Archiv für April 2011

Bürgerlich? Islamistisch? Revolutionär? Der Maghreb nach dem Umbruch in Tunesien und Ägypten

Rachid Ouissa (Marburg)

Verblüfft und verwirrt waren große Teile der Medien und der Politik, als Tunesien nicht mehr in den Reiseführern, sondern in den Nachrichten Thema wurde, als hunderttausende zumeist jüngere Demonstranten in kurzer Zeit einen autoritären Herrscher stürzten. Noch weniger erwartete irgendjemand die täglichen Massendemonstrationen und das Ende der Mubarak-Diktatur in Ägypten. Mit reichlich Verspätung überbot man sich schließlich mit Analysen und Einschätzungen. Handelte es sich nun um Brotunruhen? Profitierten die Islamisten – eine Revolution wie 1979? Ging hier eine friedliche Demokratiebewegung für eine liberale Demokratie auf die Straße – wie vermeintlich 1989? Oder war es gar eine Revolution 2.0 – nur möglich wegen facebook und twitter?
Der Vortrag von Prof. Rachid Ouissa (CNMS, Universität Marburg) soll die Hintergründe des Umbruches im Nahen Osten beleuchten, mit dem Fokus auf Nordafrika. Die ökonomische Situation im Maghreb gilt es dabei ebenso in den Blick zu nehmen, wie die gesellschaftlichen Strukturen, den Anteil junger Menschen, die Rolle der vielbeschworene Mittelschicht oder die Auflösung tribaler Strukturen. Die Betrachtung und Analyse dieser Hintergründe ist die Voraussetzung, um die Frage nach Tradition und Moderne im Nahen Osten zu stellen.

Do, 28.04.11
18.30
Melanchthonianum, Uniplatz, Halle

Der Staat – ein vernünftiges Ungeheuer? Zur Kritik der neuzeitlichen Legitimationsversuche des Gewaltmonopols

mit Ingo Elbe (Bochum)

Mit der Entstehung des modernen Kapitalismus zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert wandelt sich mit dem Menschenbild auch das Nachdenken über die Legitimität und Funktion von Herrschaft. Der Staat wird nicht mehr im Rahmen einer göttlichen Weltordnung fundiert, sondern soll sich als künstliches, aber vernünftiges Produkt menschlichen Handelns ausweisen.
Der Vortrag soll ausgehend vom Gründungsdokument bürgerlicher politischer Philosophie, Thomas Hobbes’ ‚Leviathan’ (1651), einen Überblick über die Begriffe und Mythen der neuzeitlichen politischen Philosophie geben. Es soll zugleich gezeigt werden, wie die frühbürgerlichen Denker mit dem Anspruch einer Rechtfertigung des modernen Staates wichtige Einsichten über dessen Wesen offen bis zynisch aussprechen: Der Leviathan, den Hobbes als Bild für das Gewaltmonopol wählt, ist immerhin ein Ungeheuer…

Dienstag, 26.04.11 – 18.30 – Melanchthonianum, Uniplatz, Halle