Archiv für Juni 2012

Konfliktpornographie

Ein Fotograf hat radikale Palästinenser zu einer Bilder-Session überredet. Das Ergebnis sind kunstvolle, verstörende Aufnahmen […], in denen die Männer Gegenstände aus ihrem täglichen Kampf präsentieren und Posen nachstellen. Ob mit der Steinschleuder im Anschlag, der Gasmaske zum Schutz gegen den Beschuss mit Tränengas oder gehüllt in die palästinensische Flagge – stets sind die Gesichter der Kämpfer verhüllt. Zusammen mit vielen anderen Palästinensern beteiligen sie sich am bewaffneten Kampf gegen Israel.

Äh…. Wie bitte? Schon die Sprache verspricht Schreckliches. Für seine bekannte Konfliktpornographie hat sich der SPIEGEL nun mal wieder ein paar Palästinenser ausgesucht, aber nicht irgendwelche Gesichter von Menschen, die unter korrupten Politikern, nationalistischen und islamistischen Organisationen oder Siedlern und Besatzung leiden, sondern, na klar, ausgerechnet militante „Kämpfer“, die „zusammen mit vielen anderen (?!) Palästinensern“ in einem „täglichen (!) Kampf“ stehen, bei dem sie Steinschleudern und Autoreifen mit sich herumtragen und sich Tüten über den Kopf ziehen. (mehr…)

Freudsch

Wenn Studierende in Zeiten des „Sachzwangs“ indirekt die Funktion des „Studierendenrates“ (StuRa, Asta), des scheindemokratischen Feigenblattes der universitären Rektorats- und Professoralwirtschaft, richtig beschreiben:

„Liebe Studierende,
am kommenden Mittwoch findet […] die Nachwahl für den Studierendenrat (StuRa) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg statt. […] Ihr habt damit erneut die Möglichkeit, die Politik unserer Hochschule aktiv mitzubestimmen, z. B. auch die Mittelkürzung am Orientalischen Institut“.
(aus der Mail einer Institutsgruppe)

Poetry Slam, große Brillen & KZ-Geschichten

Studierende sind blöd. Das ist keine Neuigkeit. Im Drang schnellstmöglich erfolgreich durchs Studium zu kommen, um die zertifizierten Skills durch Creditpoints für den Arbeitsmarkt zu erlangen und zugleich dem konformen Party- und Alternativindividualismus zu frönen, bleiben jegliche Inhalte auf der Strecke. Wenn sich Leute, die auch ihr zehnseitiges, zusammengeklaubtes Gestammel mit dem Namen Hausarbeit für anspruchsvollen Essayismus halten, zusammentun, kommt dabei so etwas heraus, wie das Leselicht – (mehr…)

Qualitätsjournalismus

Wenn der Spiegel nicht Hitler oder Hitlers Hund auf dem Titel hat, muss es was Apokalyptisches über „den Judenstaat“ sein. Man nehme ein wenig Grass, Alttestamentarisches, google-Bildersuche und Photoshop. Ob Patrioten-Gaucks ach so „differenzierendes“ Geblubber zu Israels Sicherheit eine Art ideelle Vorabveröffentlichung war?
würg