Stillleben: Grass & Mülltonne

Wenn einer in schlechtem Stil wirren Blödsinn schreibt, der es dann auf den Titel der renommiertesten deutschen Tageszeitung schafft, wenn einer Tabus bricht, die nicht existieren, und sich als Opfer eines Medienkartells geriert, obwohl er dessen Protege ist, wenn die Massen ihn schließlich dafür lieben – dann ist die Rede eigentlich immer von einem abgehalfterten deutschen Literaten (Walser, Grass etc.) und a) Israel, b) Palästina, c) beidem, d) Schuld und Schlussstrich, e) a, b & d.
Insofern ist zu dem absurden, grenzdebilen und dummdreisten Dreck, den dann eben dieses Mal Günter Grass in seinem „Gedicht“ verzapft hat, nichts weiter zu sagen.1 [Der beste Kommentar fand sich im Tagesspiegel] Man kann allerdings bemerken, dass diese Situationen für Arschlöcher wie Grass win-win-Situationen sind. Überall wurde und wird ihm ein Podium geboten, ob im Guten oder im Schlechten, er kann in schlechtem Stil wirren Blödsinn schreiben, schafft es damit auf den Titel der renommiertesten deutschen Tageszeitung, kann Tabus brechen, die nicht existieren, und sich als Opfer eines Medienkartells gerieren, obwohl er dessen Protege ist. Was für ein Kreislauf: Weil er Grass ist, wird der Dreck, der zudem viele Bedürfnisse befriedigt und sich gut verkauft, eben gedruckt. Weil der Dreck so sehr stinkt, und ihn alle Menschen mit Restvernunft kritisieren müssen, erscheint er daraufhin tatsächlich als Tabubrecher und Opfer des „Medienkartells“. Was für eine perfide, von den Medien (aka Kulturindustrie) mitverantwortete Show. Die Massen lieben Grass dafür, und wie Walser badet er in der Masse der wohlwollenden und lobenden Zuschriften „der einfachen Leute“. Genug geärgert. Ich ende mit dem Stillleben „Grass & Mülltonne“ und einer debilen Zugabe.

  1. 1 [Tagesspiegel] [zurück]
  2. Offener und gleichzeitig verdruckster hat selten ein deutscher Nachkriegs-Intellektueller im Repertoire der judenfeindlichen Klischees gewildert – und das Resultat dann als gewissenszerknirschte Friedensverantwortung getarnt. Hier muss keine textexegetische Überführungsarbeit mehr geleistet werden. Das Poem spricht für sich. Wer meint, es noch entlarven zu müssen, heuchelt Disputationsmöglichkeiten, die es nicht gibt.
    Was aber ist so bestürzend an dem Vorgang, abgesehen vom Antisemitismus des Autors, der in seiner Lupenreinheit ja fast schon wieder etwas Erfrischendes hat? Vielleicht das: Wenn der Geist in Deutschland seine Hand nach dem Mob ausstreckt, droht einerseits die Vergeistigung des Mobs, andererseits die Verrohung des Geistes.
    Grass kennt sein Land, er kennt die Menschen, kennt ihre Gefühle und Ressentiments. Er weiß, dass eine Mehrheit der Deutschen in Israel eine Gefahr für den Weltfrieden sieht. Er weiß, dass man hierzulande, wenn’s um Juden geht, die Fakten auf den Kopf stellen muss, um tosenden Beifall zu erheischen. Also nicht sagen, wie es faktisch ist: Der Iran droht Israel mit atomarer Auslöschung, sondern, wie es dem Unterbewusstsein besser passt: Israel droht mit Auslöschung des iranischen Volkes.
    Grass ist zu klug, um als Wirkung seines Gedichts nicht die klammheimliche Freude derer antizipiert zu haben, die sonst so verschämt wie unverschämt hinter vorgehaltener Hand vor sich hin giften: „Über Juden darf man wegen des Holocausts ja sowieso nicht die Wahrheit sagen.“ Nein, Grass will im hohen Alter mitschwimmen in diesem warmen Pool, dessen giftigen Oberflächendampf nur jene riechen können, die nicht in ihn eintauchen. Bewusst schlägt sich Grass auf die Seite der „schweigenden Mehrheit“, der er eine Stimme sein möchte – wie damals, als eine schweigende Mehrheit schon einmal eine Stimme fand, die dann rasch, durch Lautsprecher und Panzergerassel verstärkt, in ganz Europa zu vernehmen war.
    Sich selbst und sein Werk verrät Grass damit nicht. Ein Kreis schließt sich nur. „Was gesagt werden muss“ könnte sogar der Schlüssel zu seinem Werk sein, statt ein Ausrutscher, eine Verirrung, eine Alterssenilität. Wer plötzlich im „Nationalzeitungs“-Jargon dichtet, ohne es zu merken, hat es vielleicht schon immer getan, ohne dass es andere merkten. […]


4 Antworten auf „Stillleben: Grass & Mülltonne“


  1. 1 gunter 06. April 2012 um 0:43 Uhr

    Schön, dass Günter Grass eine Steilvorlage für jede Art von Satire geliefert hat:
    Es wäre ja wirklich eine Ironie des Schicksals, wenn es den “Juden” (Israelis) gelänge, die ersten und letzten Arier dieser Welt (Iraner = “Arier”) mit Atombomben auszulöschen (oder umgekehrt: wenn die Iraner Hitler zu Ende führen würden).
    Mein Gott, in was für einer primitiven Welt überall (mit Begriffen wie “Juden”, “Deutschen”, “Arier”, “Iraner”, etc.) muss ich denn überhaupt leben?
    Schafft endlich alle Nationen und “Rassen” ab (sowie jegliches Denken, das mit Begriffen wie “Juden”, “Arier”, “Deutschen” etc. zu tun hat!).

    Ich will endlich einmal in einer Welt leben ohne diesen jüdisch-christlich-muslimisch-kapitalistisch-kommunistischen Blödsinn und Schwachsinn überall!!!
    Jede Religion (auch die jüdische als die älteste…) ist nicht Opfer, sondern Täter!!
    Nehmt euch mal die Amazonas-Indianer (Pirahas) zum Vorbild: die kennen keine „Geschichte“, keine Mathematik und auch keine Ökonomie — und daher auch keine industriell organisierten Kriege und Genozide (etc.).
    Diese Leute sind viel zivilisierter als alles, was ich mir anhören muss auf der (fast) ganzen Welt!

  2. 2 MC Gurke 06. April 2012 um 11:12 Uhr

    Schön, dass das Gedicht und die Kritiken daran auch noch jeden allerallerletzten Trottel aus dem Loch gelockt haben, um seinen wahnhaften Senf abzugeben. Dieser Kommentar ist ein wunderbares Exempel.
    Ich werd mal beim Thema bleiben. Wer identifiziert Juden mit Israelis, wenn nicht der Antisemit (und übrigens Grass in seinem Gedicht)? Wer zum Teufel glaubt daran, dass Israel den Iran mit einer Atombombe angreifen will, ausser Antisemiten/Verschwörungstheoretiker (und übrigens Grass in seinem Gedicht)?

    P.S.: Ich hab nichts gegen Pirahas, was Du über sie erzählst ist Banane.

  3. 3 horste 06. April 2012 um 13:47 Uhr

    „Wer identifiziert Juden mit Israelis, wenn nicht der Antisemit (und übrigens Grass in seinem Gedicht)?“

    Der Philosemit?!

  4. 4 anti 06. April 2012 um 16:17 Uhr

    der manchmal. der antisemit immer. und wer sagt, dass ersterer was gutes ist?

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