Archiv für November 2011

Absurditäten. Oder: Wenn’s um Ihrognaden Ströbele geht, wird’s autoritär

Pressefreiheit und allgemeines Recht auf Information und Berichterstattung? Rücksichtsvoll und mit Blick auf Sozialisation und pädagogische Vorstellungen mit Jugendlichen umgehen? Wer denkt, dass das die Positionen Ströbeles (des bündnisgrünen selbsternannten Vorkämpfers für alles, was links, bürgerrechtlich, staats-, polizei- und justizkritisch ist) sind, hat sich geirrt. Sobald es den gutbürgerlichen Langzeitpolitiker selbst betrifft, werden schonmal 13-jährige angezeigt, statt mit ihnen zu reden und sie zu ermahnen, und lokale Infoblogs in der Provinz werden anwaltlich abgemahnt und vor Gericht gezerrt, nur weil sie über diesen absurden Vorgang berichten, an dem er als Person öffentlichen Interesses maßgeblich beteiligt war. Für Ströbele, der durchaus als Choleriker bezeichnet werden könnte, gilt wohl heute: Es lebe preußische Autorität und Polizeistaat!

Ströbele jagte einer Blog-Redaktion einen Anwalt auf den Hals und erleichtert diese wohl gerade um hunderte oder tausende Euro, nachdem diese folgendes zum Vorfall berichtete:

Vier minderjährige Jungs eines Angelvereins verbrachten hier einen Teil ihrer Sommerferien und schossen im südlichen Teil des Waidsees Futterkugeln (Boilies) mit einer Futterschleuder ins Wasser, um Fische anzulocken. Versehentlich, so die Jungen, wurde dabei Frau Ströbele am Kopf getroffen. Der Jugendwart bestätigte uns gegenüber den Vorgang und sagte: “Der Vorwurf eines absichtlichen Treffers ist absurd. Man kann überhaupt nicht genau mit solch einer Schleuder ein Ziel treffen. Und die Jungs sind sehr verantwortungsbewusst. Sie haben die Frau im Wasser nicht gesehen. Die hatte an dieser Stelle auch nichts zu suchen, weil hier schwimmen nicht erlaubt ist.”Im Anschluss entwendete Herr Ströbele nach den Schilderungen der beteiligten Personen sehr zornig dem Jungen die Futterschleuder, schrie die Kinder an und “konfiszierte” die Schleuder. Er soll mit einer Anzeige gedroht haben, obwohl sich die Jungs und zwei erwachsene Angler um Deeskalation bemüht haben und die Jungen sich entschuldigt haben sollen. Die Anzeige durch seine Frau in seinem Beisein erfolgte nach unseren Informationen einen Tag später bei der Weinheimer Polizei.

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Kritische Intervention: Was tun? Zum Verhältnis von Theorie & Praxis

Wir dokumentieren an dieser Stelle einen Text [pdf] der Gruppe „Kritische Intervention“.

Galloudec an Antoine. […]
So ist die Welt eingerichtet und es ist nicht gut so.
Heiner Müller, Der Auftrag

SPIEGEL: Wie wollen Sie aber die gesellschaftliche Totalität ohne Einzelaktionen ändern?
ADORNO: Da bin ich überfragt. Auf die Frage ‚Was soll man tun’ kann ich wirklich meist nur antworten ‚Ich weiß es nicht’. Ich kann nur versuchen, rücksichtslos zu analysieren,
was ist. Dabei wird mir vorgeworfen: Wenn du schon Kritik übst, dann bist du auch verpflichtet zu sagen, wie man’s besser machen soll. Und das allerdings halte ich für ein bürgerliches Vorurteil.
SPIEGEL 19/1969, 206.

Immer wieder gab es in den letzten Wochen Demonstrationen, etwa die der Stuttgarter Wutbürger, die der Linken und anderer ,engagierterʹ Bürger gegen ,die Banken und Finanzmärkteʹ bzw. ,die da obenʹ, die von Studierendenaktivisten oder die von sogenannten ,Linksradikalenʹ. Doch die meisten Stuttgarter wollen ihre Ruhe, ob vor Bauprojekten oder vor Demonstranten, die große Masse der Bundesbürger will Sicherheit, die Sicherung ihrer kleinbürgerlichen Habe im Angesicht der Krise, und die meisten Studierenden wollen credit points, während sie inbrünstig auf einen unbezahlten Praktikumsplatz hoffen. Die große Masse der Menschen nimmt die gegenwärtigen Verhältnisse gleichsam schicksalhaft, als naturgegeben hin oder affirmiert sie, was jeder gesellschaftskritische Ansatz reflektieren sollte. (mehr…)

Zum Tod von Georg Kreisler

Eine letzte Meldung: Georg Kreisler ist nicht mehr unter uns.

So steht es seit dem 22. November auf seiner Homepage. Anstatt eines Nachrufs will ich aus diesem Anlass hier nur eines meiner Lieblingslieder posten:

Marginalien: Ficken, Volksfreund

Nicht nur, dass es Leute gibt, die durch die Suche „wie fickt man nutten bei gta 4″ auf diesen Blog stoßen (und der uralte Text von Zonengabi hat ihn bestimmt nicht zu kritischer Einsicht gebracht, wo er doch offensichtlich zwei Stunden lang auf der Suche war). Nein, es gibt auch noch Leute, die ihre kostbare Zeit opfern, um uns auf unsere Deutschfeindlichkeit anzusprechen, wohl aufgrund unserer letzten Beiträge. Ob „Volksfreund“ nun einfach ein Nazi ist, oder irgendein verwirrter Anhänger verschwörungstheoretischer Volksfreunde, die gegen „die Hochfinanz“ mobil machen, wir werden es wohl nie rausbekommen. Ist es viell. Bernd?

34 Google: wie fickt man nutten bei gta 4 1 2:12
35 Google: wie fickt man nutten bei gta 4 1 1:46
36 Google: wie fickt man nutten bei gta 4 1 1:32
37 http://entdinglichung.wordpress.com/2008 1 1:28
38 Google: wie fickt man nutten bei gta 4 1 0:13

From: Dein Landsmann
Message: Was deutsch ist:
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch_(Etymologie)

Bitte lesen, zur Milderung des Selbsthasses.
Alles Gute!
Dein Landsmann

Deutsche Abgründe

Übernahme von http://reflexion.blogsport.de

Zehn Menschen sind tot. Dreizehn Jahre verrichtete eine rechte Terrorgruppe, die sich den Namen „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) gegeben hatte, ihr mörderisches Handwerk, ohne dass bundesdeutsche Behörden den Nazi-Tätern auf die Spur kamen. Nun ermittelt das Bundeskriminalamt und ist auch auf der Suche nach den Unterstützern dieser Vereinigung. Am 13.11.2011 wurde beispielsweise Holger G. verhaftet, der den Mördern seine Ausweise hinterlassen haben soll. Beate Zschäpe, Mitglied des NSU, befindet sich bereits seit dem 08.11.2011 in Haft und spekuliert von dort auf Strafmilderung.

Die Terrorgruppe hatte in den vergangenen Jahren neun Migranten ermordet, Bomben gebaut und eine Polizistin hingerichtet. Journalist_innen gaben den Taten einen Namen. Es war von „Dönermorden“ die Rede. Dabei waren die meisten ermordeten Personen noch nicht einmal Dönerverkäufer, sondern beispielsweise Änderungschneider, Gemüsehändler, Kiosk- und Internetcafé-Besitzer, mit ganz konkreten Namen und einer Geschichte. Hier wurde der rassistische Diskurs, dem viele deutsche Medien verfallen sind, offensichtlich. So berichtete der Spiegel vor mehr als einem Jahr besonders ausführlich über die „Dönermorde“, was von der rassistischen Internetseite „PI-News“ begierig aufgegriffen wurde. „Düstere Parallelwelt“, hieß es im Spiegel. Die PI-News-Rassisten veröffentlichten diesen Artikel erneut und sprachen von der „importierten ‚Organisierten Kriminalität‘ aus dem Morgenland“. „Spur der Döner-Mörder führt zur Wettmafia“, sekundierte der Spiegel in einem weiteren Artikel. Auch die Bild-Zeitung machte die Taten zum Thema. Sie präsentierte als Täter die „Drogenmafia“ oder die „organisierte Kriminalität“ und zitierte den Leiter einer Sondereinsatzkommision, der nicht ausschliessen wollte, dass die Opfer „in der Drogenszene aktiv waren“.
Nur auf die naheliegende Vermutung, dass es sich um die Taten von Nationalsozialisten handeln könnte, ist niemand gekommen. Stattdessen ermittelten die Behörden im „Drogen-, Glücksspiel- und Schutzgeldmilieu“. In einem rassistischen Klima sollte dieser Umstand allerdings nicht verwundern. Hier wurden die Opfer auch nach ihrem Tod zu Tätern gemacht. Selbst „den Verdacht, es könnten Neonazis gewesen sein, hat die Polizei nie ernst genommen“, sagt beispielsweise Gamze Kubasik, Tochter eines Opfers heute.
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Der Verfassungsschutz und seine Nazis

Frankfurt (dpa) Der hessische Verfassungsschutz schweigt sich zur Rolle eines seiner Beamten in der Neonazi-Mordserie aus. Zu den Vorwürfen, der Verfassungsschützer sei noch zum Zeitpunkt eines der Morde in einem Internetcafé gewesen, wollte sich die Behörde nicht äußern.

„Wir nehmen dazu keine Stellung“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Die Staatsanwaltschaft Kassel habe zwar gegen den Mann ermittelt, sagte er. Sie habe das Verfahren im Januar 2007 aber eingestellt, weil sie dem Verdächtigen keinen Zusammenhang mit der Tat habe nachweisen können.

Nach bisherigen offiziellen Angaben hatte der Verfassungsschützer eine Minute vor dem tödlichen Schuss aus einer Waffe mit Schalldämpfer den Tatort verlassen. Diese Annahme könne nun nicht mehr aufrechterhalten werden, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf Sicherheitskreise in Wiesbaden.

Wie „Bild“ unter Berufung auf Ermittlungen des hessischen Landeskriminalamtes berichtet, trug der Mann in seinem hessischen Heimatdorf den Spitznamen „Kleiner Adolf“. In der Wohnung des Mannes wurden demnach neben anderen Einschlägigen Druckerzeugnissen auch handschriftliche Kopien von Auszügen aus Hitlers „Mein Kampf“ gefunden.

What the fuck was für Abgründe tun sich hier nur auf.

99% gegen ‘Bankster’ und Finanzkapital?

Über die fragwürdigen Hintergründe der „Occupy-Bewegung“ & den Unterschied zwischen Ressentiment und Kapitalismuskritik

Mi, 23.11.11 I 18.30 I Melanchthonianum, Uniplatz

Die Occupy-Bewegung ist in aller Munde. Nachdem zehntausende Demonstrant_innen am 15. Oktober 2011 überall in Deutschland auf die Straße gingen, wurden Plätze besetzt, öffentliche Versammlungen abgehalten oder gemeinsam gezeltet. „Wir sind die 99 Prozent“, hieß es selbstbewusst, nicht nur in Frankfurt und Berlin.

Die Occupy-Bewegung richtet sich gegen das eine Prozent, also gegen eine angenommene kleine Minderheit, die für alles Übel der kapitalistischen Gesellschaft verantwortlich gemacht wird – ein Übel, dass sie in dem Begriff des „Finanzkapitals“ beschrieben sehen. In Polittalkshows wie Maybrit Illner kommen die Wortführer der Bewegung zu Wort, um sich als idealistische und demokratische Avantgarde zu inszenieren. Spiegel, TAZ oder BILD-Zeitung erfreuen sich an den neuen Protesten gegen die „Bankster“. Unterstützung kommt auch von Gregor Gysi und von Konstantin Wecker. Er schrieb einen ganzen Song, der ein weiteres Motto der Bewegung aufgreift: „Empört Euch!“ (mehr…)

Antiziganismus Gutmenschenart

Deutsche Zustände beim MDR: „Roma sind dreckig, faul und sie klauen, was das Zeug hält. „Stimmt!“, sagt die 27-jährige Jenny Rasche aus Stapelburg im Harz. Doch sie sind auch lebensfroh, hilfsbereit und stolz.“ Ohne Worte.