Archiv für Juli 2010

Die Dialektik der Aufklärung im Iran: Vernunft gegen Mythos?

EDIT: DER VORTRAG MUSS LEIDER AUSFALLEN UND WIRD VORAUSSICHTLICH IM WINTERSEMESTER STATTFINDEN.

xx.xx.2010 – 18.30 – Melanchthonianum, Uniplatz, Halle/Saale

In seinem Schlussvortrag richtet Dr. Esfandiar Tabari den Blick auf den Iran: „Durch Verstaatlichung der Religion sind dort die religiösen Traditionen und sogar die von der Religion unterstützten moralischen Normen im Iran in den Definitionsbereich des Staates und des Gesetzes gewandert. Damit haben diese ihren moralischen Wert in der bürgerlichen Religion verloren. Doch das Projekt „religiöse Person“ der islamischen Regierung im Iran, als Ersatz der ethischen und bürgerlichen Person, ist gescheitert – im Inneren der Gesellschaft entfaltet sich eine praktische Vernunft auf den Grundsätzen der universalistischen Moral. Kann diese praktische Vernunft instrumentalisiert und mythologisiert werden, wie in der „Dialektik der Aufklärung“ beschrieben? Nein, wenn sie zur Säkularisierung führt und die politisch-gesellschaftliche Identität einer aufgeklärten Gesellschaft widerspiegelt. Ja, wenn sie zu individuellem Selbstschutz, Selbsterhaltung und Selbstbehauptung eines aufgeklärten Intellektualismus dient. Beide Tendenzen sind in der aktuellen iranischen Bewegung (grüne Bewegung) vorhanden und werden im Vortrag thematisiert. Es wird festgestellt, dass die Frage nach der Aufklärung im Iran nicht mit der Frage nach einem aufgeklärten Islam gleichgesetzt werden kann und darf. Vielmehr muss die religiöse Aufklärung als Folge einer gesellschaftlichen Aufklärung im Kontext der Herausbildung einer moralischen Autonomie verstanden werden.“

Ein Veranstaltung der Vortragsreihe Tradition oder Moderne? Die Aufklärung im ‚Nahen Osten‘.