bloßes Machtsymbol (sicherlich auch vom Westen abgeschaut), alles was einem irgendwie Angst machen könnte inklusive massenhaft Toter bloße Rhetorik, kein Jihad nirgends und ein Irrer, wer Tugendterror im Dritten Reich sehen wollte. Und Homophobie mußte man vielen Islamonormativen wohl geradezu aufzwingen, deshalb bekämpfen sie wahrscheinlich auch heute den Westen, wegen seiner Homophobie. Islamfaschismus selbst ist wirklich ein unsinniger Begriff, weil den Iran überhaupt nichts Totalitäres anhaftet, er treu dem politischen und wirtschaftlichen Liberalismus verpflichtet ist, den Kommunismus und die Demokratie auch nie als jüdische Pest begreifen könnte, Kraftmeierei und jegliches Autoritätsgehabe ist ihm ja zum Glück ebenfalls fremd, was mich vor allem sehr beruhigt, und letztlich, wie gesagt, die ganze Führungselite bekämpft jeden diktatorischen Ansatz schon im Keim.

  18. 18 lysis 01. Oktober 2008 um 16:21 Uhr

    @Kuckuck: Es gab im NS „Asyl für Obdachlose“? Ja, wenn man ein KZ so bezeichnen will!

  19. 19 Kuckuck 01. Oktober 2008 um 16:30 Uhr

    Und dann gibt es ja noch die, die im Zweiten Weltkrieg auf amerikanischer Seite gegen die Nazis gekämpft, die vor Ort Spuren der Vernichtung gesehen haben, und denen es beim Sprechen über Raketenangriffe auf Sderot schluchzend die Stimme verschlägt, weil sie vom ganzen Herzen wollen und dachten, daß so etwas nie wieder passiert. Völlig wirr im Kopf solche Menschen, daß die da Parallelen aufmachen. Am Ende ist das auch nur Bürgerprotest.

  20. 20 Entdinglichung 01. Oktober 2008 um 18:29 Uhr

    was das Label für das Regime in Tehran angeht, werden seitens der iranischen Linken unterschiedliche Begriffe verwendet: „theocratic regime“ (HOPI), „islamic regime“ (CPI & WPI), „unique form of capitalist dictatorship“ bzw „bourgeois-clerical regime“ (IRMT), Rah-e Kargar hat in den 1980ern von „Faschismus“ gesprochen, etc.

    @Wintergreen: Herat … bist da anscheinend ein Nahost-Experte?

  21. 21 abdel kader 01. Oktober 2008 um 20:51 Uhr

    Ummasozialismus: soll ein Begriff sein, der Unterschied und Nähe zu dem des National-sozialismus darstellen kann, gerade bezogen auf Iran. Hauptunterschied ist eben der schwache Nationalismus, man orientiert sich nur an der einen stets voranzuschiebenen Glaubensgrenze anstatt an der des Volks, der Nation und des dazugehörigen Bodens. Beide gleich im Opfer- und Vernichtungswillen, und das Sozialistische soll im Iran wohl auf das anspielen, was es auch im Dritten Reich war: starker autoritärer Staat, Asyl für Obdachlose, Gemeinschafts- oder Gleichheitsideologie, Abschaffung des Marktes.

    Mensch Kuckuck, der Iran bezeichnet sich doch nicht selbst als „ummasozialistisch.“ Von daher ist es dumm von „das Sozialistische im Iran“ zu sprechen.
    Übrigens sind die Mullahs an der Macht sehr wohl nationalistisch (mehr als „schwach“) und den Markt wollen sie auch nicht abschaffen, wäre ja blöd, da ihnen ein nicht unwesentlicher Teil des Kapitals gehört.

    P.S. Wusste gar nicht dass der NS den Markt abschaffen wollte. Das behauptet ja nicht mal Postone.

  22. 22 nachdenklich 02. Oktober 2008 um 3:13 Uhr

    „Denn »Pro Köln« ist keine nukleare Bedrohung, sondern ein Haufen, der auf solche Gelegenheiten wartet, um der angeblich freiheitsfeindlichen »PC«-Gesellschaft entgegen treten zu können.“

    Und die örtlichen Nazi-Hools, die jedem Neger und jeder Zecke ein paar auf’s Maul hauen, sind auch nicht der Iran und dürfen deshalb nicht verhauen werden, weil sie „auf solche Gelegenheiten warte[n], um der angeblich freiheitsfeindlichen »PC«-Gesellschaft entgegen treten zu können.“

  23. 23 Simone 02. Oktober 2008 um 9:58 Uhr

    Da hier zuweilen von „Zionisten“ in einer völlig unreflektierten Form die Rede ist – und dieser, positiv formuliert, analytischen Kategorie durchweg negative Beschreibungen zuteil werden –, hier mal ein kurze Erklärung eines Administrators dieses Weblogs:
    Beiträge, in denen die Jungle World kritisiert wird, ziehen scheinbar Antizionisten an wie der Kuhfladen die Fliegen. Wir machen uns nicht mit solchen ressentimentgeladenen Äußerungen gemein. Wir halten Israel für die notwendige Konsequenz aus dem exterminatorischen Antisemitismus. Und vor allem kennen wir die Kategorie des sekundären Antisemitismus. Der einzige Grund, sie nicht zu löschen, ist unsere scheißliberale Einstellung.

    Danke für die Aufmerksamkeit.

  24. 24 Earendil 02. Oktober 2008 um 10:03 Uhr

    @Wintergreen: Nochmal: ALLE Staaten sind per se imperialistisch, auch die arabischen, die mit Israel und untereinander um die Vormachtstellung im Nahen Osten kämpfen. Da starke arabische Staaten in der Vergangenheit immer zu einer existenziellen Bedrohung für Israel wurden, ist klar, dass das seinen Interessen entgegenstand. Und dass Israel kein Freund der „emanzipatorische Massenbewegungen“ in den arabischen Staaten war, ist auch verständlich, wenn man bedenkt, dass diese Bewegungen ihre Regierungen in Punkto Antizionismus meist noch übertrafen. Dass Zionisten keine Antizionisten mögen, halte ich weder für verwunderlich noch für verwerflich.

    @Kuckuck:
    „Offen gestanden, ich bin es nicht gewöhnt, wenn Menschen miteinander sprechen oder sich schreiben, daß einer den anderen dabei als Wirrkopf bezeichnet.“
    Na, du liest wohl noch nicht lange Internetdiskussionen? :-) Aber die Polemik kann ich ja auch lassen, tut ja nichts zu Sache.

    Wenn der Iran unbedingt wöllte, könnte er wohl auch in gewissem Rahmen Eroberungskriege führen, der Irak etwa konnte es ja auch. Der Rest des Absatzes ist nur eine verdrehte Widergabe dessen, was ich geschrieben habe. Wenn du schon eine Nähe von (iranischem) Islamismus und NS behaupten willst, musst du das schon irgendwie schlüssig begründen. Dass beides Scheiße ist, reicht nicht!

    Dass die Entwicklung der A-Bombe vom Westen abgeschaut ist, willst du doch nicht wirklich bestreiten, oder? Zum „Homophobieexport“ hat Lysis viel geschrieben (u.a. ein ganzes Buch), so dass ich nur darauf verweise. Tugendterror im NS kann ich nicht erkennen, beleg das doch mal! (Vielleicht könnte man noch die Schwulenverfolgung darunter fassen, bin ich mir aber nicht sicher.) Von welchen „massenhaft Toten“ sprichst du denn? Und im Iran kann man sich nicht „frei wirtschaftlich entfalten“? Mit „Machtteilung“ meinte ich natürlich keine Gewaltenteilung wie in westlichen Demokratien, aber Fakt ist doch, dass die Macht im Iran auf mehrere Stellen verteilt ist und eben nicht einem Führerstaat entspricht.

    Wenn bei Menschen in Sderot, die im 2. WK gekämpft haben, alte Traumata wieder geweckt werden, ist das verständlich, aber wenn unbeteiligte wie du da Parallelen ziehen ist das… nunja, zumindest falsch.

    (Bin die nächsten Tage off.)

  25. 25 lysis 02. Oktober 2008 um 22:20 Uhr

    Also, Schwulenverfolgung ist doch nichts Faschistisches! Das hat doch noch jeder demokratische Staat gemacht, von der BRD über Britannien bis zu den USA.

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