„Rechtspopulismus und die Linke“: Anti-antideutsches Versagen

Mit ihrer „Ausländer raus! “- Ideologie und ihrem dezidierten Hass auf alles Linke, vor allem jedoch auf die Antifa, kann man die Anti-Deutschen getrost dem rechten Lager zuordnen. Sie stellen den Brückenschlag zwischen linker und rechter Ideologie dar, und sind längst nicht passé. Während sie mit ihrer Islamhetze in die gesamtgesellschaftliche Diskursströmung einwirken, strahlen sie immer noch auf die Bewegung zurück. Ihre Schriften werden weiterhin von Linksradikalen gelesen, ihre ideologischen Gedankenfragmente kursieren noch in unserem Ideenpool und werden von jungen, unschuldigen Gemütern aufgenommen und in ihr politisches Weltbild eingebaut. […]
Damit stellen die Anti-Deutschen den Anknüpfungspunkt zur Einbindung der Linksradikalen in einen gesamtgesellschaftlichen Konsens der Islamfeindlichkeit dar und erschweren so das Zustandekommen einer eindeutigen Positionierung gegen diese Form des Rassismus.
Um den Antideutschen nicht in die ideologische Sackgasse zu folgen, die jeden Ansatz zu einer revolutionär-politischen Praxis unmöglich macht, ist es wichtig, an der Idee der Revolution festzuhalten und unsere Politik danach auszurichten. Unsere Haltung gegenüber der bestehenden Herrschaft kann nur der Kampf gegen sie sein, diese Freiheit lassen wir uns von den Anti-Deutschen nicht nehmen. Denn wir sind die letzten Residuen, die wirkenden Restgrößen der Freiheit. Erst wenn wir aufgeben, hat der Kapitalismus wirklich gewonnen.

Wer denkt, hier eine wunderbar gelungene Satire auf naive Bewegungs-und-Traditionslinke vorzufinden, muss leider enttäuscht werden – die Realität übertrifft potentielle Satiren bei Weitem. Vielmehr handelt es sich hier um das Résumé eines „Grundlagentextes“ (von den OrganisatorInnen auf der Mobiseite als „Der Text zum Thema“ bezeichnet) zur Kritik „der Antideutschen“, wobei die „Antideutschen“, von denen der Text handelt, eine großartige Konstruktion sind. Diejenigen, die sich dieses Feindbild konstruiert und der Gegnerschaft zu eben diesen „Antideutschen“ verschrieben haben, mobilisieren nun mit eben diesem Text zu einer hochkarätig besetzten Diskussionsveranstaltung, bei der mit diesen für „unsere revolutionäre Praxis“ absolut gefährlichen Subjekten ein für alle Mal (auf theoretischer Ebene) aufgeräumt werden soll.

Warum diese Veranstaltung anti-antideutscher IdeologInnen eher einer Selbsthilfegruppe von ZwangsneurotikerInnen gleichkommt und nichts zur notwendigen Kritik der post-antideutschen Clique rund um die Bahamas – die zwischen Halbwissen, Ressentiments, der Affirmation bürgerlicher Ideologie und K-Gruppen-Dogmatismus versumpft ist – beitragen kann, weshalb sie sogar weit hinter Grundaussagen der diffamierten „Antideutschen“ zurückfällt, darum soll es hier kurz gehen. So viel Zeit kann man sich nehmen, wenn es zu einer derart erheiternden Melange von Gerhard Hanloser, Bernhard Schmid, einem Hobbyexpertenblogger namens Attila Steinberger und – wer darf, wenn es gegen „die“ Antideutschen zur Verteidigung von „dem“ Islam geht, nicht fehlen, frotzeln einige – Georg Klauda kommt.

Die Bedeutung der Zeitschrift Bahamas wird von ihren GegnerInnen weit übertrieben, würde sich doch sonst auch nicht der an Verschwörungsdenken erinnernde Glaube einer „Gefahr“ für „die Linke“ (wer ist das?) aufrecht erhalten lassen, der das eigene Handeln und Schreiben (zu diesem Thema meist auf Blogs) antreibt. Doch kann man selbstverständlich die Artikel und Redebeiträge der Bahamas-Redaktionsmitglieder und der wenigen ihr verbundenen Gruppen (auseinander)nehmen. Meist handelt es sich dabei um von geringer Sachkenntnis ausgehende, eigene Ressentiments mangels Selbstreflexion/Selbstkritik als gesellschaftliche Realität wahrnehmende, bürgerliche Ideologie (Rechtsstaat, Bürgerlichkeit, Menschenrechte) unkritisch reproduzierende Schwurbeleien. Wenn es dann mit essentialistischen Kategorien und den eigenen Ressentiments im Bauch gegen Unterschichten und Migranten geht, die eigene Position zudem in K-Gruppen-Tradition als die einzig wahre Wahrheit vertreten und jegliche Kritik abgewiesen wird, ist ein Maß von Widerlichkeit erreicht, dass emanzipatorische Linke und damit auch Teile der antideutschen Linken zum deutlichen Bruch zwingen muss bzw. müsste.Zusatz 1 Der nun für die Veranstaltung „Rechtspopulismus und die Linke“ werbende Text „Die wunderbare der Welt der Anti-Deutschen“ erwähnt zwar einige Texte von Wertmüller, Pünjer und anderen, die tatsächlich ekelhaft antiemanzipatorisch sind und ausgiebig kritisiert gehören. Das ist aber noch nirgends systematisch geschehen, auch wenn seit längerem allerorten, etwa in antideutschen Antifakreisen, die Distanzierung von der sektenhaft agierenden Bahamas-Clique zu hören ist. Nur einzelne AutorInnen oder Einzelthemen wurden schon behandelt(z.B. Th. Maul).

Auch die Veranstaltung der „North East Antifascists N.E.A.“ und der Trend Onlinezeitung und ihr auf der Mobiseite publik gemachter Text tragen nichts zur Kritik dieser Gruppe und ihrer Ideologie bei, vielmehr klopfen sich hier allerlei Leute auf die Schultern, die schon immer und aus den unterschiedlichsten Gründen ein Problem mit diversen Positionen hatten, die „den Antideutschen“ zugeordnet werden. Wenn man den Grundlagentext (Editorische Hinweise der Trend Onlineredaktion: „Wir erhielten den Artikel von der Autorin als Begleittext für diese Veranstaltung.“) genau liest, wird auch schnell klar, worum es den Versammelten eigentlich geht: Sie wollen Israel kritisieren und den Islam gegen die Islamkritik verteidigen, wobei sie mit Israel den gesamten Staat meinen, und mit Islam die gleiche essentialistische Konstruktion, gegen die die Post-Antideutschen erbittert anrennen. So wird gleich zu Beginn geschrieben:

Israel steht für eine moralische Haltung steht und wird somit zum „Gegenstand“ einer emotionalen, identitätsstiftenden Ebene stilisiert, aus der die ehemaligen Anti-Deutschen ihr Selbstverständnis speisen. Darüber wurden ungeniert „emanzipatorische Standards“, pseudo-intellektuell gerechtfertigt, nach und nach über Bord geschmissen, da sie einer unbedingten Parteinahme für Israel moralisch im Weg standen.

Dass im Text (den vielleicht irgendwer vor der Veröffentlichung hätte Korrekturlesen sollen) gleichzeitig von Anti-Deutschen und von Ex-Anti-Deutschen gesprochen wird, ist noch der schlichteste Widerspruch, in dem die AutorInnen sich verfangen. Nicht im Geringsten verständlich wird den außerhalb der Gemeinde stehenden LeserInnen nämlich, inwiefern mit Hilfe einer „emotionalen, identitätsstiftenden Sprache“ (??) „‚emanzipatorische Standards‘, pseudo-intellektuell gerechtfertigt“ über Bord geschmissen werden, weil sie einer unbedingten Parteinahme für Israel (wir erinnern uns: „steht für eine moralische Haltung steht“) „moralisch im Weg standen“. Wie bitte? Was hat es denn nun mit der Moral auf sich, und welche emanzipatorischen Standards wurden über Bord geworfen? (Von AutorInnen der Bahamas wurden tatsächlich einige solche über Bord geworfen, aber es ist offensichtlich, dass diese von den Anti-Antideutschen nicht gemeint sind.)

Herausgekommen ist eine seltsame, umrisslose sowie beliebige Nicht-Ideologie, die sich als Carrier für unreflektierte, rassistische Ressentiments der deutschen Linke erwiesen hat, die sich in dem ideologiefreien Raum nun ungehemmt Bahn brechen und als radikale Anti-Islamhetze niederschlagen konnte.

Wieso zum Teufel handelt es sich um eine Nicht-Ideologie? Der Witz ist doch gerade, dass die „Ideologiekritiker“ eben ihre eigene, seit Jahren erstarrte Ideologie nicht im geringsten kritisch reflektieren. Und was bitte ist ein „Carrier“ im „ideologiefreien Raum“? Seit wann gibt es „ideologiefreie Räume“? Peinlicher kann man nicht beweisen, dass man von den im Übermaß verwendeten Begrifflichkeiten keine Ahnung hat. Ebenfalls mehr als deutliche beweisen die AutorInnen und OrganisatorInnen ihr eigenes Unverständnis, wenn sie auf der Mobilisierungsseite zum Vortrag in einer schlechten Artikelliste zur „Kritik der Antideutschen“ ausgerechnet einen Text der Georg-Weerth-Gesellschaft als „Selbstkritik“ darbieten, in dem die Kölner Post-Antideutschen der antideutschen Linken allerhand Blödsinniges vorwerfen, etwa, noch den Antifaschismus und die Kritik deutschen Nationalismus hochzuhalten. Nur weil da wörtlich von „Antideutschen“ die Rede ist, und das in Verbindung mit Vorwürfen und Kritik, haben die völlig ahnungslosen Anti-Antideutschen das für eine Selbstkritik gehalten. Tatsächlich ist es eine typische Vertextlichung post-antideutscher Ideologie, die die Aufklärung durch Antirassimus bedroht sieht.

Die Anti-Deutschen stellen eine spezifische Kontinuität in der Geschichte der Linke dar. Immer zu Krisen- und Kriegszeiten wurde die linke Bewegung von einem Zerfallsprozess befallen, bei der ein Teil die Idee der Revolution aufgab und identitätslos die Koalition mit der Mitte oder noch weiter rechts suchte, während der andere Teil sich vom revolutionären Standpunkt nicht abbringen ließ.

Ohne Worte. Wie im oben schon zitierten Schluss des Pamphlets fasziniert und schockiert einen die naive und unreflektierte Stilisierung der eigenen peer-group zum revolutionären Subjekt, der Bezug auf die Revolution als offensichtlich in den Augen der Gemeinde möglicher Praxis. Während einige der bösen, bösen antideutschen AutorInnen sich wenigstens noch Gedanken darüber gemacht haben, was es bedeutet, in einer Zeit ohne Alternativen zu leben, in der kein revolutionäres Subjekt in Sicht ist, und die eigene Ohnmacht angesichts der Totalität der Verhältnisse einen zu überwältigen droht, driften die AutorInnen des Textes und die Veranstalter der „Podiumsdiskussion“ (obwohl sich alle einig sind…) in peinliche Vorzeit-Revolutionsromantik ab, verorten sich selbst auf der Seite von Revolution und Fortschritt und machen sich so nicht nur lächerlich, sie bagatellisieren zudem die herrschenden Verhältnisse.

Auch die „Basis“, die jetzige Linksradikale, ist noch von dem Zerfallsprozess bedroht. Nach der Abschaffung des real existierenden Sozialismus gibt es keinen Gegenentwurf mehr, auf das man sich als revolutionärer Mensch positiv beziehen könnte, kein sozialistisches Projekt, das Bestand hatte. Gerade dies mag die Anti-Deutschen dazu bewogen haben, sich an Israel als positiven Bezugspunkt zu klammern und dafür sogar ihre Moralwerte zu opfern.

Noch ein Aha-Moment: Zuvor hätte man es vielleicht nicht für möglich gehalten, dass in solcher Offenheit der „real-existierende Sozialismus“ (und eben explizit dieser!) als „Gegenentwurf“ bezeichnet wird, auf den man sich als „revolutionärer Mensch“ (?) wohl im Jahr 2011 positiv beziehen könnte. Wie war das? Die reflektiertesten DDR-Intellektuellen waren schon vor 50 Jahren an diesem „real existierenden Sozialismus“ verzweifelt, ob Kunert oder Wolf, deutlich hatten sie mit Blick auch auf die Entwicklung in der DDR formuliert: Kein Ort, nirgends. Nur noch Zynismus, Verbitterung hatten Antifaschisten und „Sozialisten“ wie Fühmann in den 80ern für die DDR übrig, und hier im Text wird völlig ernsthaft von (real)“sozialistischen Projekten“ gesprochen? Doch ressentimentgesteuert wie eh und je flutscht den AutorInnen sowieso wieder der eigentliche Stein des Anstoßes in den Text, ob es passt oder nicht. In dem Moment, wo es gegen Leute geht, weil sie „sich an Israel als positiven Bezugspunkt […] klammern und dafür sogar ihre Moralwerte […] opfern“ (!!!), wird die treibende Kraft überdeutlich. Die Anti-Antideutschen sind so auf Israel fixiert, wie ihre Gegner, die Post-Antideutschen, auf die „palästinensische Volksgemeinschaft“. Wenn die einen die Politik rechtsradikaler Regierungsparteien abfeiern, lassen die anderen sich nicht lumpen und haben mit Sicherheit immer drei Argumente zur Verteidigung palästinensischer Reaktionäre und ihrer Milizen zur Hand. Während die einen „dem Islam“ noch jede im Nahen Osten vorgefallene Schweinerei zuschreiben, verteidigen die anderen Schwulenmorde des iranischen islamistischen Regimes mit Verweis auf die Kolonialzeit.

Den Rest des Textes kann man sich sparen, es geht gegen verkürztes Adorno-Zitieren, indem man selbst verkürzt zitiert, es geht gegen mehr als kritikwürdige Texte aus der Bahamas, wobei die AutorInnen aber kläglich versagen. Zudem kritisiert man die ressentimentgeladene und teilweise rassistische „Islamkritik“, doch nicht, indem man eben die zugrundeliegenden kulturrassistischen Stereotypen und die essentialistische Kategorienbildung auseinandernimmt. Dazu sind die AutorInnen überhaupt nicht in der Lage, gehen sie doch selbst vom Existieren „des Islam“ aus, der samt seiner Schäfchen vor den Kritikern (weiße Männer, und überhaupt) in Schutz genommen werden müsse. Dabei entblödet man sich dann nicht, ebenso wie Pünjer die Ahmadiyya aus Heinersdorf einer islamischen Gemeinschaft zuzuordnen, obwohl die in den meisten Ländern der sogenannten islamischen Welt verfolgt werden und nicht ohne Gewinn gar mit den Bahai verglichen werden könnten. Es ist wohl kein Zufall, dass auch Georg Klauda auf dem Podium sitzt, der sich, nachdem seine berechtigte Kritik an verkürzter und auf Halbwissen basierender Islamkritik von Bahamasianern ignoriert wurde, immer weiter radikalisierte, bis er schließlich unter Berufung auf die Geschichte zum Apologeten des Bestehenden wurde. Zudem sitzt ein Islam- und Nahost“experte“ auf dem Podium, der sich dadurch auszeichnet – so findet man es gerade auf seinem bis dato völlig unbekannten Blog –, dass er nichtmal Erst- und Zweitstimmen bei den ägyptischen Wahlen auseinanderhalten konnte und das dann ausgerechnet anderen (wohl gar einem Ägypter, was das ganze noch witziger macht) mit Beschimpfungen garniert vorhält.

Einen Gipfel der Dreistigkeit wie der Theorielosigkeit erreicht das Pamphlet, wenn es um „die Antifa“ geht:

Die Antifa hassen die Anti-Deutschen am meisten, repräsentiert sie doch, was es bedeutet, konkrete antifaschistische Arbeit zu leisten, statt sich die Welt vom Schreibtisch aus so zurecht zu biegen, dass der „wahre“ Antifaschismus sich nur in den Koordinaten von 33-45 bewegt.

Man mag sich wundern, ist doch selbst bei den Verfassungsschutzämtern angekommen, dass diverse antifaschistische Gruppen, ob sie nun in Berlin oder jwd antifaschistischer Praxis (!!!) nachgehen, der „antideutschen Strömung zuzurechnen“ sind. Wo Leute wie Hanloser, Steinberger oder Klauda „Antifa-Arbeit“ nachgegangen sind, und was sie dazu berechtigt, von „der Antifa“ zu sprechen, dass weiß nur der liebe Gott. Wie widerlich im Übrigen die Spaltung in „konkrete Arbeit“ und unproduktives Herumtheoretisieren ist, und wie tief der ganze Text blicken lässt, es ist den VerfasserInnen des Textes, den Organisatoren der Veranstaltung sicherlich nicht bewusst.

Emanzipatorische Linke, emanzipatorische Antifas, emanzipatorische MaterialistInnen – wie auch immer man Leute mit etwas Vernunft, Theoriebildung und Selbstreflexion nennen will – sie werden über diesen Text und die Veranstaltung in Berlin genauso entrüstet (und verzweifelt) den Kopf schütteln, wie über die Artikel der Bahamas.

Diesen Text eines Freundes, der fragte, ob wir ihn online stellen wollen, finde ich voll und ganz richtig. An ein paar Stellen korrigiert sei er hier dokumentiert. Verlinkung geht aufs Haus.

  1. Danke an die Redaktion der Bahamas, dass sie diese knackige Kurzkritik ihrer Leserschaft vollumfänglich zugänglich macht. Was übrigens ihre hier angesprochene Bedeutungslosigkeit und Versumpftheit (im linken Sumpf) nur mal wieder deutlich macht. Schön auch, wie auf die Tatsachenfeststellung, dass von den wahnigen Antideutschen-Hassern die Bedeutung der „Bahamas“ übertrieben wird, mit Ausführungen dazu reagiert wird, wie mühsam und schweißtreibend das Versenden von zehntausenden (?) abbonierten Heften ist. Narzißtische Kränkung oder so? Einfach nur schön. Weiteres zum Thema findet sich hier. [zurück]

33 Antworten auf „„Rechtspopulismus und die Linke“: Anti-antideutsches Versagen“


  1. 1 Kalima 15. Dezember 2011 um 1:04 Uhr

    Als Verleumdeter darf ich mich sicher zu Wort melden insb. nach dem du selbst freimütig erklärt hast voll und ganz hinter diesem fantasiereichen Text zu stehen.
    Der von dir inkrimierte Text handelt davon, dass bis 02. Dezember nur zwei Direktkandidaten offiziell bekannt gemacht und die restlichen Ergebnisse nicht veröffentlicht wurden. Gleichwohl hat eine enorme Hysterie in der Presse statt gefunden, deren Zahlen (u.a. 40% bei immerhin zwei feststehenden Stimmen von 168) keine Basis haben. Die mir vorgeworfenen Zahlen wurden aber erst am 07. Dezember, also fünf Tage später, von der ägyptischen Wahlkommission bekannt gemacht.

    Den Vorwurf, dass ich die Erst- und Zweitstimmen nicht auseinanderhalten könne, gebe ich gerne zurück, da nach der Lesart des höchst pikierten Moslembruders in meinem Blog 267 Gesamtstimme in der ersten Wahlrunde der ägyptischen Wahl zustandegekommen sein sollten. Bei 166 Stimmen ist dieses Ergebnis aber nur im Falle eines Wahlbetruges möglich. Im übrigen wurde die Frage diskutiert, ob die die Zweitstimmen bereits nach der ersten Wahlrunde oder erst nach der letzten im Januar bekannt gegeben werden. Inwiefern diese Frage das Addieren von Stimmen berührt, erschließt sich mir nicht.

    Diese miserable Recherche zieht sich übrigens durch den gesamten Text. So krankt es der im Artikel geschilderten Kritik an der Veranstaltung an einem Punkt: Sie nimmt einen Text, der eben nicht von den Veranstaltern stammt, und bringt ihn gegen sie in Stellung. Bei dem Ankündigungstext der Veranstalter oder auch den Texten der Referenten präsentiert sie nichts bzw. nichts substantielles. Ich würde für eine fundierte Kritik die Kategorie des Klassenkampfes vorschlagen oder bei Gerhard Hanloser den Arbeitsbegriff.
    Wenn der Vorwurf an den Klassenkampf darin besteht, diesem revolutionären Pathos zuzugesellen, weil die Möglichkeit der Revolution fehlen, dann ist die Kritik sehr, sehr dürftig. Da muss man sich tatsächlich fragen, was der Seitenreiter Wertkritik hier soll. Es gibt genügend Texte der Wertkritik, die sich mit dem Klassenkampf auseinandergesetzt und ihn aufgrund seiner Prämissen zurückgewiesen haben. Eben davon ist nichts im obigen Text zu sehen und er findet dann auch noch volle Zustimmung.

    Selbstverständlich bin ich nur ein Hobbyblogger. Es mag gewisse Menschen geben, die das hauptberuflich machen, aber ich gehöre nicht dazu.
    Im übrigen betreiben diesen Blog mehrere Personen. Ich kenne nämlich nicht allzu viele Personen, die gleich ein halbes Dutzend Fremdsprachen sprechen. Ansonsten könnte man das auch am Sprachstil der Texte oder dem Aufbau der Argumentation erkennen. Deshalb gibt es sowohl rein empirische wie arbeitswerttheoretische Artikel. Vielleicht hättest du auch mal meinen Namen und Krisis googlen sollen. Aber bevor hier Mißverständnisse aufkommen, bei denen bin ich seit fast zwei Jahren nicht mehr, weil wir unterschiedliche Ansichten zur Subjekt- wie Ideologiekritik haben.

    In dem Blog Kalima schreiben wir hauptsächlich zum Islamismus. Bei uns ist keiner ein Islamexperte. Niemand argumentiert bei uns mit dem Islam. Deswegen spricht sich niemand für noch dagegen aus. Es ist nicht das Problem, dass der Begriff Islam Nuancen verdecken würden, sondern dass bereits die Prämisse falsch ist. Denn dieser Begriff sagt nämlich nichts aus, weder über Moslems, außer auf einem sehr allgemeinen Niveau, noch über eine spezifische Form kapitalistischer Vergesellschaftung. Sich über die Chiffre Islam dem Thema zu nähern verweist bereits darauf, dass es eben nicht um eine Analyse des Sachstandes geht, sei sie empirisch oder arbeitswerttheoretisch oder von mir aus im Rahmen der Kritischen Theorie. Der Islambegriff verweist einfach nur auf Denkfaulheit und spottet jeder materialistischen Analyse Hohn, auf die man sich absurderweise auch noch bezieht. Diese vorgebliche materialistische Analyse wird vom Kopf auf die Füsse gestellt, nicht mehr die Materie, sondern der Geist würde die Vergesellschaftung ausmachen. Dabei wird die Nation/der Islam (was die meisten dämlicherweise auch noch synonym nehmen) zum Subjekt der Geschichte. Im Wesentlichen werden einfach gewisse Züge des Nationalsozialismus dort hinein gelesen. Amüsant ist, der Begriff ist beliebig austauschbar mit gewissen anderen Kategorien wie z.B. Klasse. Nehmen wir doch einfach mal das Patriarchat: Bei der Gruppe Exit (Kurz, Scholz) würde man es auf Basis der Wertabspaltung analysieren, bei Krisis wegen der Reproduktionsseite, bei Thomas Maul schwebt es als Essenz in Form der Sharia seit dem 7 Jahrhundert herum, bei Matthias Küntzel wird das Patriarchat zur Tradition erklärt und bei Grigat zum Ummasozialismus aus der materiellen Form in die Ideologie externalisiert. Zweimal haben wir also einen materialistischen Ansatz und dreimal einen idealistischen. Ein materialistischer Ansatz hat zudem den Vorteil, dass er Veränderungen darstellen und erklären kann, wohingegen der vertretene idealistische Ansatz von einer „Unmittelbarkeit“ des Islams ausgeht, die über alle Zeiten hinweg gleich sein würde (bei Maul und Küntzel wird er freilich durch die Moderne gefährdet, weswegen er pathologisch werden würde, was aber an ihrem essenzialistischen Ausgangspunkt nichts ändert). Wenn mir also jemand mit Islam kommt, dann weiß ich, dass vor mir jemand steht, der vom Thema keine Ahnung hat und zwar sowohl vom Nahen Osten (man bezieht ja Islam selten auf u.a. Mali, Bangladesch oder Indonesien) als auch von einem materialistischen Ansatz. Meine Kritik bzgl. der dürftigen Kritik am Klassenkampf und des Seitenreiters Wertkritik kann ich hier nur aufrechterhalten.

  2. 2 MC Gurke 15. Dezember 2011 um 2:05 Uhr

    Von hinten nach vorne.
    1. Ausgiebig wird in der Kritik auf den Text eingegangen, der von den Veranstaltern auf der offiziellen Seite zur Veranstaltung als „Der Text zur Veranstaltung“ und als „Begleittext“ bezeichnet wird. Das soll abwegig sein?
    2. Du schreibst: „Denn dieser Begriff [‘der Islam‘] sagt nämlich nichts aus, weder über Moslems, außer auf einem sehr allgemeinen Niveau, noch über eine spezifische Form kapitalistischer Vergesellschaftung. Sich über die Chiffre Islam dem Thema zu nähern verweist bereits darauf, dass es eben nicht um eine Analyse des Sachstandes geht, sei sie empirisch oder arbeitswerttheoretisch oder von mir aus im Rahmen der Kritischen Theorie.“
    Jetzt guck mal in den Text, da ist das viel schöner und deutlicher formuliert: „Zudem kritisiert man die ressentimentgeladene und teilweise rassistische „Islamkritik“, doch nicht, indem man eben die zugrundeliegenden kulturrassistischen Stereotypen und die essentialistische Kategorienbildung auseinandernimmt. Dazu sind die AutorInnen überhaupt nicht in der Lage, gehen sie doch selbst vom Existieren „des Islam“ aus…“
    3. Zu Deinen Rechnereien. Ich habe jetzt einfach mal mit meinem begrenzten Sachverstand den „inkriminierten Text“ gelesen. Du wirst dafür kritisiert, dass Du die Schätzung von 40% als übertrieben bezeichnest, obwohl sie am Ende sogar noch von der Realität übertroffen wurde. Diese Kritik an Aussagen von Dir, die auch als apologetisch bezeichnet wurden, kann ich nachvollziehen, die Schätzungen – und als solche wurden sie meist bezeichnet – beruhten auf Angaben von Wahlbeobachtern, nicht nur der Muslimbrüder, und erwiesen sich als sehr nah am tatsächlichen Ergebnis.
    4. Du wurdest dann darauf aufmerksam gemacht, dass Du das mit den Listenergebnissen verpeilt hast. Die waren überraschend schnell bekanntgegeben worden, ein link zu den Ergebnissen auf Arabisch findet sich witzigerweise selbst beim ominösen „ahmad“, ob der nun die Muslimbrüder geil findet, oder nicht. Doch noch eine Woche später, und obwohl Du darauf hingewiesen wurdest, schreibst Du: „Mit der Zweitstimme wählt man dagegen eine Partei oder eine Wahlliste. Die Ergebnisse der Zweitstimme werden erst im Januar nach der letzten der drei Wahlrunden bekannt gegeben.“ Das ist einfach falsch, war schon tagelang überholt, und zeugt davon, dass Du Dich mit dem Gegenstand, über den Du redest, nicht gut auskennst.
    Kommentar Nummer 7 von diesem ahmad scheint mir sehr nah ans Endergebnis für den ersten der drei Wahlgänge ranzukommen, Du behauptest felsenfest was von Fehlern und angeblichen 267 Sitzen, die beim Zusammenzählen rauskommen. Bei dieser offensichtlich gecopy-pasteten Angabe zu den stärksten Listen/Parteien im siebten Kommentar (ahmad) kommt man aber auf etwa 150.
    Das alles kombiniert rechtfertigt meines Erachtens schon die Rede vom Pseudoexperten, der „nichtmal Erst- und Zweitstimmen bei den ägyptischen Wahlen auseinanderhalten konnte und das dann ausgerechnet anderen (wohl gar einem Ägypter, was das ganze noch witziger macht) mit Beschimpfungen garniert vorhält.“

    Weiter brauchen wir darüber nicht diskutieren, das kannst Du unter dem entsprechenden Text tun. Mit der Kritik an Antideutschen, um die es ja bei Eurem Thema eigentlich geht, hat dieses Gerechne ja nun wirklich nichts zu tun. Ich finde es nur deshalb interessant, weil es über die „Expertise“ derjenigen Bände spricht, die für so eine krude Veranstaltung zusammengetrommelt werden.

  3. 3 Ghassan 15. Dezember 2011 um 12:56 Uhr

    „Ich finde es nur deshalb interessant, weil es über die „Expertise“ derjenigen Bände spricht, die für so eine krude Veranstaltung zusammengetrommelt werden.“
    Wie überträgt sich denn jetzt der Rechenfehler von Kalima auf die anderen Veranstaltungsteilnehmer? Und warum sollte er etwas über die „Expertise“ der selben aussagen?

    Zudem würde mich interessieren wo Klauda jetzt „Apologet des Bestehenden“ ist.

    Wie bereits angesprochen wurde der Text nicht von den Leuten verfasst, die dort vortragen werden. Ich schlage deshalb vor mit der Kritik an dem Vortrag zu warten bis er tatsächlich gehalten wurde.

  4. 4 Hasso 15. Dezember 2011 um 13:50 Uhr

    …“wird in der Kritik auf den Text eingegangen, der von den Veranstaltern auf der offiziellen Seite zur Veranstaltung als „Der Text zur Veranstaltung“ und als „Begleittext“ bezeichnet wird.“
    ich würd mal sagen, das hat dann schon bissel was miteinander zu tun…

  5. 5 Kalima 15. Dezember 2011 um 17:24 Uhr

    @McGurke

    1. Zum Text: Er wird eingangs direkt als „Grundlagentext“ bezeichnet. Was macht ihn denn zum Grundlagentext? Mit den Referenten ist er nicht abgestimmt und von den Veranstaltern ist er auch nicht. Auf den Seiten der NEA ist er z.B. gar nicht, sondern nur der Ankündigungstext. Veranstalter und Referenten kritisiert man nach dem, was sie schreiben und sagen, nicht, was man spekuliert. Hierzu hätte sich der Ankündigungstext angeboten oder die Texte von Hanloser und Schmidt auf der Veranstalterseite.

    Der Ankündigungstext ist miserabel kritisiert. Wie man ihn auf einer Basis kritisieren könnte, die „materialistisch“ – so der O-Ton des obigen Textes – ist, habe ich dir dargelegt.
    Diese Mängel fallen auch auf dich zurück, weil du hier freimütig eine Kategorie Wertkritik eröffnest, aber noch nicht einmal die grundlegende Argumentation beherrscht.
    Du bist dir doch in deiner Pseudokritik noch nicht mal der Dimension des Sachverhaltes bewusst, den du angeblich kritisieren würdest.

    Kritik an den Texten zu Hanloser und Schmidt fehlen. Zur Kritik an meinem Text siehe Punkte 3 und 4.

    2. Der Autor des obigen Textes verfällt doch selber seinem essentialistischem Denken und ich habe mich dagegen verwehrt mich darunter zu subsumieren – im Übrigen auch wieder materialistisch und nicht idealistisch. Hier zwei Textbeispiele: „Sie wollen (…) den Islam gegen die Islamkritik verteidigen“, „Islamexperte“.

    3. Am 02. Dezember standen 2 Abgeordnete fest von 168. Das sind keine 40%. Gegen einen Text zu argumentieren, der eben dies kritisiert, und dabei Zahlen zu verwenden, die Tage später erst möglich sind wegen der Stichwahl, ist unlogisch. Gegen die bekanntgegebenen Ergebnisse der Erststimme habe ich keinen Einwand vorgebracht. Du behauptest aber das Gegenteil ohne, dass es hierfür eine reale Grundlage geben würde. Auch das ist eine Lüge.
    Vor Bekanntgabe dieser Stichwahlergebnisse gab es übrigens kein substantiiertes Gegenargument gegen meine Ausführungen, außer, dass der Moslembruder herumgeheult hat, dass ich das Wahlsystem und die Gesellschaft nicht verstehen würde – übrigens, ohne Beleg.
    Das sage ich nun zum zweiten Mal. Mach dich also transparent wie man Ergebnis, das erst fünf Tage später fest steht, bereits berücksichtigen könnte?

    4. Die Wahllisten wurden immer noch nicht bekannt gegeben.
    Der Link des Moslembruders ist übrigens die Startseite der ägyptischen Wahlkommission. Sie schreibt selbst: „Das sind nicht die offiziellen Ergebnisse.“ Bei Jadaliyya, der Seite, von der er die Ergebnisse hat, steht folgendes: „preliminary results“, „unofficial results“, „seat distribution displayed in the tables below is not part of the official results“
    Wo sind also die offiziellen Endergebnisse der Zweitstimme? Die Wahlkommission hat sie offensichtlich nicht veröffentlich und die Wahlbeobachter auch nicht.

    Die Zahl von 267, also 100 mehr als möglich, ergibt sich aus seinen Angaben zu Erst- und Zweitstimmen. Das ist seine Erfindung.

    Um ein Resümee zu ziehen, du bist ein Lügner.

  6. 6 MC Gurke 15. Dezember 2011 um 23:27 Uhr

    Zu 1.: Ist ja witzig, dass jetzt auf einmal die große Distanzierung losgeht, aber die NEA verlinkt auch auf die Trend-Seite als offizielle Mobiseite der Veranstalter, und dort steht nunmal direkt zentral „Der Text zur Veranstaltung“ und unter dem Text nochmal als Redaktionsnotiz „Begleittext“ der Veranstaltung . Mach Dich doch nicht zum zweiten Mal lächerlich. Auch wenn es um irgendwelches Gehampel mit leeren Hülsen wie Materialismus und Wertkritik geht.

    Zu 2.: Das ist doch echt lächerlich. Der Text argumentiert deutlich gegen solchen Essentialismus. Ist doch schön, wenn Du das auch kritisch siehst.

    Zu 3. und 4.: Siehe 3. und 4. in meinem letzten Kommentar. Deine Aussage ist einfach falsch. Die Ergebnisse gibt es, und mit den 267 hat nie irgendwer behauptet. Du erzählst was verwirrendes um Dich da rauszuretten.

  7. 7 Kalima 16. Dezember 2011 um 0:46 Uhr

    1. Wo habe ich mich jemals für den Artikel ausgesprochen? Zeig es mir.

    2. Der Artikel ist durchdrungen von Essentialismus. Fakten habe ich geliefert. Der Artikel ist falsch, seine Kritik ist miserabel und er unterstellt mir Sachen, die falsch sind. Der Autor hat kein einziges Argument gegen mich, hat nichts recherchiert und arbeitet deswegen mit plumpen Unterstellungen.

    3. und 4. Ich habe deine Untertellungen eindeutig widerlegt.
    Wie es um dich bestellt sein muss, erkennt man daran, dass weiterhin darauf beharrst, dass ich von Ergebnisse fünf Tage vor ihrem realen Zustandekommen Kenntnis haben müsste. Jeder kann das in dem Artikel und der dazugehörigen Diskussion nachverfolgen. Zu den anderen Unterstellungen habe ich mich bereits umfangreich geäußert und zwar auf Basis dessen, was deine Quellen bilden.
    Bestenfalls kann man dich als zu stolz bezeichnen als dass du deinen Fehler zugibst.

  8. 8 Zonengabi 16. Dezember 2011 um 1:47 Uhr

    Äh Kalima du verweist doch selbst mit den Worten „Texte der Veranstalter gibt es hier“ genau auf die Seite, wo man besagten Text findet?

  9. 9 Hasso 16. Dezember 2011 um 9:28 Uhr

    haha. wo war denn die rede davon, dass dass ausschließlich und speziell dein text ist? es geht darum, dass du und die anderen auf einer veranstaltung auftreten, die diesen text als ihren grundlagentext, also „text zur veranstaltung“, „begleittext“ bzw. auf deinem (!) blog „text der veranstalter“ anpreist. ausserdem: wo ist der artikel essentialistisch? in seiner kritik des essentialismus?? :-)

  10. 10 Zucchini 16. Dezember 2011 um 10:34 Uhr

    @ Kalima 0:46 Uhr, 2., 3. und 4.

    Sag mal meinst Du das alles ernst, was Du da erzählst? Anderen das zum Vorwurf zu machen was auf einen selbst zutrifft, ist schon irre.

    DU CHECKST ES NICHT!!! Hier von der bei Dir schon vor Ewigkeiten verlinkten Seite, die von Dir als noch nicht vorhanden bezeichneten Listenergebnisse:
    http://www.elections2011.eg/index.php/results/phase-one-lists

  11. 11 Kalima 16. Dezember 2011 um 21:27 Uhr

    @Hasso:

    Bitte der Beleg

    „Veranstaltung anti-antideutscher IdeologInnen eher einer Selbsthilfegruppe von ZwangsneurotikerInnen gleichkommt … weshalb sie sogar weit hinter Grundaussagen der diffamierten „Antideutschen“ zurückfällt, darum soll es hier kurz gehen.“

    Hierzu wurde vorwiegend der Text von Louise Michel verwendet.

    Ein Grundlagentext ist übrigens etwas vollkommen anderes als ein Begleittext. Auf meinem Blog steht übrigens Texte und nicht Text. Das eine ist Plural, das andere Singular. Hierzu mehr bei meiner Antwort auf Zonengabi.

    Der ganze obige Text weist derartige Interpretationsfehler auf. Die Argumentation des Textes kann er nicht nachvollziehen. Seine eigene Argumentation ist nicht logisch, sondern moralisch, deshalb begegnet er Analysen, die das nicht machen, mit Unverständnis, Unverständnis in dem Sinne, dass er sie nicht verstehen kann. Wenn ihm niemand ein großes Schild „Empörung“ oder „Jubel“ hochhält, dann begreift er es nicht.
    Zusätzlich gehen ihm die Dimension der Begriffe und angesprochenen Inhalte ab, während er freimütig seine Unwissenheit ausbreitet, so z.B. in der Kritik am Klassenkampf. Wo man bei der Kritik des Klassenkampfs ansetzen muss, habe ich geschrieben. Die Dimension des Begriffs Ideologie und ideologiefrei ist ihm vollkommen unbekannt. Den realexistierenden Sozialismus als Gegenentwurf hat er vollkommenen missverstanden. Es geht nicht um einen realen Gegenentwurf, sondern um die historische Betrachtung der Verhältnisse der 80er Jahre. Wie allen bekannt sein sollte, haben sich aus einem Teil der antisemitischen Linken der 80er Jahre die Antideutschen entwickelt, die ihren Gegenentwurf durch dessen Niedergang und das Ende der Welt durch die deutsche Einheit angebrochen sahen. Während ein Teil zur SED gewankt ist, hat sich ein anderer Teil auf Vorschlag von Mellenthin auf die Bahamas verpisst. Als ihren natürlichen Verbündeten sahen sie die Radikale Linke, u.a. die Antifas. Deshalb haben sie sich dort stark engagiert und ihre Jungkader drängten dort hinein. Gerne gesehen sind sie aber tatsächlich nicht. Die Ereignisse auf der SIKO-Demo in diesem Jahr sprechen hier deutlich Bände.
    Essentialismus unterstellt er den Veranstaltern und Referenten vermittels seiner Textexegese. Dass er selber dem Essentialismus anheimfällt, habe ich belegt.
    Einen Materialismus, auf den er sich am Ende emphatisch und identitär („Emanzipativen“) bezieht, kann ich nicht erkennen. Seine Argumentation ist moralisch und essentialistisch.

    Der Autor hat also nicht nur den falschen Text gewählt, sondern diesen auch noch falsch kritisiert. Das kann ich wirklich nicht ernst nehmen.

    Wie man den Klassenkampf kritisiert, hat u.a. die Gruppe Krisis dargestellt. Allerdings sollte man hierzu auch den Einwand von Gerhard Hanloser, das Buch „der bewegte Marx“, lesen.
    Zwei grundsätzliche Werke der Gruppe Krisis passend zum Thema gibt es auch: scharfe Schafe und die antideutsche Ideologie. Offensichtlich mögen euch auch die Wertkritiker nicht.

    Da ich meinem Vortrag morgen nicht vorgreifen möchte, werde ich meine Richtigstellungen hier beenden.

    @Zonengabi

    Was meinen Verweis angeht, habe ich tatsächlich auf mehrere Texte verwiesen (Vorsicht! Plural.): Man könnte meinen, den Ankündigungstext (kurz kritisiert), die Texte von Bernard Schmid Gerhard Hanloser (kein einziger wurde gewürdigt).

    Wieso vermeidet es denn der Autor des obigen Textes zu thematisieren? Darüber kann man nur spekulieren, aber angesichts seiner Vorgehensweise, würde ich annehmen, dass sie ihn überfordern.

    @Zucchini

    Bevor du mir vorwirfst, dass ich irre wäre, solltest du dich um deinen eigenen Geisteszustand kümmern. Da du vollkommen mit Zeiten und Argumenten durcheinander kommst, fällt dein Vorwurf zur Gänze auf dich zurück.

    Man kann keine Kenntnis haben von einem Ereignis haben, das erst fünf Tage später eintritt. Deshalb kann ich auch in meinem Artikel vom 2. Dezember nichts dazu sagen, was in der Stichwahl vom 5. Dezember rauskommt, sondern nur die Hysterie im deutschen Boulevard kritisieren.

    Was die Liste angeht: Die Zahlen weichen von den Zahlen von Ahmad ab (z.B. Hizb al Hurriya 40% bei Ahmad, 36,6% bei dir). Sie sind also nicht dieselben. Du behauptest aber, er hätte sie bereits gepostet.
    Was denkst du bedeutet vorläufig? Das hört sich nicht an wie النتائج النهائية (Endergebnis). Also warten wir doch lieber bis Januar. Welche Relevanz haben überhaupt diese Zahlen? Immerhin wurde alleine die Wahlbeteiligung von 70% auf 48% korrigiert. Du präsentiert also Zahlen, bei denen bereits die Grundgesamtheit falsch ist.

    Was im Übrigen den Vorwurf der Erst- und Zweitstimme angeht, es ging im obigen Text nicht darum, wann sie veröffentlich werden, sondern:

    dass er nichtmal Erst- und Zweitstimmen bei den ägyptischen Wahlen auseinanderhalten

    Dabei bezieht du dich mit deinem Einwand auch noch auf die Punkte 2 (Essentialismus) und Punkt 3 (Bekanntgabe der Ergebnisse der Erststimme). Wie ich schon schrieb, dein Vorwurf fällt auf dich zurück.

    Würdest du dich übrigens überhaupt mit dem Thema auskennen, dann hättest du von mir eine andere Angabe angegriffen, nämlich die 166 Sitze. Das ist nämlich ein Niveau, das ich dir gerade noch zutraue. Deine Argumentation ist so schlecht, man könnte dich für den Autoren des obigen Textes halten.

  12. 12 MC Gurke 16. Dezember 2011 um 22:38 Uhr

    Lieber Kalima (Attila/Hannes),

    es ist gesagt, was es zu sagen gilt. Wer so drauf ist wie Du, mit dem kann man weder was Wahlanalysen angeht, noch in Bezug auf die Kritik der Antideutschen auch nur entfernt auf einen Nenner kommen.

    Wie allen bekannt sein sollte, haben sich aus einem Teil der antisemitischen Linken der 80er Jahre die Antideutschen entwickelt, die ihren Gegenentwurf durch dessen Niedergang und das Ende der Welt durch die deutsche Einheit angebrochen sahen. Während ein Teil zur SED gewankt ist, hat sich ein anderer Teil auf Vorschlag von Mellenthin auf die Bahamas verpisst. Als ihren natürlichen Verbündeten sahen sie die Radikale Linke, u.a. die Antifas. Deshalb haben sie sich dort stark engagiert und ihre Jungkader drängten dort hinein.

    Das ist doch echt nicht Dein Ernst! Viel Spaß in Deinem Wahn!

  13. 13 Antideutscher Jungkader 16. Dezember 2011 um 23:13 Uhr

    Das gibt’s doch nicht! Jetzt bin ich enttarnt! Mehrere Antifagruppen habe ich von innen her aufgerollt, die letzte war die AAB. Auweia, Steinberger hat mich und meine Kaderorganisation inkl. ZK auf den Bahamas enttarnt!

  14. 14 Re: Georg Klauda 18. Dezember 2011 um 10:25 Uhr

    Ist das der Georg Klauda, der den Geschichtsrevisionisten Norman Finkelstein zitiert und irre Songs der verschwörungsideologischen und deutschnationalen Band „Bandbreite“ (die mit antisemitischen Schweizer Zinskritikern (A-S-R, AZK) und obskuren „Bilderberger-Gegnern“ kooperiert), in denen behauptet wird, man werde „antideutsch“, weil „kriminelle Ausländer“ einen abziehen würden, so kommentiert:
    „Also musikalisch will ich nichts gesagt haben, aber inhaltlich passt es.

  15. 15 MC Gurke 18. Dezember 2011 um 22:00 Uhr

    Das ist auch der Georg Klauda, der ein schlechtes Erinnerungsvermögen hat und denkt, Zonengabi, Simone und ich sind jemand anders. Nicht dass wir ihn nicht kennen oder nicht mögen, aber das ist zuviel der Ehre…
    Klauda schreibt: „Der H.B. kriegt für seine krankhaften Lügen und Verleumdungen vielleicht irgendwann mal eine aufs Maul. Und damit hat sich’s dann auch.“ Gelogen? Verleumdet? Beweise? Wer unsere Kumpels schlägt, kriegt’s dann doch mit uns zu tun…

    Was so ein Text aus Berlin alles auslösen kann, ach Du grüne Neune…

  16. 16 Kalima 18. Dezember 2011 um 22:58 Uhr

    Liebster McGurke,

    ihr habt doch mit diesem Diskurs hier angefangen. Ich habe ihn richtig gestellt und nun fällt dir nichts mehr ein.

    Es ist mein Ernst, die Antideutschen entstammen der Antiimp-Szene der 80er Jahre und die Hauptmeme ihrer heutigen politischen Positionierung haben sie dort sozialisiert. Damals war auch alles Faschismus und alles Nazi – außer eben den Nazis. Deutschland hat auch jeder gehasst, weil es wahlweise kapitalistisch, imperialistisch, spießig oder engstirnig gewesen ist. Die einen sind nach Ungarn, Jugoslawien oder in die Kibbuzim gegangen, die anderen auf den Hippie-Trail. Aus dieser Zeit kommt auch der unsägliche Kultur-Diskurs, dass nämlich andere Kulturen viel toller seien als die deutsche: wahlweise die französische oder italienische für das Bildungsbürgertum, die indische, türkische oder afghanische für die Hippies oder die Jugos und Ungarn für die Helden der Arbeit.

    Schau dir doch mal deine antideutschen Avantgardisten im KB an (von der DKP ganz zu schweigen), was sie in den 80er Jahren getrieben haben: die Afrikagruppe hat wirklich jeden Diktator in Afrika besucht, solange er einen roten Stern oder eine Kalaschnikow im Wappen führte. Heute nennen sie sie failed states. Andere haben sich intensiv mit dem Kurdenkonflikt im Nahen Osten beschäftigt und sind am Ende darauf gekommen, dass die PKK doch ganz toll ist. Wieder andere haben die Abschaffung der NATO gefordert oder vertraten damals schon die Ansicht eines grünen Faschismus. Mit grün meinten sie aber die Farbe der Dollar-Note und die Geldpolitik in Lateinamerika. Palästina war damals ein Lieblingsspielzeug – damals noch als Stellvertreterkrieg gedacht, heute als Kampf der Kulturen – und schon damals haben sie rumgeweint, dass sich niemand für das Leid der Palästinenser interessieren würde und man sich doch bitte nicht mit dem Holocaust beschäftigen solle, ansonsten wäre man gegenüber Israel befangen.
    Diese Leute erzählen in den vergangenen 20 Jahren was vom Volksmob und Antisemitismus. Wieso soll ich das Ernst nehmen?

    Hier wird doch nur eins fürs andere ausgetauscht: Konflikte werden als Kampf der Nationen gedeutet, eine eindeutige Freund-Feind-Bestimmung gibt es auch und was in den jeweiligen Gesellschaften tatsächlich der Fall ist, interessiert keine Sau. Für das imperiale Tätervolk (nicht vergessen, die Antideutschen denken den Islam als Ideologie der Weltherrschaft) interessiert man sich ohnehin nicht. Dort wird schlicht auf die Situation des Konflikts reduziert: protestierende Iraner vor 2009 waren egal; gefälschte Wahlen in Ägypten 2010, kein Interesse; türkisches Militär und Bürgerkrieg, super, die garantieren die westlichen Werte. Für das Opfervolk gilt das spiegelbildlich. Auch sie werden homogenisiert und jegliche Kritik an sozialen, ökonomischen oder politischen Problemen abgelehnt und als Verrat aus dem Raum des Sagbaren verdrängt – sei es durch Tabuisierung oder Bejahung um zu Verdrängen. Die DKP hat kürzlich auch einen qualitativ gleichwertige Schrift zum Tode ihres verehrten Oberst Gaddafi herausgegeben und ihn in den 7. Himmel gelobt.

    Auch das ist nicht vollkommen neu. In den 90er Jahren hat sich die antideutsche Szene positiv auf Serbien bezogen, in das, so wurde orakelt, der deutsche Imperialismus seine Fänge schlagen würde. Da war die Szene aber vorne dran an den Friedensdemos und marschierte seit an seit mit Tschetniks. Jürgen Elässer hat sich noch nicht einmal erblödet den Völkermord in Bosnien zu leugnen oder wünschte den Kosovoalbanern Arkan, den Tiger, an den Hals.

    Grundsätzlich interessieren mich und meine Mitschreiber im Blog diese Auseinandersetzung auch nur deswegen, weil sie mit unserer Thematisierung konfligiert, nämlich über einige Aspekte im Nahen Osten und Südasien zu informieren. Moralische Urteile versuchen wir auf ein möglichst geringes Niveau zu reduzieren.

    Ferner finden wir es grundsätzlich interessant wie so eine Debatte mehr Interesse weckt als eine Weltwirtschaftskrise und die aktuelle Diskussion, ob man die Währung aufgibt, die Geldblase aufpumpt oder die Währung abwertet. Das ist eine wichtige Frage und nicht, ob der Autor des Eingangstextes Begriffe richtig parat hat, zu denen er ohnehin nur einen funktionalen Zugang hat.

  17. 17 MC Gurke 19. Dezember 2011 um 1:30 Uhr

    Die DKP mit der Bahamas zu vergleichen, ist schon inhaltlich großer Schwachsinn. Aber die paar Irren von der Bahamas mit allen möglichen „Antideutschen“ Gruppen und Personen zu identifizieren, das ist noch schwachsinniger. Die dann alle noch zu ehemaligen K-Gruppen-Antisemiten zu machen, auch wenn viele aus dem Osten kommen und dafür zu jung sind, ts ts ts…
    Und die Frage, warum man sich mit solchem Schwachsinn beschäftigt, statt mit Gesellschaftskritik und Kapitalismus, ist doch erst durch Eure schwachsinnige Veranstaltung aufgekommen. Georg Klauda ist auf 180, pöbelt hier rum gegen Leute, die ihm vermutlich nicht mal was getan haben, und ich frage mich, warum ihr denkt, dass man Euch in diesem unreflektierten, ressentimentgeladenen und wutschnaubenden Zustand noch ernstnehmen sollte? Da fällt mir dann lieber nichts mehr ein…

  18. 18 dagewesener 19. Dezember 2011 um 3:33 Uhr

    Was für eine vermurkste Veranstaltung. Vier der fünf Leute auf dem Podium haben offenbar:
    a) NICHTS aber auch rein GAR NICHTS von antideutscher Theoriebildung kapiert (allen voran Steinberger – das war schon ein echtes Trauerspiel mit seinen Screenshots von den Zinsen-nehmenden „islamistischen Banken“) und mussten dementsprechend auch an deren Kritik kläglich scheitern
    b) keinerlei inner-antideutsche Debatte der letzten Jahre (Jahrzehnte?) verfolgt, wobei nur eine einzige Person auf dem Podium das auch relativ offen zugegeben hat. Die Folge: es wurde langweiligerweise zwar viel von der Bahamas und Thomas Maul aber halt so gut wie gar nicht von (heutigen) Antideutschen gesprochen – beide (inkl. deren essentialistische und kulturalistische Tendenzen) wurden übrigens aus antideutscher Ecke schon ausgiebigst und nebenbei auch deutlich versierter kritisiert bis inhaltlich zerlegt. Wie überhaupt irgendwer auf die Idee kommt Leute, die sich mit der Materie überhaupt gar nicht beschäftigt haben, als vorgebliche Experten auf ein Podium zu setzen, bleibt wohl auf Ewig das Geheimnis der Veranstalter_innen.
    c) unfassbare Schwierigkeiten mit Begriffen sauber umzugehen bzw. sie überhaupt erstmal zu definieren. Da wurde z.T. Ideologie und Kultur synonym benutzt bzw. auf Einwände eine Ideologie betreffend mit völlig kontextlosen Referaten über Kultur (und natürlich mal wieder – tätäää – Thomas Maul) reagiert, es wurde z.T. wild mit den Begriffen Islam und Islamismus jongliert und selbst das Argument „der kann ja gar kein Antisemit sein, weil der is doch Jude“ (natürlich ohne, dass irgendwem Antisemitismus vorgeworfen wurde) durfte natürlich nicht fehlen.

    Und auch wenn ich ihm nicht in allen Punkten zustimmen konnte (beim Referat oft weniger, bei der Diskussion mehr): mit Abstand am differenziertesten und auch thematisch fittesten war eindeutig Bernhard Schmid – der sich zusätzlich zum Glück wenigstens ab und zu bemüßigt fühlte den Stuß der anderen Referenten (v.a. Hanloser) sofort entsprechend zu kommentieren und als falsch zu outen.

    Alles in allem hätte ich mir die Veranstaltung jedenfalls sparen können. Absolut keinerlei Erkenntnisgewinn oder inhaltlich-theoretischer Mehrwert, alles was an Kritik kam wurde von anderen schon deutlich früher und deutlich kompetenter kritisiert und mehr als ein-zwei Lacher waren auch dabei – der Rest gähnende Langeweile. Wobei: den Jubelpersern vom ZK könnte u.U. sogar noch ein gewisser Unterhaltungswert zugeschrieben werden.

  19. 19 rhizom 19. Dezember 2011 um 6:36 Uhr
  20. 20 skp 19. Dezember 2011 um 9:38 Uhr

    Es war doch zu erwarten, dass bei einer Aufreihung solcher Hampelmänner nur Zeitverschwendung raus kommt.

  21. 21 Horst 19. Dezember 2011 um 22:21 Uhr

    Da hat mir der User „dagewesener“ doch glatt die Arbeit abgenommen! Ich war ebenfalls bei der Veranstaltung und kann diesen Beobachtungen nur zustimmen.

    Eigentlich hätte man schon gehen können (ohne irgendwelche Inhalte zu verpassen) als Georg Klauda dummdreist behauptete, die Bahamas sei das „inoffizielle Zentralorgan“ der Antideutschen. Dass da nichts Neues mehr kommt, hätte aber spätestens klar sein müssen, als Hanloser – halb personifizierend – damit anfing, nur noch von „Antideutschland“ zu sprechen, was dann zu so skurrilen wie amüsanten Formulierungen wie „Antideutschland sagt…“, „Antideutschland denkt…“ etc. führte. Allerdings: Attila Steinberger hatte dann doch einen gewissen Unterhaltungswert, nicht nur wegen der bereits erwähnten Screenshots von den Homepages islamischer Banken (manchmal sprach er auch von „islamistischen Banken“, nur um kurz darauf festzustellen, dass diese den Islam nur als Vorwand benutzen), sondern vor allem auch durch die zur Schau gestellte Dämlichkeit, mit der er daran scheiterte, auch nur die einfachsten Grundlagen antideutscher Antisemitismuskritik zu begreifen.

    Dass sich mit den VertreterInnen der Gruppe „Zusammen Kämpfen“ (ZK) ein stadtbekannter, antisemitischer Schlägertrupp nicht nur inhaltlich gut aufgehoben fühlte, sondern von den VeranstalterInnen auch geduldet würde, ist dann nur das hässliche I-Tüpfelchen.

  22. 22 Horst 19. Dezember 2011 um 22:24 Uhr

    Kleiner Nachtrag:

    Der Klauda ist eine tragische Person – und das meine ich jetzt ganz ohne Spott! Warum sich jemand, dessen Blog man vor einigen Jahren trotz abweichender Ansichten noch durchaus lesen konnte, derart verrennen konnte, ist mir immer wieder schleierhaft.

  23. 23 tatzenpatzer 19. Dezember 2011 um 23:47 Uhr

    aeh, nanu. war http://critiqueaujourdhui.blogsport.de/ nicht vorhin noch auf dem planet x-berg?

  24. 24 MC Gurke 20. Dezember 2011 um 1:19 Uhr

    Ja. Wurden rausgeworfen. Spricht für die Plattform. Bei so viel Dogmatismus, Entschlossenheit gegen abweichendes Verhalten und Kritikunfähigkeit kann man die Vorwürfe von Rhizom und Co. gegen die bösen Antideutschen nur als pathische Projektion deuten.

  25. 25 Noch'n Bericht 20. Dezember 2011 um 1:36 Uhr

    Hier noch ein ausführlicherer Bericht.
    http://kotzboy.com/?p=7555

  26. 26 Tribüne 20. Dezember 2011 um 13:33 Uhr

    Ich war auch da, kann aber hier keinen ausführlichen Veranstaltungsbericht bringen, denn dafür hätte ich mitschreiben müssen. Ich kann aber bestätigen, dass die „Veranstaltungsberichte“ hier (und anderswo) sehr dürftig sind und die Argumentation der Referate oft verzerrt wiedergegeben wird.
    Z.B. der Vortrag von Steinberger bei Kotzboy.
    Vorneweg: ich fand den Vortrag selbst zu chaotisch und die Argumentationsebenen waren nicht immer klar, was sicher auch an der begrenzten Zeit lag. Es sollte um eine Kritik der „Islamismusexperten“ Küntzel und Grigat gehen. Ausgangspunkt war vor allem Grigats Begriff des „Ummasozialismus“. Steinberger wollte nachweisen, dass die ägypt. Muslimbruderschaft gar keinen Sozialismus anstrebt, sondern durchaus kapitalismuskompatible Wirtschaftsvorstellungen vertritt. Grigats Begriff „Ummasozialismus“ als Bezeichnung für islamistische Bewegungen soll aber als Ersatz für Nationalsozialismus dienen. Für Grigat sind die Islamisten die Nazis von heute. Einfach die NSDAP, nur islamisch. Die Pasdaran sind die Wiedergeburt der SS, mit dem Unterschied, dass sie struppige Bärte tragen. Steinberger versuchte aber vor allem gegen das „Sozialismus“ im Begriff zu argumentieren. Jedoch zielt die Bezeichnung „Ummasozialismus“ nicht auf „Sozialismus“ im Sinne von marxistischem Sozialismus ab, sondern wurde in Analogie zu NS gebildet (der vielleicht ebenfalls als „anti-kapitalistisch“ gesehen wird).
    Bei Steinbergers (prinzipiell richtigem) Verweis darauf, dass in Ägypten oder den Golfstaaten auch kapitalistische Zustände herrschen, wusste ich nicht, wofür genau das ein Argument sein sollte (zum Thema Küntzel und Grigat). Kotzboy ist jedoch ungläubig, dass dort überhaupt alles „ganz normal, wie bei uns“ sein könnte. Außerdem irrt Kotzboy, dass Steinberger behaupten würde, wo es Zins gäbe, wäre Antisemitismus nicht existent. Ich glaube auch nicht, dass Steinberger Antisemitismus nur als Zinskritik fasst, vielmehr wollte der dies Postone zum Vorwurf machen, was aber nicht gut genug von ihm ausgeführt wurde.
    Besonders lustig ist auch einer der Veranstaltungsberichte im ADF-Forum. Dort wird behauptet, Steinberger hätte das Zitat eines Muslimbruders vorgelegt, in dem dieser erläutert hätte, was Umma-Sozialismus sei. Jahrelanges Lesen von antideutschen Texten führt nun dazu, zu glauben, dass sich irgendwelche ägyptischen Islamisten selbst mit diesen Unsinnsbegriffen bezeichnen.

    Der in Reaktionen auf die Veranstaltung häufig genannte Verweis darauf, dass die Antiimps doch ebenfalls identitär, dumm usw. usw. seien, ist schon recht billig. Erstens ging es bei der Veranstaltung nicht um Antiimps und zweitens hat Hanloser z.B. auch Werner Pirker in der Diskussion kritisiert.

    Besonders niveaulos waren die Kommentare von Antideutschen auf der Veranstaltung selbst. Es wurde argumentiert, dass Muslime keine Rasse seien, weshalb Islamkritik nicht rassistisch sein könne. Als Bernhard Schmid entgegnete, es gäbe überhaupt keine Rassen, kam in einem weiteren Kommentar, aber es gäbe doch Menschen, die aus einer Ideologie heraus handeln würden.

    In „den Muslimen“ denkt also eine Ideologie. Die des Islams. Ergo: ganz schlimm. Mindestens so schlimm wie Deutsche Ideologie. Grigat: wie wäre es, das – ganz kreativ – als Umma-Ideologie zu bezeichnen?

  27. 27 Kalima 21. Dezember 2011 um 1:28 Uhr

    Um einer entsprechenden Legendenbildung entgegenzutreten:
    Ich habe in meinem Vortrag sogar eingangs erwähnt wie der Antisemitismus innerhalb der Antideutschen definiert wird und mich auf eben jenen bezogen. Ferner habe ich angesprochen, dass die Ideologiekritik zwei Probleme besitzt: Sie spricht nur von Ideologie und nicht von tatsächlichen Verhalten und das zweite ist der Mangel wie Ideologie konstitutiert wird. Dazu wird nicht die Realität heranhezogen, sondern das, was als nationalsozialistische Ideologie gehalten wird.
    Das hat niemand in der Diskussion thematisiert, sondern nur, dass es doch beim Antisemitismus doch gar gar nicht zwangsläufig um (Anti-)Kapitalismus gehen müsste. Worin dann aber die Differenz zum Rassismus sein solle, bleibt offen. Ebenfalls bliebt der Aspekt unthematisiert inwiefern eine Feindstellung (Antisemitismus, Rassismus) zur Formation der Gesellschaft führen. Sind sie voneinander unabhängig oder bedingt das eine das andere? Hierin sind auch die Antideutschen einig: Für die meisten rührt Antisemitismus aus regressivem Antikapitalismus, für andere, z.B. Scheit, ist der Antisemitismus dadurch eine gesellschaftliche Formation, die auch Zwänge wie z.B. der Zwang zur hohen Geburtenrate, der Unterordnung aller Mittel unter dieses Ziel, hervorbringt.
    Viele weitere Probleme der antideutschen Ideologie, z.B. in der materialistischen Analyse des Kapitalismus, habe ich auch nicht angesprochen, zentrale Aspekte wären aber Arbeit, Reproduktion, Wertbegriff, automatisches Subjekt, Fetisch und Dialektik. Diese Aspekte dienen antideutschen Theoretikern ohnehin nur als Ausgangspunkt zur Darstellung der Ideologie, aber einen Rückbezug der Ideologie auf sie gibt es dann wiederum nicht mehr.

    Den wichtigsten Punkt wurde übrigens vergessen, dass ich dargestellt habe, dass dieser antideutsche Zugang über den Antisemitismus ungeeignet ist den Nahen Osten zu analysieren. Daher habe ich die Konzepte von Küntzel (Tradition = Vorkapitalismus, daher mein Einwand, dass auch dort der Kapitalismus herrsche) und Grigat (Ummasoz) mit der Realität entgegengesetzt. Nicht ich habe den Zugang Zinskritik gewählt, sondern Grigat und Küntzel. Obendrein stellen diese Konzepte der Hamas, Ahmadinejad oder den Muslimbrüdern einen Persilschein in Sachen Antisemitismus aus und ihre Verlautbarungen werden bestenfalls auf das Niveau von Rassismus reduziert. Die Tatsache des Antisemitismus habe ich nicht bestritten, sondern nur den Zugang als untauglich dargestellt, weil die Realität eine andere ist. Wie wenig Ideen von Küntzel und Grigat die Realität des Nahen Ostens treffen, habe ich dargestellt. Um mehr ging es nicht. Bevor noch weitere Legenden um sich greifen, sei gesagt, dass ich weder eine Definition von Islamismus gegeben habe, mich auch nicht zum tatsächlichen Antisemitismus im Nahen Osten, noch mich zum Nahostkonflikt geäußert habe – mit Ausnahme des Eingangszitats aus dem Schwarzen Faden. Die einzige Aussage ist, die Konzeption des Antisemitismus ist falsch, weil sie nicht die Realität trifft, weder im Nahen Osten noch als antikapitalistisches Gesamtkonstrukt. Es berührt ferner das Urteil, dass Wirtschaftsliberalismus Antisemitismus entgegengesetzt sei.

    Grundsätzlich könnte die Frage irrelevant oder von heuristischer Natur sein, ob man den Nahen Osten richtig oder falsch analysiert, allerdings hat das auch gewisse problematische Aspekte in der Praxis, z.B. wie man sich gegenüber Moslems hier in der BRD verhält oder wie man sich gegenüber Milli Görüs oder den Salafisten positioniert. Ferner berührt das auch die Frage, warum nur noch so wenig ausländische Linke in der deutschen Linken aktiv sind. Das war vor 15 Jahren noch deutlich anders.

    Noch zwei Richtigstellungen:

    Ein Islamistische Bank ist eine Bank, die von Islamisten gegründet wurde und in deren Aufsichtsrat sich Islamisten tummeln, z.B. die vorgestellte al Meezan Bank aus Pakistan.

    Warum Juden im übrigen keine Antisemiten nach der antideutschen Ideologie sein können, liegt schlicht daran, dass Juden als Antination imaginiert werden. Denn das Judentum läge immer quer zur Nation (quasi eine internationale Gemeinschaft, hier wird also nur das antisemitische Vorwurf anders gewendet) – im übrigen ein weiterer Einwand, warum es im Islamismus, dessen Identitätsprojekt nach Religion sortiert ist, demnach keinen Antisemitismus geben könne. Das Problem ist auch hier, dass die Antideutschen nicht von der Nation wegkommen. Es ist eben alles über die Nation vermittelt und über den Nationen- und Staatsfetisch kommen sie selber nicht hinaus.

  28. 28 Tribüne 21. Dezember 2011 um 13:30 Uhr

    Im ADF gibt es auch einen lustigen Beitrag zu Islam und Kapitalismus:

    „keine frage ist, dass sich die islamischen gesellschaften verändert haben, dass sie mehr oder minder bedeutend teil des weltmarktes sind, jedoch scheint es mir doch so zu sein, dass die unmittelbaren sozialen verhältnisse davon nicht berührt werden – bislang jedenfalls nicht.“

    Die unmittelbaren sozialen Verhältnisse bleiben unberührt? Wie soll man sich das vorstellen? Die Menschen dort gehen gar nicht in die Arbeit, bezahlen nicht mit Geld? Weltmarktintegration ohne Folgen? Das nenne ich mal materialistische Kritik!

  29. 29 MC Gurke 21. Dezember 2011 um 14:41 Uhr

    keine frage ist, dass sich die islamischen gesellschaften verändert haben, dass sie mehr oder minder bedeutend teil des weltmarktes sind, jedoch scheint es mir doch so zu sein, dass die unmittelbaren sozialen verhältnisse davon nicht berührt werden – bislang jedenfalls nicht.

    Das ist inhaltlich genauso schwachsinnig, wie solche Sachen von Attila Steinberger:

    Ferner habe ich angesprochen, dass die Ideologiekritik zwei Probleme besitzt: Sie spricht nur von Ideologie und nicht von tatsächlichen Verhalten und das zweite ist der Mangel wie Ideologie konstitutiert wird. Dazu wird nicht die Realität heranhezogen, sondern das, was als nationalsozialistische Ideologie gehalten wird.

    Beides Schwachsinn. Und jetzt?

  30. 30 noalquds 21. Dezember 2011 um 15:18 Uhr

    by the way, und um zur abwechslung etwas inhaltliches beizusteuern: In seinem vortrag in berlin hat hannes bode sich sehr deutlich gegen betrachtungen gewendet, die in bezug auf den nahen osten von vormoderne sprechen oder in frage stellen, dass es sich dort um kapitalistische verhältnisse handelt. was er erzählt hat, passte weder zu den üblichen aussagen in „antideutschen“ kreisen, noch zu so wirren aussagen, wie wir sie am samstag, etwa von steinberger bei seinem begriffszirkus hören durften.

    zum nachhören
    mit knapper inhaltsangabe
    http://noalquds.blogsport.de/2011/08/26/audiomitschintt-vom-vortrag-mit-hannes-bode-und-vera-henssler/
    bei audioarchiv
    http://audioarchiv.blogsport.de/2011/12/05/arabischer-nationalismus/

  31. 31 Humor-Intermezzo 22. Dezember 2011 um 9:05 Uhr

    Hier mal Pseudofranzösisch nach meinem Geschmack:

    http://www.youtube.com/watch?v=W8hl8yxj4Y0

  1. 1 Kalima » Ungereimtheiten zur 1. Wahlrunde in Ägypten Pingback am 16. Dezember 2011 um 0:29 Uhr
  2. 2 » linksdeutsch, antideutsch, rechtspopulismus | kotzboy.com Pingback am 19. Dezember 2011 um 23:16 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.