Archiv für März 2012

Walser und der Stinkefinger

Per mail ging mir heute Nacht ein kurzer Bericht über eine Störaktion während einer Lesung anlässlich der Buchmesse an der Uni Halle zu. Zwischen 20 und 30 Studierende versuchten demzufolge am Freitag Abend, mit einem Transparent und Flugblättern ihren Unmut über die Einladung des – wie es im Flugblatttext heißt – „präsenilen“ Walser auszudrücken, dessen antisemitische Denkmuster spätestens seit dem Skandal um „Tod eines Kritikers“ allen bekannt sein müssten. Den Text des Flugblattes will ich niemandem vorenthalten, er folgt unten. Zuvor will ich allerdings noch die Reaktionen von Gästen erwähnen. Nach Aussagen einer Störerin reagierten einige Walser-Fans empört auf die Kritik an ihrem Idol und seinem und ihrem sekundären Antisemitismus, der sich vor allem in der konsequenten Täter-Opfer-Umkehr oder -Gleichsetzung ausdrückt. So kam es zu Beleidigungen, ein anwesender Bildungsbürger zeigte den Stinkefinger, einer der Verantwortlichen soll in Bezug auf das Transparent („..dass Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe“) mit dem zynischen Ausspruch „Was wollt ihr denn, ihr wart doch damals gar nicht dabei!“ reagiert haben. Relativ gewaltsam sollen alle dann rausgedrängt (bzw. eher rausgeschubst?) worden sein, wird berichtet. Folgendes uns mit der mail zugesendete Foto ist zu köstlich, um es nicht zu posten (insg.: danke für die mail, P.!):

Hier noch ein Bild von der „MZ“-Seite:

Und hier der Text:

Martin Walser – Schuldabwehr und Antisemitismus, literarisch verbrämt und enttabuisiert für den „gebildeten“ deutschen Bürger (mehr…)

Nomen est omen

„Das Germanistik-Studium ist eine gute Grundlage, um Lösungen für aktuelle sprachliche Herausforderungen zu entwickeln.“

(M. Blaha, Novatec GmbH)

Zitat von: www.uni-muenster.de/Germanistik/Praxis/zitate.html

Steinigungen im „freien Irak“

Seltsam auch, daß die USA im Irak die Pressefreiheit einführten, politische Parteien zuließen und sogar religiöse Eiferer agitieren lassen. […] Verwirrend, daß in Bagdad, in den endlich wieder geöffneten Fisch- und Schnaps-Kneipen am Tigris, dauernd Trinksprüche auf George Bush ausgebracht werden. Und noch verwirrender: Die angeblich ach so gläubigen Iraker wollen keine UN-Truppen aus Old Europe und schon gar nicht aus islamischen Ländern, sondern mehr Schutz vor islamistischen Mordbrennern – von der US-Army.

Zeitschrift Bahamas, 2003.

Zehn Jahre verfehlte Politik später (Stärkung autoritärer Politiker und Machtgruppen, Forcierung der Ethnisierung und Tribalisierung der Politik, Akzeptanz der Einschränkung von Bürgerrechten und Pressefreiheit durch die irakische Regierung):

At least 14 youths have been stoned to death in Baghdad in the past three weeks in what appears to be a campaign by Shi‘ite militants against youths wearing Western-style „emo“ clothes and haircuts, security and hospital sources say. Militants in Shi‘ite neighborhoods where the stonings took place circulated lists on Saturday naming more youths targeted to be killed if they do not change the way they dress. The killings took place after Iraq’s interior ministry drew attention to the „emo“ subculture last month, labeling it „Satanism“ and ordering a community police force to stamp it out.
At least 14 bodies of youths have been brought to three hospitals in eastern Baghdad bearing signs of having been beaten to death with rocks or bricks, security and hospital sources told Reuters under condition they not be identified because they were not authorized to speak to the media. (mehr…)

Merkel und die Rummelnazis

In der aktuellen TITANIC 03/12 finden sich in der Fotostory zwei Fotos, die Merkel in den 1990er Jahren mit zwei Nazi-Skinheads zeigen. Leider ist mir nicht bekannt, in welchem Zusammenhang diese Bilder entstanden sind.
Auf dem Ost-Blog finden sich jedoch einige ähnliche Bilder, die 1993 entstanden und zu denen es dort heißt:

Wenige Monate nachdem der 23-jährige Thorsten Lamprecht 1992 bei einem Überfall von etwa 60 Skinheads auf eine Punk-Fete in dem Magdeburger Lokal „Elbterrassen“ mit einem Baseballschläger ermordet wurde, besuchten Anfang 1993 die Ministerinnen Angela Merkel und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger einen Magdeburger Jugendclub. Dieser Jugendklub wurde damals von den lokalen antifaschistischen Gruppen als Nazi-Treffpunkt eingestuft. Unter den Jugendlichen vermuteten sie auch Beteiligte des Skinhead-Überfalls.

Wir dokumentieren hier diese interessanten und heute durchaus skurril wirkenden Aufnahmen:
(mehr…)

Todenhöfer, Scholl-Latour und Co.

Eine wunderbare (hier nur auszugsweise zitierte) Abrechnung mit deutschen Nahost-“Experten“ wie Udo Steinbach, Peter Scholl-Latour oder Jürgen Todenhöder findet sich ausgerechnet in der taz, verfasst vom Schriftsteller Rafik Schami:

Autoren wie Jürgen Todenhöfer oder Peter Scholl-Latour finden den Absatz ihrer bedenklichen Sympathien für Mörder wie Assad nicht etwa auf den Seiten der Bild-Zeitung. Sie sitzen bei ARD, FAZ, FAS und Die Zeit in der ersten Reihe. Und sind sie einmal da, werden sie von hunderten kleineren Medien zitiert. Man kann darüber den Kopf schütteln, aber das ist zu wenig. Ihre Beiträge sind kaum zu ertragen. […]
Aufklärung ist immer gut. Aber wenn der Prominenz-Faktor zur Blendung führt und zur Akzeptanz einer von Fehlern, Rassismus und Falschheit getränkten Berichterstattung, so ist das nicht akzeptabel. Verblendung gepaart mit Eitelkeit ist gefährlich. Verblendung nicht nur gegenüber einer Diktatur, sondern auch gegenüber deren Gegnern.
Ein erwachsener Mensch muss sich doch die simple Frage stellen: Warum werden alle Journalisten aus Syrien verjagt, und warum bekomme ich die Erlaubnis, mit Kamera und Mikrofon von Damaskus loszufahren, werde an den Kontrollpunkten durchgelassen, um in die Hochburg des Aufstands zu gelangen? Und wenn der Prominenz-Journalist sich nicht einmal fragt, warum Daraa, die Wiege der Revolution, auf einmal so ruhig ist, sondern nur begeistert von den günstigen Kirschen schwärmt, dann ist man verblendet.
„Nirgendwo sehen wir uniformierte Polizei, nur zwei Soldaten beim Kaufen von Aprikosen. Ich sehe kleine knackige Kirschen. Kirschen aus Daraa sind eine syrische Köstlichkeit. (mehr…)