Sternstunden „linker“ Dummheit I

Unser ironischer Serientitel „Sternstunden antifaschistischer Kritik“ wäre für das Folgende mehr als euphemistisch. Die vier regressivsten „linken“ Gruppen in der BRD – Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin (ARAB), Rote Szene Hamburg (RSH), Zusammen Kämpfen (ZK-B) und Rote Antifa NRW – haben mit ihrer Aktion, Selbstinszenierung und Erklärung anlässlich des Gedenkens an den deutschen Überfall auf die Sowjetunion nämlich einen weiteren deutlichen (und erschreckenden) Beweis für ihre erbärmliche ideologische Regression und ihre antiemanzipatorische Ausrichtung geliefert. Mit Hasskappen und Teleskopschlagstock posierten sie vor einem sowjetischen Ehrenmal in Berlin, um mitzuteilen, dass „große Teile der deutschen Bevölkerung“ „ohnmächtig zusehen [mussten], wie die grausame Fratze des Faschismus sich auf der Welt verbreitete“. Auch hätten große Teile der deutschen Bevölkerung das Lager gewechselt [!]. Da die „KPD und andere ArbeiteInnenvertreter zu Massen in Folterkellern und Pogromen getötet wurden“, sei „bis zu diesem schicksalshaften Tag [!]“ des Überfalls „der historische Widerstand in der deutschen Bevölkerung gering“ geblieben.1 Dass der „historische Widerstand“ der deutschen Bevölkerung sich auch nach 1939 und bis zum 8. Mai 1945 in Mitmachen und Zuschauen ausdrückte, scheint nicht der Erwähnung wert zu sein. Nachdem sie in bestem Volksbund für Kriegsgräberfürsorge-Sprech an „die Millionen Gefallenen“ des Zweiten Weltkriegs erinnern, erklären sie den Massen, dass die „Wurzel des Faschismus“ „der Kapitalismus im Deckmantel [!] der bürgerlichen Demokratie“ sei.

Bevor der geschichtsvergessene und Quantität und Qualität der deutschen Verbrechen relativierende Schwachsinnstext in Gänze wiedergegeben wird, hier das Bild, das die zu einem großen Teil minderjährigen „Vertreter“ der Gruppen bei ihrer Aktion gemacht haben. Man achte auf den Text:
Kaputte

Die wackren KämpferInnen (insbesondere am linken und rechten Bildrand bringen sie ca. 15/16 Jahre mit und max. 50 Kilo auf die Waage) haben offensichtlich nicht nur gerade ihre Hassis mit Perwoll gewaschen und einen Teli auf Tasche, sie wollen auch noch – allen Ernstes – „Rote Armeen [!] aufbauen“. Und das posaunen sie im gleichen Atemzug heraus, in dem sie auch die hiphopmäßig ganz geile, aber dem Anlass nun wirklich völlig unangemessene Hiphop-Krawall-Fick-alles-Combo K.I.Z. grüßen, wie ein debiler Groupieverein (- in einem recht witzigen Lied grüßten K.I.Z. zuvor diese Sinnlosgruppen und sampleten ein paar coole Demoslogans.) Zudem wedeln diese autoritären Charaktere ausgerechnet mit einer Flagge der kurdisch-nationalistischen Miliz PKK (WTF) herum, sie, die bei anderen Gelegenheiten popantideutsche Träger von Israelfahnen (deren Fahnen hätten dem Anlass nach wenigstens gepasst) als „Nazis“ beschimpft hatten. Einfach unglaublich. Warum machen sie es nicht einfach wie die Prolls aus Hamburg, wenn sie alleine sind – in einem Erste Mai-Mobivideo zeigten diese konsequent, dass sie nichts sind als ungebildete, aber auf Stalin, Hammer und Sichel stehende Hoolmacker ohne jeglichen ernsthaften politischen Anspruch.

Zum Abschluss nochmal Text der „antifaschistischen Revolutionäre“ in seiner ganzen irren Pracht:
Sie erinnerten an die Millionen Tote durch die Barbarei des Faschismus, am Tag des Überfalls auf die Sowjetunion und der gezielten und massenhaften Abschlachtung großer Teile der Bevölkerung über Kontinente hinweg. Bis zu diesem schicksalshaften Tag blieb der historische Widerstand in der deutschen Bevölkerung gering, da KPD und andere ArbeiteInnenvertreter zu Massen in Folterkellern und Pogromen getötet wurden. Große Teile der deutschen Bevölkerung wechselten das politische Lager oder mussten ohnmächtig zusehen, wie die grausame Fratze des Faschismus sich auf der Welt verbreitete. Die Millionen Gefallenen des 2. Weltkriegs zeigen uns, dass der Faschismus in seinen Wurzeln zerschlagen werden muss. Diese Wurzeln sind für uns der Kapitalismus im Deckmantel der bürgerlichen Demokratie.

Und gerade heute sind wir uns mehr als zuvor im Klaren, dass der Faschismus in Deutschland nicht ausgerottet ist: Die Aufmärsche der vergangenen Monate und die in die hunderte gehenden Ermordeten seit der so genannten „Wiedervereinigung“, die Wahlen von nazistischen Parteien in die Parlamente, aber auch das soziale Gefälle, dass sich seinen Ausdruck in der vom bürgerlichen Staat propagierten Rassismen und Sexismen kundtut.

Nicht nur die Zusammenarbeit von Polizei und Nazis, zum Beispiel in den vergangenen Wochen in Berlin, demonstrieren uns, dass wir dem bürgerlichen Staat, sei es Polizei oder Justiz, kein Vertrauen schenken dürfen und werden. Wir, die Vertreter, unserer Gruppen schwören uns, dass sollte sich irgendwann Faschisten durchsetzen wollen, wir sie mit unseren eigenen Mitteln zerschlagen werden, und wir schwören uns, an diesem 22. Juni, sollte es vom deutschen Boden jemals wieder zu einem Angriffskrieg auf einen sozialistischen Staat kommen, wird der Hauptfeind nicht im Ausland zu finden sein, sondern wir werden diesen Angriffskrieg mit all unseren Mitteln bekämpfen.

Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin
Rote Antifa NRW
Rote Szene Hamburg
Zusammen Kämpfen Berlin

P.S.: Die Kommentarspaltendebatte im betreffenden Artikel des linken Internetportals „Indymedia“ macht den erbärmlichen Zustand der dort Versammelten ebenso deutlich, wie sie einfach köstlich ist.

  1. 1 [zurück] Aus der unverhältnismäßig starken Betonung des deutschen Widerstandes, der Reduktion des Nationalsozialismus und des Massenmordes auf ökonomische Interessenlagen verschiedener Fraktionen der deutschen Monopolbourgeoisie und der direkt damit verbundenen nachträglichen Entlastung der Bevölkerung ergab sich mit dem Bild des »anderen Deutschland« der zentrale Gründungsmythos der DDR [und diesen übernehmen Gruppen wie ARAB, ZK etc., MC Gurke]. »Wie aus einem Jungbrunnen«, so umschrieb Eike Geisel die Implikationen der in Ost und West gleichermaßen beliebten Formel, »entstieg dieser Konstruktion, kaum war es mit der kriminellen Volksgemeinschaft vorbei, ein neues Kollektiv, das ganz anders, vor allen Dingen anders deutsch, nämlich anständig gewesen war. Abgesehen vom völkischen Denkmuster, das mit dem Begriff vom ›anderen Deutschland‹ tradiert wird; abgesehen von der Berufung auf Anständigkeit, ein Charakterzug, auf den gerade die Nazis ihre Schlächter immer wieder eingeschworen haben; abgesehen von der Tatsache, dass es Widerstandsaktionen von einzelnen Personen und isolierten Gruppen, nicht aber eine anderen Ländern vergleichbare Widerstandsbewegung gegeben hat; abgesehen von all diesen Momenten wird bei der Berufung auf das ›andere Deutschland‹ dessen größte Schande sanktioniert: die Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der Juden.«
    Durch die eindeutigen Schuldzuweisungen an die gesellschaftlichen Eliten, die das eigene Volk »missbraucht« bzw. »verführt« hätten, wurden die zwölf Jahre des Dritten Reiches als »eine Phase der Fremdherrschaft« verstanden, »als gehöre die NS-Zeit gar nicht zur Vorgeschichte der eigenen Gesellschaft«. Die Selbstbeschreibung als antifaschistische deutsche Nation, in der sich in Verlängerung über den Widerstandskampf gegen Hitler alle vermeintlich positiven Traditionen der deutschen Geschichte vereinigt hätten, ermöglichte und verlangte gleichzeitig die Abstraktion »die Faschisten« zur Kennzeichnung der Täter. Der antifaschistische Selbstanspruch der DDR – der hier trotz aller Kritik nicht in Frage gestellt werden soll – in Kombination mit der Selbstwahrnehmung als Opfer des Faschismus, führte den Blick auf Auschwitz wie von unbeteiligter Seite, die zwar bedauert, tatsächlich aber kein aufrichtiges Interesse am Leid der ermordeten Juden aufbringen kann.
    Aus: Gerber, Jan: Sieger der Geschichte. Auschwitz im Spiegel der Geschichtswissenschaft und Geschichtspolitik der DDR. In: AG Antifa/Antira im Stura der Universität Halle (Hrsg.): Trotz und wegen Auschwitz. Antisemitismus und nationale Identität nach 1945, Münster 2004. Onlineversion. Dort auch die Verweise.

35 Antworten auf „Sternstunden „linker“ Dummheit I“


  1. 1 Prollo 26. Juni 2011 um 16:47 Uhr

    Wo ist die Kritik?

  2. 2 whatever 26. Juni 2011 um 18:35 Uhr

    hehe, die sache mit kiz is garnich so groupiemäßig. bezieht sich auf ein lied der besagten gruppe. http://www.youtube.com/watch?v=-0Vpx0c6xBQ

  3. 3 Zonengabi 26. Juni 2011 um 21:44 Uhr

    Wo ist die Kritik?

    Für dich hier oder hier.

  4. 4 MC Gurke 26. Juni 2011 um 22:58 Uhr

    Jo. Also gegrüsst in einem Lied einer Spaß-Rapcombo, super.

    Dummheit und mangelndes historisches/politisches/theoretisches Wissen versuchen die Spinner aus diesen Gruppen durch Theoriefeindlichkeit wett zu machen, sie machen lieber auf Poser und Checker.
    Das Problem is nur, dass sie gerne zu den Atzenkeepern dazugehören würden, aber zu klein, lächerlich und erbärmlich dafür sind, und dass sie gerne coole Antifachecker wären, aber zu klein, unbedarft und erbärmlich auch dafür sind.

    K.I.Z. sind übrigens in Berlin rausgekommen, als die vermummten Kiddies noch die Grundschulbank drückten.
    http://www.youtube.com/watch?v=Zl-_fGzVv2s

  5. 5 Hoolmacker ohne jeglichen ernsthaften politischen Anspruch 27. Juni 2011 um 14:02 Uhr

    Tja, kritisiert hast du das Ganze leider nicht. Dir scheint die Kleidung oder das Alter der Leute auf dem Foto wohl wichtiger zu sein..

    Achja, ausser deinem „Argument“, dass der „Widerstand der deutschen Bevölkerung sich auch nach 1939 und bis zum 8. Mai 1945 in Mitmachen und Zuschauen audrückte“, was nicht nur absoluter Quatsch ist, sondern wohl auch absolut daneben gegenüber denen die im Widerstand gekämpft haben und getötet wurden.

    Aber im Allgemeinen ganz süss, wie du versuchst die Gruppen mittels körperlicher Merkmale („zu klein“) zu kritisieren. Ich bin sicher wenn du denn wolltest, könntest du ihnen gegnüber sowohl deine intellektuelle wie deine körperliche Überlegenheit eindrücklich unter Beweis stellen..

    P.S.: Im Bewusstsein über Bildung im Kapitalismus Leute als „ungebildet“ zu beleidgen, zeugt von… Dummheit?

  6. 6 Wendy 27. Juni 2011 um 15:43 Uhr

    Abgesehen davon, dass ich mich gerade ärger, dass diese in der Tat ganz schön dämliche Aktion nicht einfach an mir vorbeigegangen ist, wundere ich mich über die Dreistigkeit, mit der „MC Gurke“ hier einen auf antideutschen PC-Kommissar*, es sich aber gleichzeitig nicht nehmen lässt, Leute aufgrund ihres Alters, ihres Aussehens, ihrer unwehrhaften Statur zu beleidigen (und sich im nächsten Atemzug über „Hool-Macker“ aufregen – lächerlich).

    Viel kritisches lässt sich im Text ohnehin nicht. Es bleibt der übliche Abgleich mit der eigenen Moral und der sich empörende Schluss „Hey, da gibts Abweichungen!“.

    *und bei der in Windeseile abgehakten Checkliste „Schlaubi-Sprech Nachwuchsantideutsche“ kommen mir auch Zweifel, ob die Dünkel des Autors gegenüber Minderjährigen angebracht sind…

  7. 7 MC Gurke 27. Juni 2011 um 17:56 Uhr

    Hoolmacker, Dein Name scheint mir in gewisser Weise im Widerspruch zu Deinen ausführlichen Reflektionen zu Bildung im Kapitalismus zu stehen. Übrigens ist es absolut bescheuert, sich angesichts kapitalistischer Verhältnisse gar nicht mehr zu bilden, was ja Deine glorreiche Alternative zu sein scheint. Super auch Dein Realitätsverlust, was die Mitwisser- und Mittäterschaft der Bevölkerungsmehrheit in der „Volksgemeinschaft“ angeht. Und Wendy, leider bin ich kein Nachwuchsantideutscher, aber danke, dass ich in Dein Feindschema passe, dass gibt mir Mut.
    Und weil ich kein tighter Streetfight-Atze bin, pose ich auch nicht mit Hassi und Teli rum, balle die Faust und rede von roten Armeen. That’s the difference, um darum kann man sich auch über die Statur dieser minderjährigen Prolls und Ex-Nazis (Aussteigen ist bei so viel ideologischer Nähe wahrscheinlich echt leicht) lustig machen, ihr Trottel (um mal diesen „antideutschen PC“-Wächter-Vorwurf gleich zu entkräften)!

  8. 8 Zonengabi 27. Juni 2011 um 19:36 Uhr

    Sorry, was ist daran auszusetzen, sich über die Staturen dieser Nachwuchsantiimps lustig zu machen, wenn sie einen auf hart machen, mit Teli und Hassi so tun, als seien sie gemeingefährliche Antifaatzen und -atzinnen, dabei aber eher wirken wie ein paar Kids von der Grüne Jugend Ortsgruppe Zwickau; dazu dann noch dummdreist mit ihren steinzeitlinken „Hinterm Faschismus steckt das Kapital“-Weltsicht hausieren gehen?

    Am lächerlichsten ist der Schwur am Ende des Textes. Da schwört man sich ein auf die Kontinuität eines herbeihalluzinierten deutschen Widerstands und hat weder einen Begriff vom Nationalsozialismus oder Antisemitismus. Aber jüdische Opfer interessieren ja diese Volksgenossen eh nicht.

  9. 9 Hoolmacker ohne jeglichen ernsthaften politischen Anspruch 27. Juni 2011 um 20:34 Uhr

    Tja, mein Name ist in erster Linie ein Zitat aus deinem eigenen Text, nur falls dir das nicht eingefallen ist.

    Egal, jedenfalls ist es in einem kapitalistischen Bildungssystem etwa so sinnvoll Leuten schlechte Bildung vorzuwerfen, wie den Armen ihre Armut vorzuwerfen. (Wobei ich den Vorwurf von dir an die entsprechenden Gruppen eh nicht nachvollziehen kann. Im Gegensatz zu deinem Posting, findet sich bei denen nämlich auf ihren Homepages politischer Inhalt)

    Was die Staturen betrifft, wird das wohl in erster Linie auch daran liegen, dass die Personen bei welchen überhaupt eine Statur zu erkennen ist, wohl in erster Linie Frauen sind. Der grösste Teil von den Leuten steht ja eh hinter dem Transparent. Und, Zonengabi und Gurke, wenn ihr von „Streetfight“ irgendwas verstehen würdet, dann wüsstet ihr auch, dass die Statur dafür ziemlich nebensächlich ist. Aber eben..

    Ich begrüsse übrigens, dass Zonengabi hier offenbar tatsächlich den kläglichen Versuch gemacht hat, die Gruppen inhaltlich (!) zu kritisieren. Woher du allerdings die Annahme hast, dass die betreffenden Gruppen keinen Begriff von Faschismus und Antisemitismus haben, ist mir dann auch eher wieder schleierhaft. Sucht man auf der Homepage der ARAB z.B. nach Faschismus, findet sich u.A. dieses Seminar:

    http://arab.blogsport.de/2010/09/07/april-2008-seminar-faschismus-analyse/

    Aber naja, sich wirklich damit zu beschäftigen ist dann offenbar von euch schon wieder zu viel verlangt..

  10. 10 Prollo 27. Juni 2011 um 22:35 Uhr

    Getrennt davon, dass 16jährige nun mal meiste wie 16jährige Antifas aussehe, genauso wie ein 25 Jahre alter Antifa wie ein 25 Jahre alter aussieht (ganz schön banale Erkenntnis, oder?); dass man also dadurch in dem Alter einfach einige Spuren schmaler, aber darum nicht unbedingt ungefährlicher sein muss (sind es nicht immer die Argumente bei einem dieser Konflikte im Südosten, auch Kinder könnten fanatische Krieger für eine Sache sein? Gilt wohl nur für Araber, hehe.)

    Aber egal, das Thema ist echt zu abwegig. Was ist spannend dran diskutieren zu müssen, ob diese Kids jetzt kleine Angeber und Angeberinnen sind, die nichts drauf haben. Vielleicht stimmt das und die rennen beim ersten „Buh“ davon. Vielleicht sind sie aber echt eine für Nazis ungemein ungemütliche Truppe. Keine Ahnung und auch völlig uninteressant.

    Und zum Inhalt blieb bisher nur das, dass die Mehrheit der Deutschen Nazis gewesen sind und eben nicht Unterdrückte. Da muss man dann drüber reden, muss ein wenig Empirie und Argumente dafür wälzen und wird dann zu manchmal unterschiedlichen Schlüssen kommen. Das sollte man dann aber schon mal wissenschaftlich belegen und diskutieren, es gibt ja mehr als eine Studie über das Verhalten der deutschen Bevölkerung. Manche zeichnen da ein düsteres Bild, manche sicherlich ein übertrieben positives. Und das einmal völlig getrennt davon, was ich davon denke. Die Zeit war nämlich nicht rosig für die wenigen im Widerstand. Aber wer glaubt denn eigentlich, dass die Resistance zu Beginn riesig war? Und Größe mag zudem eh relativ sein. Vielleicht war der deutsche Widerstand ja doch für die Brutalität, mit der die Nazis gegen jeden Gegner vorging, riesig. Vielleicht auch nicht. Ein Teil der Bevölkerung jedenfalls war brutal und effektiv und fanatisch genug, alles an Opposotion, im In- und Ausland, einfach auszuschalten. Die Deutschen haben einige dutzende millionen Menschen umgebracht und umbringen lassen. Vielleicht sollte man das einmal nicht außer Acht lassen, wenn man von den Übrig gebliebenen praktischen Selbstmord verlangt. Den ja auch viele offen hingenommen haben, weil sie wußten, was passiert, wenn man sie erwischt. Dann gibts kein Eintrag ins Klassenbuch oder mal zwei Monate, weil man sabotiert oder agitiert hat. Sondern KZ oder gleich Hinrichtung. Wie groß jetzt der Teil war, der den Gedanken der Nazis teilte? Ich teile da den negativen Gedanken, der hier eigentlich vom Verfasser und seinen Fürsprechern behauptet wird. Aber wenn ich dies beweisen oder behaupten wollen würde, weil es für irgend etwas wichtig wäre, dann würde ich auch mal einen Nachweis für meine Behauptung ODER im Gegenzug meiner Kritik daran vorbringen. Und das ja gerade, weil man dem Gegenüber und dem Dritten auch den Gedanken, der dann daraus sogar noch folgt (wie immer der aussehen mag) nahezubringen versucht.

    Dann streitet man das auf der wissenschaftlichen Ebene aus. Das ist ja dann auch okay. An manchen Punkten wird es dann Differenzen geben. Und dann klärt man die so weit, bis der andere entweder den Gedanken nicht einsieht (dabei sollte man sich aber ebenfalls auf den Gedanken einlassen, sich auch vom Gegenüber überzeugen zu lassen, also den eigenen Gedanken jede Sekunde überprüfen.) Und am Ende wird man ein Ergebnis haben. Dieses trennt einen dann oder nicht. Weil man entweder auf seinem Standpunkt verbleibt und der andere den eigenen nicht übernimmt. Das mag dann auch vorkommen, manchmal wird man selbst oder das Gegenüber aber auch einen Irrtum einräumen müssen. Es sei denn, er ist resistent gegen Nachdenken. Das muss man ihm aber erst mal nachweisen.

    Von einem solchen kann ich hier nur wenig erkennen. Hier wird ein Ergebnis vorweggenommen, bevor es inhaltlich geprüft wurde. Das endet dann in einem puren Bekennen. Ohne den Gedanken, den man verfolgt, noch erklären zu müssen. Fangt doch endlich mal wieder an zu streiten. Und wenn eure Argumente gut sind, dann wird man sie teilen.

  11. 11 MC Gurke 28. Juni 2011 um 0:25 Uhr

    Mensch, Hoolmacker, da erzählst Du mir ja was. Abgesehen davon dass ich krass Respekt vor Deinen absurden Insiderinfos zum Thema Streetfight habe, muss ich Deine Argumentation dann doch als die Scheiße bezeichnen, die sie ist. Das ARAB-Seminar und vor allem die von der ARAB (und erst recht ZK u.a.) in den vergangenen Jahren vertretenen Inhalte passen super zu der hier kritisierten Aktion, und beruht ebenfalls auf einem völlig falschen Begriff, auf dem Hochhalten des Faschismus-Begriffs, der Ignoranz gegenüber Vernichtungskrieg und Shoah, und der Idee, gut und böse ließen sich auch für die Jahre 1933-1945 mit Klassen identifizieren (- da hilft es auch nichts, dass jemand von der Phase 2 damals eingeladen war.) Das ist im Übrigen auch die Grundaussage von Prollo, der hier nach Empirie ruft und ominöse „verschiedene Untersuchungen“ ins Feld führt. Ausgerechnet unter Berufung auf die wenigen, die Widerstand leisteten und Opfer der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft aus Tätern, Mitwissern, Denunzianten und Zuschauern wurden, und die sicherlich noch viel mehr als nur scharfe Worte für ihre deutschen Volksgenossen übrig hatten, betreibt Ihr die Ehrenrettung der deutschen Mehrheit und damit Eurer eigenen deutschen Identität. Das ist widerlich. Ihr relativiert deutsche Täterschaft, löst alles in dem Wohlgefallen Eurer verkürzten Analyse auf, und jenseits von Inhalten verteidigt ihr dann auch noch peinliche Möchtegernmilitanzposerei. Mit der Statur von Frauen oder was Du da argumentieren willst, hat das übrigens gar nichts zu tun.

    Zum Inhalt braucht Ihr übrigens eigentlich nicht die wiederholten Hinweise von Zonengabi, schon die Lektüre der Fußnote hätte weitergeholfen:
    „Wie aus einem Jungbrunnen“, so umschrieb Eike Geisel die Implikationen der in Ost und West gleichermaßen beliebten Formel, „entstieg dieser Konstruktion, kaum war es mit der kriminellen Volksgemeinschaft vorbei, ein neues Kollektiv, das ganz anders, vor allen Dingen anders deutsch, nämlich anständig gewesen war. Abgesehen vom völkischen Denkmuster, das mit dem Begriff vom ›anderen Deutschland‹ tradiert wird; abgesehen von der Berufung auf Anständigkeit, ein Charakterzug, auf den gerade die Nazis ihre Schlächter immer wieder eingeschworen haben; abgesehen von der Tatsache, dass es Widerstandsaktionen von einzelnen Personen und isolierten Gruppen, nicht aber eine anderen Ländern vergleichbare Widerstandsbewegung gegeben hat; abgesehen von all diesen Momenten wird bei der Berufung auf das ›andere Deutschland‹ dessen größte Schande sanktioniert: die Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der Juden.“

  12. 12 tee 28. Juni 2011 um 0:38 Uhr

    prollo, wie kommst du denn nur auf das schmale brett, mc gurke will hier irgendwen inhaltlich überzeugen?

    ich finde das ja ganz schön überheblich von dir, gurkes distiktionsbedürfnis solltest du schon ernstnehmen!

  13. 13 Zonengabi 28. Juni 2011 um 0:44 Uhr

    Geht es mal klar, dass es nicht um die Staturen an sich geht (als ob sowas von Belang ist), sondern um das bescheuerte Mackergehabe, das immer mehr in Mode zu sein scheint. Jede bekloppte Politgruppe meint besonders hart zu sein, in dem man sich mit Transpi, Hassi und Teli abbildet. Man fühlt sich so schön wohl in der Bande, die bereit ist zu zuschlagen. Und kommt mir bitte nicht mit antifaschistischen Streetfight, wir sind nicht in Moskau ihr Kleinstadtguerillos!

    Und zum Inhalt ist wohl nicht viel zu sagen. Ihr kriegt es ja nicht mal auf die Reihe zwischen Faschismus und Nationalsozialismus zu unterscheiden, Faschismus ist eure Chiffre in der alles – Nationalsozialismus, Volksgemeinschaft, Shoa, Rassismus, ostzonale Stiefelnazis, Sozialabbau und wahrscheinlich auch Israel – zu einer Soße verrührt wird; und das hirnlose Gesülze aus dem Text zu dieser Sinnlosaktion spricht Bände. Kläglich ist nur dein Geblubber hier und die genannten Gruppen.

  14. 14 Hollister 28. Juni 2011 um 2:22 Uhr

    I fail to comprehend the purport of this posting. There exists a heap of young humans who devote themselves to the erection of a communist state and who tend to express that through the use of ski masks and telescopic batons. You should attempt to query your cerebric whether this posting was appropriate and assist the advancement of humanity. Or as a great man once said: Hatred originating from disreputable mortals is going to continually persist.

  15. 15 choooo 28. Juni 2011 um 2:25 Uhr

    Grüße an K.I.Z.

    Tippfehler vom Coolnessbeauftragten der Anti-Fortschrittlichen: es müsste eigentlichen Holger Burner heißen. Und warum die PKK-Flagge? Das Design des Plakates lässt drauf schließen, dass die Aktion ziemlich spontan gemacht worden sein muss, was aber nicht die Löcher im Gleichen erklären würde. Um auf Selbiges noch einmal nächer einzugehen: wo wollen sie dieses teure Ding eigentlich aufhängen mit DIESER Schriftgröße? Praktikanten, der Pädagoge schoss das Bild, lang lebe die SPD!

  16. 16 Prollo 28. Juni 2011 um 8:11 Uhr

    tee, die Hoffnung stirbt wohlbekanntlich zuletzt.

  17. 17 Hoolmacker ohne jeglichen ernsthaften politischen Anspruch 28. Juni 2011 um 10:26 Uhr

    Wieso, d a ist er doch, der Inhalt:

    „[…]dem Hochhalten des Faschismus-Begriffs, der Ignoranz gegenüber Vernichtungskrieg und Shoah, und der Idee, gut und böse ließen sich auch für die Jahre 1933-1945 mit Klassen identifizieren.“

    Er mag vielleicht etwas skurril sein, aber er ist da. Immerhin.

  18. 18 earendil 29. Juni 2011 um 11:11 Uhr

    zwischen Faschismus und Nationalsozialismus zu unterscheiden

    Danke für diesen Einblick in deine analytischen Fähigkeiten, Zonengabi. Unterscheidest du auch zwischen Bäumen und Eichen?

  19. 19 MC Gurke 29. Juni 2011 um 12:29 Uhr

    Unterscheidest du auch zwischen Bäumen und Eichen?

    Echt hoffnungslos. Weder den ursprünglichen Text, noch die mehrmaligen Hinweise auf das zentrale Moment der Kritik versteht Ihr. Wer glaubt, dass Faschismus die Kollektivbezeichnung für verschiedene Arten von Ideologien, eine davon Nationalsozialismus ist, dem ist nicht mehr zu helfen. Geht mal alle vermummt Weltrevolution/ Klassenkampf/ „Antifa“ (wie Ihr es versteht) spielen mit Euren Bollogenossen von ARAB, ZK und Co.

  20. 20 Zonengabi 29. Juni 2011 um 13:36 Uhr

    Oh je so unendlich dumm; als ob Faschismus der Oberbegriff wäre….einfach nur hirnlos.

  21. 21 bigmouth 29. Juni 2011 um 13:38 Uhr

    könnt ihr auch mal argumente bringen, warum das nicht zutreffen soll?

  22. 22 Hoolmacker ohne jeglichen ernsthaften politischen Anspruch 29. Juni 2011 um 14:11 Uhr

    Oder wie das mit den Klassen von 1933-1945 genau war? Das würde mich dann schon auch interessieren.

  23. 23 earendil 29. Juni 2011 um 15:07 Uhr

    Oje. Also sofern Faschismus als Begriff (über Italien hinaus) überhaupt sinnvoll ist, und das scheint mir durchaus so, fällt da natürlich auch der NS drunter. Aber so richtig scharf bin ich auf Argumente dazu eigentlich nicht; da werden dann eh bloß die Besonderheiten des deutschen Faschismus‘ angeführt und alles verbindende geleugnet oder als unwichtig abgetan. Und wer das anders sieht, relativiert den NS.

    Aber es soll ja auch Leute geben, für die Antisemitismus kein Rassismus ist…

  24. 24 Prollo 29. Juni 2011 um 18:05 Uhr

    Alle, die die eigene Analyse nicht teilen, werden nur noch als Idioten abgestempelt. Aber die Analyse offen legen, damit der andere sie vielleicht verstehen und nachvollziehen könnte, das will (oder kann?) man dann doch nicht.

  25. 25 MC Gurke 29. Juni 2011 um 22:14 Uhr

    1. Ja, für uns ist Antisemitismus nicht bloß Rassismus, wenn Du das für ein und dasselbe hältst, bist Du tatsächlich ein Idiot. Da wir damit schon bei Prollos Kommentar sind: Die Analyse, die wir überzeugend finden, ist doch schon mehrmals benannt. Lies doch einfach mal hier nach, wenn Du es wirklich ernst meinst:
    http://www.ca-ira.net/verlag/leseproben/pdf/postone-deutschland_lp.pdf

    Das wars dazu.

  26. 26 Zonengabi 29. Juni 2011 um 23:10 Uhr

    Mit euch zu diskutieren ist Perlen vor die Säue, da das, was ihr als Wissen ausgebt, Politphrasen von vor 40 Jahren sind. Aber geflissentlich wird jede Theorieentwicklung, jegliche Forschung ignoriert. Aber wenigstens machen sich Leute wie ihr damit nur noch lächerlich.

    Dass die übliche ‚Antisemitismus ist Rassismus‘-These irgendwann noch kommt, war so klar.
    Und Hool, vielleicht solltest du doch mal Marx lesen, denn dann wüsstest du, dass der Klassenbegriff bei Marx kein Sozialstrukturbegriff ist.

    Geistig bewegt ihr euch wirklich zwischen dem und dem.

  27. 27 bigmouth 29. Juni 2011 um 23:18 Uhr

    was heißt denn hier bitte „bloß“? ist rassismus eigentlich gar nicht so schlimm?

    ich denke, es ist durchaus diskussionswürdig, wie spezifisch sich antisemitismus von rassismen, die ja ebenfalls nicht alle gleich funktionieren, sich unterscheidet, und ob diese unterschiede so groß sind, das man notwendig von zwei verschiedenen sachen reden muß. der rassismus gegenüber asiaten sieht ja auch anders aus als der gegenüber schwarzen. der antiziganismus der nazis war auch sehr mörderisch, aber die haben den „zigeunern“ viele antisemtische eigenschaften nicht zugeschrieben

    außerdem unterstellt das bereits, dass antisemitismus notwendig auf so etwas wie den holocaust zuläuft

  28. 28 bigmouth 30. Juni 2011 um 0:15 Uhr

    LOL. sorry, aber da setzt bei mir nur fremdscham ein ob sowohl godwin’s law

  29. 29 Hoolmacker ohne jeglichen ernsthaften politischen Anspruch 30. Juni 2011 um 1:14 Uhr

    Hab ich mir schon gedacht, dass da nichts mehr kommt, Zonengabi.

  30. 30 Komet 30. Juni 2011 um 7:23 Uhr

    Der Postone bestreitet gar nicht, dass Antisemitismus der Rassismus gg. Juden ist, sondern legt eine – übrigens falsche – Erkenntnistheorie über den Antisemitismus dar, in dem er Überlegungen aus dem Fetischkapitel bei Marx und weiterführenden bei den „Elementen“ von Adorno/Horkheimer zusammenschließt. Aber eine Widerlegung dessen, dass Antisemitismus eine Sorte Rassismus ist, ist der Postone-Text nun wirklich nicht.

    Lest ihr eigentlich die Texte, die ihr verlinkt? :D

  31. 31 earendil 30. Juni 2011 um 9:37 Uhr

    LOL. Na, macht euch ruhig weiter lächerlich. Ihr kapiert ja nicht mal den Unterschied zwischen nicht und nicht bloß.

    Kluge Menschen kamen mal zu der Erkenntnis, dass der NS nicht einfach nur Faschismus ist und sich vom italienischen, spanischen etc. Faschismus in wichtigen Punkten unterscheidet, und dass Antisemitismus nicht einfach nur ein Rassismus wie andere auch ist. Depperte Epigonen kamen dann messerscharf zu dem Schluss, der NS sei gar kein Faschismus, Antisemitismus gar kein Rassismus. Wenn ich hier schon in die gedankliche Nähe Stalins gerückt werde, muss ich doch mal von meinem Liebling Lyzis sein als Leitmotiv dienendes Hegelzitat entleihen, das passt hier einfach zu gut:

    Es ist kein Land wie Deutschland, wo jeder Einfall sogleich zu etwas Allgemeinem gemacht, zum Götzen des Tages ausgebildet und die Aufstellung desselben zur Scharlatanerie getrieben wird, so daß er auch ebenso schnell vergessen wird und die Frucht verloren geht, die er tragen würde, wenn er in seine Grenze eingeschränkt worden wäre.

  32. 32 earendil 30. Juni 2011 um 9:55 Uhr

    Und dann noch ein Zitat aus dem Postone-Text (mit Hervorhebung von mir):

    Nicht nur Ausmaß, sondern auch Qualität der den Juden zugeschriebenen Macht unterscheidet den Antisemitismus von anderen Formen des Rassismus.

    Da kann ich mich der Frage von Komet nur anschließen.

  33. 33 MC Gurke 30. Juni 2011 um 12:11 Uhr

    Nicht nur Ausmaß, sondern auch Qualität der den Juden zugeschriebenen Macht unterscheidet den Antisemitismus von anderen Formen des Rassismus.

  34. 34 bigmouth 30. Juni 2011 um 13:06 Uhr

    -> auch postone unterscheidet zwischen den ebenen ober- und spezialbegriff. für postone ist antisemitismus eine form von rassismus.

    ihr habt euch blamiert, scheint’s

  35. 35 MC Gurke 30. Juni 2011 um 14:30 Uhr

    Du verstehst es nicht, scheint’s.

    ----------------discussion closed-----------------

    Requiem for a Discussion that was none

    Andererseits neigte die Linke dazu, sich auf die Funktion des Nationalsozialismus für den Ka­pitalismus zu konzentrieren. Sie hob daher die Zerstörung der organisierten Arbeiterklasse hervor, die Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik der Nazis, den Expansionismus und die bü­rokratischen Herrschaftstechniken von Partei und Staat. Kontinuitätsmomente zwischen dem Dritten Reich und der Bundesrepublik wurden von ihr betont, doch hat sie die Vernichtung der Juden natürlich nicht unterschlagen. Allerdings ist die Vernichtung schnell unter die allge­meinen Kategorien von Vorurteil, Diskriminierung und Verfolgung subsumiert worden. Mit anderen Worten: Die Vernichtung der Juden wurde außerhalb des Rahmens einer Analyse des Nazismus behandelt. Antisemitismus wurde als eher peripheres denn als zentrales Moment des Nationalsozialismus verstanden. Auch die Linke hat die inneren Beziehungen zwischen beiden verdeckt. Beide Positionen teilen ein Verständnis von modernem Antisemitismus als antijüdischem Vor­urteil, als besonderem Beispiel für den Rassismus im allgemeinen. Die massenpsychologische Natur des Antisemitismus wird in einer Weise betont, die es ausschließt, ihn in eine sozioöko­nomische Untersuchung des Nationalsozialismus einzubeziehen.
    […]
    Das Ergebnis war eine Analyse des Nationalsozialismus, die jene Momente des Phänomens heranzog, welche in den Jahren 1933-1939 augenscheinlich waren: ein terroristischer, bürokratischer Polizeistaat, der im unmittelbaren Interesse des Großkapi­tals arbeitete und auf autoritären Strukturen, der Glorifizierung der Familie und der Benutzung des Rassismus als Mittel für den gesellschaftlichen Zusammenhalt beruhte. Diese Art der Analyse wurde noch durch die kommunistische Angewohnheit verstärkt, lieber vom Faschismus als vom Nazismus zu sprechen, wodurch die Klassenfunktion unter Ausschluß anderer Momente hervorgehoben wurde. Mit anderen Worten: Sowohl die undogmatische Linke als auch die orthodoxen Marxisten neigten dazu, den Antisemitismus als Randerschei­nung des Nationalsozialismus zu behandeln. Dadurch wurden die Naziverbrechen gegen die Menschheit von der sozialhistorischen Untersuchung des Nationalsozialismus getrennt. Das Ergebnis ist, daß die Vernichtungslager entweder als bloße Beispiele imperialistischer (oder totalitärer) Massenmorde erscheinen oder unerklärt bleiben.

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