Geht’s noch, Spiegel?

Deutsches „Qualitätsmedium“ zurück im 19. Jahrhundert?
Aktuelles Spiegelcover

Ergänzung:
Hier hat der Spiegel ein sehr geschmackvolles Schlachtgemälde des Malers Friedrich Tüshaus (1832 – 1885) verwendet:
Die Varusschlacht von Tüshaus
Germanenkult und blutrünstiger Fremdenhass gehen halt in Deutschland immer noch gut. Immerhin ist man ehrlich, was man sich unter schwarz-rot-gelben Werten vorstellt.


14 Antworten auf „Geht’s noch, Spiegel?“


  1. 1 lipstickisrael 14. Dezember 2008 um 20:35 Uhr

    bringt spiegel nicht jedes jahr sowas raus????

  2. 2 Earendil 18. Dezember 2008 um 12:29 Uhr

    Und als Ergänzung ein SPON-Interview mit Alexander Demandt – ein Zusammenspiel journalistischer und professoraler Dummheit, bei der man aus dem Kopfschütteln nicht herauskommt: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,596976,00.html

    Über Heroen, „Hermann den Cherusker“, „die Römer mit ihrem kapitalistischen System“, die „nationalgermanische“ (=antirömische) Partei, „Die Germanenfrauen waren sehr fruchtbar“ (und die Kindersterblichkeit hoch, aber ist ja egal)… und zum Schluss landet man in – Walhalla:

    SPIEGEL ONLINE: Welchen historischen Rang billigen Sie dem Volkshelden zu?
    Demandt: In der Ehrenhalle Walhalla bei Regensburg ist das Problem elegant gelöst…

    Ach ja, und wie furchtbar wäre die Geschichte ohne „Hermanns“ Sieg verlaufen: „Goethe und Shakespeare hätte es nie gegeben.“ … „Die Völkervielfalt Europas wäre nicht entstanden. Ein absurder Gedanke, aber dann würden wir heute noch in der Spätantike leben.“

    Absurd, allerdings. Und sowas sagt ein etablierter emeritierter Althistoriker im Jahre 2008… *Kopfschüttel*

  3. 3 Zonengabi 18. Dezember 2008 um 14:04 Uhr

    Eine der Grundlagen einer kollektiv-deutschen Identität war es schon immer, sich eine kontinuierliche und vermeintlich stringente deutsche Geschichte herbei zu halluzinieren.
    Und daran bastelt der Spiegel fleißig mit.
    Dazu gehört übrigens auch, den Holocaust, Auschwitz, die Shoa etc. aus dieser Geschichte heraus zu diskutieren.

    Was Demandt da von sich gibt, ist wirklich abstrus.

  4. 4 Maat 27. Dezember 2008 um 23:08 Uhr

    Wäre ganz Germanien römische Provinz geworden, wäre die Geschichte wahrscheinlich ganz anders und sehr viel positiver verlaufen. Das zivilisatorische Niveau der Römer war unendlich höher las das der Germanen.

  5. 5 Simone 30. Dezember 2008 um 12:54 Uhr

    Darum geht’s hier garnicht. Es geht darum, wie sich eine zeitgenössische Gesellschaft ihre historische Identität konstruiert.

  6. 6 Maat 30. Dezember 2008 um 22:51 Uhr

    Da wird nichts konstruiert, es geht darum, wei bestimmte historische Ereignisse bewertet werden.

  7. 7 Zonengabi 30. Dezember 2008 um 23:11 Uhr

    Haha da wird nichts konstruiert??? Was bist denn du für einer?

    Entweder hast du keine Ahnung oder bist ein Nationaler… obwohl bei Letzterem Ersteres Bedingung ist!
    Willst du allen Ernstes behaupten, es gibt eine kontinuierliche deutsche Geschichte und vlt sogar, dass es zurecht eine darauf bezogene (konstruierte) Identität gibt?

  8. 8 Simone 31. Dezember 2008 um 10:26 Uhr

    @Maat: In der Geschichtswissenschaft hat man meist einen haufen Quellen; hier: ein paar literarische Zeugnisse und archäologische Befunde. Diese muss man erst durch ein bestimmtes Narrativ in einen Zusammenhang stellen. Das ist immer eine Konstruktion, vor allem bei so weit zurückliegenden Ereignissen. (Positivisten können dann noch versuchen dieses Narrativ zu falsifizieren. ;) )

  9. 9 Maat 08. Januar 2009 um 22:59 Uhr

    Was ist denn ein „Narrativ“? Könnte es sein, dass ihr zu viel französische Kaffehausphilosophen lest? Die Frage, wie sich Deutschland entwickelt hätte, wenn es dauerhaft unter römische Herrschaft gelabgt wäre, ist eine durchaus konkrete.

  10. 10 Simone 10. Januar 2009 um 19:14 Uhr

    Herauszufinden wie es „wirklich“ im Teutoburger Wald zuging, ist utopisch. Vor alle bei dieser dünnen Quellenlage. Es kommt darauf an wie man die Sachse erzählt. Zum Beispiel als blutiger Kampf zwischen germanischen Recken und verängstigten Römern wie auf den beiden Bildern oder Beispiel für die strukturellen Grenzen deas Römischen Herrschaftsgebietes.
    Deine letzte Frage ist eher etwas für richtige Schriftsteller, die sich selbstverständlich trotz des Begriffs „Narrativ“ von Historikern unterscheiden.

  11. 11 xx 11. Januar 2009 um 1:12 Uhr

    Die Frage, wie sich Deutschland entwickelt hätte, wenn es dauerhaft unter römische Herrschaft gelangt wäre, ist eine durchaus konkrete.

    Konkret schon, aber spekulativ und nicht beantwortbar; zudem völlig haltlos und nur dem Bedürfnis nach dieser Spekulation geschuldet.
    Keine von Demandts Aussagen, was es dann gäbe und was nicht ist fundiert, sondern er macht Arminius darüber zum Vorläufer Deutschlands, dass er sagt ohne ihn hätte es Deutschland nicht gegeben. Demandt hat ein paar sehr gute Bücher geschrieben (z.B. eins über die Spätantike). Das verhindert offenbar nicht solche dummen Konstruktionen, obwohl er es eigentlich besser wissen müsste.

    Was im Teutoburger Wald los war kann man z.B. im Reallexikon der Germanischen Altertumskunde nachlesen, die Quellenlage ist nicht so dünn. S.42 ff. U.a.:
    ‚die sog. Schlacht im Teutoburger Wald war ein sich über 3-4 Tage hinziehendes Marschgefecht, in dem das röm. Heer allmählich aufgerieben wurde‘

  12. 12 Simone 11. Januar 2009 um 11:38 Uhr

    Okay, ich meine dünn im Vergleich zu zeitgeschichtlichen Ereignissen.

  13. 13 xx 13. Januar 2009 um 16:01 Uhr

    @Simone: Wenn dich das Thema inhaltlich interessieren sollte, dann findet man z.B. hier (pdf) einen interessanten Rekonstruktionsversuch und die vorhandenen schriftlichen Quellen.

    Verglichen z.B. mit dem ersten Weltkrieg sind die Quellen natürlich dünn, aber nicht so dünn, dass man sich keine Vorstellung von der Schlacht machen kann.

  1. 1 Mit Deutschland gegen die Krise « Schorsch’s online Journal Pingback am 15. Dezember 2008 um 21:58 Uhr
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