Menschenverachtung statt Gesellschaftskritik – die Bonjour tristesse #12 ist erschienen

Tja. Die widerlichen Flotillafans, alle möglichen deutschen Linken, Rechten und Mittige sind zwanghaft auf den Israel-Palästina-Konflikt fokussiert. Egal was wo passiert, und wie beschissen es Menschen auf der ganzen Welt geht, müssen sie über die bösen Israelis und die armen Palästinenser in schönstem Schwarzweiß aufklären. Solitum mit einem konstruierten Opferkollektiv ist ihr Hobby.
Doch ein fast identisches Hobby treibt gewisse post-Antideutsche wie den Autoren dieser Zeilen und seine Gesinnungsgenossen um. Zwanghaft sind sie auf den Nahostkonflikt fokussiert, zwanghaft müssen sie sich positionieren, und genau das Gegenteil des Schwachsinns der ersten Spinner erzählen. Das das Gegenteil von Scheiße meist Scheiße ist, wird dem Betrachter auch hier schmerzlich bewusst.
Sich in dieser ach so humorigen Glosse auf erbärmlichstem Kalauer-Niveau über Millionen Menschen lustig zu machen, die seit Jahrzehnten im Krieg leben, die von einem brutalen Islamisten-Regime beherrscht werden, aufgrund eines asymmetrischen Krieges auch zu Opfern von Kampfhandlungen werden, wenn sie an diesen nicht beteiligt sind, die Hilfsleistungen nicht zuerst aus Spaß beziehen, die jederzeit verhaftet, ermordet, von fehlgeleiteten Raketen von Terroristen getroffen, von Militäraktionen gegen diese Terroristen betroffen sein können – sich darüber lustig zu machen und daran aufzugeilen, das ist menschenverachtender Zynismus.
Sich in solcher Form an der schlicht und einfach nicht lebenswerten Situation der meisten Bewohner des Gazastreifens (an dieser ändern auch ein paar gefüllte (Super)märkte für die Oberschicht nichts) zu ergötzen, nur weil diese kollektiv und pauschal von Springer-, taz-, Linke-Antisemiten zu bemitleidenswerten Opfern stilisiert werden, ist widerlich, und ein letzter Beweis des erbärmlichen Charakterverfalls und Aufklärungsverrats all derjenigen „Antideutschen“, die bei sowas herzhaft lachen können. Individuum, Menschenrechte? Scheiß drauf, wenn es um „die Palästinenser“ (aka „Volksgemeinschaft“) geht. Das vom politischen Gegner konstruierte Kollektiv nicht auseinandernehmen und differenziert betrachten, nein, einfach den Spieß einmal komplett umdrehen, ebenfalls alle Einzelnen dem Kollektiv zuordnen, und dann die breite Palette von coolem „IDF in Ramallah….“ und geilem Checkpoint-Watching im notorischen Israelurlaub (von Euch fashion-IDF-Shirt-Trägern muss ja auch keiner in den besetzten Gebieten jahrelang sein Leben riskieren) bis zum Enthumanisieren von Palästinensern. Man, seid Ihr zum Kotzen.

Mit diesem Kommentar des Lesers „opfer von allem“ ist zum Artikel „Gaza hautnah“, der sich in der neuen Ausgabe der Bonjour tristesse findet und in dem Jörg Folta mit Hilfe einer Gleichsetzung von Ossis mit den Bewohnern des Gaza-Streifens so etwas wie eine Satire zu fabrizieren versucht, eigentlich schon alles gesagt.
In der Printausgabe des Hallenser Blättchens findet sich nun jedoch auf Seite 8 folgendes Bild:

Checkpoint 300

Versehen ist es mit der zynischen Bildunterschrift „Der Palästinenser liebt es, Schlange zu stehen.“ Zunächst einmal muss gesagt werden, dass dieses Bild nicht aus dem Gaza-Streifen stammt, sondern einen Checkpoint zwischen Bethlehem und Jerusalem zeigt. Selbst wenn man nun von der Notwendigkeit solcher Anlagen überzeugt sein sollte, ist es ganz und gar menschenverachtend in diesen irgendetwas Witziges zu sehen. Das Ganze auch noch für einen billigen Ossi-Witz zu nutzen, zeugt nicht nur von der Aufgabe sämtlicher gesellschaftskritischer Standards, sondern auch von einer gehörigen Portion Dummheit.


21 Antworten auf „Menschenverachtung statt Gesellschaftskritik – die Bonjour tristesse #12 ist erschienen“


  1. 1 abgwb 01. August 2011 um 21:25 Uhr

    Habt ihr niemanden, der Euch sagt, dass man so peinliche Texte nicht veröffentlichen sollte?

  2. 2 bigmouth 01. August 2011 um 22:08 Uhr

    danke, das mußte wirklich mal geschrieben werden

  3. 3 Youth 02. August 2011 um 10:16 Uhr

    In der Printausgabe ist noch ein zweites Foto mit einer arabischen Innenschrift, dessen Aussage sich mir entzieht. Ich verstehe nicht, was das soll. Da weder ich noch die meisten anderen in der westlichen Hemisphäre arabisch können, ist doch das Verwenden arabischer Innenschriften identitärer Scheiß von wichtigtuerischen Möchtegern-Kritikern!

  4. 4 oh my goodness 03. August 2011 um 21:21 Uhr

    gerade den tristesse-originaltext gelesen. keine ahnung, wie dumm kann man sein. das ist soooo erbärmlich.

  5. 5 ali baba 04. August 2011 um 8:41 Uhr

    Wow! Jemand von diesem Heft kann gerade soviel Arabisch, um Broiler-lakhm- und Hans-Joachim-Foto-Witze zu machen. Na wenn das keiner Qualifikation zum post-antideutschen Israel/Palästinenser/Araber-Experten gleichkommt. Wann folgt die erste Veröffentlichung in der Bahamas?

    P.S.: Was sind Innenschriften?

  6. 6 Torben 06. August 2011 um 13:45 Uhr

    @ali baba: Ich versteh den Witz bei Hans-Joachim-Foto nicht. Was hat das denn zu bedeuten?

  7. 7 ali baba 07. August 2011 um 0:07 Uhr

    um den witz zu sehen musst du wohl die bonjour tristesse fragen.

  8. 8 ex-hallenser 09. August 2011 um 11:59 Uhr

    Nun. Dieser halbgebildete, identitäre und infantile Haufen beweist halt mit jedem Mal schmerzlicher, dass er ist, was er ist.

  9. 9 Norbert Müller 13. August 2011 um 16:46 Uhr

    Was seid ihr den für ein Haufen Deppen? Seid ihr so erbost darüber, dass niemand euern Langweilerblog liest? Erst werft ihr Justus Wertmüller ganz nebenbei und ohne weitere Erklärung Faschismus vor, obwohl ihr über 3 Beiträge zu seiner Person kein einziges Argument entwickeln könnt, außer dem, dass es nicht wert sei, sich mit ihm zu befassen! Lächerlich! Dabei besitzt ihr auch noch die Schamlosigkeit, euch auf die ebenso unbegründete Aussage eines Gremliza zu stützen, seines Zeichens nichts, als der Herausgeber einer schlechten linksdeutschen Zeitschrift.

    Nun meint ihr, das vorgebrachte Bild sei menschenverachtend, ohne dies weiter begründen wollen (seid ehrlich zu euch selbst: ihr könnt es nicht!) und fertig ist der Beitrag. Euer Bauchgefühl als Argument. Super Leistung.

    Von der selben Dummheit zeugt euer Begriff des post-antideutschen. Nirgends schriebt ihr, warum die Bahamas nun Post-Antideutsch sei. Trotzdem tragt ihr dieses Wort für euch her, als wäre es ein gewichtiges Argument. Irgendwie soll es wohl heißen, das Bahamas und Co über das einst lobenswerte Ziel längst hinausgeschoßen seien. Letztlich zeugt dieser Begriff jedoch von eurer Einstellung zu Antideutschen. Sie waren es, die euch aufzwangen, mehr von Marx zu lesen, als die ersten paar Seiten und den Dingen auf den Grund zu gehen, anstatt sie mit linken Schlagwörtern zu kennzeichnen. Nun soll aber auch mal wieder genung sein. Ihr wollt zurück zu den bequemen Erklärungsmodellen der Linken (und in eurem Alter wahrscheinlich Karriere machen an den linken Fachrichtungen der Universität). Gemeinsam mit CeeIeh, Konkret und den zahllosen israelsolidarischen Antifagruppen seid ihr aufgebrochen, neue Wege zu finden, antideutsche Ideologiekritik endlich wieder hinter euch zu lassen. Der Begriff Post-Antideutsch ist nur ein Versuch davon.

    Also nicht dass ihr das falsch versteht. Wenn ihr so geil auf den Begriff antideutsch seid, könnt ihr ihn gerne haben. Mir perslich bedeutet er nichts. Nur werdet ihr niemals irgendetwas mit Inhalt füllen, wenn ihr so weitermacht, wie bisher.
    Deshalb ein gut gemeinter Rat zum Schluß: Wenn ihr nichts zu sagen habt, könnt ihr auch die Fresse halten.

  10. 10 MC Gurke 13. August 2011 um 21:14 Uhr

    Sich darüber lustig zu machen, dass es Leuten scheiße geht, nur weil sie einer bestimmten Gruppe zuzurechnen sind, ist nichtmal wenn es um Ossis geht, witzig. Ein genüßliches Ergötzen an der nicht gerade prallen Lebenssituation der gesamten palästinensischen Bevölkerung unter Hamas-Herrschaft/unter Besatzung als Kritik, Ideologiekritik, Aufklärung, Folge von durch Bahamslektüre erzwungener Marxlektüre oder was auch immer zu verkaufen, grenzt an Geisteskrankheit und ist einfach nur erbärmlich.

    Im Übrigen ist Wertmüller selbstverständlich kein Faschist. Nur ein halbgebildeter Narzißt. Und erbost sind wir auch nich, weil Du immerhin unseren Langweilerblog liest der auch aus keinem anderen grund als Langeweile betrieben wird, und den Du so lange durchkämmt hast, bist Du das gepostete Gremlizazitat gefunden hast. So viel Aufmerksamkeit.

  11. 11 Norbert Müller 13. August 2011 um 21:21 Uhr

    Da vergaß ich glatt zu erwähnen, dass der Begriff post-antideutsch, wenn man ihn schon einführen möchte, am besten auf euch zutrifft. Leute, die gelernt haben, ihre Linken Phantasien im Slang der kritischen Theorie und der neuen Marxlektüre zu formulieren, sich inhaltlich von diesen Ausgangspunkten antideutscher Kritik jedoch schon längst verabschiedet haben.

  12. 12 Zonengabi 14. August 2011 um 12:17 Uhr

    Haha wer formuliert denn hier einen „Slang kritischer Theorie“? Da braucht man nur in die BT zu schauen und findet genügend Beispiele, wie kritische Theorie aufs Phrasenhafte reduziert ist. Nur ein Beispiel; so ist die „Argumentation“ in jedem zweiten BT-Artikel auf ‚pathische Projektion‘ reduziert bzw. dient diese Phrase immer wieder als ‚Erklärung‘ für Alles.
    Wer selbst nur sein Wissen über kritische Theorie aus dem Zitatenkatalog hat, sollte besser die Klappe halten.
    Und wer kritische Theorie auf „Ausgangspunkte antideutscher Kritik“ reduziert, hat sich schon lange von Gesellschaftskritik und dem eigenen Verstand verabschiedet.

  13. 13 Norbert Müller 14. August 2011 um 15:52 Uhr

    Euch beiden möchte ich nocheinmal empfehlen, euch meinen Rat zu Herzen zu nehmen.

  14. 14 nanunana 14. August 2011 um 18:08 Uhr

    mir scheint, nobbi hat zuviel bonjour tristesse gelesen oder schon immer ein weiches hirn. seine argumentation hier ist ja geradezu phänomenal…

  15. 15 MC Gurke 14. August 2011 um 19:15 Uhr

    Deine Abneigung gegen den von uns abgesonderten Schwachsinn scheint von Deinem Drang, diesen unbedeutenden Blog zu durchsuchen, zu lesen und zu kommentieren momentan übertroffen zu werden. Kommentier doch einfach anderen Scheiß – nimm Dir diesen Rat zu Herzen!
    http://www.youtube.com/watch?v=Pv0EiZwSzc8

  16. 16 Zonengabi 15. August 2011 um 13:16 Uhr

    Äh Nobbi wir haben aber was zu sagen und der Spruch geht eher so: Wer keine Ahnung hat, sollte einfach mal die Klappe halten (bei dir: Fresse – allein die Aggression, die in deinen Kommentaren steckt und deine offensichtliche Unfähigkeit, ein Argument anzuführen, führt dein Rekurrieren auf kritische Theorie ad absurdum.).
    Also nimm dir das mal zu Herzen und lies mal mehr als nur Bahamas und BT. Kritische Theorie ist in diesen durchgekauten und phrasenhaften Versionen nicht zu haben. Kritische Theorie ist ein bissel mehr als diese Wurstblätter und die Kollektivmeinungen irgendwelcher Gruppen, die immer nur die Linke als Gegenstand ihrer „Gesellschaftskritik“ kennen und damit selbst so linksdeutsch sind.
    Ich weiß, es ist schwer als Jungantideutscher, das zu vestehen.

  17. 17 ViennaSoftcore 19. August 2011 um 19:41 Uhr
  18. 18 "Arroganz, Zynismus und Menschenverachtung auf Softcore-Basis" 21. August 2011 um 13:29 Uhr

    http://viennasoftcore.blogsport.de/2010/11/01/about/
    Was für ein Schwachsinn.
    Diesen Dreck gerade in diesen Tagen zu verteidigen, beweist noch mehr, was für ein Arschloch man ist.

  19. 19 ? 22. August 2011 um 8:25 Uhr

    …in diesen Tagen?

    Wenn du hier von der israelischen Antwort auf Terror sprichst, so verteidge ich diese ebenfalls und den Artikel obendrein. Solltest du mich dafür als Arschloch bezeichnen, so muß der Titel wohl als Kompliment aufgefasst werden.

  20. 20 [Gegen] "Arroganz, Zynismus und Menschenverachtung [...]" 22. August 2011 um 14:38 Uhr

    Du Arschloch. Leute wie Du geilen sich doch daran auf, dass es diesen konflikt gibt. Mit so absurden Grundannahmen (wie in der „Glosse“), dass die Palästinenser allesamt am Raketen schießen sind und Terror geil finden.
    Und „in diesen Tagen…“ bezog sich tatsächlich darauf. Nur eben in dem Sinne, das die israelische Bevölkerung, die bei Alarm in die Bunker rennen muss, und die israelischen Soldaten, die ihr Leben riskieren, Leuten wie Dir nur als Projektionsfläche dienen, wie die Palästinenser, nur umgedreht, und das Leben von denen Dir genauso am Arsch vorbeigeht.

  21. 21 ViennaSoftcore 26. August 2011 um 23:43 Uhr

    Lieber „[Gegen] (hier mein Selbstverständnis einfügen)“,

    Wenn du einen Text liest, in dem auf satirischer Ebene von Kärntnern geschrieben wird, die Staatsbürgerschaften verkaufen, würdest du dich dann zu so einer Bemerkung wie in deinem letzten Post hinreißen lassen? Satire kennt keine Individuen, wenn sie von einem Kollektiv spricht und umgekehrt, denn sonst wäre sie wohl zu glaubwürdig, zu nahe an der Realität.

    Diese Leute dienen mir übrigens nicht als Projektionsfläche, genausowenig dieser Konflikt, diese Leute haben meine Solidarität, „dieser Tage“ erst recht, aber für ihr Privatleben soll und muss ich mich nicht interessieren, mir reicht die Tatsache, dass sie unter antisemitischen Terror leiden.

    Und wegen der Menschenverachtung: diese ist wohl die einzige Konsequenz emanzipatorischen Denkens, denn jede Ideologie, und der Mensch ist niemals frei davon, hat Gründe zur Kritik. Der Mensch ist zu dumm für seine Intelligenz und ich verachte ihn mehr als alles andere.

    Guten Abend, nicht-Arschloch.

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