Der Bildungsstreik redet von den Zuständen an den Universitäten, wir wollen über die Zustände im Bildungsstreik reden.

Einige kritische Worte zum Bildungsstreik in Halle

Man könnte vom Aktionismus, vom Kollektivismus, von der Kritik- und Begriffslosigkeit, von der Theoriefeindlichkeit und der verkürzten Gesellschaftskritik sprechen. Selbstverständlich ist besonders die fehlende Reflexion der Verhältnisse der Wertvergesellschaftung zu kritisieren und der blöde Etatismus der Bildungsstreikfront. Das ist bekannt und äußerst gravierend. Mehr als nur gravierend sind die Zustände in der Gemeinschaft der Bildungsstreikler. Zwar wird viel geredet von Emanzipation und Selbstbestimmung, Autonomie und Freiräumen, doch die eigenen Ideale werden schnell vergessen, wenn es um Sexismus, Rassismus und Antisemitismus in den eigenen Reihen geht.

Wenn der stellvertretende Pressesprecher1 des BS Frauen „Schlampen“ nennt, die mal „ordentlich durchgefickt“ werden sollten, dann fällt das nicht unter freie Meinungsäußerung, sondern unter verbale sexuelle Gewalt.

Wenn man bereit ist mit Burschenschaften zusammen zu arbeiten, so zeugt das nicht von politischem Pluralismus, sondern von Ignoranz gegenüber der deutschen Geschichte und der Ideologie dieser nationalistischen Männerbünde. Würde es dem Bildungsstreik um Inhalte jenseits ihres Voller-Hörsaal-Geplappers gehen, eine Zusammenarbeit wäre unmöglich.
Das beide zueinanderfinden zeugt vom inhaltslosen Ruf nach Bildung, hinter dem sich nicht mehr versteckt als der Wunsch auf bessere Berufschancen.

Wenn man lieber beim Bier mit Nazis diskutiert, anstatt sie vor die Tür zu setzen, dann scheint einem nicht klar zu sein, dass es sich bei diesen nicht um politisch verwirrte Jugendliche handelt, sondern um eine Gefahr für Migranten, Linke, Menschen mit Behinderung und jeden, der nicht in deren Weltbild passt.

Der Ruf nach Selbstbestimmung ist unvereinbar mit sexistischen, rassistischen und antisemitischen Weltbildern. Wir fordern von den OrganisatorenInnen des Bildungsstreiks den Ausschluss entsprechender Personen und Gruppen und eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den hier kritisierten Punkten.

Gruppe „Анатолий Васильевич Луначарский“

  1. Korrektur: In einem von uns verteilten Flyer sprachen wir vom Pressesprecher. Bei der sich sexistisch äußernden Person handelt es sich aber um den stellvertretenden Pressesprecher des BS Halle. [zurück]

13 Antworten auf „Der Bildungsstreik redet von den Zuständen an den Universitäten, wir wollen über die Zustände im Bildungsstreik reden.“


  1. 1 Simone 21. November 2009 um 22:06 Uhr

    Auch beim Wiener Bildungsprotest geht es offensichtlich uebel zu: http://maedchenblog.blogsport.de/2009/10/28/antisexismus-maennlichkeit/

  2. 2 nanana 22. November 2009 um 1:02 Uhr

    dann fällt das nicht unter freie Meinungsäußerung

    offensichtlich schon. oder wird deswegen ermittelt? auch gegen sarrazin wurden die ermittlungen eingestellt: sowas ist freie meinungsäußerung.

    Wenn man bereit ist mit Burschenschaften zusammen zu arbeiten, so zeugt das nicht von politischem Pluralismus

    die anderen, spd und cdu und grüne, sind auch nur etwas bessere burschenschaften (angereichert mit mal mehr, mal weniger frauen), die genauso wissen, dass deutschland vorrang hat. aber so ein pluralismus ist ok? wer schiebt die menschen denn ab? die hallenser burschenschafter klatschen doch höchstens mit allen anderen zusammen.

    um eine Gefahr für Migranten, Linke, Menschen mit Behinderung und jeden, der nicht in deren Weltbild passt.

    genau das gleiche gilt für die normalen deutschen nationalist_innen, ob sie grün wählen und dann dafür simd, dass migrant_innen, die deutschland vorwärts bringen, reindürfen – die anderen aber nicht (und im fall der fälle „raus“ müssen: oder wurde niemand mehr abgeschoben unter rot-grün?); oder spd oder …
    wer hat das berufsverbot erlassen? hat man wirklich nur im NS menschen mit „behinderung“ sterilisiert? wie schaut es heute aus in „behinderten“-heimen?

    Das beide zueinanderfinden zeugt vom inhaltslosen Ruf nach Bildung, hinter dem sich nicht mehr versteckt als der Wunsch auf bessere Berufschancen.

    was dahintersteckt, kann man auch rausfinden, wenn keine burschenschafter mit dabei sind. der satz ist übrigens unsinnig: der ruf nach bildung ist nicht inhaltsleer. denn es ist ja der ruf nach bildung. unkritisch ist er, weil davon abgesehen wird, was bildung heißt und wozu dient in dieser gesellschaft. auch ohne burschenschafter.

    was ist selbstbestimmung?

  3. 3 Zonengabi 22. November 2009 um 3:40 Uhr

    @nanana: Und wo sind jetzt deine Gegenargumente? Das SPD und Co. auch scheiße sind, legitimiert doch nicht die von uns kritisierten Dinge.

  4. 4 zonenklaus 22. November 2009 um 22:03 Uhr

    Sehr richtige und wichtige Kritik, aber eigentlich müsste man auch mal das oben in einem Satz abgehandelte krude inhaltliche Geschwurbel und theorielose Geblabbel auseinandernehmen. Von herrschenden Verhältnissen reden und keine Ahnung haben, was man damit meint.

  5. 5 Zonengabi 22. November 2009 um 23:16 Uhr

    Aha und woher weißt du, dass die Schreiberinnen keine Ahnung von den herrschenden Verhältnissen haben?

  6. 6 zonenklaus 23. November 2009 um 0:42 Uhr

    Mensch Zonengabi, „eigentlich müsste man auch mal das oben in einem Satz abgehandelte…“ Abgehandelt, oder behandelt, auf jeden Fall steht hier ein Verb, das deutlich macht, dass die Kritik und die Beleidigungen sich auf die Bildungsstreik-Spinner beziehen, die Ihr ja eben oben (im abstrakteren Sinne inhaltlich) leider nur in einem Satz „abgehandelt“ habt. Und da wären ein paar mehr Worte angebracht. Egal, jedenfalls kannst Du auch Deinen und meinen letzten Kommentar jetzt löschen, da wir uns jetzt diskursiv und ganz hierarchiefrei und für jedermensch verständlich verstanden haben.

  7. 7 Simone 23. November 2009 um 8:22 Uhr

    Inhaltliche Kritik folgt wahrscheinlich in ein paar Tagen.

  8. 8 zonenklaus 25. November 2009 um 1:59 Uhr

    der beweis, dass es noch viel schlimmer geht, völlig kranker verschwörungstheoretischer verkürzter scheiß, der standing ovations kriegt und studentisches gejohle, was ehrlich gesagt angesichts des gesagten noch schockierender ist, als der deppenscheiß in halle:
    http://www.ustream.tv/recorded/2633621
    das wäre glaub ich nicht mehr mal hier möglich. und dann auch noch dieser brecht-missbrauch. oh gott. denk ich an österreich in der nacht, dann bin ich um den schlaf gebracht.

  9. 9 Zonengabi 25. November 2009 um 7:21 Uhr

    Sorry hatte dich falsch verstanden.

  10. 10 Zonengabi 25. November 2009 um 7:23 Uhr

    Zum Video: Ach du Scheiße…“der große Feind….die Tyrannei des globalisierten Finanzkapitals…“ …und die ganzen Trottel klatschen dazu…

  11. 11 Freundeskreis Kritik 03. Dezember 2009 um 16:27 Uhr
  1. 1 Die gute Studigemeinschaft fordert: Vater Staat, rette die reine Bildung gegen das böse Abstrakte! « Kritik der Verhältnisse – Kritik des studentischen Protests Pingback am 05. Dezember 2009 um 0:42 Uhr
  2. 2 Die gute Studigemeinschaft fordert: Vater Staat, rette die reine Bildung gegen das böse Abstrakte! « Kritik der Verhältnisse – Kritik des studentischen Protests Pingback am 09. Januar 2010 um 0:53 Uhr
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