Wir empfehlen:

Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“

17.05.-28.05.2010, täglich 14-18 Uhr

„Bunter Salon“ (Rudolf-Ernst-Weise-Straße 4/5, Nähe Hbf. Halle)

Die hiesige eurozentrische Geschichtsschreibung übersieht meist, dass der Zweite Weltkrieg auch in den Ländern der Dritten Welt geführt wurde. Dort forderte er sogar mehr Opfer, als in Europa, so starben bspw. in China mehr Menschen, als in den Ländern der Achse. Hunderttausende asiatische Frauen wurden von den Japanern in ihre Frontbordelle verschleppt, die Nazis planten für die Zeit nach der Eroberung weiter Teile des Nahen Ostens und Afrikas bereits die Ermordung hunderttausender Juden.

Millionen Kolonialsoldaten aus Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika leisteten zudem einen wichtigen Beitrag zur Befreiung der Welt von Naziterror, italienischem Faschismus und japanischem Großmachtwahn, wobei sie oft weniger Sold und schlechtere Ausrüstung bekamen.

Fakten wie diese werden im hiesigen Geschichtsdiskurs allerdings ebenso ignoriert wie die Tatsache, dass auch in einigen Ländern der Dritten Welt Teile der Bevölkerung und hochrangige Politiker mit den deutschen Nazis und den anderen Achsenmächten sympathisierten. Kollaborateure haben die faschistischen Achsenmächte politisch, ökonomisch und in vielen Fällen auch militärisch unterstützt und dies rund um den Globus. Selbst für die Todesschwadronen der Waffen-SS, die Giftgasbrigaden der italienischen Faschisten und die Mordkommandos der japanischen Besatzer ließen sich tausende Helfershelfer anheuern. Zehntausende meldeten sich freiwillig zur Arbeit in den Rüstungsindustrien der kriegführenden Mächte, Hunderttausende zum Kriegsdienst in deren Streitkräften. Millionen Menschen bejubelten deren Siege, hochrangige arabische Persönlichkeiten, darunter der muslimische Großmufti von Jerusalem, al-Husseini, waren aktiv an Propaganda und Vernichtungskrieg der Nationalsozialisten beteiligt.

Der Objektivierung von Menschen in der Dritten Welt entgegenzuwirken, sie als Individuen, als „an Geschichte“ aktiv partizipierende Subjekte wahrzunehmen, ist für uns notwendige Aufgabe im Sinne der Aufklärung. Die eurozentrische, rassistische Objektivierung zu durchbrechen erfordert aber nicht nur, das Andenken von Millionen vergessenen Opfern zu wahren. Vielmehr gilt es auch, die Geschichte der Kollaboration, die Geschichte der Täter aufzuarbeiten, um nicht einem apologetischen Positivrassismus zu verfallen, wie er in einigen wissenschaftlichen Publikationen zum Thema aufscheint.

Die bekannte, wissenschaftlich fundierte und inhaltlich differenzierte Wanderausstellung von Recherche International e.V. und dem Rheinischen JournalistInnenbüro – „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ – möchten wir an dieser Stelle daher allen Interessierten ans Herz legen. Sie wurde nun zu unserer positiven Überraschung von der Gruppe „8.Mai-Initiative“ nach Halle geholt.

www.3www2.de

via: aktualitaet.tk


2 Antworten auf „Wir empfehlen:“


  1. 1 Name 15. Mai 2010 um 15:34 Uhr

    Eine (kritische) Auseinandersetzung mit jener (gut gemeinten) Austellung findet sich hier:

    http://die-dritte-welt-im-zweiten-weltkrieg.blogspot.com/

  2. 2 postpostpostkolonial 16. Mai 2010 um 16:36 Uhr

    Der Text auf dem über mir verlinkten vermeintlich kritischen Blog strotzt nur so vor Positivrassismus. Die lächerliche Ablehnung der Ausstellung durch die Werkstatt der Kulturen, die die Ausstellung zuvor bereits nach einer betrachtung bestellt hatte, wird hier zum Anlass genommen, auf niedrigstem Niveau mit dem Kolonialismus-Vorwurf um sich zu werfen, ohne jegliche nachvollziehbare Argumentation, voller Polemik. Wer die Ausstellung gesehen hat, kann sich seine eigene Meinung bilden, und es scheint höchst unwahrscheinlich, dass er der wahnhaft „critical-whiteness“-fixierten, personalisierten, polemischen „Kritik“ der Ausstellungsfeinde folgen können wird.

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