Viel Spaß, Berlin!

Berlin beweist dieser Tage, dass es nicht nur ein Herz für Bio-Muttis und Galeristen, sondern auch für konservativer Arschlöcher hat: Jan-Hendrik Olbertz zum neuen Präsidenten der HU gewählt.
Wir dokumentieren hier einen kurzen Text des Hallischen Freundeskreis Kritik zu diesem illustren Herren:

Nach der Exzellenz nun die Elite – Olbertz darf nach Berlin

Und noch ein Grund mehr zum Schämen für Erziehungswissenschaftler. Nachdem der FU-Exzellenz-Fetischist Dieter Lenzen während der letzten konformistischen Rebellion deutscher Studierender nach Hamburg wechselte kommt nun der nächste autoritäre Charakter dieses Faches nach Berlin.

Der in Sachsen-Anhalt mittlerweile bei LehrerInnen, ErzieherInnen, ProfessorInnen, Studierenden, dem akademischen Mittelbau und noch vielen anderen vollkommen verhasste (Ex-)Kultusminister des Landes übernimmt die Spitze der Berliner Humboldt-Universität. Seine Vorstellungen von Elite, die denen eines in letzter Zeit hoch- und runtergenudelten Humboldt sehr nahe kommen dürften, lassen sich jedoch im Gegensatz zu diesen nicht so einfach vor dem historischen Kontext erklären und weisen auch kein überschießendes, progressives Moment auf.

Olbertz, der auf Lehramt studierte, um dananch eine ellenlange akademische und schließlich politische Karriere dranzuhängen, habilitierte zu „Akademischem Ethos und Hochschulpädagogik – eine Studie zu interdisziplinären theoretischen Grundlagen der moralischen Erziehung an der Hochschule“. Schon in der DDR, die die Auswahl von Eliten im Bildungsbereich bekanntlich ernstnahm, legte er offensichtlich die Grundlagen eines Konzeptes, das er im Juli vergangenen Jahres in Halle einer interessierten Öffentlichkeit präsentierte. Gemeinsam mit dem inkompetenten Rektor der Uni Halle, Wulf Diepenbrock, durfte er auf dem Podium des Zentrums für Schul- und Bildungsforschung eine Antwort auf die Frage „Brauchen wir Elitebildung?“ geben. Von gegenseitigem Schulterklopfen unterbrochen, legten beide Gäste dar, weshalb Elitenbildung unbedingt zu befürworten sei. Diepenbrock driftete jedoch ab und argumentierte unter Berufung auf das Hardy-Weinbergsche-Modell zum Erschrecken leider nur weniger Gäste, die Politik der Selektion der Nationalsozialisten sei abzulehnen, weil sie im übrigen gar nicht funktioniere (!!!), weshalb der Begriff nicht im Bildungsbereich anzuwenden sei (?). Olbertz lief jedoch zu Hochtouren auf und zeigte, weshalb er in der Theorie für politische Ämter in einer Demokratie gänzlich ungeeignet ist (- wie wir sehen aber nicht in der Praxis).

Jedes Land, so Olbertz, „braucht eine kleine Elite, die moralisch auf einem höheren Niveau ausgebildet sind, um das Volk zu führen“. Diese Elite müsse an den Universitäten eine sehr gute Ausbildung erhalten, um in den Bereichen Politik, Verwaltung und Wirtschaft Führungspositionen zu übernehmen. Mit kruden Beispielen aus Internaten und Co. leitete er her, dass jeder seinen Platz in der Gesellschaft habe, wobei für die Führung eben nur wenige bestimmt seien. Darauf müsse man die Reformierung der Universitäten in der gegenwärtigen Krise des Bildungssystems und vermasster Universitäten ausrichten.

Auf die Frage, ob nicht die Vorstellung einer kleinen, zum Führen bestimmten Elite, die eine bessere Ausbildung erhalten solle, als die gemeine Bevölkerung, vollkommen im Widerspruch zum Konzept der Demokratie stünden, reagierte er mit Unverständnis.

In Zeiten der Leadership-Seminare und -Sommerkurse scheint die Studierendenschaft der Humboldt-Universität, die während des konformistischen und ohne jegliche ernsthafte Kapitalismuskritik auskommenden Bildungsstreiks nicht mehr und nicht weniger einforderte, als die Gewährleistung ihrer Teilhabe am elitären Zirkel zukünftiger Eliten, nun einen Präsidenten bekommen zu haben, den sie verdienen.

Viel Spaß damit.


5 Antworten auf „Viel Spaß, Berlin!“


  1. 1 saltzundessick 20. April 2010 um 23:34 Uhr

    wieso denn ‚auch‘? biomuttis und galeristen sind i.d.r. konservative arschloecher.

  2. 2 earendil 21. April 2010 um 8:04 Uhr

    Auf die Frage, ob nicht die Vorstellung einer kleinen, zum Führen bestimmten Elite, die eine bessere Ausbildung erhalten solle, als die gemeine Bevölkerung, vollkommen im Widerspruch zum Konzept der Demokratie stünden, reagierte er mit Unverständnis.

    Würde ich auch. Schließlich darf die Masse sich doch ihre Führer ganz demokratisch aus der Elite auswählen, jedenfalls was den politischen Bereich betrifft.

  3. 3 fauhal6 24. April 2010 um 22:54 Uhr

    Da ist aber jemand frustriert. Das hat ja richtig Bonjour Tristesse Niveau.
    Das Olbertz irgendwas von Volk führen gelabbert hat ist mir auf der besagten Veranstaltung wohl entfallen. Was nicht heißen soll, dass er dort irgendwas sinnvolles von sich gegeben hat.

  4. 4 I >herz 26. April 2010 um 21:00 Uhr

    frustriert ist doch eher derjenige, der diesen kommentar völlig schwachsinnig kommentiert, obwohl er voll „drüber steht“, derjenige, der meint, olbertz in schutz nehmen zu müssen und hier „kritik“ zu üben (den namen hats eigentlich nicht verdient), nur weil der text von leuten kommt, die den eigenen karnevalsverein aka bildungsstreik auf inhaltlicher ebene kritisiert haben. und das abstraktionsniveau der inhaltlichen äußerungen von diepenbrock und olbertz scheint ja auch seinen verstand zu überfordern.
    ganz schön erbärmlich, liebe fau-ortsgruppe!

    p.s.: ist man mit drei leuten eigentlich schon eine ortsgruppe?
    @ freundeskreis: was hab ich gesagt? daumen hoch und weiter so.

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