Phänomen Tatort

Bild-Leser, Kleinstadtguerillo, deutscher Intifadakämpfer und Freiraumbewohner, Kleingartenbesitzer, Adorno-Adepten, Gewerkschaftsmitglied, Mutti und Vati, Studenten-WG, Bahamas-Leser, Junge Welt-Abonnent, Altenheimbelegschaft und Insassen, Antideutsche, Antifa und Burschenschaft…
…in einem sind sich alle einig, Sonntagabend wird (zumeist kollektiv) Tatort geschaut.

Kann mir bitte endlich mal jemand das Phänomen Tatort erklären?!


21 Antworten auf „Phänomen Tatort“


  1. 1 Wendy 15. März 2010 um 0:19 Uhr

    Postfaschismus.

  2. 2 Zonengabi 15. März 2010 um 9:35 Uhr

    Hm ist das deine Erklärung für alles? Ich erinnere an lila Stiefel…

  3. 3 Entdinglichung 15. März 2010 um 11:42 Uhr

    mitgeschleppte Gewohnheit, aus der Zeit, wo es noch nichts anderes in der Glotze gab

  4. 4 Wendy 15. März 2010 um 13:44 Uhr

    Das war ein ziemlich genialer Witz. Was meinst du denn, könnte man für tiefschürfende Erklärungen dafür finden, dass sich ’ne ganze Menge Menschen halt ein meiner Meinung nach ziemlich langweiliges Fernsehformat antun?

  5. 5 bigmouth 15. März 2010 um 15:42 Uhr

    ich rätsle auch noch

  6. 6 Wendy 15. März 2010 um 16:32 Uhr

    Ich kenne übrigens niemanden, der Tatort guckt.

  7. 7 fab 15. März 2010 um 16:36 Uhr

    was ist denn gegen gemeinsames biertrinken einzuwenden? eben.

  8. 8 l 15. März 2010 um 16:46 Uhr

    Bild-Leser, Kleinstadtguerillo, deutscher Intifadakämpfer und Freiraumbewohner, Kleingartenbesitzer, Adorno-Adepten, Gewerkschaftsmitglied, Mutti und Vati, Studenten-WG, Bahamas-Leser, Junge Welt-Abonnent, Altenheimbelegschaft und Insassen, Antideutsche, Antifa und Burschenschaft…

    … und (fast) alle sind sich einig, dass ein Bier ab und an ganz gut mundet!

    Kann mir bitte endlich mal jemand das Phänomen Bier erklären?!

  9. 9 Gramsci 15. März 2010 um 17:51 Uhr

    „Discussing a substantially boring, run-of-the-mill crime drama gives your German acquaintances the warm, fuzzy feeling of being critical, self-determined people who are aware of the dangers of blind media consumption, because they are way too intellectual to just watch TV for its entertainment value, which, in the case of Tatort, is close to zero.“ http://www.ichwerdeeinberliner.com/27-tatort

  10. 10 Simone 15. März 2010 um 17:52 Uhr

    Zu bloggen und den gebloggten Quatsch zu kommentieren, ist auch weit verbreitet.
    Im Übrigen hat Gabi schon recht. Tatort-Konsum ist das fehlende Tertium comparationis um jeden und alles als dummdeutschen Fernsehgucker zu denunzieren. (Fehlt nur noch, dass irgendein ganz schlauer Theoretiker das ganze mit dem Tauschwert in Verbindung bringt.)

  11. 11 Wendy 15. März 2010 um 18:08 Uhr

    Wo schreibt „Zonengabi“ so etwas?

  12. 12 Simone 15. März 2010 um 18:18 Uhr

    Zonengabis Denunziation hat doch eine ganz einfache Struktur: Alle schauen Tatort. Und das auch noch kollektiv! Darin unterscheiden sich Linke und Burschenschaftler nicht. Somit sind Linke genauso dumm wie Burschenschaftler. Gähn!

  13. 13 l 15. März 2010 um 18:19 Uhr

    OMG, fab trinkt bier. noch ein deutscher!

  14. 14 saltzundessick 15. März 2010 um 20:15 Uhr

    wer guckt denn tatort? ich kenne auch niemanden.

  15. 15 Wendy 15. März 2010 um 21:32 Uhr

    Achso, Simone. : )

  16. 16 Zonengabi 15. März 2010 um 21:50 Uhr

    Ach Simone ist wieder am dichten.
    Zeig mir die Stelle, wo ich das von dir Geschriebene behaupte.
    Und zu „l“ (also Lahmacun…. schön, dass du dich hier immer noch rumtreibst): Also erübrigt sich jegliches Nachfragen, nach gesellschaftlichen Phänomenen, weil es immer ein analoges banales Phänomen gibt?

  17. 17 l 15. März 2010 um 22:29 Uhr

    Also erübrigt sich jegliches Nachfragen, nach gesellschaftlichen Phänomenen, weil es immer ein analoges banales Phänomen gibt?

    du hast die frage mit dem tag „was deutsch ist“ auch schon – zumindest ein stückweit – für dich beantwortet, oder?

    tatort ist ein KRIMI, der zu einer zeit gesendet wird, wo sonst ziemlich viel schund kommt. tatort ist keine rein deutsche produktion und wird wahrscheinlich weltweit verkauft (vergleich: die rechte am ösi-schund namens „kommissar rex“ wurden afaik an mehrere duzend sendeanstalten weltweit verkauft, da ist recht viel cash geflossen). das ganze ist auch stark habitualisiert: wochenendausklang.

    KRIMI: lebt davon, dass im rahmen der handlung RECHT UND ORDNUNG bedroht werden durch ein VERBRECHEN – gegen ende aber recht und ordnung wieder hergestellt werden. (ausnahmekrimis gibt es auch – da wird der täter nicht geschnappt.) und alle dürfen froh sein.
    ist nicht nur in d so.

    ich WETTE mit dir, zonengabi, dass wir so ähnliche programme auch in vielen anderen ländern finden.
    das alternativprogramm im 2. ösi-sender ist übrigens rosamunde pilcher.

    haste irgend ne weitergehende these? – dass im tatort das krimi-geschehen speziell abgehandelt wird, oder sowas?

    krimis sind nicht nur in d beliebt (bei beiden geschlechter: krimis und co sind voll der hit, siehe auch der büchermarkt). und dass phänomen, dass zuschauer genres liebgewinnen und es genießen, wenn sich folgen in diesem rahmen bewegen auch. etc. dass leute drauf stehen, dass nen programm zu bekannter zeit kommt, auch. auch: dass leute drauf stehen, wenn sie „beziehungen“ zu figuren aufbauen können.

  18. 18 l 15. März 2010 um 22:36 Uhr

    und alle dürfen froh sein.

    damit soll nicht nahegelegt sein, dass das alle so rezipieren. für die mehrheit dürfte es sich aber wohl schon so verhalten. aber ist alles nicht zwingend. man kann sich auch lustig machen über den tatort und genau deshalb schauen. zB

  19. 19 Cyrano 18. März 2010 um 18:41 Uhr

    Der Tatort ist als Krimi schon relativ einzigartig, da er zu 90% nach einem „wir da unten gegen die da oben“– Muster aufgebaut ist. Höhere Ränge der Polizei sind per se korrupt, die Volksnahen Kommissare vertreten eine Gerechtigkeit, der zwar partielle Erfolge gegönnt werden, oft genug aber ohne dass mensch der „Hintermänner“ habhaft wird. Die Ordnung wird im Regelfall eben nicht wiederhergestellt, sondern es wird eine idealisierte Ordnung propagiert, der Wirtschaft und Politik im Wege stehen: „…Thomas Koebner hat vor einiger Zeit
    achzig Filme der Reihe zwischen 1971 und 1989
    gesichtet und festgestellt, daß unter den Motiven der
    Rechtsbrecher Habgier die Liste anführt – Habgier „die
    Leute dazu bringt am umlaufenden Geld Teilhaben zu
    wollen, ohne dafür entsprechende Arbeit leisten zu
    wollen“ (Einsenhauer, Tatort Deutschland. S. 67). Das sind natürlich recht alte Daten, aber zumindest meine letzten Erfahrungen mit dem Tatort haben nicht dazu geführt, dass ich das grundsätzlich für heute in Frage stellen würde.
    Natürlich verlangt eine solche Darstellung, dass die Zuschauer sich darauf einlassen, ein klassisch bürgerlicher Krimi, sowohl in der Rätselvariante, die die gegebene Ordnung voraussetzt, um innerhalb dieser ein scheinbar rein logisches Problem zu lösen, als auch im Law&Order Format, dass offensiv die bestehende Ordnung propagiert, ist der Tatort aber nicht. Im Tatort ist den Zuschauern der Mörder (meist ist es ein Mörder) ja auch oft von Anfang an bekannt (das war das Ausgangskonzept der Serie), und nicht die Aufklärung als Rätsel, sondern das mitfiebern mit den Kommisaren, die den Verbrecher jagen, steht im Mittelpunkt.
    u.a. zum Tatort habe ich hier http://sonntagsgesellschaft.files.wordpress.com/2009/08/aufsatzdt2.pdf
    und hier http://sonntagsgesellschaft.wordpress.com/2010/02/05/ferngesehen/
    einige Gedanken notiert.
    Der Tatort ist mit Sicherheit nicht nur in Deutschland erfolgreich, von Erfolgen außerhalb des deutschsprachigen Auslands habe ich aber noch nichts gehört

  20. 20 Wurstfetischist 14. April 2010 um 21:12 Uhr

    geil. eine aus dem bauch heraus gebloggte sinnlose frage (alle sind nunmal teil der bürgerlichen gesellschaft, bezahlen ihre fahrkarten, gucken tagesschau und tatort [kombination von sendezeit und genre = quotenerfolg], gehen bei h&m einkaufen, haben eine steuernummer) wird teils sinnlos teils mit dem wunsch wahrhaft sinn zu vermitteln a lá sonntagssoziologen oder so beantwortet und führt zu 18 kommentaren.

    wusstest ihr übrigens, dass es filmisch und inhaltlich gute und beschissene tatorte gibt, so wie es gute und schlechte wurst gibt?

  21. 21 l 15. April 2010 um 11:51 Uhr

    Der Tatort ist als Krimi schon relativ einzigartig, da er zu 90% nach einem „wir da unten gegen die da oben“– Muster aufgebaut ist.

    nein, im gegensatz zu anderen krimis spielt der tatort nicht mal immer im „gehobenen milieu“. man schaue sich mal andere krimis an – da geht es meist um morde und intrigen in reichen familien. die anständigen kommissare kommen dann und alle sind entsetzt ob des zustands der oberen. im gegensatz dazu spielt mancher tatort im 08/15-milieu.

    was sind das für gesetze, die wir haben? wenn man annimt, dass krimis symbolisch die ordnung wiederherstellen (es gibt ausnahmen), dann ist es vllt nicht verwunderlich, dass „habgier“ vorkommt. was ist habgier?

    @wurst: na klar gibt’s super tatorte.
    und dann kann man auch beim sehen eines miesen films immer noch spaß haben, gerade weil er mies ist.

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