Gentrifizierung auf Hallisch

In der Stadt Halle gibt es in der südlichen Innenstadt das Glauchaviertel. Dieser galt jahrelang als Problemviertel, so dass sich die Stadtverwaltung entschied, das Viertel aufzuwerten. Daran beteiligt sich seit 2009 maßgeblich auch der studentische Verein Postkult mit Zwischennutzungen leerstehender Häuser und anderen „kreativen“ Projekten.1 Mittlerweile sind offenbar einige Erfolge zu verzeichnen und Postkult resümiert etwas wehmütig:

Ereignissreiche Jahre liegen nun hinter uns. Glaucha hat sein Gesicht stark gewandelt eine Vielzahl der leerstehenden Häuser werden inzwischen saniert oder haben eine Perspektive. Für uns ist dies freilich nicht nur ein Grund zur Freude, denn seit dem sich der soviel beschriebene Trendwende vollzieht, werden die Räume für außergewöhnliche Zwischennutzungen und Projekte enger.

Dass man aber auch nach wie vor „außergewöhnliche Projekte“ durchziehen kann, beweist ApoMC und zeigt gleichzeitig, dass sich nicht wenige Viertelbewohner wenig um „studentisches Engagement“ u. ä. kümmern:2

  1. Ein Selbstdarstellungsvideo von Postklut findet sich hier: http://www.youtube.com/watch?v=LJtpU-RE8a8 [zurück]
  2. Dass ApoMC ein sexistisches, machistisches und homophobes Arschloch ist, ändert nichts daran, dass Kritik zu üben ist an Projekten wie Postkult, die sich paternalistisch und ungefragt um die „Aufwertung“ irgendwelcher „Problemviertel“ kümmern. [zurück]

21 Antworten auf „Gentrifizierung auf Hallisch“


  1. 1 tee 10. August 2011 um 21:04 Uhr

    Dass Kritik zu üben ist an Projekten wie Postkult, die sich paternalistisch und ungefragt um die „Aufwertung“ irgendwelcher „Problemviertel“ kümmern. ändert nichts daran, dass ApoMC ein sexistisches, machistisches und homophobes Arschloch ist.

    Denk mal drüber nach.

  2. 2 tee 10. August 2011 um 21:07 Uhr

    Ach ja, eine Kritik an dem Verein und ihrem Wirken wäre ja auch interessant. Schreib doch mal was!

  3. 3 gabor 10. August 2011 um 21:26 Uhr

    Das die Beschäftigung mit einem Kiez oder Viertel sofort zum paternalistischen und ungefragten Aufwerten wird ist mir doch etwas zweifelhaft. Ich bin mitglied bei postkult und deine Kritik ist auch eine mit der wir uns im Verein beschäftigen. Nichtzuletzt unser eigenes engagement hat die sanierung vieler Ruinen möglich gemacht, das erkenne ich an oder gestehe ich ein. Allerdings halte ich deine beschreibung unserer Arbeit als paternalistisch und ungefragt für etwas wenig reflektiert, da Postkult e.V. sich ja nicht als Aufwertungsverein oder Heimatverschönererverein (Zitat: Bonjour Tristesse NR10) versteht. Uns ist die Umsetzung von Projekten in denen Leute in Kommunikation miteinander kommen, die sich sonst in völlig unterschiedlichen Lebenswelten befinden, das eigentliche Ziel. Ob man in Glaucha von Gentrifizierung sprechen kann ist außerdem fraglich. der Wohnraum jedenfalls ist nicht knapper geworden. Im übrigen auch nicht der bezahlbare. 80% der sanierten Häuser waren unbewohnt bzw Ruinen in denen keiner wohnen konnte. Das wir eng mit dem Stadtplanungsamt Halle zusammenarbeiten mag vielen gerade im linken politischen Spektrum als zweifelhaft erscheinen. Sich von Berührungsängste mit Behörden und Verwaltung ein wenig zu trennen ist denke ich aber durchaus sinnvoll wenn man Projektideen wie den Stadtgarten oder den Umsonstladen umsetzen will.
    Die Gentrifizierungsdebatte ist eine, die ich gerne führen möchte auch im Hinblick auf Strategien, wie man unter Maßgabe der bestehenden Verhältnisse Freiräume für solidarisches Miteinander schaffen kann. Ich kann nur dazu einladen mit uns ins Gespräch zu kommen.

  4. 4 Simone 10. August 2011 um 21:38 Uhr

    Die studentische Initiative Postkult hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich mit Projekten wie der Zwischennutzung leerstehender Häuser und dem Anlegen eines Gartens in einer Baulücke an der „Aufwertung“ des „Problemviertels“ Glaucha (hoher Leerstand, Bewohnerschaft aus den unteren Schichten) zu beteiligen. Jetzt sich erste Erfolge zeigen, zeigt man Wehmut über das, was Ziel des ganzen Prozesses war.
    Gleichzeitig muss man darauf hinweisen, dass die Atzen-Bervölkerungen Glauchas Postkult nicht um Hilfe gebeten hat. Einerseits war es dem Verein offenbar egal, dass „Aufwertung“ auch Vertreibung der armen Bevölkerung bedeutet. Andererseits haben die Postkultler nie Anstalten gemacht, Homophobie, Sexismus und andere Ideologien der Anwohner zu bekämpfen. So zerstört Postkult die Grundlage seines eigenen „kreativen Engagements“ und die Atzen produzieren demnächst in anderen Vierteln ihre Videoclips. Dann ist nichts besser als, sondern alles gleich beschissen wie vorher. Und das schnallt dieser studentische Verein nicht.
    Ist das so schwer zu verstehen, tee?

  5. 5 MC Gurke 11. August 2011 um 12:47 Uhr

    Ironie der Geschichte: „WBA“ (Bombing am Ende des Videos, wofür auch immer das bei denen steht) war in den Neunzigern in Berlin die Abkürzung der Kampagne „Wir bleiben alle“ gegen die Zerschlagung des kommunalen Wohnungsbaus, Mieterhöhungen, Räumungen sozialer Projekte wie der Mainzer Straße und „Gentrifizierung“ im Allgemeinen…

    Egal. Immer dran denken, außer für Geld keine Zeit und alle Bitches wollen uns nur betrügen. Da sieht man übrigens das traurige Resultat asymmetrischer Bildungsentwicklung bei Männern und Frauen vor allem in der Zone – man kriegt als weichgekiffter Looser („so wird man nicht alt“) einfach keine mehr ab, und wendet sich das ganze dann positiv?

  6. 6 earendil 11. August 2011 um 15:28 Uhr

    *Loser (@asymmetrische Bildungsentwicklung). scnr ;)

  7. 7 Zonengabi 11. August 2011 um 16:32 Uhr

    Ich kann nur dazu einladen mit uns ins Gespräch zu kommen.

    Wir können uns auch Sonntagnachmittag bei Halle-Dölau im Wald treffen, aber bring deine Freunde mit! ;-)

  8. 8 tee 11. August 2011 um 17:42 Uhr

    Gleichzeitig muss man darauf hinweisen, dass die Atzen-Bervölkerungen Glauchas Postkult nicht um Hilfe gebeten hat.

    auch die kleinkapitalisten-bevölkerung tauchas wird postkult nicht um hilfe gebeten haben. oder?! wer hat postkult denn um hilfe gebeten?

    außerdem:

    nicht nur ein Grund zur Freude

    … sagt doch nicht, dass sie das erreichen ihres ziels bereuen. nur, dass das natürlich auch nachteile mit sich bringt. so what?

    und ich gebe gabor völlig recht – da von gentrifizierung zu sprechen zeigt einiges an realtitätsferne. ist eben blöd, wenn man sowas nur aus der linken theorie kennt.

  9. 9 tee 11. August 2011 um 17:47 Uhr

    Dann ist nichts besser als, sondern alles gleich beschissen wie vorher.

    die kritik schnalle ich aber immer noch nicht. was ist jetzt verkehrt daran, dass hinterher immer noch alles wie vorher ist? lass sie halt machen …

  10. 10 Simone 11. August 2011 um 18:22 Uhr

    Glaucha, nicht Taucha!

  11. 11 3zkb 11. August 2011 um 18:28 Uhr

    @ tee/ gabor: gentrifizierung nur als theorie kennen tut wahrscheinlich ihr, wenn ihr nicht kapiert, dass mietspiegel und sanierung für den einzelnen mieter ganz reale auswirkungen haben – zahlen können oder nicht. aber wenn papi und mami die miete überweisen, is ja alles supi.
    sollen sie doch wirklich machen, aber dann bitte als weltfremde weltverbessererhippiekunst-selbstbeweihräucherung verkaufen, die es ist, und NICHT als verbesserung der situation von denen, die da wirklich wohnen.

  12. 12 tee 11. August 2011 um 18:54 Uhr

    @3zkb:

    gabor wurde doch nicht widerlegt. also zeigt doch mal betroffene. wer musste denn wegziehen, weil er sich die mieten dort nicht mehr leisten konnte? für mich ist das bisher nur leeres (pseudo)politisches geschwafel ohne jegliche sachliche/empirische substanz.

    aber wenn papi und mami die miete überweisen, is ja alles supi.

    da sehe ich dann, dass du eben null ahnung von (meiner) lebensrealität hast.

  13. 13 tee 11. August 2011 um 18:55 Uhr

    Glaucha, nicht Taucha!

    kleiner lokalpatriotischer verschreiber, kommt schonmal vor.

  14. 14 MC Gurke 12. August 2011 um 13:42 Uhr

    Müssen Kapitalismuskritiker also neuerdings „empirisch/sachlich“ Einzelbeispiele bringen, um zu belegen, dass Aufwertung von Stadtteilen und Mieterhöhung mit der Verdrängung sozial Schwacher einhergeht? wtf und warum spamst Du (tee) eigentlich ständig unqualifiziert hier rum?

  15. 15 tee 12. August 2011 um 16:47 Uhr

    ach gurke, du kapierst aber auch GAR NICHTS. auch du kannst abstrakte kapitalismus-/gentrifikationskritik nicht trennen von postkult und glaucha. es geht mir doch nicht darum, ob „Aufwertung von Stadtteilen und Mieterhöhung mit der Verdrängung sozial Schwacher einhergeht“, das ist mir nämlich schon klar, sondern darum, ob das auch auf glaucha zutrifft. ob die kritik hier also angebracht ist und folglich überhaupt treffen kann.

    simone schreibt doch selbst, dass es nach der angeblichen aufwertung genauso ist wie vorher. wo also ist das problem, was die kritik an postkult in glaucha?!

    die antwort wurde hier bisher schuldig geblieben, mehr nicht.

  16. 16 MC Gurke 13. August 2011 um 18:11 Uhr

    Es ist nachher so SCHEISSE wie vorher. Das heisst, das Resultat ist immernoch scheiße, nicht, alles ist wie vorher. Auch und gerade wenn ein paar Straßenzüge in neuem Licht und mit höheren Mieten erstrahlen. (Und selbst für die Kooperationspartner der Immobilienbesitzer, postkult, es mittlerweile schwierig wird, schöne Projekte zu machen, wobei das ja was positives ist). Genau lesen, was da steht.

  17. 17 tee 14. August 2011 um 18:47 Uhr

    Es ist nachher so SCHEISSE wie vorher. Das heisst, das Resultat ist immernoch scheiße, nicht, alles ist wie vorher.

    ach sooo – ein unterschied um’s ganze! es ist anders scheisse, na scheisse!!1!

  18. 18 keine 16. August 2011 um 9:23 Uhr

    eines sei noch gesagt, weils immer wieder falsch angegeben wird: postkult ist kein studentischer verein! das weiss ich selbst nur zu gut: 1. weil ich keine studentin bin und 2. viele der anderen vereinsmitglieder es auch nicht sind. danke fürs zuhören und: wenn ihr was ändern wollt, dann macht doch einfach mit.

  19. 19 keine 16. August 2011 um 9:47 Uhr

    wo ist denn mein kommentar hin?

  20. 20 Zonengabi 16. August 2011 um 16:53 Uhr

    Kommentare müssen hier erst freigeschaltet werden, anders als bei euch herrscht hier keine direkte Demokratie und freie Meinung.

    Apropos, wann treffen wir uns zum „Gespräch“?

  21. 21 lemming 31. August 2011 um 13:32 Uhr

    Dein Macker-Gepöbel ist irgendwie öde, Zonengabi.
    Solche Sätze ermöglichen aber auch wirklich nur Blogs…

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