Archiv für August 2010

Der Kaffee muss bitter sein, bitter wie das Leben.

Simone

„Die Bombe und das Erinnern“

Ich möchte auf einen, wie ich finde, sehr gelungenen Text von Nichtidentisches, welcher über die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im Kontext von Holocaust, japanischen Kriegsverbrechen und das Erinnern reflektiert, hinweisen.

Als die deutschen Heimatvertriebenenorganisationen das 60-jährige Jubiläum ihrer Charta feierten, sagte Ralph Giordano, die Vertreibung würde in der Charta so dargestellt, als habe sie in einem „historischen Vakuum“ stattgefunden. Dieser Begriff „historisches Vakuum“ trifft jenen verbreiteten Gestus des Erinnerns recht gut, der Kriegsereignisse aus den historischen Ereignissen isoliert und dadurch Schuldfragen und Ursachensuche im besten Falle neutralisiert, im gewöhnlichen verschiebt und verbiegt.

Ein solches Verhältnis prägt auch das Erinnern an die Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki. Im nachträglichen Entsetzen über das genozidale Potential dieser Waffe wurde schon jenes Entsetzen über die mit primitivsten Waffen (Hunger, Schläge, Krankheiten, Gas) durchgeführten Massenmorde des Holocaust eher getilgt als erinnert. Die in den folgenden 50 Jahren stattfindenden 2 000 Atomwaffentests (davon ca. 622 oberirdisch) und der Anstieg des weltweiten Arsenals auf möglicherweise 70 000 Atomsprengköpfe sorgten für zusätzliche und trotz ihrer Assoziation mit einer gewissen paranoischen Struktur sehr gerechtfertigte Bedrohungsängste, die mit dazu beitrugen, das Grauen des zweiten Weltkrieges in der amerikanischen und europäischen Wahrnehmung verblassen zu lassen. Die Opfer eines perhorreszierten „nuklearen Holocaust“ waren nunmehr „wir alle“ und dieser globale Genozid hatte bereits begonnen: in Hiroshima und Nagasaki.

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Die Trinker-Karte

Halle at its worst. Immer um ein sauberes Stadtbild bemüht, nimmt sich die kritische Öffentlichkeit der Stadt nun des „Freitrinker-Problems“ an. Denn die Leute, die am deutlisten die Verfasstheit der Gesellschaft dokumentieren, machen auch noch Dreck und betteln.
Um das Problem einzugrenzen, gibt es jetzt diese Karte:

Trinker-Standorte auf einer größeren Karte anzeigen

Trinker, Dir geht es bald an den Kragen!

Radiohinweis: Wutpilger Streifzüge

Wutpilger Streifzüge. Fragmente aus Politik und Kultur ist eine kleine Radiosendung, die einmal im Monat auf Radio Lotte in Weimar (und in Kürze auch bei Radio Corax in Halle) gesendet wird, auf die ich hier in Zukunft regelmäßig hinweisen werde:

Wutpilger Streifzüge # 8 wird am Sonntag den 15. August um 22:00 Uhr gesendet – auf 106,6 Mhz oder per Livestream auf der Homepage von Radio Lotte. In dieser Sendung werden, ausgehend von Walter Benjamins Baudelaire-Buch, die Figuren des Dandys und des Flaneurs als Sozialfiguren der frühen Großstädte vorgestellt werden – mit Ausschweifungen zu analogen Überlegungen von Georg Simmel, Sartre, Magnus Klaue u.a.

via Ärgernis