Designte Gedankengänge

Addicted to Love
In der Hallischen Galerie „Die Schöne Stadt“ findet vom 12. bis zum 27. August eine Designausstellung unter dem Titel „Addicted to Love“ statt, für deren Besuch mit einem Flyer geworben wird.
Der dort abgedruckte Ankündigungstext beginnt unmittelbar mit einer (nicht nur sprachlich) sehr gewagten Behauptung:

Designobjekte sind immer da, wenn wir sie brauchen. Zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Entwickelt mit dem Bedürfnis verlässliche Alltagsbegleiter zu sein, verbessern sie unsere Lebensqualität.

Hier wird vollkommen von der kapitalistischen Gesellschaftsstruktur abstrahiert, einfacher gesagt: Es wird ignoriert, dass man das nötige Kleingeld braucht, um sich diese praktischen Alltagsbegleiter leisten zu können. Den Gedanken, dass der Designer im Kapitalismus nicht selten darauf angewiesen ist, Bedürfnisse zu wecken, die der Konsument von sich aus gar nicht hatte, wollen wir hier einmal außen vor lassen. Im Folgenden wird es dann ganz obskur:

Die in der Ausstellung „addicted to love“ gezeigten Arbeiten hängen am seidenen Faden des Designpflocks. Im Kunstraum zur Schau gestellt, sind sie autonome Objekte. Ihr Wille zur Form- und Zweckunverbundenheit wächst und die Befreiung vom Multifunktionsprodukt hin zum Freund vollzieht sich.

Was soll das bedeuten? Die bizarre Metapher vom Designflock wollen wir ignorieren. Nicht minder bizarr ist aber der hier suggerierte Gedankengang: Dass Designobjekte als Ausstellungsstücke von Gebrauchsgegenständen zu Kunstobjekten werden, lässt sich noch akzeptieren. Dass sie aber dadurch zu Freunden werden, ist eine These, der nicht ohne Weiteres zuzustimmen ist. Ist diesem Gedankengang überhaupt ein Sinn abzugewinnen? Näher liegt, dass hier versucht wird, mit ein paar pseudoreflektierten Phrasen einer simple Verkaufsausstellung einen höher Anspruch zuzuschreiben. Wieso aber glauben nicht wenige Designer, etwas ganz anderes zu sein als bessere Handwerker, oder halten sich gar für Künstler? Und wieso gibt es so viele Menschen, die ihnen das auch noch abnehmen?


4 Antworten auf „Designte Gedankengänge“


  1. 1 stay calm 09. August 2011 um 20:15 Uhr

    Vernissagegeschwafel ohne tieferen Sinn. Kein Grund, sich aufzuregen…

  2. 2 MC Gurke 09. August 2011 um 20:43 Uhr

    Kein Grund, sich aufzuregen. Sehr richtig. Alles weitere in diesem Kunstwerk: http://www.youtube.com/watch?v=k31oHRV0Otw

  3. 3 Zonengabi 09. August 2011 um 21:59 Uhr

    Huch neben dem üblichen Burgstudentenfashionstyle mit dem diese „Künstler“ ihre Pseudointellektualität à la „Seht her, ich mache Kunst und bin voll kritisch und so.“ vor sich hertragen, gibt es jetzt auch noch solch offenbar selbstgedichtetes Geschwafel, von dem man glaubt, dass es Sinn und Inhalt hätte?
    Ich dachte immer, an der Burg heißt Inhalt lediglich, die üblichen Adorno-Zitate (Fun ist eine Stahlbad etc.) auf irgendwelche Gegenstände zu schreiben, wie letztens wieder auf der Jahresausstellung zu sehen war.

    oder halten sich gar für Künstler?

    Na klar halten sie sich dafür. Das wird doch diesen Bildungsbürgerkindern und Waldorfschulprodukten in der pseudoelitären Atmosphäre der Burg G. doch von Beginn an suggeriert. Und was kommt am Ende dabei raus?
    Die ganzen Designerarten verwechseln im Berufsleben stehend und von Projekt zu Projekt springend die Notwendigkeit der Kreativität auf Knopfdruck bei gleichzeitiger Arschkriecherei für jedes noch so dämliche Projekt und 18h Arbeitstage mit künstlerischer Freiheit und Flexibilität. Und viele der „freien Künstler“ würden doch ohne die ganzen Kultur- und Kunststiftungen doch auch nur Nummern im Jobcenter ziehen.

  4. 4 Simone 09. August 2011 um 22:01 Uhr

    Das Video bringt ein paar gute Argumente, ist aber, ja, etwas zu künstlerisch. :)

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