Spiel doch mal Zuhälter…

Es gibt ja im Internet allerhand Online-Rollenspiele wo Zocker und Dauergelangweilte, die nicht wissen, etwas besseres mit ihrer Zeit anzufangen, stunden- und tagelang in Fantasiewelten, ob nun als Anführer einer mittelalterlichen Dorfsippe, als Kämpfer in der World of Warcraft oder als Avatar im Second Life abtauchen können. Therapieplätze und -angebote gibt es bereits.
Doch wer braucht schon die Barbarei und Gewalt einer Fantasiewelt, wenn er auch reale Zwangs-, Gewalt- und Unterdrückungsverhältnisse virtuell nachspielen kann.

Prostitution als Spiel, Spass und mit tollen Gewinnen. So könnte man das Onlinespiel nutten-game.net kurz beschreiben.

Spielanleitung

Bei diesem Spiel musst Du soviele Freier wie möglich zu deinen Nutten bringen, indem Du Leuten einen Link zuschickst und bei dessen Aufruf ficken die Freier eine deiner Nutten und du kassierst fett 50 bis 200 € pro Fick.

Ziel ist es so viele Nutten wie möglich auf den Strich mit Freiern zu versorgen und durch cleveres Management den Gewinn zu maximieren.

Die Person, durch dessen Internetpräsenz ich auf dieses „nette“ Spiel gestoßen bin, hat sich

heute schon den Schwanz wundgefickt!
Über-Boss Zuhälter: hennesy hat bis jetzt insgesamt 14783 €uro eingetrieben!

So kann man(n) auch virtuell seinem Bedürfnis nach Macht, (sexueller) Gewalt und Beherrschung von Frauen nachkommen.
Laut der Internetseite spielen schon fast 348.000 Menschen dieses widerliche Spiel.

EDIT: Selbstverständlich sind nicht nur Frauen nach dem Bild heteronormativer Verhältnisse dem System/den Verhältnissen der Prostitution unterworfen. Auch Transsexuelle, Transgender, sog. Ladyboys/Shemales, Männer etc. gehen der Prostitution nach bzw. müssen dies aus versch. Gründen tun.

Des Weiteren verweisst Lahmacun im Kommentar zurecht auf ein kritisches Verhältnis zu psychatrischen Praktiken/Institutionen hin.
Ebenso soll der Verweis auf die Barbarei und Gewalt der Fantasiewelten von Computerspielen nicht als moralisierende Kritik an eben diesen Spielen verstanden werden. Ich sehe in den Spielen keinen Auslöser von Gewalt, Amokläufen etc., wie es auf bürgerlicher und konservativer Seite immer wieder formuliert wird („Killerspiele“), wie z.B. dieser Blödsinn. Es bezog sich lediglich auf den Modus der Spiele, der (z.B. das Dahinschlachten von virtuellen Gegnern) durchaus unterhaltsam sein kann.


17 Antworten auf „Spiel doch mal Zuhälter…“


  1. 1 lahmacun 02. Februar 2009 um 17:50 Uhr

    mal abgesehen vom rest: computerspielsucht ist noch nicht in den standard-handbüchern verankert – und es ist zu hoffen, dass das auch so bleibt, weil diese scheißpsychiatrie nur geil ist auf jobs und cash. und wenn die dafür jede menge leute internieren müssen, dann manchen die das einfach! nicht ohne grund ist in china die forschung dazu „am weitesten“ – da sperrt man allzu neugierige internetsurfer mit der diagnose „internetsucht“ ins arbeitslager!
    es gibt bislang keine !!! einzige repäsentative studie, die die existenz von computerspielsucht oder internetsucht belegn würde. laut nicht-repeäsentativer studien sind zuvorderst betroffen von dieser pseudo“krankheit“ arbeitslose, sozial isolierte, krank etc.
    da wird wieder mal ein gesellschaftliches problem im ganz großem stile pathologisiert und weggesperrt! zu kotzen!

    bitte, bitte, bei sowas kritischer sein und nicht einfach ohne zu hinterfragen solche links posten!

  2. 2 lahmacun 02. Februar 2009 um 17:55 Uhr

    zur „barbarei“ der fanatsiewelt: bitte, auch das ist eine zuvorderst konservative sichtweise von digitalen spielen.

    guck mal:
    http://tinyurl.com/bu9tto

  3. 3 lampe 02. Februar 2009 um 18:55 Uhr

    @lahmachun: und warum findest du das jetzt schlecht? dass es konservativ ist, ist ja ok, aber wo bleibt deine meinung? aus dem link bin ich nicht schlau geworden…

  4. 4 lahmacun 02. Februar 2009 um 19:14 Uhr

    der link ist ein hinweis auf eine tagung, die in ca. 1 1/2 monaten stattfindet, und die sich um das thema digital games dreht. mit forscher_innen aus aller welt.

    zum schlecht finden: es ist nachgerade typisch gesellschaftliche phänomene auf die jeweils neuen medien zu projizieren. im 18. jahrhundert fürchtete man sich vor der lesesucht, anfang des 20. jh vor der radiosucht, dann fernsehsucht, jetzt ist halt der pc und das internet dran. alles humbug und eine blöde geschäftemacherei und pathologiserung. immer dasselbe.

    man weiß aber heute zB, dass das spielen in wow zB auch soziale kompetenzen stärkt. die menschen vereinsamen da nicht zuhause, wie sich das viele bewahrpädagog_innen vorstellen.
    natürlich muss man spiele kritisch betrachten, aber bitte doch nicht so platt konservativ.

    bogost hat sich zB mit der rhetorik von spielen auseinandergesetzt, auch mit progaganda: http://www.persuasivegames.com/
    das ist aber halt ein anderes niveau. konservatives iiiii bringt einen nicht weiter. oder will man etwa spiele und pcs verbieten? huh!

  5. 5 lampe 02. Februar 2009 um 19:21 Uhr

    achso, das ist klar, ich dachte du beziehst dich auf babarische spielhandlungen. gehe jetzt gta spieln und töte da n paar zivilistInnen die mir so übern weg laufen… ;-)

  6. 6 lahmacun 02. Februar 2009 um 19:30 Uhr

    >und töte da n paar zivilistInnen die mir so übern weg laufen…

    auf der ganzen welt tötet man in der realität mithilfe moderner mittel menschen. wieso soll sowas „barbarisch“ sein? – das halte ich für den falschen gegensatz. wie auch immer. viel spaß.

  7. 7 lampe 02. Februar 2009 um 20:48 Uhr

    hatte ich nicht als babarisch gemeint, sry häte nen absatz machen sollen.

  8. 8 critiqueaujourdhui 02. Februar 2009 um 20:55 Uhr

    @lahmacun: Der Link sollte auch niemals eine Affirmation psychatrischer Praktiken etc. sein! Es war eher konstatierend gemeint. Aber ich gebe dir recht, man könnte es affirmativ lesen, ich war zu unkritisch.
    Man sollte aber nicht die Problematik des Suchtverhaltens und die notwendige Hilfe aus den Augen verlieren. Ich denke, dass sich durchaus Suchverhalten entwickeln kann.

    Zur Barbarei…das war ein bissel auf den Modus von WoW und ähnlichem bezogen. InDiablo gibt es zum Beispiel die Figur des Barbaren und in WoW geht es doch u.a. auch um solche Figuren und um deren (die Spielfigur) Handlungsweisen…Gegner abschlachten etc. .

    Ich wollte nicht in die Kerbe des Diskurses um Barbarei und Aufklärung hauen ;)

    Ach und ich spiele gelegentlich selbst ähnliche Spiele wie Wow. Es gibt aber Grenzen, wo man sich echt fragen muss. Nicht erst so ein Scheiß wie nutten-game.net, sondern z.B. das sehr beliebte GTA. In der Ausgabe GTA San Andreas kann man beliebig Passanten mit allerlei Waffen töten. So kann man mit Baseballschlägern auf Frauen einprügeln und die Spielfigur bezeichnet diese nebenbei als „Bitch“. Ich weiss nicht, ob man da so kritiklos sein sollte, selbst mit Verweis auf die Realität.

  9. 9 krass! 05. Februar 2009 um 13:33 Uhr

    In der Ausgabe GTA San Andreas kann man beliebig Passanten mit allerlei Waffen töten. So kann man mit Baseballschlägern auf Frauen einprügeln und die Spielfigur bezeichnet diese nebenbei als “Bitch”. Ich weiss nicht, ob man da so kritiklos sein sollte, selbst mit Verweis auf die Realität.

    Aber genau das wird dir wohl entgegen gehalten: passt halt zum Ghetto-Gangster-Getue von GTA: San Andreas.

  10. 10 goodbyegoodbye 09. Februar 2009 um 20:07 Uhr

    @lahmacun

    vielleicht solltest du mal überprüfen ob du nicht vor lauter antipsychiatrischem reflex ein problem, welches nun einmal pathologische züge trägt, verharmlost oder ist da etwa jemand selbst betroffen und versucht zu verdrängen…
    mal ganz abgesehen davon, sind solche scheinerkenntnisse wie „weil diese scheißpsychiatrie nur geil ist auf jobs und cash“ in einer kapitalistischen gesellschaft einfach nur lächerlich.

  11. 11 lahmacun 10. Februar 2009 um 22:54 Uhr

    oder ist da etwa jemand selbst betroffen und versucht zu verdrängen…

    ne, es ist noch viel banaler: das ist einer meiner forschungsschwerpunkte.

  12. 12 lahmacun 10. Februar 2009 um 23:11 Uhr

    wer sich einlässt auf die geschichte des mediengebrauchs, auf die geschichte des lesens von büchern, des besuchs von kinos, des sehens von fernsehfilmen und des umgangs mit dem video, dem drängt sich das gefühl auf, mit der krankengeschichte einer mediengestressten gesellschaft konfrontiert zu sein: da wimmelt es von kommunikationsgestörten familien, von fantasielosen, fernsehkranken und computerautistischen kindern, von hörgeschädigten, hedonistischen, infantil-aggressiven jugendlichen, die sich in techno-trance zu tode amüsieren. und es wäre wohl in der tat alles vergebens, wenn es nicht jene selbst ernannten kulturkritischen obrigkeiten gäbe, die selbstlos und allwissend rezepturen verteilen, um eine medienkranke, gar abhängige gesellschaft zu heilen, zumindest ihre schmerzen zu lindern.
    so ist denn die historie des medienumgangs auch die historie pädagogischer heilungsvorschläge, und die historie erzieherischer patentrezepte ist die geschichte von fehleinschätzungen und dem technokratischen glauben an erzieherische allmacht und machbarkeit.

    rogge, jan-uwe (2000): medien und süchte – eine exemplarische bestandsaufnahme. in: poppelreuter, stefan/ gross, werner (hg): nicht nur drogen machen süchtig. entstehung und behandlung von stoffungebundenen süchten. beltz psychologie verlags union. (im original mit großschreibung; bin nur zu faul)

    beschäftige dich doch bitte mal mit dem thema, bevor du andere nach lust und laune pathologisiert.

  13. 13 lahmacun 10. Februar 2009 um 23:15 Uhr

    ein problem, welches nun einmal pathologische züge trägt
    nenne mir bitte eine repräsentative studie, die die existenz von pathologischem internetgebrauch und/oder pathologischr computer(spiel)nutzung bestätigt.

  14. 14 forscher-san 10. Februar 2009 um 23:50 Uhr

    Warum muss eine Studie denn bitte repräsentativ sein, um zu bestätigen, dass es ein Phänomen g i b t? Nicht-repräsentative Studien haben ja schon definiert, was Internetsucht ist und Opfer gefunden (z.B. HU Berlin). Jetzt könntest du höchstens deren Kriterien kritisieren, aber dein Einwand, es habe keine repräsentative Studie gegeben, ist unsinnig.
    Fakt ist auch: Du sitzt zu viel am Computer. Geh mal wieder raus.

  15. 15 MPunkt 11. Februar 2009 um 8:34 Uhr

    Fakt ist auch: Du sitzt zu viel am Computer. Geh mal wieder raus.

    Und das objektive Kriterium für zu viel ist bitte?

  16. 16 lahmacun 11. Februar 2009 um 9:29 Uhr

    eben.

    es gibt keine akzeptierte definition. „zu viel“ wird willkürlich gesetzt (vgl. six 2007). forscher mussten auch schon, als sie die ergebnisse reproduzieren wollten, feststellen, dass ihre schlussfolgerungen falsch waren. (da spielt eben die repäsentativität ne rolle.) teilweise widersprachen/sprechen sich die ergebnisse massiv.

    auch wölfling hat erst vor kurzem zugeben müssen, dass es bis jetzt kaum valide daten gibt. – trotzdem behauptet er stur, dass man seine ambulanz braucht.

    was hier vor sich geht, habe ich oben schon geschrieben: es werden gesellschaftliche probleme pathologisiert. selbstverständlich gibt es menschen, die zB das internet exzessiv nutzen. explorative studien weisen darauf hin, dass das v.a. menschen betrifft, die sozial isoliert sind und deren probleme nicht anerkannt werden: hausfrauen, (psychisch) kranke, arbeitslose. der auslöser ist also nicht das internet.
    als der roman aufkam, haben frauen viel gelesen (und es kam die debatte über lesesucht auf), weil sie da einen raum für sich fanden – zwar nur einen virtuellen, aber ‚immerhin‘. ihnen wurde nämlich im realen kein raum zugestanden.

    wer mal die ausführungen von kimberly young zum thema internet sex addiction liest, merkt schnell, um was es geht. das internet soll schuld dran sein, dass „das fass aufgemacht wird“. es ist wirklich schrecklich: menschen, deren sexuelles begehren marginalisiert wird in der real existierenden gesellschaft, findem im netz nischen. durch die anonymität trauen sich menschen ihr begehren zu thematisieren. dort können sie sich dann austauschen, ohne gleich als krank abgestempelt zu werden.
    kommmt bei young jemals vor, dass das problem die gesellschaft ist, die definiert, welch sexuelles begehren „normal“ ist und welches „anormal“? – nein, selbstverständlich nicht. die betroffenen sollen in ne therapie, damit sie dann wieder so leben wie vorher. da geht’s um anpassung.

    das ist das zentrale problem.

  1. 1 Marginalien: Ficken, Volksfreund « critique aujourd‘hui Pingback am 22. November 2011 um 23:59 Uhr
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