Widerstands- und Wehrmachtsmärchen

Nun ist es ja bald soweit, der Film „Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat“ kommt in die deutschen Kinos und Deutschland kann wieder seine Widerstands- und Wehrmachtsmärchen („Die meisten Deutschen waren gegen Hitler“; „Die Wehrmacht war an keinem Verbrechen beteiligt“, „…von nichts gewusst…“; etc. etc.) herausholen und einen Volkshelden feiern.
Kritik am Stauffenberg- und Widerstandsmythos findet sich hier.
Dazu, wie ich finde, ein passender(er) Trailer zum Film:

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19 Antworten auf „Widerstands- und Wehrmachtsmärchen“


  1. 1 Simone 05. Januar 2009 um 21:23 Uhr

    Die Amis sind wenigstens noch Materialisten und richten sich nach den Bedürfnissen des deutschen Kinopublikums. Viel schlimmer sind Schirrmacher und der Rest dieser Patriotenheinis, die diesen Mist puschen. Kay Sokolowsky weist übrigens in der KONKRET 1/09 dankenswerterweise darauf hin, dass der Deutsche Filmförderfonds – trotz Produktionskosten von 95 Millionen Dollar – nicht unerhebliche 4,8 Millionen Euro hinzugesteuert hat.

  2. 2 Paolo Pinkel 06. Januar 2009 um 2:19 Uhr

    merci bien. und bald dürfen sich die großväter wieder als gute deutsche fühlen, denn die waren ja auch alle im widerstand (we know: 90%)

  3. 3 Simone 06. Januar 2009 um 11:14 Uhr

    Na hör‘ mal, du Pinkel! Im NS-Staat gab es Widerstand bis zu 100000 Ohm. (vgl. Titanic 1/09, S. 63.)

  4. 4 lysis 06. Januar 2009 um 13:30 Uhr

    Kay Sokolowsky weist übrigens in der KONKRET 1/09 dankenswerterweise darauf hin, dass der Deutsche Filmförderfonds – trotz Produktionskosten von 95 Millionen Dollar – nicht unerhebliche 4,8 Millionen Euro hinzugesteuert hat.

    Das ist lustig. Der preisgekrönte amerikanische Dokumentarfilm „Paragraph 175“, der die NS-Schwulenverfolgung behandelt, wurde von der BRD nicht nur nicht gefördert, sondern musste dem deutschen Staat für die Verwendung von Archivmaterial aus dem „Dritten Reich“ auch noch jede Menge Kohle überweisen. Aber naja, ich bin wahrscheinlich naiv und reichlich staatsidealistisch, wenn ich mich darüber aufrege…

  5. 5 lahmacun 06. Januar 2009 um 14:16 Uhr

    Die Amis sind wenigstens noch Materialisten und richten sich nach den Bedürfnissen des deutschen Kinopublikums. Viel schlimmer sind Schirrmacher und der Rest dieser Patriotenheinis, die diesen Mist puschen.

    schirrmacher hat halt das gleiche bedürfnis wie (die mehrheit) des deutschen publikums, sitzt aber halt in ner position, in der er das zusätzlich noch verwurschten kann. dem 08/15-nationalisten bleibt da nur der stammtisch. aber von nix kommt nix, ohne ne drahtung zu den stammtischöffentlichkeiten lässt sich kein mainstreammedium machen.
    dbzgl hat saxer (für die schweiz) ja auch nachgewiesen, dass zB wahlen am stammtisch entschieden werden, nicht alleine in den nachrichten.

  6. 6 lahmacun 06. Januar 2009 um 14:18 Uhr

    anders gesagt: auch in deutschland müssen sich medienmacher daran orientieren, was sich verkauft.

  7. 7 Kuckkuck 06. Januar 2009 um 16:21 Uhr

    Die Amis richten sich nach den Bedürfnissen des deutschen Publikums? Haben die Deutschen immer noch nicht gelernt, daß sie nicht das Zentrum des Universums sind? Es ist vor allem ein Film für die USA, beim Verkauf der Auslandsrechte wird man nicht mehr drauf spekuliert haben, als daß in Deutschland ein Nazi-Film traditionsgemäß diskutiert werden wird, zumal einer mit Cruise, so daß man dann vielleicht einen kleinen Zuschlag beim Verleih verlangen kann. Aber inhaltliche Anpassungen an deutsche Erinnerungskultur? Vielmehr scheint die deutsche Interpretation (Stauffenberg, der Held und freedom fighter) in den USA bei vielen für gültige Geschichtsschreibung gehalten zu werden.

  8. 8 lahmacun 06. Januar 2009 um 17:36 Uhr

    der konkret autor meinte, dass man v.a. auf das deutsche publikum schielen würde beim geschäft. ist halt die frage.

  9. 9 Kuckkuck 06. Januar 2009 um 20:04 Uhr

    Woher wissen sie, was das deutsche Publikum braucht und warum gibt der um Minderheiten besorgte Bryan Singer es ihm? Und bringt das fürs Geschäft soviel ein? Desweiteren war der Film lange eine Art B-Movie, bis Cruise eine Menge seines Geldes noch hineinsteckte. Vielleicht wurde danach ja das ganze Drehbuch umgemodelt. Wenn nicht, hätte es ein verzweifeltes Schielen sein müssen.

    Ich glaube, es ist vielmehr wirklich so gewollt von Hauptdarsteller und Regisseur. Der wollte einen historisch-korrekten Film, weil er Geschichtsfan ist, und jener bei einem großen Drama mitspielen. Und beide wollten es, weil sie so fasziniert waren von der Geschichte, den Schauplätzen des historischen Geschehens, dem Widerstand, dem Mut, und wahrscheinlich auch von den deutschen Schwätzern der Kultstätte Deutscher Widerstand…

  10. 10 Zonengabi 07. Januar 2009 um 0:34 Uhr

    Ist doch zweitrangig ob der Film für das deutsche Publikum gemacht wurde oder nicht. Die Kritik sollte sich doch eher gegen die sicherlich wiederaufkommenden Diskurse um den deutschen Widerstand, speziell der Leute um den 20. Juli, wenden.

  11. 11 Kuckkuck 08. Januar 2009 um 12:15 Uhr

    Stimmt ja auch. Deshalb hat ja auch Daniel Craig bei Defiance mitgespielt, der fast zeitgleich mit Valkyrie ins Kino kommen müßte. Das wäre schon sehr interessant, wenn die Besucherzahlen vor allem in Deutschland zu bekommen wären. Eigentlich beschönigt der offizielle Trailer von Valkyrie nichts: we must show the world the we are not all like him. Ja, die deutsche Ehre. Im Trailer des ersten wahren Widerstandsfilm des neuen Jahres wird ganz praktisch zuerst an das Leben der potentiellen Opfer gedacht: we will protect you. Und daher an Freiheit: freedom begins with an act of defiance. Und deshalb auch begann die Freiheit in Deutschland erst mit ihrer Einführung durch die Alliierten.

  12. 12 antifaunited 12. Januar 2009 um 10:31 Uhr

    Es ist schon interessant das ausgerechnet ein Anhänger einer pseudoreligiösen faschistischen Sekte, die sich auch in Europa unter dem Deckmantel der Meinungs- & Religionsfreiheit breit macht, einen Widerständler spielt.

    Aber so ist das eben in einem Land, in dem Nazikriegsverbrecher nach ihrem Tod zu Widerständlern umgedichtet werden und wirkliche Antifaschisten mit aller Härte verfolgt und eingesperrt werden.

  13. 13 bigmouth 13. Januar 2009 um 13:46 Uhr

    der konkret autor meinte, dass man v.a. auf das deutsche publikum schielen würde beim geschäft. ist halt die frage.

    das ist unfassbarer schwachsinn. hat der typ sich mal angeschaut, wie das budget so eines hollywood-films aussieht, (in dem fall lt wikipedia 75-90 mio $) und wo idR ca. 50% der ticketeinnahmen erzielt werden? tipp: mit den kinofaulen deutschen kann man das überhaupt nich reinkriegen

  14. 14 bigmouth 13. Januar 2009 um 14:39 Uhr

    as of January 5, 2009 it has grossed $61,831,659

    in den USA alleine, in 2 Wochen. solche zahlen kriegt man in deutschland nur bei absoluten blockbustern in der gesamten laufzeit hin

  15. 15 Simone 13. Januar 2009 um 19:50 Uhr

    Bleibt die Fragen nach dem warum. In den USA hat man es ja wohl eher weniger nötig sich eine Legende vom militärischen Widerstand zurechtzulegen. Oder wird das dort als Gleichnis auf irgendetwas anderes gesehen?

  16. 16 bigmouth 13. Januar 2009 um 23:22 Uhr

    die halten ds einfach für ne tolle story. was n daran so verwunderlich?

  17. 17 Oompa Loompa 14. Januar 2009 um 1:49 Uhr
  1. 1 Epstein/Friedman - Paragraph 175 (USA 2000) « f*cking queers Pingback am 06. Januar 2009 um 15:41 Uhr
  2. 2 Wäh wäh… « Kaffee, Kuchen…Kommunismus! Pingback am 26. Januar 2009 um 13:03 Uhr
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