Sternstunden der Hochschulpolitik I – Jena again

Weil es so schön lustig ist in der ostzonalen Provinz, hier ein weiterer Teil der Sternstunden-Serie, ebenfalls aus Jena. Von den ganz doll wichtigen Kartoffeln und ihren Berliner Freunden auf den Bahamas auf die Provinznachwuchssturafunktionärin S. aufmerksam gemacht, blieb der Blick auf den Seiten des Jenenser Sturas hängen. Zwei Bonbons sollen den geneigten (und ob ihrer Anwesenheit auf einem Blog wohl auch gelangweilten) Lesern nicht vorenthalten werden: ein Höhepunkt links-studentischer verkürzter Kapitalismuskritik und ein Einblick in die (verblüffende) hochschuldemokratische Entscheidungsfindung der Studierendenvertreter der lokalen Universität.

@ capitalism
Das Jenenser Studierendenrats-Referat „Menschenrechte“, dass damit wirbt, dass der Kampf für diese nicht nur richtig, sondern auch lohnenswert ist, veranstaltet in diesem Semester eine Veranstaltungsreihe zu „Konsum & Menschenrechten“. In schlichtester Bildmetaphorik zeigt uns das Plakat zur Reihe unsere westliche Welt – diese erscheint als vor-apokalyptischer Moloch „Metropolis“, in dem das Kapital regiert und der Mensch (in den grauen amerikanischen Hochhausschluchten) verschwunden ist. Ein endzeitliches Unwetter ist aufgezogen, während der Bohrturm-verseuchte Ozean auf die Massenstadt zuwälzt – bis an den Horizont verdecken graue US-Dollarnoten wie ein eiserner Vorhang den blauen Himmel. Im Bildzentrum sitzt der europäische „Denkende“.
Das Programm, dass zwischen fair gehandeltem Kaffee, schlechten Filmen über blöden Massenkonsum und langweiligen Plädoyers für einen besseren Kapitalismus bestenfalls Gähnen verursachen kann, hat mit Menschenrechten in seinem pathetischen, bewegungslinken Fokus nur wenig zu tun. Jegliches ernsthaftes Nachdenken über die Themen will sich aber auch gar nicht einstellen, angesichts einer so überfrachteten Metaphorik, die kaum mehr auf verkürzten Antikapitalismus, sondern nur noch auf stumpfes Ressentiments verweist. Die Organisatoren der Reihe und ihre Gäste denken nicht über Konsum und Kapitalismus nach, sie eint lediglich Angst vor und Hass auf das unverstandene Abstrakte, das schon den völkischen Romantikern vor 100 Jahren in Metropolen und Dollar personifiziert schien. Ein Grund für die lokale Antifa-“task force“, wenigstens mit einem kritischen Kommentar zu intervenieren? Mitnichten, sie kritisiert lieber ohne die richtigen Argumente irgendwelche PDS-Gurken und betreibt die Ehrenrettung von Burschenschaftlern.

@Hochschuldemokratie
S.B., Intimfeindin von J., sitzt im Vorstand des Stura. Der Stura, könnte man auch mit Bezug auf die bekannte Aussage eines französischen Königs meinen, ist sie, abwechselnd gemeinsam mit P. oder C. Denn wie es sich gehört, wird in der Studierendenvertretung basisdemokratisch über die (üppigen) Studierendengelder entschieden. Das führt dann dazu, dass beispielsweise Gelder für einen Veganismusvortrag, ein Referat über „Klassenkämpfe“ oder zahlreiche sportliche Aktivitäten des Sportreferats bewilligt werden. Abgestimmt wird so:

Das Sportreferat beantragt 396 Euro für Übernachtung und Meldegeld für die DHM Schwimmen.
Dafür: 2 Dagegen: 0 Enthaltungen: 0

Nanu? Haben wir bei „Hochschuldemokratie“ etwas nicht verstanden? Gucken wir uns ein anderes Beispiel an:

Für eine Party am 7.Mai in der JG Jena möchte das Referat die Konzertgage von Björn Peng übernehmen und beantragt dafür 490 Euro.
Dafür: 0 Dagegen: 1 Enthaltungen: 1

Ja sapperlot, besteht die Hochschuldemokratie in Jena etwa nur aus S. + 1? Da kann man ja glatt verstehen, dass J. total sauer auf die S. ist. Denn jetzt mal echt, das ist ja nicht nur Willkürwirtschaft, sondern auch noch geschmacklos – Björn Peng zum 8. Mai ist doch schließlich viel cooler als etwa das volksphilosophische Sofa oder die DHM Schwimmen.

Echt irre – Linke in Jena sind – wie andernorts auch – totally peinlich, dumm und beknackt.


4 Antworten auf „Sternstunden der Hochschulpolitik I – Jena again“


  1. 1 Zonengabi 24. Juni 2011 um 0:06 Uhr

    Das ist keine Kritik mehr, das ist gepflegter Antijenanismus. Gefällt mir.

  2. 2 MC Gurke 24. Juni 2011 um 0:23 Uhr

    Ja, der letzte Satz ist dann auch irgendwie einfach rausgerutscht, nachdem ich so viel Elend betrachtet hatte.

  3. 3 tee 24. Juni 2011 um 0:43 Uhr

    das mit björn peng ist jedoch gewagt!

  4. 4 MC Gurke 24. Juni 2011 um 13:09 Uhr

    Wer selbst staunen will angesichts derartiger Scheiße:

    Kapitalismuskritik aus dem Bauch

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