Sternstunden antideutscher Kritik I – Justus gegen Stephanie

Die (post)antideutsche Bewegung ist ganz unten angekommen. Nachdem sich manche ihrer Protagonisten in Sachen „Islam-Kritik“ mehr als genug lächerlich gemacht haben, hat sich eine Gruppe von Bahamas-Kindergroupies aus Jena einen scheinbar angemesseneren Gegner ausgesucht: S. B., Vorstandsmitglied des Studierendenrates der Universität Jena.

„Wer ist S. B.?“, wird sich der Leser mit Recht fragen. Es muss sich in jedem Fall um ein besonders aufklärungsfeindliches und gefährliches Subjekt handeln, denn Justus Wertmüller persönlich ist eingeladen, eine Philippika gegen sie zu halten. Doch was hat S. B. getan? Sie hat ein Problem mit einem J. G., einer Person, die außerhalb Jenas ebenfalls kaum jemandem bekannt sein dürfte. Dieser war Sprecher des Stura-Referats gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und wollte ausgerechnet einen Vortrag mit dem bekannten Vertreter einer Spielart gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit – oben genanntem Justus Wertmüller – an der Universität Jena finanziell unterstützen. Dies wurde abgeleht, was wiederum für Unmut bei oben erwähnten, diesen Vortrag organisierenden Groupies sorgte. In der folgenden Zeit wurde sich in Jena offenbar viel gestritten und letztendlich ließ sich besagter J. G. – Skandal, Skandal! – irgendwie freiwillig u. a. von genannter S. B. aus dem Amt entfernen. Die Association Pommes de Terre will nun aber das letzte Wort behalten und läd Justus Wertmüller zur großen Abrechnung in diesem weltbewegenden ideologiekritischen Kampf nach Jena ein.

Da der Anlass des Ganzen aber ganz offensichtlich allein zu banal und lächerlich ist, wird versucht, die ganze Chose als Kritik an studentischer Selbstverwaltung und ihrer strukturell bedingten Auswüchse zu verkaufen – ein Vorhaben, das gewiss berechtigt ist (siehe diese hochschulpolitischen Bonbons), für das es aber keinen Justus Wertmüller braucht, sondern lediglich etwas vernünftiger Reflexion. Zudem scheinen sich die Beteiligten nicht ganz klar zu sein, ob sie nun die widerliche Stura-Gemeinschaft als Inkarnation des Bösen kritisieren, oder selbst ein Teil von ihr sein wollen. Wenn sie dies nämlich nicht wollen, warum dann die Aufregung um den freiwilligen unfreiwilligen Rücktritt?

Letztendlich bin ich nicht in der Lage, ein Urteil zu fällen, ob S. B. und ihre Genossen affirmativ-bauchlinke Nachwuchspolitiker oder die Kartoffel-Freunde armselige Wichtigtuer mit dem politischen Reflexionsvermögen typischer Provinzantideutscher sind. Dies sollen die entscheiden, die es angeht und die es interessiert: die politisch interessierten Studierenden der Universität Jena.
Es ist jedoch mit Gewissheit festzustellen, dass die antideutsche Bewegung mittlerweile so weit gekommen ist, dass sie die Streitigkeiten in einem unbedeutenden Gremium studentischer Selbstverwaltung in irgendeinem ostzonalen Provinznest zu einem Gegenstand umfassender Kritik erheben muss.
Vor dieser ungeheuren Lächerlichkeit könnte man dabei leicht übersehen, dass ausgerechnet einige der größten Kritiker personalisierter Kritik der Verhältnisse in ihrem Ankündigungstext mit persönlichen Invektiven nur so um sich werfen. Es geht also auch in diesem Zusammenhang immer noch schmutziger, immer noch schamloser und immer noch niedriger.
Auch die Jeneser Jungantideutschen sehen dies offenbar ähnlich und verkünden, ja drohen:

„[…] Justus Wertmüller wird in Jena so oft öffentlich sprechen, wie es nötig ist!“

Ich bin gespannt auf den nächsten Akt dieser Farce.


11 Antworten auf „Sternstunden antideutscher Kritik I – Justus gegen Stephanie“


  1. 1 moi 24. Juni 2011 um 15:09 Uhr

    Nun seid mal nicht so spöttisch. Immerhin ist die Unterüberschrift zur Veranstaltung – „Der doppelte Justus“ – ein hervorragendes Beispiel zur Veranschaulichung des Spiegelstadiums nach Lacan. Und wer hätte gedacht, dass die tapferen Kämpfer gegen Narzißmus und allseitige Regression sich noch einmal auf ein derartiges theoretisches Niveau begeben würden?

  2. 2 MC Gurke 24. Juni 2011 um 17:24 Uhr

    Kämpfer gegen den Narzißmus? Dieses Selbstverständnis wäre mir neu.

  3. 3 Simone 26. Juni 2011 um 12:31 Uhr

    Der Kartoffel-Blog ist mittlerweile gesperrt. Das ist ein bisschen schade. Ich hätte gern noch etwas mit diesen Leuten diskutiert oder vielmehr diese Deppen dummgemacht.

  4. 4 tee 26. Juni 2011 um 21:45 Uhr

    kann ich mir denken, simone. hat sich sicher gut angefühlt, dieser kurze moment der überlegenheit.

  5. 5 Simone 27. Juni 2011 um 7:59 Uhr

    Spiel mit Deinen Katzen, Du Sachse.

  6. 6 tee 27. Juni 2011 um 12:43 Uhr

    genau. wenn man nicht mehr weiter weiß, holt man irgendwas persönliches raus, in der hoffnung, das gegenüber so zu treffen.

  7. 7 Simone 27. Juni 2011 um 16:15 Uhr
  8. 8 Jaja 29. Juni 2011 um 14:05 Uhr

    @simone falls du sie noch weiter dumm machen möchtest…
    http://associationpdt.wordpress.com/

  9. 9 J.G. 07. Juli 2011 um 16:12 Uhr

    Stellungnahme von J. G.:

    „In den letzten Wochen ist im Campusradio und im Internet von meinem Rücktritt als Leiter des Referats gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit berichtet und auch über die dazugehörenden Umstände diskutiert worden.
    Ich möchte zur sachlichen Diskussion beitragen und ein paar Anmerkungen machen. In der Debatte ist auch der Eindruck entstanden, ich stünde gewissen politischen Kategorien innerhalb der linken Szene nahe. Ich möchte klar sagen: Das ist nicht der Fall. Wir haben innerhalb des Referates den Austausch über bestimmte Themen geführt, wie es uns notwendig schien. Wir haben stets versucht abzuklären, wo es Differenzen in politischen Ansichten, Anliegen und Aktionen zu jeglichen gefestigten politischen Standpunkten gibt. Meinen eigenen politischen Standort habe ich stets versucht einfließen zu lassen in das, was das Referat im zurückliegenden Zeitraum an Aktionen gestaltet und verantwortet hat. Wir verstanden uns trotz eigenen Akzenten immer als eine Plattform, die die Möglichkeit der kritischen Selbstreflexion für alle zivilgesellschaftlichen Strukturen in Jena bieten wollte.

    Meine Arbeit als Referent hatte das Ziel Bildungsarbeit gegen rechte Ideologie zu betreiben. Die kontroversen Debatten innerhalb des Referats haben wir immer versucht auch in eine öffentliche Auseinandersetzungen zu tragen.
    In diesem Zusammenhang kam es auch zu einem Vortrag von J. Wertmüller. Eine Jenaer Gruppe hatte das Vorhaben, einen Vortrag mit ihm zu veranstalten und hatte das Referat um finanzielle Unterstützung gebeten. Dem wollten wir nach langen Diskussionen im Referat Raum geben, weil wir der Meinung waren, wir sollten – wie bei anderen Themen auch – diese Debatte öffentlich führen. Nach einer StuRa-Entscheidung hat das Referat den Vortrag nicht finanziell unterstützt. Der Vortrag fand dennoch statt. Die politischen Ansichten und der Stil Wertmüllers mit all seinen Rundumschlägen gegen alle Beteiligten haben mich, der ich als Gast anwesend war, befremdet. Das ich daraufhin in meiner Funktion als Referent nicht öffentlich interveniert habe, bedaure ich.

    Ich habe mich im Nachhinein öffentlich bei angegriffenen Einzelpersonen entschuldigt und bin dann in Konsequenz des ganzen Konflikts vom Amt des Referatsleiters zurückgetreten. Das ist mir merklich schwergefallen. Diese Konsequenz, die mir persönlich weh getan hat, hätte ich gerne vermieden.

    Dass nunmehr Justus Wertmüller noch einmal eingeladen wird, ist nur als Provokation zu verstehen. Ob diese zu einer sinngebenden politischen Diskussion beitragen kann, – um die es mir und uns gemeinsam gehen sollte %u2013 halte ich zumindest für ausgeschlossen.“

  1. 1 Sternstunden antideutscher Kritik II – Justus gegen Stephanie « critique aujourd‘hui Pingback am 07. Juli 2011 um 12:44 Uhr
  2. 2 Sternstunden antifaschistischer Kritik IV – Jena keine Nazi-Stadt « critique aujourd‘hui Pingback am 31. Dezember 2011 um 10:46 Uhr
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