Kulturindustrie ist reflexiv…

Man weiß um das prekäre Leben im Verwertungszusammenhang, man ist sich der Anpassung bewusst, trauert der verlorenen Zeit zum Musikhören nach, bemängelt die Gängelung durch die Arbeit und den fehlenden Urlaub… …die Antwort ist eine neue Zeitung und ein „grenzenloses Leben“ mit dem Flachbildfernseher.
Kulturindustrie ist reflexiv1, Kulturindustrie rekuriert auf sich selbst als ihren Inhalt.

  1. vgl. u.a. Steinert, Heinz (2008): Kulturindustrie [zurück]

22 Antworten auf „Kulturindustrie ist reflexiv…“


  1. 1 Wendy 26. Dezember 2009 um 21:18 Uhr

    Was soll der Erkenntnisgewinn dieses Geblubbers sein?

  2. 2 Zonengabi 27. Dezember 2009 um 2:56 Uhr

    Komisch, dieser Gedanke kommt mir immer bei dem Betrachten deines Blogs!

  3. 3 Wendy 28. Dezember 2009 um 18:28 Uhr

    Schlechter Spruch.

    Anders: Soll dieses Blabla eine Kritik an der Kulturindustrie darstellen?

  4. 4 Zonengabi 29. Dezember 2009 um 15:55 Uhr

    Nein die Wahrheit.

    Ja und Nein. Ich fand die beiden Clips lediglich so wunderbar beispielhaft, wie Kulturindustrie auf die Verhältnisse bzw. sich selbst rekuriert.

  5. 5 Wendy 29. Dezember 2009 um 16:02 Uhr

    Und das soll eine spezielle Eigenschaft der Kulturindustrie und nicht etwa auch von dir, mir, der Kommunistischen Partei, der Bundespressestelle sein?

  6. 6 Zonengabi 30. Dezember 2009 um 17:10 Uhr

    Och ist es so schwer zu begreifen mein Kleiner?

  7. 7 Wendy 30. Dezember 2009 um 23:32 Uhr

    Ja. Erlöse mich aus meinem Unwissen.

  8. 8 Kolchose-Karl 31. Dezember 2009 um 2:59 Uhr

    Komisch, dieser Gedanke kommt mir immer bei dem Betrachten deines Blogs!

    So ein Fehler kann mal passieren. An jetzt solltest du es aber besser wissen und den Wendy-Blog ignorieren.

    Ab mal ernst:
    Reflexivität mutet ja schon etwas seltsam an. Als Mensch kann man sich selbst, d.h. auch sein eigenes Denken, als Objekt setzen.
    Kulturindustrie kann das m.E. nicht, dann müsste sie ihre eigene Warenstruktur, und nicht nur ihre sichtbare Ideologie, thematisieren können. Das seh ich aber in den Werbespots nicht.
    Und wie soll das auch gehen?

  9. 9 Zonengabi 31. Dezember 2009 um 11:37 Uhr

    Selbstverständlich geht es um die Subjekte „in“ der Kulturindustrie. Mir ging es um die Debatte ‚Kulturindustrie und Reflexivität‘. Bei Adorno und Horkheimer erscheint Reflexivität (z.B. der Rezipienten) nur schemenhaft oder tendenziell und trägt doch starke Züge von dem, was immer als Verblendungszusammenhang beschrieben wird.
    Nun scheint dies in den 40er, 50er und auch später tatsächlich ein wesentlicher Zug der Kulturindustrie gewesen zu sein (ohne die Reflexivität der Rezipienten etc. verleugnen zu wollen… u.a Löwenthal ist ja verstärkt darauf eingegangen).
    Worum es mir ging, ist das was Behrens mit Subversion der Popkultur gegen sich selbst beschreibt und Steinert u.a. mit Reflexivität bezeichnen. Noch im Pop, in der Werbung etc. ist z.B. Kapitalismuskritik (in welcher Form auch immer) schick, die reflexive (kulturindustrielle) Ware macht heute im Kruden das, was früher dem Suhrkampbändchen oder vlt. der Kunst vorbehalten war. Ob Rage against the Machine oder die Simpsons; und die Werbung macht deutlich, dass wir normierte und angepasste Würstchen sind, die keine Zeit haben, die kulturindustriellen Waren zu genießen (auch wenn das eigtl. kein Genuss ist) und doch gerade im Kauf dieser das Glück finden.
    Mal ehrlich, vor 20 Jahren oder vlt. früher war nicht denkbar, dass ein Werbespot Anpassung, Normativität und im kruden Sinne das Zwangsverhältnis durch die tägliche Verwertung thematisiert, um damit eine „hippe“ Zeitung, einen Fernseher oder was auch immer zu verkaufen. Kulturindustrie hat also nicht nur noch das klassische Glücksversprechen in Form einer „heilen Welt“ oder der Dystopie mit guten Ausgang zum Inhalt, sondern kehrt die realen Probleme (wenn auch in einer verquerter Weise bzw. Wahrnehmung) nach außen, was doch nicht bedeutet, dass die Verwerungslogik durchschaut wird.
    Mir ging es lediglich darum, dass diese beiden Spots das wunderbar zeigen.
    Ja das ist nicht sonderlich neu und vlt. sogar banal, mir sprang es halt ins Auge, als ich diese beiden Clips gesehen habe.
    Ich finde die Diskussion um Kulturindustrie, Reflexivität, Rezipientenverhalten, „Verblendungszusammenhang“ etc. immer noch eine spannende Sache.

  10. 10 l 31. Dezember 2009 um 13:36 Uhr

    Mal ehrlich, vor 20 Jahren oder vlt. früher war nicht denkbar, dass ein Werbespot Anpassung, Normativität und im kruden Sinne das Zwangsverhältnis durch die tägliche Verwertung thematisiert, um damit eine „hippe“ Zeitung, einen Fernseher oder was auch immer zu verkaufen.

    falsch. mal lindner lesen, zB. oder auch williamson: http://www.amazon.de/Decoding-Advertisments-Ideology-Advertising-Progress/dp/0714526150/ref=sr_1_5?ie=UTF8&qid=1262262206&sr=8-5-spell

    ist 1978, und da wird das auch dargestellt. der witz ist, dass genau das werbung ausmacht. immer schon.

    der malboro-mann, der durch die prärie reitet – ist eben nicht der arbeiter, der dauernd schuftet. sondern einer, der dem endlich entlieht. und zwar schon immer. da ist man endlich frei, da ist man ganz individuell, da gilt der eigene wille unbegrenzt.

    insofern auch: ich halte das „glücksversprechen“ und das teilweise benennen von „problemen“ für keinen widerspuch.

    zur rezeption: ich halte hier hall (und im anschluss an ihn entwickeltes) für wesentlich ergiebiger als die „kritische theorie“.

  11. 11 l 31. Dezember 2009 um 13:38 Uhr

    Lindner, Rolf (1977): „Das Gefühl von Freiheit und Abenteuer“. Ideologie und Praxis in der Werbung. Frankfurt / Main: Campus

    wie im zweiten spot.

  12. 12 l 31. Dezember 2009 um 13:40 Uhr

    lindner oder auch williamson enthalten auch falsches. aber eben den deutlichen hinweis, dass das immer schon kennzeichen der werbung war, was du da angeblich als neu entdeckt haben willst.

  13. 13 Zonengabi 31. Dezember 2009 um 15:03 Uhr

    @l: Wo bitte habe ich geschrieben, dass ich das entdeckt hätte? Ich verwies ja gerade auf eine schon lange bestehende Diskussion.

    Und wo bitte widersprichst du mir? Der Malboroman? So ein Unsinn!
    Gerade der Malboroman ist ja wohl Symbol des klassischen Glücksversprechen – Freiheit, Individualität, Abenteuer etc.
    Gerade der Malboroman suggeriert doch die heile und doch so spannende Welt…Natürlichkeit, Männer sind noch echte Männer, die Natur ist wild aber gezähmt, back to the roots etc. . Wo bitte zeigt denn der Malboroman das prekäre Leben??? Vielleicht der Darsteller später im echten Leben, mit seiner Lungenkrebserkrankung?!

    Werbung machte das eben gerade nicht aus, Werbung folgte bzw. zeigte immer dem/das klassische/n Glücksversprechen.
    Es ging immer um Freiheit, Abenteuer, Individualität, gutes Gefühl, Zwanglosigkeit etc., …somit sind deine Quellen als Gegenargument hinfällig. Das was in den Clips zum Ausdruck kommt, ist relativ neu. Ja da geht es auch um Freiheit, Individualität etc., aber nur im Abgleich mit der (vermeintlichen) Realität. Gerade in dem Zeitungswerbespot führt sich Kulturindustrie selbst ad absurdum, in dem das prekäre Verhältnis von Leben mit den kulturindustriellen Waren ausgedrückt wird, um dann gleich wieder (als Antwort bzw. hier als Frage) eine Ware anzupreisen.
    Das, wie ich finde, ist ein relativ junges Phänomen und gab es zu Zeiten des Malboroman oder des Melitta-Mann nicht. Das die Realität anders aussieht, wusste der Rezipient auch beim Malboroman schon, nur wurde ihm das durch die Spots nicht vor Augen geführt.

  14. 14 Kolchose-Karl 31. Dezember 2009 um 15:24 Uhr

    insofern auch: ich halte das „glücksversprechen“ und das teilweise benennen von „problemen“ für keinen widerspuch.

    Na klar ist das kein Widerspruch. Es wird aber einer, wenn die in der Werbung propagierten „Glücksversprechen“ der Warenstruktur der Werbung entgegenlaufen. Gerade der Spot vom Marlboro-Mann spricht das Gefühl von Freiheit und Autonomie an und suggeriert dieses Gefühl durch Kauf verwirklichen zu können. Hierin steckt ja die ganze Lüge und Scheinfreiheit.

  15. 15 l 31. Dezember 2009 um 15:43 Uhr

    wieso ist die darstellung des malboro-mann attraktiv? das ist eine flucht. da kann man endlich ich sein, ganz unbeschränkt. vor was flieht man da und wohin und wozu?

    diese darstellung ist nur dann attraktiv, wenn man sich freiheit, „echte männlichkeit“ etc. als nicht gegeben vorstellt: man braucht eben malboro, um frei zu sein. blabla

    das „prekäre“, wie du das nennst, ist also immer enthalten, wenn auch nicht verbalisiert oder visualisiert.

    Ja da geht es auch um Freiheit, Individualität etc., aber nur im Abgleich mit der (vermeintlichen) Realität.

    eben, sag ich doch: man braucht malboro, um frei zu sein oder individuell. wenn man das nicht hat/kauft, ist man unfrei und nicht individuell.

    das ist eben immer schon vorausgesetzt.

  16. 16 l 31. Dezember 2009 um 15:45 Uhr

    wenn man malboro braucht, um frei zu sein, heißt das klarerweise auch: man ist unfrei. malboro ist dann die rettung. oder eben eine zeitung.

  17. 17 l 31. Dezember 2009 um 15:51 Uhr

    sonst macht werbung ja keinen sinn.

    wenn ich freiheit als gegeben betrachte, dann beeindruckt mich ein spot, der freiheit verspricht wohl kaum.

    auch: wenn ich der meinung bin, dass „echte männlichkeit“ nicht unterdrückt wird durch die gesellschaft, dann beeindruckt mich ein werbespot, der „echte männlichkeit“ verspricht, wohl kaum.

    diese ganzen „glücksversprechen“ machen nur sinn, wenn auf die abwesenheit des glücks verwiesen wird. der abgleich mit der „(vermeintlichen) realität“ ist immer mit dabei, genauso funktioniert werbung.

  18. 18 l 31. Dezember 2009 um 16:03 Uhr

    frage: wie kommst du auf die idee, dass das kapitalismuskritik („in welcher form auch immer“) ist?

  19. 19 adorniticus 31. Dezember 2009 um 20:11 Uhr

    toll, jetzt habt ihr mit euren inhalten wendy vertrieben :(

  20. 20 Cyrano 15. Januar 2010 um 15:43 Uhr

    pro „l“:
    Zwar liegt in der Malboro Werbung die Gesellschaft, die die Freiheit einschränkt scheinbar außerhalb der Werbung, während sie in den hier zitierten Clips explizit angesprochen wird. Dennoch ist der Maloboroman nicht einfach „Symbol des klassischen Glücksversprechen – Freiheit, Individualität, Abenteuer etc“. Die Freiheit des Malboromans wird an die beworbene Wahre gebunden und gesteht damit implizit die Unmöglichkeit des „Glücks“ in der bürgerlichen Gesellschaft ein. Auch hier reflektiert die Werbung also auf den zu konstatierenden Mangel und bietet eine der Warengesellschaft kompatible Lösung an (5 Minuten Freiheit). Ähnlich wirbt oben auch die Welt für sich. Das Leben zu schnell, der Alltag überladen – wir haben ne Zeitung, die nix am Problem ändert, aber noch in den Zeitplan passt.
    Tatsächlich rekurriert die Welt zwar nicht auf irgendeinen sinnentleerten Freiheitsbegriff, sondern spinnt ganz offen die Notwendigkeit der Ökonomisierung weiter, das mag aber auch am beworbenen Produkt liegen…

    P.S.: Übrigens ist die Welt Werbung schlecht zu Ende gedacht. Wenn die sich schon so gesellschaftskritisch geben, dass sie den Mangel an Zeit monieren, der es nicht ermöglicht die im Überfluss vorhandenen Wahren zu konsumieren (merke: Arbeitslose lesen die Welt eh nicht), ist es dann zu viel verlangt zu schließen: „Sind wir reif für eine neue WELT? – WELT Kompakt“ Aber nein: „für eine neue Zeitung“. Verschenkt!

  21. 21 Cyrano 15. Januar 2010 um 18:37 Uhr

    p.s. … erklär mir mal jemand, warum ich da oben Ware als mit „h“ schreib… da wird die Warenform schon zur wahren Form… so schnell kanns gehen.

  22. 22 Wendy 20. Januar 2010 um 21:58 Uhr

    Vertrieben wurde ich dadurch, dass ´ne zeitlang keine Diskussion erfolgte. Jetzt habe ich wenigstens eine Vorstellung davon, worauf Zonengabi hinauswollte. Trotzdem keine riesen Erkenntnis dieses Adornos.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.