Poetry Slam, große Brillen & KZ-Geschichten

Studierende sind blöd. Das ist keine Neuigkeit. Im Drang schnellstmöglich erfolgreich durchs Studium zu kommen, um die zertifizierten Skills durch Creditpoints für den Arbeitsmarkt zu erlangen und zugleich dem konformen Party- und Alternativindividualismus zu frönen, bleiben jegliche Inhalte auf der Strecke. Wenn sich Leute, die auch ihr zehnseitiges, zusammengeklaubtes Gestammel mit dem Namen Hausarbeit für anspruchsvollen Essayismus halten, zusammentun, kommt dabei so etwas heraus, wie das Leselicht – Die Literatur- und Kulturzeitschrift der Martin-Luther-Universität“ Halle. Die ersten durch Studierendengelder finanzierten Hochglanzausgaben dienten eigentlich vor allem der Selbstbeweihräucherung einiger GermanistikstudentenInnen, die in ihrer Hobbyzeitschrift langweilige Artikel über das Liebesleben von Pflastersteinen, die Erlebnisse des eigenen Erasmussemesters, schlechte Kurzgeschichten und an Körperverletzung grenzende Gedichte im Stile der Poesiealben adoleszenter Wendy-AbonnentenInnen veröffentlichten. Gerahmt war das Ganze durch Schulheftkritzeleien oder Stillleben-Photographien. So manche Schülerzeitung ist geistreicher als das.
Nun jedoch hat sich der AutorenInnenstamm erweitert und das Leselicht findet Anschluss an eine Szene, die vielerorts von anderen intellektuellen Tieffliegern und Dreitagebart-Freizeit-Literaten geprägt ist, welche sich auf „Poetry-Slams“, „Satzkästen“ oder „Wörterspeisen“ (…) treffen. Schaut man sich das Ganze an, etwa in der auch dank Uni- und Stadtmarketing immer hipperen Studistadt Halle, scheint die Motivation von Machern und Publikum vor allem die Pflege einer alternativen Pseudoindividualität zu sein. Zum Dresscode gereichende „alternative“ H&M-Humana-Hornbrillen-Styles, die in ähnlicher Form vor einigen Jahren bei zugezogenen Berlin-Mitte-Dandys angesagt waren, sollen die eigene, authentische Individualität ausdrücken, alle Beteiligten sind in allen oberflächlich von ihnen angerissenen Fragen „so eher kritisch“. Die Events sorgen bei „Slammern“ und Fans, die Amnesty, Piraten und Vegetarismus vermutlich mit Kritik und Politik identifizieren, für den lebensnotwendigen Schuß. Den Besitzern der austragenden Örtlichkeiten dürfte es wohl eher um den exorbitant steigenden Absatz von Latte-Macchiato, Becks und Rotwein gehen. Produziert wird hier meist nur gleichförmiger Stuss, dessen einzige Funktion, und es ist bezeichnend, hier von Funktion sprechen zu müssen, der Stimulus für Lacher ganz im Stile des Schematismus billiger Sitcoms ist. Das Publikum soll unterhalten, nicht zum Denken angeregt werden.

Der schönste Tag im KZ

derJesko oder Derjesko ist ein literarisches, künstlerisches, musikalisches und philosophisches Multitalent, wie man den Texten, Photos und Selbstdarstellungen seiner Homepage entnehmen kann, er ist „Poet“, (Radio)Moderator, reisender Weltbürger, Organisator eines „Slams“, und nun auch noch Autor des besagten Leselichts. Aber Jesko schreibt dort nicht über seinen Alltag zwischen Uni-Seminar und WG-Küche, veröffentlicht kein Gedicht über Frau Holle, Supermärkte oder das Abendessen – er geht gleich in die Vollen und liefert einen fiktiven Zeitzeugenbericht aus dem nationalsozialistischen Konzentrationslager Ravensbrück mit dem Titel ‚Der schönste Tag‘.
Als erstes fällt die Illustration des Textes ins Auge, in (von einer der besagten Germanistikstudentinnen) nachgeahmtem Kinderstil sind ein paar lachende Kinder, typische „Zigeunerinnen“ (s.u.), Sonne und Sterne dargestellt. Der schönste Tag…? Die Geschichte ist geschrieben aus der Ich-Perspektive eines Kindes. Die Szenerie ist kurz erzählt. Es ist der 24. Dezember und das Kind beobachtet Frauen, die mit selbstgebastelten Puppen Theater spielen, „Zigeunerinnen“ (!), die Musik machen und tanzen (was machen „Zigeunerinnen“ auch sonst) sowie Kinder, die fröhlich lachend das Ganze verfolgen oder spielen. Durch die schöne Szene vergisst man beinahe wo man ist – im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Dafür erinnert das Kind sich an das letzte Weihnachten. Beinah die gesamte Familie war beisammen und doch traurig. Er oder sie fragt sich – ganz naives Kind –, ob die anderen aus seiner Familie heute auch einen so schönen Tag haben wie er, der im KZ Weihnachten feiern darf. Dann kommt der „Aufseher“ Hayersmann „mit einem freundlichen Lächeln auf den Hof [!]“ und verteilt Süßigkeiten unter den Häftlingskindern.* Böse wirkt er nun gar nicht:
„‚Macht euch keine Sorgen, Kinder‘, sagt Hayersmann zu ein paar zehnjährigen Jungs [!], die wegen Jazzmusik [!] hier sind. ‚Eure Zukunft in unserem kommenden, herrlichen Deutschland unter unserem fürsorglichen Führer wird strahlend sein!‘ Er lächelt weiterhin, und seine glasblauen Augen strahlen voller Zuversicht. Ich glaube ihm. Heute ist alles möglich. Und wahr.“

Wollte der junge Café-Literaten-Nachwuchs mit diesem Dreck vermeintlich die „Banalität des Bösen“ (Hannah Arendt) verdeutlichen? Wir wissen es nicht, aber es ging in jedem Fall gehörig daneben. Der plattitüdengeschwängerte und anheimelnde fiktionale Erlebnisbericht bedient den Voyeurismus des Autors, der das Leiden, wenn es überhaupt in irgendeiner Zeile dieses Textes vermittelt wird, als pathetische Chiffre für seinen schriftstellerischen Narzissmus verwendet. Der Text ist eine Banalisierung des Grauens des NS-Lagersystems, und gespickt mit (rassistischen) Klischees und plumpen Splittern aus dem kollektiven Gedächtnis aka „Schindlers Liste“, Kälte, stramme Wachmänner, (verstummtes?) Lachen. Die Wirkung soll diese Geschichte vermutlich durch die, mit Absatz und Kursivsetzung abgetrennte, Faktennennung hervorrufen: „Im Januar 1945 werden 4.000 Kinder und Jugendliche des KZ Ravensbrück vergast“. Doch das ist schlicht falsch und komplett ausgedacht, und das verschlimmert die zynische Perversion der Geschichte. Unter den über 55.000 Häftlingen des KZ Ravensbrück befanden sich ca. 881 Kinder im Alter von 2 bis 16 Jahren. Niemals wurden in Ravensbrück 4.000 Kinder vergast, auch nicht durch Überführung in andere Konzentrationslager.** So wie Holocaustrelativierer und –leugner mit den Opferzahlen jonglieren, um Auschwitz einzureihen ins bunte Karussell der damit quasi beliebigen Menschheitsverbrechen, so bedient sich Jesko der Unwahrheit, um seine kitschige Holocausterzählung mit einer faktischen Schreckensdimension zu untermauern und einen schriftstellerischen Mehrwert aus dieser vermeintlichen Faktizität zu gewinnen.

Der Text ist der dilettantische Versuch einer „Emotionalisierung“, die ein Absperren gegen den Gedanken bedeutet, eine „Regression des Subjekts von der Wortvorstellung zur Bildvorstellung“ (Detlev Claussen). Bilder und Identifikationsobjekte ersetzen die Notwendigkeit, sich reflexiv darauf einzulassen, was nationalsozialistische Ideologie und Lagersystem, was Auschwitz und Vernichtung bedeuten. Das Konzentrationslager ist für Jesko nur der (austauschbare) Rahmen einer Erzählung, die so jeglichen anderen Hintergrund bekommen und an jeden anderen Ort transferiert werden könnte. Die Geschichte ist lediglich eine Ansammlung von austauschbaren Floskeln, pathetischen Bildfetzen und Stereotypen, ganz ähnlich der genannten Funktionalität der Poetry Slam- und Satzkasten-Texte. Frierende Kinder und absurderweise Bonbons verteilende SS-Männer sind lediglich der Stimulus zum Betroffensein wie tautologische Sätze im Stakkato von Vorträgen genannter Veranstaltungen Lacher erzeugen sollen. Der Gegenstand wird ausgeschlossen. Es geht nicht um Leiden und Hoffnung bzw. um Empathie durch den Rezipienten, sondern um ein narzisstisches Bedürfnis nach Identifikation, wie es sich nicht nur in der gewählten Ich-Perspektive andeutet, sondern auch in der konstruierten Erzählfigur „zehnjähriger Jazzjungen“*** zeigt, die das ureigenste Opferbedürfnis des Autoren bedient.

Der fühlt sich wahrscheinlich richtig gut, und voll kritisch.

* Das ein männlicher Aufseher an einer Weihnachtsfeier im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück teilgenommen hat, ist mehr als unwahrscheinlich. Dass er inhaftierten Kindern Süßigkeiten geschenkt hätte, ist absurd.
** Überlebende gehen davon aus, dass in der Zeit seines Bestehens zwischen 5000 und 6000 Häftlinge in der Gaskammer des KZ Ravensbrück ermordet wurden.
*** Die Darstellung ist historisch abwegig. Jugendliche (!), die wegen „Swing“ inhaftiert wurden, internierten die Nazis zumeist in sogenannten Jugendschutzlagern.

Bild hochladen


7 Antworten auf „Poetry Slam, große Brillen & KZ-Geschichten“


  1. 1 Derjesko 06. Juni 2012 um 11:37 Uhr

    Auf dein Missfallen der Slamszene gehe ich hier nicht ein. Das sei jedem selbst überlassen, was er davon halte. Ich möchte nur auf deine Kritik meines Textes reagieren. Den Vorwurf der faktenverzerrung müsstest du wenn, dann an das KZ Ravensbrück weiterleiten. Die Informationen stammen von einer Infotafel in selbiger Gedenkstätte, wo ich letztes Jahr darauf stieß. Samt Süßigkeitenverteilendem Aufseher und wegen des hören amerikanischer Musik inhaftierter Jugendlicher. (es handelte sich nämlich nicht nur um ein Frauen KZ). Und auch samt der Opferzahlangabe (allerdings tatsächlich nicht dort, sondern überführt in andere KZs). Sollten diese Informationen falsch sein, bitte ich um Verzeihung, wie gesagt übernahm ich sie von dort.
    Dass zB die Rede von „Zigeunern“ ist, ist bewusst gewählt – da ein Kind zur damaligen Zeit mitsicherheit diese Begrifflichkeit übernommen hätte, statt von Sinti und Roma oder „Südosteuropäer Typ 2″ zu reden. Die Beschreibung des tatsächlich stattgefundenen Weihnachtsfestes (auch das „singen und tanzen“) stammen ebenfalls aus Informationen vor Ort.
    Mich mit den 10-jährigem Jazzhörenden Jungen gleichsetzen zu wollen ist mit Verlaub Unsinn. Mir wird wohl erlaubt sein über diese Tatsache zu schreiben, auch wenn ich persönlich einer anderen US-beeinflussten Musikrichtung fröhne – was dann auch echt die einzige Gemeinsamkeit wäre.
    Ich wollte mitnichten das gGrauen beschönigen oder marginalisieren, sondern eher das Gegenteil. Eben durch den starken Kontrast. Wenn das (bei dir) nicht so ankommt – schade.

    Im übrigen bin ich auch kein Autor der Leselicht sondern wurde nur um diesen Gastbeitrag gebeten.

    EDIT: Wenn Du die Kritik nicht verstehst, weiß ich auch nicht weiter. Zu Deinen Behauptungen, was die Fakten angeht: Offensichtlich hast Du, wie das so üblich ist in der deutschen „Ich hab ein KZ besucht, weiß jetzt Bescheid und bin ein guter Deutscher“-Wohlfühlgemeinschaft, verschiedene Dinge aufgeschnappt und durcheinandergebracht (so bestreitet man ja heute auch sein Studium), im Konkreten Informationen über das Frauenkonzentrationslager (ja, das war es, beim nächsten mal vorher googlen?) Ravensbrück, über die Gesamtzahl der in der Gaskammer ermordeten KZ-Häftlinge, Informationen über die Jugendschutzlager Uckermark und Moringen und Informationen über die Verfolgung der Swing- und Jazzjugend. Das kann passieren und wäre auch nicht schlimm, wenn Du nicht diesen widerlichen Text geschrieben hättest. Dazu und zu den Opferzahlen solltest Du vielleicht, wenn es Dich wirklich interessieren würde, nachlesen (Strebel, Bernhard: Das KZ Ravensbrück. Geschichte eines Lagerkomplexes. Paderborn 2003, 615 S.). Ansonsten noch eine Frage: Sind die antiziganistischen Stereotypen in der „Kinderzeichnung“ auch nur im Dienste der „Authentizität“? Merkst Du nicht, was Du Dir da anmaßt und dass das nur scheitern kann?

  2. 2 Karsten Lampe 06. Juni 2012 um 11:45 Uhr

    Sehr geehrter Autor dieses Blogs,

    die wichtigste Feststellung zuerst. Ja, diese Geschichte ist unsensibel, schlecht recherchiert und für mein mitteleuropäisches Empfinden unnötig pathetisch.

    Nun schreibe ich diesen Kommentar aber nicht, weil eine studentische Literaturzeitschrift einen mäßigen Beitrag veröffentlicht hat, denn dies zu kommentieren hieße den Regen ob seiner Nässe bestaunen.

    Es geht mir um die beiläufige Verunglimpfung einer ganzen Szene, der ich mich zugehörig fühle und die ich nicht teilen kann. Natürlich haben sie jedes Recht Slam nicht zu mögen und gerade die zunehmende Standardisierung der Textform, nebst ihrer thematischen Einschränkung, gibt auch mir zu denken.
    Aber Slam war nie als die „bessere“ Literatur gedacht, sondern als Persiflage auf den etablierten Literaturbetrieb. Mich befremdet stets aufs Neue, wenn „Außenstehende“ Slam daran zu messen scheinen, wie viele Bachman Preisträger er hervorbingt.
    Und ich will Ihnen auch nicht erzählen, dass es zwischen den Säuen auch reichlich Perlen zu entdecken gibt. Denn irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass Sie mir das einfach nicht glauben würden. Aber gestatten sie mir folgende Anmerkung.

    Das Schöne am Slam ist doch gerade, dass jeder sich auf die Bühne stellen darf. Oder sollte Literatur etwas elitäres sein, dessen Verständnis und Teilhabe nur einem kleinen Zirkel vorbehalten bleibt? Ich denke nicht.
    Natürlich bedeutet das, dass man viele halbgare, reißerische oder schlicht schlechte Texte zu hören bekommt. Aber wenn es ihnen nicht gefällt, dann klatschen sie eben nicht. Auch das ist ihr gutes Recht. Und vielleicht tröstet sie der Gedanke, dass sich ein schlechter Text nach einem Slam einfach verflüchtigt, anstatt in einer Zeitschrift verewigt zu werden.

    EDIT: Tatsächlich kenne auch ich ein paar Perlen der Slam-Poesie. Doch in dem Text, einem Gemeinschaftswerk, ging es darum, auch wahrzunehmende Probleme dieser „Szene“ (identitäres Getue, Oberflächlichkeit u.a., s.o.) aus hallischer Perspektive polemisch zu kritisieren, insbesondere den Text des Autoren Jesko in besagtem Blatt.

  3. 3 Gilges 09. Juni 2012 um 11:22 Uhr

    Lieber unbekannter Verfasser eines blogs,

    Ihre Rezension, Ihr hier blumenreicher naiver verspielter aneinanderreihender nicht zu Luft und zugleich leider auch nicht zu Wort kommender Text, erinnert mich an die ernste und überzeugte Schrift „Der Kulturinfarkt“, die ähnliche spuckende Tiefe und Struktur aufweist. Eine Schundschrift vor dem Herrn, von Autoren geschrieben, die bei Podiumsdiskussion vom Stuhl aufspringen und nach schräg vorn auf den Boden und nicht in die Augen der zu beleidigenden Person blickend „Nun halten Sie aber mal die Fresse!“ ausrufen, weil diese das Niveau der Schundschrift unbeirrt benennen. Deren Glück, dass sie sich kurz darauf errötend wieder hinsetzen und wenige Minuten leise sind. Sehr tragisch, das Buch zu schnell verfasst, zu hitzig geschrieben, unqualifiziert und mehr Fett als Fleisch. Ja, Ihr Rezensionsversuch ließ mich sehr stark daran erinnern.

    Ihre Rezension weist erhebliche Mängel auf und wirkt geradezu lächerlich. Genauer gesagt, es ist keine Rezension. Es ist eine Langeweile, die man dort zu lesen bekommt, dass man sich fragt, was man wohl in Halle sonst noch nicht machen kann. Ihre Art der Entrüstung ist unnütz und feige. Feige vor sich selbst. Und dazu ohne Namen. So wenig recherchiert zu Poetry Slam, DerJesko, und dem KZ (waren sie dort, in Ravensbrück?); so wenig Ahnung von Literatur und dem Schreiben, wie man in Ihrer Schrift liest. Schade.

    Paradoxerweise sowie leider aber dennoch amüsant ist, dass sich dieser Artikel liest wie ein Slamtext, dessen Verfasser anschließend respektvoll von der Bühne applaudiert wird. Dankeschön und vielleicht ja wieder, aber bitte nicht.

    Gerne und aus freundlicher Neugierde möchte ich Ihnen anbieten, sich Ende diesen Monats in Halle mit mir zu treffen. Dann bin ich dort. Lassen Sie uns über Zigeuner und Poetry Slam, lassen Sie uns über DerJesko reden. Es wird erfrischend; auf beiden Seiten.

    Gruß.
    Gilges
    Regisseurin, Produktionsleiterin
    Kulturpädagogin (Köln/Berlin)

    EDIT: Liebe Frau Gilges, die Sie sich, ganz typisch für erbärmliche bzw. mitleiderregende prekäre Existenzen des deutschen Kulturbetriebs, mit so tollen Attributen wie „Regisseurin, Produktionsleiterin, Kulturpädagogin“ schmücken müssen, weil sie zurecht glauben, sonst nehme sie dort niemand ernst, liebe Frau Gilges, uns geht es nur darum, was jemand sagt, oder schreibt, und was wir davon halten. Keine Notwendigkeit, mit Titeln oder Namen zu hantieren, nur die polemisch vorgetragene Kritik oder das polemisch vorgetragene Argument wollen wir hier hochladen, auf dass sich vielleicht jemand dadurch angegriffen fühlt, und dadurch zum Denken angeregt wird. Wer diese unsere „Schundtexte“ lesen will, kann es tun, aber es ist nur ein kleiner Blog, ohne weiteren Anspruch, auch ohne den Anspruch hier „Rezensionen“ (!) zu veröffentlichen, mit unserem Namen, um uns darauf vorzubereiten, später im Kulturbetrieb irgendeine Funktion zu erfüllen. Ihre selbstgewisse und für nicht wenige LeserInnen Ihres Kommentars sicherlich etwas peinliche Art, ihr joviales Gesprächsangebot – mir fehlen die Worte. Ach ja, ich war übrigens mehrmals in Ravensbrück, habe ich jetzt den „Ich war ja da“-Bonus? Worauf bezieht sich ihre Nachfrage? Zur Vorbeugung weiterer Peinlichkeiten sollten sie viell. auch nochmal bei Bernhard Strebel nachlesen.

    Eine Gurke

  4. 4 derJesko 13. Juni 2012 um 17:47 Uhr

    Niemand sagte, dass ich „die Kritik nicht verstehe“. Ich habe lediglich darauf reagiert, wie auch schon zu Anfang meiner Antwort erwähnt. Ich verstehe durchaus ein paar Punkte, ein paar weniger, und erläuterte das Zustandekommen Dritter. Kein Grund irgendwie ausfallend zu werden und Dinge durcheinander zu würfeln (wie ihr es offenbar so gerne macht, wenn dann plötzlich Bezug zum angeblich üblichen Studieren gezogen werden muss). Die Erwähnung, dass ich im KZ vor Ort gewesen bin, war keineswegs als Profilierung gedacht (wie von euch offenbar jedes Argument gerne verunglimpft wird) sondern nur als Hinweis, dass ich mir die Geschichte nicht aus den Fingern gezogen habe. Wie bereits gesagt, sollten Fakten falsch gewesen sein, tut es mir Leid. Ich bin der Meinung, diese fanden sich so auf den Informationstafeln im KZ. Sollte ich mich irren, so war das natürlich keineswegs absichtlich.
    Nun steht es euch natürlich selbstredend zu, meinen Text zu kritisieren. Es gibt aber einen Unterschied zwischen Kritik und Polemik. Und leider kann man Kritik oft nicht mehr allzu ernst nehmen, wenn sie derart polemisch ist, sich keiner der Verfasser traut, irgendwo mit seinem/ihrem Namen dafür einzustehen, und diverse andere Blogeinträge von euch oder eurem „Partnerprojekt“ BT nicht gerade auf reflektierte, fundiert-recherchierte Arbeitsweise hinweisen. Deshalb habe ich kein Problem damit, meine Texte in stilistischer, inhaltlicher oder recherchebezogener Form kritisieren zu lassen – sofern das von jemandem käme, der in diesen Hinsichten mit besserem Beispiel voranginge.

    Dass ihr übrigens euren Artikel teilweise korrigiert, ohne natürlich darauf hinzuweisen, dass ihr zuvor einen Fehler gemacht habt, spricht wenig für euch (macht die Bild auch gerne) – zuvor endete der Blogeintrag noch mit „die Lacher wird er sich damit wohl sicher haben“… was natürlich nicht nur offensichtlich falsch, sondern geradezu so pietätlos ist wie ihr es mir vorwerft zu sein. Das immerhin habt ihr nun geändert.

    EDIT: Mein Gutstester, kannst Du googlen und ein Buch ausleihen (und lesen)? Dann müsste aus „sollten Fakten falsch gewesen sein, tut es mir Leid“ schnell „es tut mir leid, dass Fakten falsch waren“ werden. Es geht aber gar nicht zuerst um die falschen Fakten, es geht um die von Leuten Deines Kalibers nicht bemerkte ekelerregende Perfidität, so einen Text zu produzieren, so das historische Grauen zu banalisieren, und dann auch noch rassistische Klischees unterster Schublade unterzubringen, ohne die Problematik davon (offensichtlich bis jetzt) wahrzunehmen. Was den Rest angeht, siehe mein Kommentar zu Gilges, das hier ist nur ein Blog, ohne den autistischen und selbstüberschätzenden Anspruch, den „Blogger“ haben, und wer das hier lesen will, kann es machen. Wenn drei, vier Leute an einem Text rumpfuschen, kann es passieren, dass der sich verändert, aber nur zum Guten. Was die BT angeht: Irre wie schnell Du rausbekommen hast, dass das „unser Partnerprojekt“ ist!

  5. 5 porzellankiste 14. Juni 2012 um 14:09 Uhr

    was habt ihr denn gegen ‚zu­ge­zo­ge­nen Ber­lin-​Mit­te-​Dan­dys‘?

  6. 6 Plastebecher 14. Juni 2012 um 17:02 Uhr
  7. 7 MC Gurke 14. Juni 2012 um 17:35 Uhr

    „Zum Dres­s­code ge­rei­chen­de „al­ter­na­ti­ve“ H&M-​Hu­ma­na-​Horn­bril­len-​Sty­les, die in ähn­li­cher Form vor ei­ni­gen Jah­ren bei zu­ge­zo­ge­nen Ber­lin-​Mit­te-​Dan­dys an­ge­sagt waren…“ Wird daraus ersichtlich, dass wir was gegen Dandys haben, abgesehen von ihrem Geschmack…?

    P.S.: Der ZEIT-Artikel ist zwar alt, aber deshalb tatsächlich nicht weniger lesenswert.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.