Deutschlands Stosstrupp

Deutschlands Stosstrupp
Der „ Bund der Vertriebenen“ in der deutschen Nachkriegsgeschichte

mit Erich Später

Am 5. August 1950 versammelten sich Sudetendeutsche und andere Nationalsozialisten in Stuttgart, um die „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ zu unterzeichnen. Dass sie die „vom Leid dieser Zeit am schwersten Betroffene“ seien, stellten sie darin ausdrücklich fest. Was in der Zeit von 1933 bis 1945 geschah, vergaßen sie zu erwähnen. Bei einem solch akuten Gedächtnisschwund verwunderte es auch nicht, dass seit Gründung der Bundesrepublik der BDV und seine Vorläuferorganisationen eine der größten Förderer der Reintegration der NS- Eliten auf allen Ebenen der bundesrepublikanischen Gesellschaft waren. Über Jahrzehnte verfügten ehemalige NS-Aktivisten und ihre Hilfstruppen über großen Einfluss im BDV und seinen angegliederten Landsmannschaften. Gemeinsam bestimmten sie die bundesrepublikanische Erinnerungspolitik, in deren Zentrum vielfältige Formen des Gedenkens der deutschen „Opfer“ zelebriert wurden. Lange weigerten sich die Vertreter der „Heimatvertriebenen“ die Ergebnisse des 2. Weltkrieges zu akzeptieren und forderten stattdessen die Revision der europäischen Nachkriegsordnung. Noch 1990 stimmten die BDV Mitglieder im Bundestag gegen die Annerkennung der Oder- Neiße Grenze. Doch erst im Jahr 2008 beschloss der deutsche Bundestag unter maßgeblicher Beteiligung des „Bundes der Vertriebenen“ die Einrichtung einer Dauerausstellung, in der besonders an „das Leid der deutschen Vertriebenen“ erinnert werden soll. Es ist zu befürchten, dass der BDV und seine publizistischen und politischen Helfer die Konzeption der Ausstellung bestimmen werden. Damit haben es die Volkstumskämpfer um Erika Steinbach mit einer ihrer wichtigsten Forderungen in die bundesdeutsche Öffentlichkeit geschafft. Wie das bewertet werden muss und welche Akzente die Ausstellung in Berlin setzen wird, darüber spricht Erich Später.
Erich Später ist Geschäftsführer der Heinrich Böll Stiftung Saarland und regelmäßiger Autor des Magazins „ Konkret“. Im Konkret Literatur Verlag ist von ihm zuletzt erschienen: „Kein Frieden mit Tschechien- die Sudetendeutschen und ihre Landsmannschaft“.


Donnerstag, 04.06.2009
18.30 Uhr, Melanchthonianum
Universitätsplatz, Halle/Saale

Eine Veranstaltung des Arbeitskreises ‚Alternatives Vorlesungsverzeichnis‘ des Studierendenrates der MLU in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt


2 Antworten auf „Deutschlands Stosstrupp“


  1. 1 Anette 28. Mai 2009 um 15:01 Uhr

    Das ist ja geil: „Sudetendeutsche und andere Nationalsozialisten“. Großartiger Ankündigungstext verspricht großartigen Vortrag.

  1. 1 ambivalenz Trackback am 02. Juni 2009 um 22:13 Uhr
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