Bevölkerungsgeographie und Rassenlehre

Wenn man ein sozialwissenschaftliches Fach studiert, muss man sich ja bekanntlich in Seminaren und Vorlesungen allerhand anhören, was einem ungläubig über soviel Unsinn den Kopf schütteln lässt oder gar den Wutpegel nach oben treibt. Besonders die Diskussionsbeiträge und Kommentare der KommilitonenInnen sorgen für „fachliche Tiefe“. Da fabulieren Studenten in einem Seminar für Familiensoziologie schon mal über Maßnahmen wie z.B. „Unterschichtsfamilien“ die staatliche Unterstützung zu streichen, damit diese „sich nicht mehr vermehren können“. In einem soziologischen Theorieseminar darf dann schon mal ernsthaft ein Referat über die „wahren Gründe“ von 9/11, also über allerhand verschwörungstheoretischen Mist, gehalten werden.
In Geschichtsseminaren zeigt man sich erbost über den „allierten Bombenterror“ und Studenten brechen bei Referaten in Tränen aus, weil Omi, nach dem sie von „den Russen“ vertrieben wurde, „auch in einem KZ saß“ (gemeint waren Auffanglager).
Selbstverständlich sind die Lehrenden nicht viel besser. Harmlos ist noch, wenn ein Soziologieprofessor allen Ernstes behauptet,

[n]och heute handelt es sich beim Kapitalismus um eine Wirtschaftsform, die nur von einer Minderheit der Menschen in Deutschland praktiziert wird, weltweit sind dies prozentual noch sehr viel weniger Menschen. (Vorlesungsskript Sozialstruktur WS 2005/06 MLU Halle).

Stimmt, Deutschland, das Land der Ackerbauern und Sklavenwirtschaft.
Schlimmer wird es dann schon, wenn ein anderer Soziologieprofessor selbst nach Kritik und historischen Verweisen den Heuschreckenbegriff für „Manager und Spekulanten“ vehement verteidigt.
Auch die Geographie ist so ein komisches Fach. So richtig einordnen lässt es sich nicht, bewegt es sich an der Grenze zwischen Sozial- und Naturwissenschaft.
Im aktuellen Sommersemester finden sich in der Prüfungsliteratur einer Vorlesung zur Bevölkerungsgeographie einige Dinge, die auch aus Büchern zur Rassenlehre entstammen könnten.

Jürgen Bähr weiß erst einmal einiges über die Situation in Deutschland zu berichten:

Es kann davon ausgegangen werden, daß die Mehrzahl der Ausländer, die in der Bundesrebuplik Asyl beantragen, nicht als politisch Verfolgte kommen, sondern als „Wirtschaftsflüchtlinge“. (…) Selbst nach Ablehnung ihres Asylantrages bleibt der größte Teil der Ausländer in Deutschland; eine Abschiebung ist eher die Ausnahme als die Regel. Das verstärkt nicht nur für andere den Anreiz zur Einreise, sondern hat in zunehmendem Maße innenpolitische Probleme zur Folge (…). (Bähr 1992: 326 Herv. i.O.)

Bährs Sachlichkeit kann sein Angst vor „Überfremdung“ kaum verstecken, da helfen auch die Anführungsstriche nichts.
Weiter unten weiß Bähr dann auch zu berichten, dass

[i]n manchen städtischen Altbaugebieten die dort auftretenden Strukturen und Prozesse an die Bildung der Negerghettos in den Vereinigten Staaten [erinnern] (Bähr 1992: 332).

In Bährs Buch ist sehr oft von Negern, Negervierteln etc. die Rede und der Begriff Negerbevölkerung hat Eingang ins Sachregister gefunden.
Ein weiteres Buch aus der Prüfungsliteratur liefert dann dazu (wie aber auch Bähr selbst) die rassentheoretischen Grundlagen.
Wolfgang Kuls und Franz-Josef Kemper schreiben:

Durch Wanderungen, seien sie freiwillig oder unter Druck zustande gekommen, sind in einigen Teilen der Erde neben den geschlossenen Verbreitungsgebieten der großen Rassen Räume starker rassischer Mischung entstanden. Verwiesen mag auf die Gebiete sein, in denen Weiße und Schwarze sowie eine mehr oder weniger große Zahl von Mischlingen nebeneinander – seltener miteinander – leben. Sie gehören zum großen Teil zu den Problemgebieten und Krisenherden der Gegenwart, sei es im nationalen oder im internationalen Rahmen (Kuls 1993: 56 Herv. i. O.).

Und weiter unten:

Dort, wo mehr oder weniger ausgeprägte rassische und ethnische Gegensätze vorhanden sind, ist mit diesen in der Regel auch ein unterschiedliches Verhalten im generativen Bereich, bei der Mobilität oder in Siedlungs- und Wirtschaftsweise verbunden (Kuls 1993: 57).

Implizit also, einige Rassen vermehren sich mehr, sind fauler, wohnen und leben entsprechend.
Schon Arthur Comte de Gobineau (1816 – 1882) et al und nach ihnen Alfred Rosenberg und die deutsche Volksgemeinschaft meinten, dass die Vermischung der Rassen die höheren Rassen degenerieren ließe und für soziale Probleme sorge.
Das zitierte Buch von Kuls und Kemper ist von 1993. Sieben Jahre später merken beide Autoren an, dass sich

aber gezeigt [hat], daß die genetische Variabilität solcher Gruppen in der Regel so hoch ist, daß eine Abgrenzung äußerst schwierig ist (…). Diese Variabilität gilt auch für die Abgrenzung nach den sichtbaren, äußeren Merkmalen (…) (Kuls/Kemper 2000: 63 f).

Anthropometrische Zirkel und Profilkarten können also in Zukunft in der Tasche bleiben. Nach dieser vermeintlichen Einschränkung geben die Autoren trotzdem eine rassentheoretische Orientierung an die Hand.

Für die Orientierung mag die Angabe reichen, daß um 1975 etwa 45% der Erdbevölkerung zu den Europiden, 18% zu den Mongoliden und gut 6% zu den Negriden zählte, aber 30% Misch- und Übergangsformen angehörten (Kuls/Kemper 2000: 64)

Anschließend folgt der bereits zitierte Text aus dem Buch von 1993, der den Rassenbegriff und soziale Problematiken verbindet.

Deutsche Professoren wissen eben, was sie ihren Studenten auch 2010 noch an die Hand geben können, zu mal in einer Vorlesung zur Bevölkerungsgeographie.
Bei solcher Seminarliteratur braucht man sich nicht zu wundern, dass die ganzen studentischen Konformisten, Noten- und Abschlussjäger auch in höheren Semestern nur solchen Unsinn auskotzen.
Ein Hoch auf die universitäre Bildung.

- Jürgen Bähr: Bevölkerungsgeographie. 2. Auflage, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1992
- Wolfgang Kuls: Bevölkerungsgeographie. 2. Auflage, B.G. Teubner, Stuttgart 1993
- Wolfgang Kuls/Franz-Josef Kemper: Bevölkerungsgeographie. 3 Auflage, Gebrüder Borntraeger Verlagsbuchhandlung, Berlin/Stuttgart 2000