Berlin, Berlin… Anti-Anti-Anti-Anti-Antideutsch

Da Texte aus Berlin zu gewissen Themen uns offensichtlich unglaubliche Aufmerksamkeit und hochemotionale Kommentare einbringen, hier ein zweiter Versuch – ein uns zugesandter Text der Emanzipativen & Antifaschistischen Gruppe aus Berlin – die übrigens sehr aktiv war bei der Kritik der rechtspopulistischen Anti-Moschee-Kampagne in Berlin-Pankow bzw. den Protesten gegen diese – zur Kritik der hier schon erwähnten Veranstaltung „Rechtspopulismus und die Linke“ und der Veranstalter mit einigen interessanten und bezeichnenden Hintergrundinfos zu Widerlichkeiten, die für die im Mehringhof versammelten Verteidiger linker Ideale offensichtlich kein Problem darstellen. Was etwa der Antisemit und Nationalsozialist Makks Damage mit dem Ganzen zu tun hat und vieles mehr – folgt. [Hier zur Diskussion und verschiedenen Berichten zum Happening]

Die linke Szene hat offene Flanken nach
rechts? Erzählt uns was neues.

„Offene Flanken“-Parade im Mehringhof
Warum Kritik an regressiven Einstellungen richtig ist, aber diese Veranstaltung großer Quatsch

Diese Veranstaltung ist die logische Fortsetzung des Jungmacker-Gebarens auf Antifa-Parties die auf Verdacht hin Leute mit „Antideutsche sind keine Linken“ anbrüllen; sie ist die logische Konsequenz aus dem Bedürfnis von antiimperialistischen Jungantifas unter Plakaten von Hassan Nasrallah mitzulaufen, solange es gegen Israel geht.Vor einem Monat hat nun sogar ein Berliner Antifa-Aktivist geschafft, was vor ihm noch kein Berliner Antifa vollbracht hat. Er hat ein Plakat gestaltet, was unverändert von Neonazis adaptiert und in Lichtenberg plakatiert wurde. Hut ab.


Es ist ermüdend. In regelmäßigen Abständen versuchen einer_m Leute zu erzählen, wer zur Szene gehört und wer nicht. Meist wird dazu weit ausgeholt und über einen Kamm geschert. Meist funktioniert dies mit der Feindkonstruktion „antideutsch“, die relativ dynamisch genutzt werden kann. Dabei drängt sich nicht selten der Verdacht auf, den Szene-Blockwarten sei das Ziel ihrer Empörung gänzlich unbekannt. Pauschalisierung trifft gezielte Desinformation. Da wird alles, was auch nur den Verdacht erweckt, israelsolidarisch zu sein; jede Gruppe, die zu studentisch ist, oder den Verdacht erregt, islamistische Kräfte in die Kritik mit einzubeziehen, in einen Topf
geworfen, mit einer bedeutungslosen Zeitung oder einem skandinavischen Massenmörder in Verbindung gebracht und fertig ist die Ausgrenzungsstrategie. Mit der Realität hat das in den wenigsten Fällen was zu tun. Die Veranstaltenden des „Teach ins“ zum paradoxen Thema „Antideutscher Rechtspopulismus“ fassen sich kurz, was ihre inhaltliche Eingrenzung angeht. „‘Antideutsche‘ Debatten“ – welche waren das? Die Kritik an innerlinkem Antisemitismus? Die zur Positionierung zum Staat Israel? – hätten ein kulturrassistisches Aussteigerprogramm“ für Linke ermöglicht. So leicht läßt sich die oft beißende Kritik an eigenen Verfehlungen wegwischen. Alles Rassist_innen. Alles klar?

Diese Flanke soll nun geschlossen, die Rassist_innen endlich ausgeschlossen werden. Dann ist wieder alles paletti. Oder etwa nicht? Ein wenig ausführlicher wird das Portal „Trend Infopartisan“. Dort hat ein_e Louise Michel im November 2011 einen Text über den Heinersdorfer Moscheekonflikt, der ja bekanntlich schon etwa fünf Jahre zurückliegt, verfasst. Er arbeitet sich dabei an einem Bahamas-Text ab, als wäre das die einzige Wortmeldung zum Konflikt gewesen. Die Kritik Pünjers, dass neben der antirassistischen Positionierung die Problematisierung regressiver Tendenzen der Moscheegemeinde hinten runter fiel, hat scheinbar gesessen. Das Fazit Michels fasst es nochmal zusammen: „Die Anti-Deutschen“ vertreten eine „Ausländer raus“-Ideologie und sind deswegen keine Linken. Schön, dass es in Berlin Gruppen gibt, die gegen solche Tendenzen vorgehen. Schon 2007 vollzog sich die Gründung der ARAB unter Drohgebärden gegen den inneren Szene-Feind. „EAG töten – ARAB“ prangte in linken Locations. Die Freunde von der Sprühercrew DKM setzten das dann praktisch in Prügelattacken und Verwüstungen von linken Locations um. Die 2009 gegründete Gruppe ZK macht aktuell an der Stelle weiter, wo die ARAB aufgehört hat. Lieblingsziel sind diesmal die Antifaschist_innen aus Neukölln. Es ist wahrscheinlich nicht falsch anzunehmen, dass die NEA, deren Antiimp-Spinnereien über einen gewissen Zeitraum domestiziert schienen, nun von dem neuen Schwung – heißt: Angriffe auf Personen und Veranstaltungen – von Antiimp-Zusammenhängen wie ZK und ARAB beeindruckt ist und deswegen nachlegen will. Dass sie dabei scheinbar auf Gewalt verzichtet, ist nur eine Randnotiz. Das haben auch schon früher immer andere für sie erledigt. Das eingangs erwähnte Plakat, von einem Aktivisten der NEA gestaltet, enthält nicht zufällig den Hinweis auf DKM. Nicht selten griffen sie Personen an, von denen ihnen ihre politischen Freund_innen der NEA immer so viel Böses erzählt hatten.

A propos offene Flanken: Die NEA – das ist die Gruppe, die im Jahr 2009 ein (als „Nordost-Mafia“ gelabeltes) Konzert plante mit dem Rapper, der, als er sich noch „Kommunist“ nannte, Giftgas in jüdische Siedlungen leiten und den Davidstern zerschlagen sehen wollte. Der Rapper schrieb damals: „Alle Genossen wissen, diese konterrevolutionäre, revisionistische Seuche muss verschwinden, will die Linke irgendwann zu einer ernstzunehmenden und handlungsfähigen politischen Macht in Deutschland werden“ – und wechselte wenig später in die Naziszene. Das liest sich wie eine inhaltliche Vorlage für die heutige Veranstaltung.

Oder wie steht es mit der „jungen Welt“? Einer Zeitung, die, beiläufig angemerkt, eine immens größere Leser_innenschaft hat als die „Bahamas“. Immer wieder finden sich darin Artikel, in denen die arabische Freiheitsbewegung beleidigt wird, beispielsweise wenn sie gegen Antisemiten wie Ahmadinedschad kämpft. Vertreter_innen der Hamas sind für das Blatt dafür gern gesehene Interviewpartner_innen. Reden wir über den jW-Autoren Werner Pirker, der noch die Holocaust-Leugnung Ahmadinedschads verharmloste.

Die linke Szene hat offene Flanken nach rechts? Erzählt uns was neues.

Emanzipative & Antifaschistische Gruppe


13 Antworten auf „Berlin, Berlin… Anti-Anti-Anti-Anti-Antideutsch“


  1. 1 Ratko 19. Dezember 2011 um 17:19 Uhr

    Welche „arabische Freiheitsbewegung“ wolle denn diesen Ahmadingsda stürzen?

  2. 2 MC Gurke 19. Dezember 2011 um 17:21 Uhr

    Mir fällt da die pro-Assad-Haltung der jungen welt ein, und die Sprechchöre der Anti-Assad-Demonstranten in Syrien gegen das iranische Regime und die Hisbollah.

  3. 3 rhizom 19. Dezember 2011 um 18:53 Uhr

    MacGurke: von einem Lügenpamphlet zum nächsten! Du bist echt eine arme Sau.

  4. 4 thomy 19. Dezember 2011 um 19:18 Uhr

    Toll, die „Kritik“ beschränkt sich mal wieder darauf, zu sagen, dass es „die Antideutschen“ ja gar nicht gäbe und somit die Kritik offenbar hinfällig würde.

    Ok, ein geplantes Konzert einer nicht an der Veranstaltung beteiligten Antifa-Gruppe vor zwei Jahren und die Junge Welt – Das liefert natürlich Totschlagargumente gegen die Veranstaltung..

    Und nur so; Keine Ahnung was daran falsch sein sollte, „israelsolidarische“ Gruppen aus der Linken auszuschliessen.

  5. 5 wutt wutt 20. Dezember 2011 um 2:08 Uhr

    Und nur so; Keine Ahnung was daran falsch sein sollte, „israelsolidarische“ Gruppen aus der Linken auszuschliessen.

    da erübrigt sich doch jeder kommentar.

    (lieber rhizom, wenn sowas links ist, ist die linke eine „arme sau“ und jegliches schriftstück, was sie nicht wegen einer solchen reaktionären und inhumanen ausrichtung kritisiert, ein „lügenpamphlet“.)

  6. 6 rhizom 20. Dezember 2011 um 2:34 Uhr

    Lässt sich natürlich nicht durchsetzen, Pro-Apartheids-Positionen aus der Linken auszugrenzen. Das ist dort hegemonial. Damit muss man realistischerweise leben.

  7. 7 nein 20. Dezember 2011 um 8:49 Uhr

    Nein, da erübrigt sich nicht jeder Kommentar. Nur für Moralisten, die die Gebote der „Szene“ total verinnerlicht haben, erübrigt sich da jeder Kommentar. Für alle anderen startet die Debatte – das ist das mit Pro und Contra.

  8. 8 doch 20. Dezember 2011 um 10:05 Uhr

    @ rhizom/Georg Klauda

    Wenn irgendwer israelsolidarisch ist, d.h. das Existenzrecht und das Selbstverteidigungsrecht Israels verbal als gut, vernünftig und notwendig bezeichnet dann bezieht er also zwangsläufig „Pro-Apartheids-Positionen“.

    Soso. Das hat zwar erstmal nichts mit der konkreten Politik zu tun, zu der man sich gar nicht verhalten muss, die man aber auch kritisieren kann, wie die Besatzung oder Rechtsradikale an der Regierung. …… Zu lange in der Welt von Schmok und Mondoprinte gelebt, oder was.

  9. 9 Schule&Schnulze 20. Dezember 2011 um 14:49 Uhr

    Ich würde sogar sagen: gut, vernünftig und notwendig ist erst mal, dass der Staat Israel existiert und über die Mittel verfügt, sich gegen die Vernichtungsabsicht seiner Feinde zur Wehr zu setzen. Ob Staatsrechtler, Bundeskanzlerinnen oder Linke sich bereit finden, das als „Recht“ anzuerkennen, ist demgegenüber erst mal herzlich nachrangig. Wie sehr deutsche Völkerfreunde allein schon das Existenz“Recht“ als abstrakte Idee auf die Palme treiben kann lässt allerdings tief blicken.

  10. 10 arab, zk und co. 20. Dezember 2011 um 16:24 Uhr

    dass am samstag ausgerechnet ZKler und andere komische gestalten die „jubelperser“ gegeben haben, spricht für die ernsthaftigkeit der ganzen chose… ausgerechnet die übelsten sexisten, macker und prolls, die makss damage in der bunten kuh grölen und ausser flachen und stumpfen phrasen nichts mit politik am hut haben, das sind also die genossen von NEA,Trend,Kalima,Klauda und Co. bei ihrem kampf – offensichtlich nicht für, sondern gegen emanzipation.

    @klauda:dein widersprüchliches gejammere ist schon hochgradig therapiebedürftig

  11. 11 hnk 20. Dezember 2011 um 21:33 Uhr

    User ‚thomy‘ entfaltet hier richtig antiimperialistisches Niveau und macht aus ihrem/seinem Herzen keine Mördergrube: „Totschlag“-Argumente müssen es schon sein, darunter geht es nicht.

    Aber was anderes ist auch nicht zu erwarten, von Sympathisanten der Hamas und Anhängern der „Globalen Linken“.

  12. 12 marxism by any means antinationalism 22. Dezember 2011 um 20:56 Uhr

    könnte wer so nett sein und bilder vom nea-plakat und vom nazi-remake posten?

    nur weil die nazis das abkupfern, heißt das ja noch lange nichts. immerhin tragen die auch hosen. sollen linke deshalb keine hosen mehr tragen? jedenfall bitte mal die plakate posten.

    ansonsten sehr sehr schlechter text der „eag“. „die pissen uns ans bein? dann pissen wir denen auch ans bein!“ hochgradig unreif. nicht weniger peinlich als das gehabe von „zk“ und „arab“. wers brauch…

  1. 1 » linksdeutsch, antideutsch, rechtspopulismus | kotzboy.com Pingback am 21. Dezember 2011 um 14:08 Uhr
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