Wir empfehlen: Länderbeispiel Iran: Dienstag Film, Mittwoch Vortrag

Iranischer Untergrundfilm von Moslem Mansouri

Am Vorabend des Vortrags zeigen wir im „Kino Zazie“ zwei Kurzdokumentationen des iranischen Untergrundfilmers und Aktivisten Moslem Mansouri. „Epitaph“ beschäftigt sich am Beispiel der Massenprostitution mit den Folgen der Geschlechterapartheid. Mansouri lässt Frauen zu Wort kommen, die sich, um überhaupt zu überleben, verkaufen müssen. Die Schärfe ihrer Analysen der sozialen und kulturellen Missstände, ihre Kritik der „kranken“ Gesellschaft der Islamischen Republik ist beeindruckend. „Utopia“ macht auf die menschenverachtende Behandlung der überlebenden Opfer des Iran-Irak-Krieges aufmerksam. Während die Toten in den Märtyrerphrasen des Regimes Ehrung finden, so sind die Überlebenden nur unwillkommener Ballast. In Armut und entrechtet vegetieren diese displaced persons in Wohnbaracken vor sich hin. Moslem Mansouri hat die Menschen in einer dieser Baracken besucht, ihnen Gehör geschenkt und ihre Aussagen aufgenommen. Ihre verzweifelten, pessimistischen Berichte sind eine Anklage gegen die Unmenschlichkeit des Regimes.

Dienstag, 08.06.2010 – 21.00 s.t. – Kino Zazie (Kleine Ulrichstr.), Halle (Saale)

Die islamische Diktatur, die „grüne Bewegung“ und der Kampf für einen säkularen Iran
Saba Farzan (Publizistin, Berlin)

Das Regime der Islamischen Republik Iran feierte dieses Jahr seinen 31. Geburtstag. Seine Herrschaft ist jedoch so bedroht wie nie zuvor, da sich seine Vorstellungen von Moderne mittlerweile von denen beachtlicher Teile der Bevölkerung unterscheiden. Auf immer lauter werdende Rufe nach Freiheit, mit der manche Reformen, andere den Sturz des Regimes und Demokratie, einige ein Ende der Geschlechterapartheid und andere kulturelle Pluralität verbinden, reagiert das Regime mit immer rücksichtsloserer Gewalt. Frauen werden weiterhin massiv diskriminiert, ethnische und religiöse Minderheiten unterdrückt und politische Oppositionelle mundtot gemacht.

Das sind einige der Gründe, weshalb der Iran bisher als das absolute Gegenteil einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft galt. Seit dem vergangenen Sommer, in dem die „grüne Bewegung“ ins Leben getreten ist, nimmt die Weltöffentlichkeit nun jedoch auch einen anderen Iran, vielleicht den „echten“ Iran wahr. Demokratie und Säkularismus in der nahen Zukunft dieses nahöstlichen Landes? Für manche ist diese Vorstellung utopisch, für die iranische Freiheitsbewegung jedoch ein Ziel, für das zu kämpfen es gilt. Die Freiheitsbewegung im Iran und ihr Kampf gegen die „Herrschaft der Rechtsgelehrten“ und die Macht der Revolutionsgarden haben im letzten Jahr einen Höhepunkt erreicht – mit dem Potential, den gesamten Nahen Osten langfristig zu prägen.

Doch welches sind die Wurzeln dieser emanzipatorischen und säkularen Tendenzen? Wohin steuert der Iran in naher Zukunft? Wie steht es um die iranische Zivilgesellschaft und warum sieht diese – im Gegensatz zum herrschenden Regime – den Westen nicht als dekadent an? Welche Akteure verbergen sich in dieser aufgeklärten Bewegung? Zu dieser Thematik referiert die deutsch-iranische Publizistin Saba Farzan.

Mittwoch, 09.06.2010 – 18.30 – Melanchthonianum (HS XVIII), Halle (Saale)

via: www.aktualitaet.wordpress.com