Konfliktpornographie

Ein Fotograf hat radikale Palästinenser zu einer Bilder-Session überredet. Das Ergebnis sind kunstvolle, verstörende Aufnahmen […], in denen die Männer Gegenstände aus ihrem täglichen Kampf präsentieren und Posen nachstellen. Ob mit der Steinschleuder im Anschlag, der Gasmaske zum Schutz gegen den Beschuss mit Tränengas oder gehüllt in die palästinensische Flagge – stets sind die Gesichter der Kämpfer verhüllt. Zusammen mit vielen anderen Palästinensern beteiligen sie sich am bewaffneten Kampf gegen Israel.

Äh…. Wie bitte? Schon die Sprache verspricht Schreckliches. Für seine bekannte Konfliktpornographie hat sich der SPIEGEL nun mal wieder ein paar Palästinenser ausgesucht, aber nicht irgendwelche Gesichter von Menschen, die unter korrupten Politikern, nationalistischen und islamistischen Organisationen oder Siedlern und Besatzung leiden, sondern, na klar, ausgerechnet militante „Kämpfer“, die „zusammen mit vielen anderen (?!) Palästinensern“ in einem „täglichen (!) Kampf“ stehen, bei dem sie Steinschleudern und Autoreifen mit sich herumtragen und sich Tüten über den Kopf ziehen. Das ganze dann total „kunstvoll“ fotografiert – schon ist der westliche Betrachter „verstört“ und hat Kribbeln im Bauch. So hat man Gewalt gegen Israel ästhetisiert, und noch dazu die realen Probleme und berechtigten Kämpfe von Leuten in den Palästinensischen Autonomiegebieten verdreht und verleugnet. Die große Mehrheit hat nämlich eigentlich seit längerem genug von Gewalt, was in den letzten Jahren eigentlich jedem halbwegs vernünftigen Menschen in der Region aufgefallen ist, von den selbsternannten Vertretern der „palästinensischen Sache“, der israelischen Rechtsregierung und deutschen Medien jedoch meistens verleugnet wird. Doch das ist den Deutschen offenen und verdeckten Israelhassern ja egal, deren politischer Arm sich verlogen „Palästinasolidarität“ nennt. Nun also zur Abwechslung mal eine „Bilder-Session“. Bravo, Spiegel!

In der Spiegel-Bildunterschrift wird aus „Volkswiderstand“ auf einmal „Ziviler Widerstand“…


Panne? Laut Spiegel ein typisches Bild aus dem „täglichen Kampf“ „vieler Palästinenser“