Archiv für Juni 2010

Bilder des Grauens

Fahnenwahn
Eine Nation stellt sich bloß.

Dienstag: Nouri Bouzids “Making of – Kamikaze”

Di, 29.06.2010 – 21.00 Uhr– Kino Zazie (Kleine Ulrichstr. 22, Halle)

Autoreflexiver Spielfilm über Jugend, Individualität und den (selbst-)mörderischen Islamismus im Maghreb (35 mm, OmU)

Filme, die dem Zuschauer in 90 Minuten eine Lösung dafür anbieten wollten, warum junge Menschen zu Selbstmordattentätern werden, hatten in den letzten Jahren Konjunktur. Der streitbare tunesische Regisseur Nouri Bouzid überführt sie mit seinem Meisterwerk „Making Off – Kamikaze“ der Lüge. Seine Geschichte über einen jugendlichen Tänzer und die zerstörerische Kraft des Islamismus ist nicht Spielfilm, sondern Fabel; Schauspieler, Filmfiguren und Regisseur verweigern sich den Konventionen. Die Folie für die Handlung ist die komplexe gesellschaftliche Realität in Nordafrika, die schlechte wirtschaftliche Situation, Stagnation, Mangel an Freiräumen, Polizeigewalt, und der bei vielen immer präsente und doch nahezu unerfüllbare Wunsch eines Eindringens in die nahe ‚Festung Europa’.

Ich will meine Vision des Islam zeigen, meine Kritik des Islam zeigen, als säkularer Muslim. […] Die Rationalität der Leute wird vom Sakralen unterdrückt.

Nouri Bouzid

Claude Lanzmann’s Film: Shoah

Am Sonntag dem 4. Juli wird im Kino Zazie in Halle der Dokumentarfilm „Shoah“ von Claude Lanzmann in voller Länge mit Pause(n) gezeigt. Die Unkosten, die für das Zazie entstehen, werden durch die Anzahl der Besucher geteilt – also weitersagen und zahlreich erscheinen.

Sonntag 4. Juli 2010
9:30 Uhr
Kino Zazie, Kleine Ulrichstraße 22
06108 Halle

If I can‘t dance, it’s not my Aufklärung.



Klick

Ein Benefiz zu Gunsten einer Film- und Vortragsreihe gegen eurozentrische Geschichtsschreibung und Kulturrelativismus und über progressive Bewegungen und Jugendkulturen im Nahen Osten.

Bier, Fahnen und aufs Maul

Nicht nur in Deutschland ist man zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Fußball-WM in der Lage. Aus England kommt dieses wunderbar selbstironische Lied:

via: Big Shot

Schland-Zombies…

…im Film

Das Erstaunlichste an Zombies ist wohl, dass sie es irgendwie geschafft haben, ihren gesellschaftskritischen Subtext aus Romeros Autorenfilm (für Georg Seeßlen der linkeste Filmemacher, den Industrie hervor gebracht hat) mit ins Genre hinüber zu retten. Als menschenfressende Metaphern schmatzen und stöhnen sie seit einigen Jahrzehnten durch die Landschaft, ohne dass sich ihre Nähe zu tatsächlichen kollektiven Bewusstlosigkeitszuständen übersehen ließe. Der Kurzfilm Dawn of the Dorks zeigt sie jetzt als deutschen Fanmob, was so dermaßen naheliegend ist, dass sich kaum noch mit Bestimmtheit sagen lässt, wer hier eigentlich wem die Vorlage geboten hat.
Und obwohl im Grunde kein Mensch solche gesteigerte Ausdrücklichkeit braucht, ist der Film dann erstaunlicherweise auch noch richtig witzig. Es muss an den grausigen Erfahrungen der »Sommermärchen« – WM 2006 liegen, als sich vereinzelte Überlebenden plötzlich in ihre Wohnungen eingesperrt fanden und zitternd auf ein Ende der Epidemie hofften, während es draußen mehr und mehr Freunde erwischt hat. Auch wenn der deutsche Fußballwahnsinn ein Nebenwiderspruch sein mag – bevor das da draußen nicht überstanden ist, wird auch sonst nichts mehr besser werden.

via

Vortrag: Bürger und Öffentlichkeit

Warum Habermas und Marx mehr mit der arabo-islamischen Neuzeit zu tun haben, als die eurozentrische Geschichtsschreibung verrät

Do, 24.06.2010 – 18.30 – Mel, HS XVIII, Uniplatz, Halle/Saale – Hannes Bode

Habermas’ Thesen zum “Strukturwandel der Öffentlichkeit” in der Frühen Neuzeit sind längst Allgemeingut, der Bürger, die Öffentlichkeit, das räsonnierende Publikum sind Schlüsselbegriffe der Geschichtswissenschaft. Doch handelt es sich hier um spezifisch europäische Strukturmerkmale der Moderne? Oder kann man vielmehr das dominante Muster von dynamischem Norden und statischem Süden, von Fortschritt hier und Niedergang dort grundsätzlich in Frage stellen, wenn man einen Blick auf die Entwicklungen in Kairo oder Damaskus wirft, der die Quellen nicht dekontextualisiert, sondern vielmehr in ihren historischen und sozialen Kontexten wahrnimmt? Ein materialistischer, die sozialen Hintergründe fokussierender Zugang erlaubt die Frage, ob nicht Marx sehr viel mehr zum Verständnis der arabo-islamischen Neuzeit beitragen kann, als Gelehrtenbiographien und die Sammlung der Sahih-Hadithe des Propheten. Man kann, so soll vorerst behauptet werden, mit Blick auf Kairo oder Damaskus von einer Vorwegnahme der ‘bürgerlichen Gesellschaft’ sprechen, die in Marx’ Worten “seit dem 16. Jahrhundert sich vorbereitete und im 18. Riesenschritte zu ihrer Reife machte” und in der “der einzelne losgelöst von den Naturbanden usw., die ihn in frühren Geschichtsepochen zum Zubehör eines bestimmten, begrenzten menschlichen Konglomerats machen”, erscheint. Habermas’ Salons und Kaffeehäuser haben – ebenso wie die Arkanwelten der Freimaurer – mehr mit der Frühen Neuzeit im Nahen Osten zu tun, als man glauben mag. Ein Plädoyer für das Hinterfragen liebgewonnener historischer Narrative versucht Hannes Bode in seinem Vortrag.
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Interview mit Volkmar Sigusch zum Thema Pädophilie und Pädosexualität

In der aktuellen Ausgabe der GEW-Zeitschrift „Erziehung und Wissenschaft“ findet sich das lesenswerte Interview „Sexualitätsperspektive: ‚Es muss endlich um die Opf er gehen‘. Der Sexualforscher Professor Volkmar Sigusch spricht im Interview über die Motive von Pädophilen und das Tabu frühkindlicher Sexualität.“1, das an dieser Stelle auszugsweise zitiert wird: (mehr…)

Wir empfehlen: Länderbeispiel Iran: Dienstag Film, Mittwoch Vortrag

Iranischer Untergrundfilm von Moslem Mansouri

Am Vorabend des Vortrags zeigen wir im „Kino Zazie“ zwei Kurzdokumentationen des iranischen Untergrundfilmers und Aktivisten Moslem Mansouri. „Epitaph“ beschäftigt sich am Beispiel der Massenprostitution mit den Folgen der Geschlechterapartheid. Mansouri lässt Frauen zu Wort kommen, die sich, um überhaupt zu überleben, verkaufen müssen. Die Schärfe ihrer Analysen der sozialen und kulturellen Missstände, ihre Kritik der „kranken“ Gesellschaft der Islamischen Republik ist beeindruckend. „Utopia“ macht auf die menschenverachtende Behandlung der überlebenden Opfer des Iran-Irak-Krieges aufmerksam. Während die Toten in den Märtyrerphrasen des Regimes Ehrung finden, so sind die Überlebenden nur unwillkommener Ballast. In Armut und entrechtet vegetieren diese displaced persons in Wohnbaracken vor sich hin. Moslem Mansouri hat die Menschen in einer dieser Baracken besucht, ihnen Gehör geschenkt und ihre Aussagen aufgenommen. Ihre verzweifelten, pessimistischen Berichte sind eine Anklage gegen die Unmenschlichkeit des Regimes.

Dienstag, 08.06.2010 – 21.00 s.t. – Kino Zazie (Kleine Ulrichstr.), Halle (Saale)

Die islamische Diktatur, die „grüne Bewegung“ und der Kampf für einen säkularen Iran
Saba Farzan (Publizistin, Berlin)

Das Regime der Islamischen Republik Iran feierte dieses Jahr seinen 31. Geburtstag. Seine Herrschaft ist jedoch so bedroht wie nie zuvor, da sich seine Vorstellungen von Moderne mittlerweile von denen beachtlicher Teile der Bevölkerung unterscheiden. Auf immer lauter werdende Rufe nach Freiheit, mit der manche Reformen, andere den Sturz des Regimes und Demokratie, einige ein Ende der Geschlechterapartheid und andere kulturelle Pluralität verbinden, reagiert das Regime mit immer rücksichtsloserer Gewalt. Frauen werden weiterhin massiv diskriminiert, ethnische und religiöse Minderheiten unterdrückt und politische Oppositionelle mundtot gemacht.

Das sind einige der Gründe, weshalb der Iran bisher als das absolute Gegenteil einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft galt. Seit dem vergangenen Sommer, in dem die „grüne Bewegung“ ins Leben getreten ist, nimmt die Weltöffentlichkeit nun jedoch auch einen anderen Iran, vielleicht den „echten“ Iran wahr. Demokratie und Säkularismus in der nahen Zukunft dieses nahöstlichen Landes? Für manche ist diese Vorstellung utopisch, für die iranische Freiheitsbewegung jedoch ein Ziel, für das zu kämpfen es gilt. Die Freiheitsbewegung im Iran und ihr Kampf gegen die „Herrschaft der Rechtsgelehrten“ und die Macht der Revolutionsgarden haben im letzten Jahr einen Höhepunkt erreicht – mit dem Potential, den gesamten Nahen Osten langfristig zu prägen.

Doch welches sind die Wurzeln dieser emanzipatorischen und säkularen Tendenzen? Wohin steuert der Iran in naher Zukunft? Wie steht es um die iranische Zivilgesellschaft und warum sieht diese – im Gegensatz zum herrschenden Regime – den Westen nicht als dekadent an? Welche Akteure verbergen sich in dieser aufgeklärten Bewegung? Zu dieser Thematik referiert die deutsch-iranische Publizistin Saba Farzan.

Mittwoch, 09.06.2010 – 18.30 – Melanchthonianum (HS XVIII), Halle (Saale)

via: www.aktualitaet.wordpress.com

Vergesst Waldi!

LOUK the Greek Riot Dog

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