Archiv für August 2011

Nazis 2.0

Auch nicht mehr, was es mal war. Wer sich ab und an mal gründlicher mit Nazis anlegt, kann neuerdings auch ins üble Dilemma geraten, einem debilen Teenager auf einer Black Music-Disconight das New York Yankees-Cap vom Kopf schlagen zu müssen… Sind aber Boygroups nicht voll 90′er? Oder ist das die „Crew“? Fragen über Fragen.

Was?

via Skurrilimedia

Berliner Schnauze

Passend zum Berliner Wahlkampf hier ein Gruß aus dem Kiez an den Berufsantiimp und Lokalpatrioten HC Ströbele

Zum fünfzigsten Jahrestag des Mauerbaus

Wer kann die Pyramiden überstrahlen?
Den Kreml, Sanssouci, Versailles, den Tower?
Von allen Schlössern, Burgen, Kathedralen
Der Erdenwunder schönstes war die Mauer.
Mit ihren schmucken Türmen, festen Toren.
Ich glaub, ich hab mein Herz an sie verloren.

aus: Das Vaterland von Peter Hacks

Dumm, dümmer, pro Deutschland

Wahlkampf in Berlin, die Zweite: Zwei Bollos der Rassistenpartei „Pro Deutschland“ wollten einen aus Syrien stammenden Zeitgenossen verprügeln, der die Motivwahl ihrer Plakate kritisiert hatte. Als diesem ein Zivilpolizist zu Hilfe eilte, hielten sie diesen folgerichtig für einen Multikulti-Gutmenschen und sprühten ihm Pfefferspray ins Gesicht. Folge: Anzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Aufhängen wollten sie übrigens dieses Plakat – was ihnen seit heute nach einer Klage Thilo Sarrazins, des sozialdemokratisch-sozialdarwinistischen Salonrassisten, sowieso verboten ist.
...

Ehrliche Nazis

Wohl angesichts der V-Männer-bedingten höchsten Unwahrscheinlichkeit, irgendwann verboten zu werden, macht die NPD im Berliner Wahlkampf einen auf dummdreist nationalsozialistisch. Was in Nazikreisen als „Nostalgie-Schiene“ bezeichnet und von den Vertretern der sächsischen Linie inkl. JN-Guru Michael Schäfer (studiert in Halle) als nicht PR-tauglich kritisiert wird, treibt widerliche Blüten.
Nach einem Kreuzworträtsel in der Wahlkampfzeitung, das nach „NS“ und Rudolf Heß fragte und als Lösung „Adolf“ ergab, plakatiert die NPD nun tausende Plakate mit dem Spruch „GAS geben“ in den Straßen Berlins. Was bspw. SPD-Politiker grundlegende Kritik äußern lässt: „Was sollen denn Touristen, etwa aus Israel, denken?“. Wo doch die Shoah mittlerweile endlich nicht mehr dem Standort schadet. Dabei bleibt an Voigt und Kameraden gerichtet zunächst lediglich zu sagen: Leichsenring – Noch son Ding!
Nazischweine

Gentrifizierung auf Hallisch

In der Stadt Halle gibt es in der südlichen Innenstadt das Glauchaviertel. Dieser galt jahrelang als Problemviertel, so dass sich die Stadtverwaltung entschied, das Viertel aufzuwerten. Daran beteiligt sich seit 2009 maßgeblich auch der studentische Verein Postkult mit Zwischennutzungen leerstehender Häuser und anderen „kreativen“ Projekten.1 Mittlerweile sind offenbar einige Erfolge zu verzeichnen und Postkult resümiert etwas wehmütig:

Ereignissreiche Jahre liegen nun hinter uns. Glaucha hat sein Gesicht stark gewandelt eine Vielzahl der leerstehenden Häuser werden inzwischen saniert oder haben eine Perspektive. Für uns ist dies freilich nicht nur ein Grund zur Freude, denn seit dem sich der soviel beschriebene Trendwende vollzieht, werden die Räume für außergewöhnliche Zwischennutzungen und Projekte enger.

Dass man aber auch nach wie vor „außergewöhnliche Projekte“ durchziehen kann, beweist ApoMC und zeigt gleichzeitig, dass sich nicht wenige Viertelbewohner wenig um „studentisches Engagement“ u. ä. kümmern:2

  1. Ein Selbstdarstellungsvideo von Postklut findet sich hier: http://www.youtube.com/watch?v=LJtpU-RE8a8 [zurück]
  2. Dass ApoMC ein sexistisches, machistisches und homophobes Arschloch ist, ändert nichts daran, dass Kritik zu üben ist an Projekten wie Postkult, die sich paternalistisch und ungefragt um die „Aufwertung“ irgendwelcher „Problemviertel“ kümmern. [zurück]

Designte Gedankengänge

Addicted to Love
In der Hallischen Galerie „Die Schöne Stadt“ findet vom 12. bis zum 27. August eine Designausstellung unter dem Titel „Addicted to Love“ statt, für deren Besuch mit einem Flyer geworben wird.
Der dort abgedruckte Ankündigungstext beginnt unmittelbar mit einer (nicht nur sprachlich) sehr gewagten Behauptung: (mehr…)

Menschenverachtung statt Gesellschaftskritik – die Bonjour tristesse #12 ist erschienen

Tja. Die widerlichen Flotillafans, alle möglichen deutschen Linken, Rechten und Mittige sind zwanghaft auf den Israel-Palästina-Konflikt fokussiert. Egal was wo passiert, und wie beschissen es Menschen auf der ganzen Welt geht, müssen sie über die bösen Israelis und die armen Palästinenser in schönstem Schwarzweiß aufklären. Solitum mit einem konstruierten Opferkollektiv ist ihr Hobby.
Doch ein fast identisches Hobby treibt gewisse post-Antideutsche wie den Autoren dieser Zeilen und seine Gesinnungsgenossen um. Zwanghaft sind sie auf den Nahostkonflikt fokussiert, zwanghaft müssen sie sich positionieren, und genau das Gegenteil des Schwachsinns der ersten Spinner erzählen. Das das Gegenteil von Scheiße meist Scheiße ist, wird dem Betrachter auch hier schmerzlich bewusst.
Sich in dieser ach so humorigen Glosse auf erbärmlichstem Kalauer-Niveau über Millionen Menschen lustig zu machen, die seit Jahrzehnten im Krieg leben, die von einem brutalen Islamisten-Regime beherrscht werden, aufgrund eines asymmetrischen Krieges auch zu Opfern von Kampfhandlungen werden, wenn sie an diesen nicht beteiligt sind, die Hilfsleistungen nicht zuerst aus Spaß beziehen, die jederzeit verhaftet, ermordet, von fehlgeleiteten Raketen von Terroristen getroffen, von Militäraktionen gegen diese Terroristen betroffen sein können – sich darüber lustig zu machen und daran aufzugeilen, das ist menschenverachtender Zynismus.
Sich in solcher Form an der schlicht und einfach nicht lebenswerten Situation der meisten Bewohner des Gazastreifens (an dieser ändern auch ein paar gefüllte (Super)märkte für die Oberschicht nichts) zu ergötzen, nur weil diese kollektiv und pauschal von Springer-, taz-, Linke-Antisemiten zu bemitleidenswerten Opfern stilisiert werden, ist widerlich, und ein letzter Beweis des erbärmlichen Charakterverfalls und Aufklärungsverrats all derjenigen „Antideutschen“, die bei sowas herzhaft lachen können. Individuum, Menschenrechte? Scheiß drauf, wenn es um „die Palästinenser“ (aka „Volksgemeinschaft“) geht. Das vom politischen Gegner konstruierte Kollektiv nicht auseinandernehmen und differenziert betrachten, nein, einfach den Spieß einmal komplett umdrehen, ebenfalls alle Einzelnen dem Kollektiv zuordnen, und dann die breite Palette von coolem „IDF in Ramallah….“ und geilem Checkpoint-Watching im notorischen Israelurlaub (von Euch fashion-IDF-Shirt-Trägern muss ja auch keiner in den besetzten Gebieten jahrelang sein Leben riskieren) bis zum Enthumanisieren von Palästinensern. Man, seid Ihr zum Kotzen.

Mit diesem Kommentar des Lesers „opfer von allem“ ist zum Artikel „Gaza hautnah“, der sich in der neuen Ausgabe der Bonjour tristesse findet und in dem Jörg Folta mit Hilfe einer Gleichsetzung von Ossis mit den Bewohnern des Gaza-Streifens so etwas wie eine Satire zu fabrizieren versucht, eigentlich schon alles gesagt. (mehr…)