Der Faschismus in Ungarn – heute und damals

Jobbik, die rechtextreme Partei Ungarns, konnte bei der Europawahl 14,8% der Stimmen und drei von 22 Mandaten gewinnen. Die rechtspopulistische Partei Fidesz, die seit Ende der 1990er Jahre versucht auch die Extremrechte zu integrieren, erhielt sogar 56,4% der Stimmen. Dieses, nicht unerwartete Ergebnis, ist der höchste Sieg der Rechten seit der Wende in Ungarn. Untermalt wird dieses Szenario von regelmäßigen Hiobsbotschaften aus dem einst liberal wirkenden Staat. Das Straßenbild Ungarns erhielt 2006 eine neue Facette: Die Ungarische Garde („Magyar Gárda“). Diese paramilitärische Organisation marschiert im Gleichschritt mit schwarzen Uniformen, Schirmmützen, Springerstiefel und Halstücher in den rot-weiß gestreiften Farben, die zuletzt die magyarischen Faschisten der Nazizeit trugen. Sie erinnert nicht nur in ihrer äußeren Erscheinung an die NS-Zeit. Seit ihrer Gründung werden in der Presse auch wieder Pogrome an Roma gemeldet. So starben im letzten November vier Roma durch Handgranaten und Gewehrschüsse. Ob sie im direkten Zusammenhang mit der Ungarischen Garde stehen, ist zwar nicht bewiesen, aber antiziganistische und antisemitische Parolen stehen bei der Magyar Gárda auf der Tagesordnung und werden auf der Straße laut verkündet. Beängstigend ist das Wirken dieser Ideologien bis tief in die ungarische Gesellschaft, die bis dato noch nicht mit Protestaktionen auf sich aufmerksam gemacht hat. Anlässlich des Friedensvertrags von Trianon (1920) konnten in diesem Jahr hunderte Rechtsextremisten vor den Botschaften der Slowakei, Serbiens und Rumäniens ungestört für die Wiederherstellung „Großungarns“ demonstrieren. Verstärkt durch die Auswirkungen der Finanzkrise ist anzunehmen, dass der starke Nationalismus und Rechtsextremismus über alle Gesellschaftsschichten hinweg, die rechten Parteien bei den Parlamentswahlen im nächsten Jahr an die Macht bringen werden.
Wir möchten in einem Vortrag über das Anwachsen nationalistischer, antiziganistischer und antisemitischer Ideologien im postsozialistischen Ungarn informieren und diese in einen historischen Zusammenhang mit der faschistischen Bewegung bis 1945 stellen.

Es referieren Carsta Langner, Politikwissenschaftleri n (M.A.) und Christian Dietrich, Soziologe (M.A.).

Mittwoch, 25.11.2009, 19 Uhr
Melanchthonianum, Universitaetsplatz, Halle (Saale)

Eine Veranstaltung der Reihe „Kritische Intervention“ des Arbeitskreises „Alternatives Vorlesungsverzeichnis“ des Studierendenrates der Vereinigten Universitaet Halle-Wittenberg in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt.


5 Antworten auf „Der Faschismus in Ungarn – heute und damals“


  1. 1 Gott 20. November 2009 um 13:19 Uhr

    Das ist ja mal ein total kreativer Titel…

  2. 2 Simone 20. November 2009 um 14:30 Uhr

    Fuer den Titel sind allein die Referenten verantwortlich.

  3. 3 georg kleinpeter 31. Oktober 2011 um 21:07 Uhr

    beängstigend die tendenzen in ungarn, die EU unternimmt nichts konkretes gegen diese faschisten,wobei menschenrechte, wortfreiheit in ungarn untergehen.

  4. 4 georg kleinpeter 31. Oktober 2011 um 21:07 Uhr

    beängstigend die tendenzen in ungarn, die EU unternimmt nichts konkretes gegen diese faschisten,wobei menschenrechte, wortfreiheit in ungarn untergehen.

  1. 1 Der Faschismus in Ungarn – heute und damals « ambivalenz Pingback am 24. November 2009 um 10:12 Uhr
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