»Gibt es eine faschistische Avantgarde? Vom Futurismus bis zu den Weathermen«

Mit Dr. Thomas Hecken

Identifiziert man den Faschismus mit dem deutschen Nationalsozialismus und die Avantgarde mit einer modernen künstlerischen Bewegung, dann ist die Antwort auf die Frage klar: Eine faschistische Avantgarde gibt es nicht – dies zeigt allein die Verfolgung so genannter „entarteter Kunst“ überdeutlich. Weitet man aber den Blick, wird die Sache schnell wesentlich facettenreicher. Dann zeigen sich seit dem italienischen Futurismus vielfältige Überschneidungen zwischen Faschismus und Avantgarde, die oftmals von einem geteilten anarchistischen Erbe herrühren. Die Kritik bürgerlicher Routinen, die Feier des plötzlichen Umschlags, der direkten Aktion, der vital-männlichen Gewalt stellen die wichtigsten solcher geteilten Prinzipien dar.
Der Vortrag möchte an Hand verschiedener historischer Beispiele, die bis in die Gegenwart reichen, einige systematische Anmerkungen zu diesen Überschneidungen von Avantgarde und Faschismus liefern – und er will dadurch zuletzt die Frage aufwerfen, ob davon auch libertär gemeinte Programme der Rebellion und Revolte durchsetzt sind.

Dr. Thomas Hecken ist seit 2004 Privatdozent für Deutsche Philologie am Germanistischen Institut der Ruhr-Universität Bochum und vertritt dort seit dem WS 2007/08 eine Professur für Neugermanistik. Veröffentlichungen zuletzt u.a.: »Gegenkultur und Avantgarde 1950-1970« (Tübingen 2006); »Avantgarde und Terrorismus« (Bielefeld 2006); »Pop. Geschichte eines Konzepts 1955-2009« (Bielefeld 2009).

Dienstag 10.11.2009. 18:30 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Eine Veranstaltung der Reihe Kritische Intervention des Arbeitskreises Alternatives Vorlesungsverzeichnis des Studierendenrates der MLU in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt


3 Antworten auf „»Gibt es eine faschistische Avantgarde? Vom Futurismus bis zu den Weathermen«“


  1. 1 troubledfriend 04. November 2009 um 2:17 Uhr

    Gehst du da hin? Könntest du die Thesen kurz zusammenfassen? Mich würde vor allem die anarchistische Bewegung in Italien um 1900 mit all ihren Fehlern interessieren und auf deren Einfluss auf die Futuristen, von denen einige wohl aus der Ecke kamen. Und in der Hinsicht vor allem eben die Reflexion des Gewaltaspekts. Mir scheint, als hätten sie vor dem Hintergrund der individuellen Attentate und gewaltsamen Streiks in Italien den Anarchismus auf die „Lust an der Gewalt“ reduziert bzw. sich nicht weiter mit dem Anarchismus und der Gewaltfrage auseinandergesetzt, die z.B. der italienische Anarchist Errico Malatesta aufgriff. Sind die Futuristen also wirklich Erben des „italienischen“ Anarchismus? Wär fein wenn du etwas über den Anarchismus in Italien dieser Tage sagen könntest.

  2. 2 Simone 04. November 2009 um 10:44 Uhr

    Hmm, ueber den Inhalt des Vortrages kann ich nicht mehr sagen, als im Ankuendigungstext steht.
    Zur Diskussion wird aber genug Zeit da sein.

    Ansonsten: Annette uebernehmen sie!

  1. 1 »Gibt es eine faschistische Avantgarde? Vom Futurismus bis zu den Weathermen« « ambivalenz Pingback am 10. November 2009 um 9:12 Uhr
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