Die BRD bekommt den, der zu ihr passt

SZ: Sie werden also nicht noch mal antreten, um Bundespräsident zu werden?
Gauck: Das ist eher unwahrscheinlich. Ich sehe mich mehr als Bürger, der mitredet.
Joachim Gauck, Oktober 2010.

Nun kandidiert der große Bürgerrechtler Dr. Gauck doch wieder, als „Allparteienkandidat“. Gauck wird damit der nächste Bundespräsident. Er findet Kritik an der Vorratsdatenspeicherung ebenso wie an Hartz 4 lächerlich und naiv, wird selbst von CDU-Sozi Heiner Geißler dafür kritisiert, dass er zwar phrasenhaft immer wieder von „Freiheit“ reden, gleichzeitig aber die sozialen Probleme ignorieren würde. Von „Überfremdung“ will Gauck „ganz bewusst“ reden können. Gauck war Erstunterzeichner der „Prager Erklärung zum Gewissen Europas und zum Kommunismus“, in der Nationalsozialismus und Holocaust mit den „Verbrechen der kommunistischen Diktaturen“ gleichgesetzt werden.
Es ist auch kein Zufall, dass Gauck – nach Protesten von Opferorganisationen – in seinem totalitarismustheoretischen Hass auf die DDR mehrmals an der Ehrung von NS-Verbrechern festhielt, die nach dem Krieg in der SBZ/DDR teils zum Tode verurteilt wurden, bzw. an der Schaffung von Gedenkorten für solche beteiligt war. Ein Beispiel: „Geehrt wurden Walter Biermann und Arno Brake. Beide NSDAP-Mitglieder haben an der Ermordung von 1017 KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern in Gardelegen teilgenommen. Im April 1945, wenige Tage vor der Befreiung durch amerikanische Truppen fand dieses grausame Massaker in der Scheune von Isenschnibbe statt. 1017 Häftlinge auf dem Todesmarsch wurden in eine Scheune getrieben, das darin liegende Stroh angezündet und jeder, der flüchten wollte, wurde erschossen.“ (Quelle 1 Quelle 2)

Vielsagend auch folgende Aussagen Gaucks:

Gauck: Es ist ein Irrtum, zu glauben, Schröders Politik von Fördern und Fordern sei nicht in der Gesamtbevölkerung mehrheitsfähig gewesen. Der Erfolg war nur in der eigenen Partei und im eher linken Milieu begrenzt. Ein ähnliches Phänomen haben wir gesehen, als Helmut Schmidt Kanzler war und die Friedensbewegung den politischen Mainstream bestimmte. Das hat die SPD so stark geprägt, dass Schmidt mit seiner Position – wir müssen gegen das Imperium des Sowjetregimes Stärke zeigen – nicht mehr mehrheitsfähig war. Aber: Schmidt ist gestanden.
SZ: Hatte Schmidt mit seinem Einsatz für die Nachrüstung recht?
Gauck: Ja, er hat recht gehabt, und die Friedensbewegung unrecht.

Gauck: Ich setze große Hoffnungen auf die nachwachsende Generation – dass sie aus diesem phasenweise negativen Nationalismus, also unbedingt kein Deutscher sein zu wollen, etwas Besseres macht. Dass es ein Ja gibt zu dem Raum und dem Ort, an dem man lebt, zu dem man ja sagen kann, weil es dafür gute Gründe gibt. Ich frage mich, wie lange wir Deutschen unsere Kultur des Verdrusses noch pflegen wollen.

Gauck: Neulich erzählte mir mein Fahrer von seinem Cousin, der mit den gesamten Sozialleistungen ungefähr 30 Euro weniger als er hat. Mein Fahrer muss aber fast immer um fünf Uhr aufstehen. Er sei der Dumme in der Familie, aber er sagte mir auch: „Ich kann das nicht, ich kann nicht so dasitzen.“ Da habe ich gesagt, dass er denen erzählen soll, wie gut er sich mit Arbeit fühlt.

Gauck: Ich akzeptiere das linke systemkritische Denken so lange, wie es das Vorhandene ernst nimmt und sich mit allen Kräften einsetzt, die Mängel zu überwinden. Diesem Erlösungsmythos will ich ganz heftig widersprechen. Wissen Sie, dieses System kann man nicht einfach so unter Kapitalismus fassen. Das ist der semantische Trick der Linken gewesen. Ich sage: Das Land mag kapitalistisch sein, aber es ist lernfähig. Wer ausgerechnet aus der Wirtschaft alle Freiheit herausnimmt, der wird scheitern.

Gauck: Schuld ist eine personale Dimension. Sie unschuldigen Generationen anzuhängen, ist ein törichtes pädagogisches und politisches Unterfangen. Viele aus der Achtundsechziger-Bewegung – und ich habe mich dazu phasenweise gerechnet – haben das gemacht. Wir haben gedacht, wir sind politisch nur korrekt, wenn wir auch Schuld empfinden.

Alle Zitate aus: „Die Leute müssen aus der Hängematte aufstehen“, Interview mit Joachim Gauck, Süddeutsche Zeitung, Oktober 2010.

Einheimischen wie Vertriebenen galt der Verlust der Heimat als grobes Unrecht, das die Kommunisten noch zementierten, als sie 1950 die Oder-Neiße-Grenze als neue deutsch-polnische Staatsgrenze anerkannten.
Joachim Gauck, Nachwort, Schwarzbuch des Kommunismus

Es hat wohl noch keine Gesellschaft…gegeben, die den Verrat als Teil der selbstverständlichen Loyalität gegenüber dem Staat akzeptiert hätte. Selbst in der NS-Zeit ist die geheime Zusammenarbeit mit der Gestapo nicht als selbstverständlich betrachtet worden.
Joachim Gauck, der in der DDR selbst von der Staatssicherheit bevorzugt behandelt wurde, in „Winter im Sommer – Frühling im Herbst“

Denn wir würden uns eigentlich nicht helfen, wenn wir Fremdheit und Distanziertheit übersehen würden in der guten Absicht, ein einladendes Land zu sein. Diese gute Absicht ist ja lobenswert, aber wir haben doch ganz andere Traditionen, und die Menschen in Europa, das sehen wir allüberall, nicht nur in Deutschland, sind allergisch, wenn sie das Gefühl haben, dass was auf dem Boden der europäischen Aufklärung und auch auf dem religiösen Boden Europas gewachsen ist, wenn das überfremdet wird, um einen Begriff zu verwenden, der in Deutschland verpönt ist, aber ich verwende ihn hier ganz bewußt, denn ich habe in, sagen wir, älteren Zivilgesellschaften als Deutschland es ist, etwa in den städtischen Mileus von Rotterdam und Amsterdam oder Kopenhagen, wo wirklich die Menschen unverdächtig sind, Rassisten zu sein, dieses tiefe Unbehagen alteingesessener Europäer gegenüber dieser Form von, ja, plötzlicher Koexistenz […].
Joachim Gauck im NZZ-Interview


4 Antworten auf „Die BRD bekommt den, der zu ihr passt“


  1. 1 Zonengabi 21. Februar 2012 um 0:12 Uhr

    Mehr zu Gauck auch hier (ja es ist vom postantideutschen Irren Clemens Heni. Man muss halt etwas zwischen den Zeilen lesen. Die Gauck-Zitate sprechen für sich): http://clemensheni.net/2012/02/20/ein-politisch-kultureller-super-gauck-antisemitismus-halt-einzug-ins-schloss-bellevue/

  2. 2 Banane 23. Februar 2012 um 0:39 Uhr

    Was soll an Clemens Heni so irre sein?

  3. 3 MC Gurke 23. Februar 2012 um 1:00 Uhr

    Seine „Weltanschauung“?

    P.S.: Da wir glaub ich alle keine Lust haben, lang und breit die Problematik postantideutscher Ideologie und anderer ähnlicher Verirrungen (letzteres trifft vielleicht eher auf Heni zu…) auszuwälzen, verweise ich nur mal auf das hier, wo einer seiner Schwachsinnstexte erst vor kurzem von vernünftiger Seite auseinandergenommen wurde.

  1. 1 Die Linke will den, der zu ihr passt « critique aujourd‘hui Pingback am 21. Februar 2012 um 14:39 Uhr
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