Sternstunden antifaschistischer Kritik III – Antifa Task Force Jena

Im Osten Thüringens gibt es ein Tal, in dem sich Mandy und Maik gute Nacht sagen. Hier befindet sich die Stadt Jena. Und wie es sich für ein ostzonales Kaff gehört, gibt es neben Netto-Konsum und Plattenbau eine Antifa – die Antifa Task Force Jena. Aber einfach nur Nazis aufs Maul zu hauen, ist den Boys und Girls zu wenig. So versucht man sich an der Kritik reaktionärer Tendenzen in der örtlichen Linken. Schön und gut.
Die örtliche Solid-Gruppe habe ein tadelnswertes Verhältnis zum Staat Venezuela und zum Antizionismus. Alles nichts Neues und man sollte immer wieder auf diese Phänomene hinweisen. Doch das reicht unseren Antifas nicht. Sie halten es für nötig, sich mit der lächerlichsten antideutschen Gruppe aller Zeiten zu solidarisieren. Denn die Linksjugendlichen wagten es, Justus Wertmüller anzupöbeln – einen Mann, der dies selbst sicher niemals machen würde. Mit viel gutem Willen könnten man auch dies kritisieren. Was aber folgert die Antifa Task Force aus Jena?

In dieser Hinsicht sind die Burschenschafter somit den linken Antisemit_innen einiges voraus.

Ja, genau so steht es da, denn mit jenen könnte man zumindest noch vernünftig diskutieren:

Schönstes Beispiel hierfür sind die Vorträge zur Kritik an den Männerbünden, an denen sich auch Burschis beteiligten und diese sich ausgiebig mit dem Referenten diskutierten [sic!], ohne ihm zu Drohen [sic!] oder den Vortrag auf andere Weise stören zu wollen.

Mit Verlaub: Diese Jeneser sind offenbar vollkommen wahnsinnig geworden. Zwar rudert man im letzten Absatz zurück:

Dennoch darf bei aller Kritikfähigkeit nicht übersehen werden, dass Burschenschafter ein reaktionärer, sexistischer und elitärer Haufen sind, der in Grund und Boden kritisiert gehört und somit keinen Deut besser sind als die linken Feinde der Aufklärung.

Aber in einer Stadt, in der es 16 aktive oder historische Studentenverbindungen gibt, in der im Stadtmuseum das Verbindungsunwesen verherrlicht wird und in der sogar an den offiziellen Schwarzen Brettern der Universität Veranstaltungsankündigungen dieses Gesindels hängen dürfen – in dieser Stadt lobt die örtliche Antifa die Diskussionsbereitschaft von Buschenschaftlern, anstatt ihnen einfach die Fresse zu polieren. Ich verstehe die Welt nicht mehr.


9 Antworten auf „Sternstunden antifaschistischer Kritik III – Antifa Task Force Jena“


  1. 1 bigmouth 22. Juni 2011 um 12:26 Uhr

    ihre venezuela-kritik ist aber auch ganz toll:

    „Wenn man sich die Beziehungen zwischen Venezuela und dem Iran anschaut oder sich die allgemein strikt antiwestliche Politik Venezuelas vor Augen führt, muss dazu nicht viel mehr gesagt werden. “

  2. 2 Simone 22. Juni 2011 um 13:02 Uhr

    Vielleicht verbat ihnen ein Rest von Scham, sich auch noch an einer Kritik der venezuelanischen Regierung zu versuchen. Vielleicht handelt es sich auch um etwas so Evidentes, dass wir es gar nicht erkennen können.

  3. 3 zonenopfer 22. Juni 2011 um 13:41 Uhr

    scham, weil sie offensichtlich nicht fähig sind, halbwegs inhaltsreiche argumente zu formulieren oder tatsächliches wissen zum fundament zu machen. tja, deshalb muss dann eben „antiwestliche politik“ ohne klärung dessen, was eben deren problematischer gehalt ist (verkürzte kapitalismuskritik, anti-individualismus, etc), herhalten. und das sauoffensichtliche – die kollaboration mit dem iranischen regime. dass in venezuela zudem ein autoritäres regime jeglichen dissens und jegliche opposition mit brutaler repression unterdrückt, scheint für die taskforce (…) kein grund der kritik zu sein (wie auch nicht für die nur dem ziel aber nicht dem inhalt nach zurecht kritisierten „solidarischen“ antiimps).

  4. 4 MC Gurke 22. Juni 2011 um 14:45 Uhr

    „So störten die Klassenclowns [der Linksjugend Jena] den Vortrag des Berliner Journalisten und brachten auch auf Nachfrage nur unproduktive [!!] Kommentare zustande. In dieser Hinsicht sind die Burschenschafter somit den linken Antisemit_innen einiges voraus.“

    Justus Wertmüller ist mittlerweile also „Journalist“ (!!!) und Stören und unproduktive (ja, sie benutzen dieses Wort !!) Kommentare Bringen macht einen schon zum Antisemiten(!!), dem reaktionäre und völkische Burschenschaftler aufgrund ihrer „Diskursfähigkeit“ überlegen sind??? WTF! Und wo zum Teufel kommt denn jetzt der Antisemitismusvorwurf in Bezug auf diese SDS-Deppen her? Ist das jetzt grundsätzliche Sippenhaft oder kritisiert man schon noch Handlungen und Äußerungen? Und seit wann muss Kritik produktiv sein?? Da haben die wohl bei ihren eigenen Ikonen was nicht verstanden.
    Würg. Nach Merseburg gleich noch Jena: Danke für diesen nicht zu unterbietenden Offenbarungseid.

  5. 5 Holgar 22. Juni 2011 um 18:27 Uhr

    Gibt es gerade aktuelle Texte zu Burschenschaften, in denen klar belegt wird, welche Verbrechen gerade auf Kosten der Burschenschaften gehen? Sind die allesamt so schlimm, wie radikale Linke behaupten? Oder handelt es sich nicht mittlerweile viel mehr um einen konstruierten Feind, den die vielen engagierten jungen linken „Student_innen“ in Uni-Städten brauchen, weil es dort kaum Neonazis gibt, gegen die man sich als guter Mensch auflehnen könnte? Das Burschenschaften Männerbünde sind, klaro. Aber das sind die meisten Fußball-Ultra-Gruppierungen auch… Dass es neonazistische Burschenschaften gibt, klaro… Aber gibt es aktuelle Studien/Texte zur Gesamtheit der Burschenschaften? Gibt es mittlerweile nicht auch Burschenschaften, die Rassismus ablehnen? Eine Antwort gibt uns vielleicht bald schon Kai Ming Au – entweder er wird demnächst in die Führungsebene des Dachverbands der deutschen Burschenschaften gewählt oder nicht.

  6. 6 Simone 22. Juni 2011 um 22:22 Uhr

    Zuerst: Ultra-Männerbünde sind genauso zu kritisieren wie studentische. Weiter: Selbstverständlich sind nicht alle Verbindungsstudenten Neonazis. Aber sie bekennen sich durchweg zur deutschen Nation. Dies ist abzulehnen – egal, ob dies ein „Bio-Deutscher“ tut oder jemand mit Migrationshintergrund. Zuletzt: Die einzige Konsequenz aus der historischen Rolle der Studentenverbindungen kann nur ihre konsequente Auflösung sein.
    Soviel in Kürze.

    P. S. Warum sollte man sich überhaupt solchen Verbindungen anschließen? Es gibt doch Wohngemeinschaften u. ä.

  7. 7 MC Gurke 22. Juni 2011 um 22:39 Uhr

    Kai Ming Au gibt uns gar keine Antwort, er beweist höchstens Deine Dummheit. Sein Bekenntnis, ein „stolzer Deutscher“ zu sein, sein patriotischer, völkischer Nationalismus und seine Mitgliedschaft in einem streng rechten, geschichtsrevisionistischen Dachverband, zu dessen Treffen „Deutschland Deutschland über alles“ erklingt – all das wird nicht besser, nur weil seine Familie einen Migrationshintergrund hat. Wer denkt, dass Leute aufgrund ihrer ethnischen Herkunft bessere (oder schlechtere) Menschen sind, ist ein Rassist.

  8. 8 zur deutschen burschenschaft 23. Juni 2011 um 19:38 Uhr

    Gutes Interview (nicht so sehr die Fragen, als die Antworten): Stream: http://www.freie-radios.net/portal/streaming.php?id=41660
    Download: http://www.freie-radios.net/mp3/20110620-rechtsextrem-41660.mp3

    Mein Beitrag zur Debatte: Alle Männerbünde sind scheiße, aber Männerbünde, die explizit politisch und nationalistisch/ geschichtsrevisionistisch usw. sind, noch beschissener.

  9. 9 WozueinName? 11. November 2011 um 1:11 Uhr

    Ich versteh hier nicht, was genau bei dem Vortrag passiert ist, worauf sich die Kritik genau bezieht – für Personen, die nicht dabei waren.
    Polemik funktioniert, wenn viele Leute genug über das Thema wissen und nicht wenn es bloße Lästerei ist.

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