Empfehlung: Vortrag über die Unmöglichkeit poststrukturalistischer Staatskritik

Die Differenz als Souverän
Über die Unmöglichkeit poststrukturalistischer Staatskritik

Vortrag von Alex Gruber (Wien)
Di, 05.07.11 I 18.30 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz, Halle
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Die Dekonstruktion postuliert, dass das Recht vor dem Problem stehe, eine gesetzte allgemeine Norm auf einen unsagbar besonderen und singulären Fall anwenden zu müssen. Dies bedeute, dass die Rechtsanwendung niemals abschließend sein dürfe, sondern sich vielmehr am Prinzip einer Gerechtigkeit als Anerkennung der irreduziblen Nichrepräsentierbarkeit des jeweils Anderen zu orientieren habe. Jeder Versuch, diesen unsagbar vorgängigen Rahmen für Intersubjektivität auf den Begriff bringen zu wollen, werde seiner Unendlichkeit und Unentscheidbarkeit nicht gerecht und tue ihm so Gewalt an.

Moderne Vorstellungen von Souveränität sind dem selbsternannten nachmetaphysischen Denken gemäß von genau diesem Versuch geprägt, die Differenz an sich selbst still zu stellen und ihrer so habhaft zu werden. Moderne Staatlichkeit sowie Faschismus und Nationalsozialismus seien solcherart eine gleichermaßen aufs Totalitäre zielende „Diktatur des Signifikanten“ (Guattari), welche sich gegen die Alterität verhärte und die mit ihr einhergehende Offenheit und Unabschließbarkeit der Sicherheit und Feststellbarkeit opfere. Dagegen sei eine „Demokratie im Kommen“ (Derrida) zu setzen, die die Bewegung der Differenz zu ihrem innersten Prinzip mache.

Damit wird vom postmodernen Denken eine den Einzelnen vollkommen entzogene, von ihnen niemals einzuholende und sie in den Stand der Heteronomie versetzende Entität eigener Dignität zum Souverän erhoben. Der „Tod des Subjekts“ geht einher mit der Inthronisierung einer jeden vernunftgemäßen Bestimmung enthobenen Allgemeinheit, der die Singularitäten Genüge tun müssen, wollen sie sich nicht an ihrer ureigensten Wirklichkeit versündigen.

Unter Berücksichtigung von Althusser, Poulantzas sowie poststrukturalistischen Theoretikern will Alex Gruber (Wien) begründen, warum poststrukturalistische Staatskritik in seinen Augen ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Organisiert vom AK Kritische Intervention im Rahmen des „Alternativen Vorlesungsverzeichnis“ der Uni Halle