„Platitüden, Nonsense-Sätze und Stilblüten sonder Zahl“

Gauck und sein Gerede von Freiheit, Verantwortung und Demokratie auf allen Kanälen. Es ist nicht mehr auszuhalten und die kommenden Jahre mit ihm als Bundespräsidenten dürften nicht besser werden.
Um unserer kleine Reihe über seine zynische Rhetorik fortzusetzen, sei hier auf den Artikel „Die Larve“ von Rayk Wieland hingewiesen, der bereits in der KONKRET 08/97 erschien und den die Zeitschrift dankenswerterweise auf ihrer Website dem interessierten Publikum zur Verfügung stellt.

Zumal er [i. e. Gaucks Spitzenposten als Bundesbeauftragter für Stasiunterlagen] ihm Gelegenheit bot, bei seinen Auftritten den lange erprobten, zu DDR-Zeiten allerdings noch ziemlich rot eingefärbten Pastoren-Sermon in eine leuchtende Apologie der Gegenwart zu transformieren, in einen unerschütterlichen Pauschalvoluntarismus, dessen fade Grundelemente sind: -

die Erinnerung an das Schreckensregime des DDR-Staates: »Wie es scheint, haben wir in der DDR Franz Kafkas Vorstellung von der unheimlichen Bedrohung des Menschen durch anonyme, allgegenwärtige Mächte noch übertroffen«; -

die Idealisierung des Wendegeschehens, als das Volk der DDR sich auch von perfideren Tricks der Staatsmacht nicht einschüchtern ließ: »Es war ziemlich ungemütlich in Plauen. Gummiknüppel, Polizeihubschrauber und die Feuerwehr wurden als Wasserwerfer zweckentfremdet«; -

den positiven nationalen Bezug: »Man muß ja die Liebe zum Gemeinwesen nicht an der mißbrauchten Liebe, die in unserem Land so oft grassierte, zur Heimat, zur Scholle definieren. Vielleicht ist es an der Zeit, diese altmodischen Wörter und ihre Inhalte neu zu bestimmen«; -

die Gleichstellung der »braunen und roten Diktaturen« in Deutschland hinsichtlich ihrer Effekte – der »Prägung der Menschen« –, wobei der NS-Zeit noch zugute gehalten wird, daß sie nur zwölf und nicht vierzig Jahre währte: »Die Diktaturen, wie sie auch heißen, welcher Ideologie sie auch anhängen und welche Fahnen sie auf ihren Türmen aufziehen, machen mit den Unterworfenen, mit dem normalen Volk das gleiche: Sie verwandeln fortwährend den Bürger in den Untertan«; -

die damit verknüpfte Unterstellung, daß Antifaschismus nur dann glaubhaft sei, wenn er mit einem »wahren, authentischen Antikommunismus« einhergehe: »Ich bin von Herzen Antifaschist, aber Sie werden es mir nur dann glauben, wenn Sie auch spüren, daß ich aus Anstand und Moral und aus Wissen Antikommunist bin«; -

die Lobpreisung der Geschichte der Bundesrepublik. »Sie haben hier im Westen Traditionslinien, auf die ein deutscher Demokrat nun wirklich stolz sein kann. Sie hier im Westen haben in gemeinsamer Bemühung eine so lange Phase von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Friedfertigkeit organisiert, daß eigentlich jedes Jahr am 3. Oktober ein Tedeum fällig wäre«; -

die hierdurch erwiesene geglückte Aufarbeitung der NS-Gesellschaft, mit der die gesamtdeutsche Gegenwart nichts mehr verbinde: »Ich kann deswegen auch nicht verstehen, warum wir die Traditionslinien dieses von mir so gepriesenen demokratischen Gemeinwesens in die nationalsozialistische Vergangenheit ziehen«; -

die Vor- und Leitbildfunktion, die gegenüber ihren noch zu domestizierenden ostdeutschen Untertanenmenschen den westdeutschen Citoyens zukomme: »Ich stellte sie mir als Lehrer in Zivilcourage für eine Bevölkerung vor, die niemals gelehrt worden ist, solches zu tun«; -

und, den Schlußstein zu setzen, die finale Apotheose und ADAC-Idealisierung des real existierenden Kapitalismus, wo auch die Ostdeutschen sich nicht grämen müßten, wenn ehemalige Parteikader als Immobilienhändler im Jaguar vorfahren, sondern Trost bei der Erkenntnis, daß »gute Menschen heute nicht prinzipiell daran gehindert werden, gutes Geld zu verdienen«, empfinden: »In welchem Land haben die guten Menschen das gute Geld und die guten Autos! «.

Weitere Zutaten sind Allensbach-Umfragen. Pro Rede und Vortrag je eine Erwähnung von Hannah Ahrendt und ein Zitat von Vaclav Havel (»Die Macht der Mächtigen kommt von der Ohnmacht der Ohnmächtigen«). Plädoyers für Zivilcourage, Mut, Beunruhigung und die Nähe der Beunruhigten, die zu suchen sei, in die man aufzubrechen habe. Und eine Sentenz, die Gaucks frei galoppierende Formulierungskünste stets aufs neue und albernste herausfordert und geht: »Keine Nacht der Diktaturen war je so schwarz, daß alle Bürger gleichermaßen katzengrau geworden wären«, oder mitunter so: »Die Nächte der Diktatoren waren nie schwarz genug, um alle Katzen grau zu machen«, oder aber auch, in der reflektierten Langfassung, einmal so: »Wenn wir wirklich gelebtes Leben ernst nehmen, werden wir immer wieder der einfachen Wahrheit, daß bei Nacht alle Katzen grau sind, den zweiten genaueren Blick gönnen, der das Gegenteil feststellt« – nämlich daß gar nicht alle Katzen nächtens grau und nicht das Gegenteil von grau sind, sondern, wie ein dritter Blick zeigte, alle Kühe, und auch nicht grau, sondern, »wie man zu sagen pflegt«, schwarz, jedenfalls Hegels Vorrede der Phänomenologie des Geistes zufolge, in welcher die »Naivität an Erkenntnis«, die dies überhaupt vorauszusetzen beliebt, zur Sprache kommt.

Der Rest: Platitüden, Nonsense-Sätze und Stilblüten sonder Zahl. In seinem demagogischen Bedürfnis, auf eine emotionale Ebene mit seinen Zuhörern zu kommen und sie zu korrumpieren, ergießt er einen kruden, bisweilen skurrilen Gedankenbrei über das Auditorium und verklebt alles zu einer zähen Monströsität. »Liebe Landsleute aus dem Osten, lassen Sie uns«, beginnt er in Weimar seine »Rede über Deutschland«, »zurückgehen … , ich muß das einfach, um auf eine emotionale Ebene mit Ihnen zu kommen. Lassen Sie uns zurückgehen, an den Oktober 1989 denken, noch nicht an den November. Jene Zeit des Lachens und des Weinens von uns, den Hartgesottenen, jenes Erleben in uns noch einmal wach werden lassen, das ein so verwirrendes Ineinander von Saat und Ernte sein sollte.«

Noch Verwirrenderes wird wach, wenn seine Lieblingswörter »Mitgift« oder »Species« mit von der Partie sind und es, alle Menschen betreffend, beruhigend heißt: »Es gehört nämlich zur Mitgift der Species Mensch, daß er auch anders kann, als als Untertan zu leben«, und dann doch wieder Ausnahmen gemacht werden: »Intellektuelle, wir wissen es längst, sind die Angefochtensten unter der Species Mensch. Nicht, daß sie ‘schlechter’ wären als ihre Zeitgenossen, sondern daß sie ihre Fehler, Schwächen, ihr Versagen und ihre Schuld verbergen können hinter oft kunstvollen Systemen, das macht sie doch wohl so versuchlich und ist Ursache besonderer Gefährdung.« Solange es jedoch jenseits der Hoffnung noch Hoffnungsgründe gibt, kann keine Trauer sein: »Neben aller Trauer über den langen Schlaf der Vernunft, wie der Freiheitsliebe gibt es also Hoffnungsgründe, jenseits der Hoffnung auf kluge Menschen, die uns die Welt deuten.« Genau.

»Schluß-Punkt-Aus« (Gauck): Der Mann weiß nichts, kennt nichts, kann keinen einzigen geraden Satz aufsagen und ist, wg. seines vormaligen Daseins als »Larve«, sowieso befangen, erpreßbar, unaufrichtig, unglaubwürdig und beschränkt genug, den Bundesbeauftragten für die 180 Kilometer von Akten zu geben, die seit sieben Jahren über Wohl und Wehe von Millionen Menschen, vornehmlich DDR-Bürgern, entscheiden. Und wird’s vermutlich noch bis ins 2 1. Jahrhundert hinein munter weitertreiben. Sein pastorales Weltbild, dem einzelnen, der nicht den Mut hatte, »Nein zu sagen«, »Citoyen zu sein«, »die Begeisterung zu verweigern«, alle Schuld und Sühne, Buße und Bürde, Reue und Rache aufzuladen, sowie seine nach »Freiheit, Recht oder Gott« – und jetzt Achtung – »‘wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser’ suchende Sehnsucht« prädestinieren ihn wie keinen andern zum Blockwart der deutschen Vereinigung, der er ist und der es versteht, zur rechten Zeit die rechten historischen Parallelen zu ziehen. Zumal er ihm Gelegenheit bot, bei seinen Auftritten den lange erprobten, zu DDR-Zeiten allerdings noch ziemlich rot eingefärbten Pastoren-Sermon in eine leuchtende Apologie der Gegenwart zu transformieren, in einen unerschütterlichen Pauschalvoluntarismus, dessen fade Grundelemente sind: -

die Erinnerung an das Schreckensregime des DDR-Staates: »Wie es scheint, haben wir in der DDR Franz Kafkas Vorstellung von der unheimlichen Bedrohung des Menschen durch anonyme, allgegenwärtige Mächte noch übertroffen«; -

die Idealisierung des Wendegeschehens, als das Volk der DDR sich auch von perfideren Tricks der Staatsmacht nicht einschüchtern ließ: »Es war ziemlich ungemütlich in Plauen. Gummiknüppel, Polizeihubschrauber und die Feuerwehr wurden als Wasserwerfer zweckentfremdet«; -

den positiven nationalen Bezug: »Man muß ja die Liebe zum Gemeinwesen nicht an der mißbrauchten Liebe, die in unserem Land so oft grassierte, zur Heimat, zur Scholle definieren. Vielleicht ist es an der Zeit, diese altmodischen Wörter und ihre Inhalte neu zu bestimmen«; -

die Gleichstellung der »braunen und roten Diktaturen« in Deutschland hinsichtlich ihrer Effekte – der »Prägung der Menschen« –, wobei der NS-Zeit noch zugute gehalten wird, daß sie nur zwölf und nicht vierzig Jahre währte: »Die Diktaturen, wie sie auch heißen, welcher Ideologie sie auch anhängen und welche Fahnen sie auf ihren Türmen aufziehen, machen mit den Unterworfenen, mit dem normalen Volk das gleiche: Sie verwandeln fortwährend den Bürger in den Untertan«; -

die damit verknüpfte Unterstellung, daß Antifaschismus nur dann glaubhaft sei, wenn er mit einem »wahren, authentischen Antikommunismus« einhergehe: »Ich bin von Herzen Antifaschist, aber Sie werden es mir nur dann glauben, wenn Sie auch spüren, daß ich aus Anstand und Moral und aus Wissen Antikommunist bin«; -

die Lobpreisung der Geschichte der Bundesrepublik. »Sie haben hier im Westen Traditionslinien, auf die ein deutscher Demokrat nun wirklich stolz sein kann. Sie hier im Westen haben in gemeinsamer Bemühung eine so lange Phase von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Friedfertigkeit organisiert, daß eigentlich jedes Jahr am 3. Oktober ein Tedeum fällig wäre«; -

die hierdurch erwiesene geglückte Aufarbeitung der NS-Gesellschaft, mit der die gesamtdeutsche Gegenwart nichts mehr verbinde: »Ich kann deswegen auch nicht verstehen, warum wir die Traditionslinien dieses von mir so gepriesenen demokratischen Gemeinwesens in die nationalsozialistische Vergangenheit ziehen«; -

die Vor- und Leitbildfunktion, die gegenüber ihren noch zu domestizierenden ostdeutschen Untertanenmenschen den westdeutschen Citoyens zukomme: »Ich stellte sie mir als Lehrer in Zivilcourage für eine Bevölkerung vor, die niemals gelehrt worden ist, solches zu tun«; -

und, den Schlußstein zu setzen, die finale Apotheose und ADAC-Idealisierung des real existierenden Kapitalismus, wo auch die Ostdeutschen sich nicht grämen müßten, wenn ehemalige Parteikader als Immobilienhändler im Jaguar vorfahren, sondern Trost bei der Erkenntnis, daß »gute Menschen heute nicht prinzipiell daran gehindert werden, gutes Geld zu verdienen«, empfinden: »In welchem Land haben die guten Menschen das gute Geld und die guten Autos! «.

Weitere Zutaten sind Allensbach-Umfragen. Pro Rede und Vortrag je eine Erwähnung von Hannah Ahrendt und ein Zitat von Vaclav Havel (»Die Macht der Mächtigen kommt von der Ohnmacht der Ohnmächtigen«). Plädoyers für Zivilcourage, Mut, Beunruhigung und die Nähe der Beunruhigten, die zu suchen sei, in die man aufzubrechen habe. Und eine Sentenz, die Gaucks frei galoppierende Formulierungskünste stets aufs neue und albernste herausfordert und geht: »Keine Nacht der Diktaturen war je so schwarz, daß alle Bürger gleichermaßen katzengrau geworden wären«, oder mitunter so: »Die Nächte der Diktatoren waren nie schwarz genug, um alle Katzen grau zu machen«, oder aber auch, in der reflektierten Langfassung, einmal so: »Wenn wir wirklich gelebtes Leben ernst nehmen, werden wir immer wieder der einfachen Wahrheit, daß bei Nacht alle Katzen grau sind, den zweiten genaueren Blick gönnen, der das Gegenteil feststellt« – nämlich daß gar nicht alle Katzen nächtens grau und nicht das Gegenteil von grau sind, sondern, wie ein dritter Blick zeigte, alle Kühe, und auch nicht grau, sondern, »wie man zu sagen pflegt«, schwarz, jedenfalls Hegels Vorrede der Phänomenologie des Geistes zufolge, in welcher die »Naivität an Erkenntnis«, die dies überhaupt vorauszusetzen beliebt, zur Sprache kommt.

Der Rest: Platitüden, Nonsense-Sätze und Stilblüten sonder Zahl. In seinem demagogischen Bedürfnis, auf eine emotionale Ebene mit seinen Zuhörern zu kommen und sie zu korrumpieren, ergießt er einen kruden, bisweilen skurrilen Gedankenbrei über das Auditorium und verklebt alles zu einer zähen Monströsität. »Liebe Landsleute aus dem Osten, lassen Sie uns«, beginnt er in Weimar seine »Rede über Deutschland«, »zurückgehen … , ich muß das einfach, um auf eine emotionale Ebene mit Ihnen zu kommen. Lassen Sie uns zurückgehen, an den Oktober 1989 denken, noch nicht an den November. Jene Zeit des Lachens und des Weinens von uns, den Hartgesottenen, jenes Erleben in uns noch einmal wach werden lassen, das ein so verwirrendes Ineinander von Saat und Ernte sein sollte.«

Noch Verwirrenderes wird wach, wenn seine Lieblingswörter »Mitgift« oder »Species« mit von der Partie sind und es, alle Menschen betreffend, beruhigend heißt: »Es gehört nämlich zur Mitgift der Species Mensch, daß er auch anders kann, als als Untertan zu leben«, und dann doch wieder Ausnahmen gemacht werden: »Intellektuelle, wir wissen es längst, sind die Angefochtensten unter der Species Mensch. Nicht, daß sie ‘schlechter’ wären als ihre Zeitgenossen, sondern daß sie ihre Fehler, Schwächen, ihr Versagen und ihre Schuld verbergen können hinter oft kunstvollen Systemen, das macht sie doch wohl so versuchlich und ist Ursache besonderer Gefährdung.« Solange es jedoch jenseits der Hoffnung noch Hoffnungsgründe gibt, kann keine Trauer sein: »Neben aller Trauer über den langen Schlaf der Vernunft, wie der Freiheitsliebe gibt es also Hoffnungsgründe, jenseits der Hoffnung auf kluge Menschen, die uns die Welt deuten.« Genau.

»Schluß-Punkt-Aus« (Gauck): Der Mann weiß nichts, kennt nichts, kann keinen einzigen geraden Satz aufsagen und ist, wg. seines vormaligen Daseins als »Larve«, sowieso befangen, erpreßbar, unaufrichtig, unglaubwürdig und beschränkt genug, den Bundesbeauftragten für die 180 Kilometer von Akten zu geben, die seit sieben Jahren über Wohl und Wehe von Millionen Menschen, vornehmlich DDR-Bürgern, entscheiden. Und wird’s vermutlich noch bis ins 2 1. Jahrhundert hinein munter weitertreiben. Sein pastorales Weltbild, dem einzelnen, der nicht den Mut hatte, »Nein zu sagen«, »Citoyen zu sein«, »die Begeisterung zu verweigern«, alle Schuld und Sühne, Buße und Bürde, Reue und Rache aufzuladen, sowie seine nach »Freiheit, Recht oder Gott« – und jetzt Achtung – »‘wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser’ suchende Sehnsucht« prädestinieren ihn wie keinen andern zum Blockwart der deutschen Vereinigung, der er ist und der es versteht, zur rechten Zeit die rechten historischen Parallelen zu ziehen.