KEIN Antikapitalismus


Es scheint trendy zu sein. Kaum kritisierten wir etwas ausführlicher das Versagen einer Gruppe post-pubertärer Erstsemester, die als „AnarchistInnen“ gegen „BWL-Schweine“ und zwei ihrer Dozenten vom Leder zogen, und die „Nacht für Nacht“ Anschläge auf „reaktionäre Institute“ der Uni verüben wollen (der erste galt einem Altpapiercontainer), melden sich nun ihre großen Brüder (im Geiste) zu Wort. Italienische „AnarchistInnen“ – oh, wie würden nur etwa die spanischen AnarchistInnen weinen, würden sie heute noch leben – schickten an Ackermann (wen sonst) eine Briefbombe, und hetzten zugleich „gegen Banken, Bankiers, Zecken [!] und Blutsauger [!!]“. Und wieder: Schon die empathielose Sprache, der Affekt, das blinde Losschlagen gegen ausgemachte Sündenböcke – dieser Weg ist bestenfalls dumm und erbärmlich, meistens aber regressiv oder faschistoid, auf keinen Fall jedenfalls irgendwie emanzipatorisch – und das gilt insbesondere dann, wenn nicht mehr nur von dummen Jungen Altpapiercontainer angezündet, sondern von irgendwelchen „Aktivisten“ Briefbomben verschickt werden. Dazu ist an anderer Stelle schon mehr und ausführlicheres gesagt worden, etwa hier, hier oder hier.


7 Antworten auf „KEIN Antikapitalismus“


  1. 1 x 09. Dezember 2011 um 0:59 Uhr

    es gibt in anarchokreisen seit längerem kritik an dieser sog. federazione anarchica informale(nicht zu verwechseln mit der federazione anarchica italiana) , die ja nicht zum ersten mal in erscheinung tritt.
    siehe z.b. http://lnl.blogsport.de/2011/12/08/zur-briefbombe-auf-ackermann/

  2. 2 richard albrecht 10. Dezember 2011 um 17:25 Uhr

    Hallo:

    Nur kurz zum angeblichen oder wirklichen „Bekennerbrief“:
    Sollte dort nicht nur „gegen Bankiers“, sondern auch „Zecken und Blutsauger“ stehen – dann ist das faschistische oder Nazi-Sprache. Das kommt von politisch rechts. Und – definitiv – nicht von politisch links. Genauer: nicht von historischen. Sondern von zeitgenössischen Neunazis und/als Faschisten.

    Dr. Richard Albrecht
    10. Dezember 2011
    http://kulturbruch.net

  3. 3 MC Gurke 10. Dezember 2011 um 17:34 Uhr

    Nunja, dass das faschistoid ist, das ist sicherlich richtig. Nur ist nicht alles, was regressiv, menschenverachtend, empathielos oder faschistoid ist automatisch „rechts“, zumindest dem Verständnis der Urheber nach. Auch in der Linken gab es historisch immer und gibt es auch und gerade heute solche, die – wie manche selbsternannte „Antikapitalisten“ – zur brutalen Hatz auf vermeintliche Übeltäter geblasen haben, und damit weit, weit hinter emanzipatorische Grundlagen zurückgefallen sind. Das muss man dann auch als das diffamieren, was es ist – und es ist links, ob die Bombe im jüdischen Gemeindehaus, die von „Linken“ geäußerte Forderung, „Bonzen und Spekulanten“ aufzuknüpfen oder die Rede von Blutsaugern.

  4. 4 Entsetzlich! 10. Dezember 2011 um 18:54 Uhr

    Ich würde eine kurze, aber sprachlich empathievolle Solidaritätsadresse an Ackermann anregen.

  5. 5 MC Gurke 10. Dezember 2011 um 21:47 Uhr

    genau darum geht es. du hast es verstanden.

    wenn aufsichtsratsvorsitzende jedes jahr 5000 € für Brot für die Welt spenden, oder wenn chefs riesiger unternehmen für betriebsräte in ihren unternehmen eintreten, oder wenn ein industriekapitalist ganz doll daran leidet, wenn er seine altverdienten mitarbeiter ans freie setzen muss – dann zeigt sich das gesicht des kapitalismus mit menschlichem antlitz. bomben gehen selbstverständlich an die bösen kapitalisten, die mit dem soo abgrundtief schlechten charakter, und dann wird alles besser. na dann, viel spaß in deinem einfachen leben.

  6. 6 Simone 12. Dezember 2011 um 11:07 Uhr

    Als ob der Ackermann seine Post persönlich öffnet. Aber was ist schon eine Sekretärin ohne Hände, wenn sie diese für die Revolution verliert?

  7. 7 Entdinglichung 12. Dezember 2011 um 14:03 Uhr

    gab es da nicht einmal vor einigen Jahren ‚Brigate Rosse‘-Kommuniques die Formulierungen wie „Ruhm und Ehre dem Kommunismus“ und ähnliche Merkwürdigkeiten enthielten?

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