M.I.A.’s anti-saudische Pop-Ermächtigung

Am 04.02. erklärten zwei Frauenrechtsaktivisten aus Saudi-Arabien, einem der repressivsten Regime des Nahen Ostens, sie hätten Klage gegen das Fahrverbot für Frauen eingereicht. Über den Hintergrund und die Aktivistin Manal al-Sherif hier ein kurzer Beitrag:

Popstar M.I.A. nutzte die massive Superbowl-PR, um am gleichen Tag ihr Video „Bad Girls“ zu veröffentlichen. Das Video, nicht nur musikalisch sondern auch was die Bilder angeht hervorragend, spielt in der für M.I.A. üblichen mehr als direkten Art auf die Situation in Saudi-Arabien an. In dem Video rocken Frauen in Autos durch die Wüste, machen die in Saudi-Arabien seit Jahren (unter Männern) beliebten „Desert Walk“-Stunts (etwa 2:55) und tragen Waffen – während Männer in traditioneller saudischer Kleidung am Rand stehen und zuschauen. Ein Mann auf einem Pferd, Sinnbild der Tradition, wird von den Jeeps mit lässigen Frauen am Steuer vor sich hergetrieben. Jetzt komme keiner mit Popkultur, Kulturindustrie oder ähnlichem. M.I.A. zerrt mit großer künstlerischer Macht ein Problem an die Öffentlichkeit, dass niemanden im Westen ernsthaft interessiert. Get #Women2Drive !


11 Antworten auf „M.I.A.’s anti-saudische Pop-Ermächtigung“


  1. 1 Videogucker 10. Februar 2012 um 9:25 Uhr

    Sorry, aber das Video zeigt nicht einen einzigen Frame, in dem tatsächlich eine Frau am Steuer sitzend zu sehen ist. Überinterpretation?

  2. 2 MC Gurke 10. Februar 2012 um 12:00 Uhr

    ….äh………wie bitte??? sorry, aber allein in der ersten minute geht es doch genau darum das klarzumachen, 0:23, 0:33, dann mal 0:38 die die faust zeigen mit 0:15 abgleichen usw. usf. diese autos machen dann da action, blockieren den verkehr der männer (1:17-1:20) usw. da ist also überall keine frau am steuer zu sehen???

  3. 3 nada 10. Februar 2012 um 12:30 Uhr

    es ist nur popmusik und dieses moderne folklorefeuerwerk, ob der paar „starken“ frauen am anfang und der lächerlichen tanzeinlagen, als emanzipationsschleuder zu interpretieren wirkt doch etwas sehr verklärt. die rechnung scheint doch am ende ein wenig simpler: m.i.a.+flotte autos+blingbling+a bissl riot grrrl+“arabischer frühling“=mehr blingbling

  4. 4 MC Gurke 10. Februar 2012 um 19:19 Uhr

    Wow, Du scheinst den Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Popmusik krass gecheckt zu haben! Nur ist es eben so, dass Frauen in unserem stinkreichen kapitalistischen Partnerstaat Saudi-Arabien ihr ganzes bling bling nicht in geile Karren stecken dürfen, um damit riot grrrrl mäßig rumzuposen. Shiiiiiat!
    Da die da aber fett Satellitenfernsehen am Start haben, entwickelt das ganze durchaus eine subversive Wirkung in Bezug auf die dort etwas üblereren patriarchalen Unterdrückungsverhältnisse.
    Warum die Frauen im Video jetzt besonders stark sein sollen und warum „starke“ bei Dir in Anführungszeichen steht oder warum Du das ganze für Folklore hältst weiß ich nicht, und ob Du oder Dieter Bohlen die Tanzeinlagen lächerlich finden, geht mir ebenso am Arsch vorbei, wie wahrscheinlich der stinkreichen M.I.A. und so ziemlich allen anderen. So, jetzt check ich nochmal die flotten Autos und a bissl riot grrrl arabischer Frühling aus.

  5. 5 Stanislaw J. Hirschfeld 10. Februar 2012 um 19:53 Uhr

    Popmusik ist „nur popmusik“ vs. Pop wirkt subversiv – wow! Da kann man sich ja kaum entscheiden, welche Ideologiekritik überzeugender ist!

  6. 6 ideologiekritik_in* 10. Februar 2012 um 21:20 Uhr

    Geht es oben um Ideologiekritik? Ich glaub mal eher nicht.

  7. 7 MC Gurke 10. Februar 2012 um 22:04 Uhr

    Wäre das hier facebook würde ich bei ideologiekritik_in* jetzt „like“ drücken..

  8. 8 Stanislaw J. Hirschfeld 10. Februar 2012 um 22:08 Uhr

    Nicht? Aber um irgendeine andere Kritik wird’s dann aber sicher trotzdem gehn, möchte ich hoffen, auch wenn Ideologiekritik grad nicht mehr en vogue sein mag.

  9. 9 MC Gurke 10. Februar 2012 um 23:29 Uhr

    Ähm. Ich weiß nicht ob ich es noch deutlicher sagen kann, aber hier ging es nicht um die Rolle M.I.A.s vor dem Hintergrund kapitalistischer Kulturindustrie oder ihr Video als Gegenstand von Ideologiekritik. Es geht nur um eins: Mit diesem Video stößt sie einen gigantischen Haufen Leute auf das Thema Fahrverbot für Frauen in der saudischen wahabbitischen Diktatur und stärkt nebenbei ein paar weiblichen arabischen Fans den Rücken. Super. Mehr nicht. Und das hab ich eigentlich schon zweimal geschrieben.

  10. 10 Saudi girls rock 13. Februar 2012 um 20:38 Uhr

    Why M.I.A isn´t cool:

    „…British rapper M.I.A. seemed to pull her entire aesthetic off her wifi connection. Originally a designer and visual artist, M.I.A. dressed like a Myspace page, overlaying brightly patterned neon spandex with piles of fake bling. She designed her website to look like websites from the ’90s, and on an album cover she obscured her face with the bars that show how much of a video has played on YouTube. In her music, she translated the musical ideas behind mashups into a vague but appealing third-world cultural militancy. Her first mixtape was called Piracy Funds Terrorism Vol. 1, as in online music piracy. Mashup DJs like Girl Talk had begun redeeming mainstream pop songs by playing them all at the same time, a perfect party soundtrack for the listener who, though he didn’t actually like Fall Out Boy or Gwen Stefani, needed at least to know about them. M.I.A.‘s politics worked in the same way, making the particular brutalities of oppression in Liberia or Sri Lanka danceable by lumping them into a vague condition of sexy global distress. “She’s not exploring subcultures so much as visiting them,” Scott Plagenhoef wrote in a review of her first album, Arular, “grabbing souvenirs and laying them out on acetate.” Plagenhoef didn’t see anything wrong with this, although in true Pitchfork style, he made sure to let you know that some people might object: “An in-depth examination of demonizing The Other, the relationship between the West and developing nations, or the need to empathize with one’s enemies would likely make for a pretty crappy pop song.” Around the same time, a contributor reviewing M.I.A.‘s live concert defended her politics in a similar vein. “Maybe that’s how brilliantly innocuous Arular actually is,” he wrote. “It subtly imprints manifestoes in the brain, inspiring the masses to pull up the poor, without ever really teaching how or why.” Reading these strained, convoluted efforts to justify the cultural exploitation of global violence, I began to wonder why Pitchfork’s writers had such trouble saying the things they knew to be true (2)…

    (2)
    Lynn Hirschberg, writing for the New York Times Magazine in May 2010, finally made some of these points in a profile called “M.I.A’s Agitprop Pop,” but the best critique of M.I.A. wasn’t made by a critic. It appeared in the lyrics to a song by Vampire Weekend, in which frontman Ezra Koenig sings about a young woman attending what it seems obvious to me is an M.I.A. concert: “A vegetarian since the invasion / She’d never seen the word ‘Bombs’ / She’d never seen the word ‘Bombs’ / blown up to ninety-six-point Futura / She’d never seen an A.K. / In a yellowy DayGlo display / A T-shirt so lovely it turned all the history books gray.”“

    http://nplusonemag.com/54

  11. 11 MC Gurke 13. Februar 2012 um 23:12 Uhr

    actually i don‘t see the point. nobody said, M.I.A. would be a high level political activist or some very very thoughtful critical artist. the only point we made here is that she forces millions of listeners or viewers to (at least shortly) thinking about the oppression of women in saudi arabia and the driving ban. MTV and other channels covered this background – before, nobody cared about it. that’s the problem, and for sure also M.I.A. is part of it, but at that point with this song and this video she is creating some awareness. over and out.

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