Beiträge von Simone

Zum fünfzigsten Jahrestag des Mauerbaus

Wer kann die Pyramiden überstrahlen?
Den Kreml, Sanssouci, Versailles, den Tower?
Von allen Schlössern, Burgen, Kathedralen
Der Erdenwunder schönstes war die Mauer.
Mit ihren schmucken Türmen, festen Toren.
Ich glaub, ich hab mein Herz an sie verloren.

aus: Das Vaterland von Peter Hacks

Gentrifizierung auf Hallisch

In der Stadt Halle gibt es in der südlichen Innenstadt das Glauchaviertel. Dieser galt jahrelang als Problemviertel, so dass sich die Stadtverwaltung entschied, das Viertel aufzuwerten. Daran beteiligt sich seit 2009 maßgeblich auch der studentische Verein Postkult mit Zwischennutzungen leerstehender Häuser und anderen „kreativen“ Projekten.1 Mittlerweile sind offenbar einige Erfolge zu verzeichnen und Postkult resümiert etwas wehmütig:

Ereignissreiche Jahre liegen nun hinter uns. Glaucha hat sein Gesicht stark gewandelt eine Vielzahl der leerstehenden Häuser werden inzwischen saniert oder haben eine Perspektive. Für uns ist dies freilich nicht nur ein Grund zur Freude, denn seit dem sich der soviel beschriebene Trendwende vollzieht, werden die Räume für außergewöhnliche Zwischennutzungen und Projekte enger.

Dass man aber auch nach wie vor „außergewöhnliche Projekte“ durchziehen kann, beweist ApoMC und zeigt gleichzeitig, dass sich nicht wenige Viertelbewohner wenig um „studentisches Engagement“ u. ä. kümmern:2

  1. Ein Selbstdarstellungsvideo von Postklut findet sich hier: http://www.youtube.com/watch?v=LJtpU-RE8a8 [zurück]
  2. Dass ApoMC ein sexistisches, machistisches und homophobes Arschloch ist, ändert nichts daran, dass Kritik zu üben ist an Projekten wie Postkult, die sich paternalistisch und ungefragt um die „Aufwertung“ irgendwelcher „Problemviertel“ kümmern. [zurück]

Designte Gedankengänge

Addicted to Love
In der Hallischen Galerie „Die Schöne Stadt“ findet vom 12. bis zum 27. August eine Designausstellung unter dem Titel „Addicted to Love“ statt, für deren Besuch mit einem Flyer geworben wird.
Der dort abgedruckte Ankündigungstext beginnt unmittelbar mit einer (nicht nur sprachlich) sehr gewagten Behauptung: (mehr…)

Menschenverachtung statt Gesellschaftskritik – die Bonjour tristesse #12 ist erschienen

Tja. Die widerlichen Flotillafans, alle möglichen deutschen Linken, Rechten und Mittige sind zwanghaft auf den Israel-Palästina-Konflikt fokussiert. Egal was wo passiert, und wie beschissen es Menschen auf der ganzen Welt geht, müssen sie über die bösen Israelis und die armen Palästinenser in schönstem Schwarzweiß aufklären. Solitum mit einem konstruierten Opferkollektiv ist ihr Hobby.
Doch ein fast identisches Hobby treibt gewisse post-Antideutsche wie den Autoren dieser Zeilen und seine Gesinnungsgenossen um. Zwanghaft sind sie auf den Nahostkonflikt fokussiert, zwanghaft müssen sie sich positionieren, und genau das Gegenteil des Schwachsinns der ersten Spinner erzählen. Das das Gegenteil von Scheiße meist Scheiße ist, wird dem Betrachter auch hier schmerzlich bewusst.
Sich in dieser ach so humorigen Glosse auf erbärmlichstem Kalauer-Niveau über Millionen Menschen lustig zu machen, die seit Jahrzehnten im Krieg leben, die von einem brutalen Islamisten-Regime beherrscht werden, aufgrund eines asymmetrischen Krieges auch zu Opfern von Kampfhandlungen werden, wenn sie an diesen nicht beteiligt sind, die Hilfsleistungen nicht zuerst aus Spaß beziehen, die jederzeit verhaftet, ermordet, von fehlgeleiteten Raketen von Terroristen getroffen, von Militäraktionen gegen diese Terroristen betroffen sein können – sich darüber lustig zu machen und daran aufzugeilen, das ist menschenverachtender Zynismus.
Sich in solcher Form an der schlicht und einfach nicht lebenswerten Situation der meisten Bewohner des Gazastreifens (an dieser ändern auch ein paar gefüllte (Super)märkte für die Oberschicht nichts) zu ergötzen, nur weil diese kollektiv und pauschal von Springer-, taz-, Linke-Antisemiten zu bemitleidenswerten Opfern stilisiert werden, ist widerlich, und ein letzter Beweis des erbärmlichen Charakterverfalls und Aufklärungsverrats all derjenigen „Antideutschen“, die bei sowas herzhaft lachen können. Individuum, Menschenrechte? Scheiß drauf, wenn es um „die Palästinenser“ (aka „Volksgemeinschaft“) geht. Das vom politischen Gegner konstruierte Kollektiv nicht auseinandernehmen und differenziert betrachten, nein, einfach den Spieß einmal komplett umdrehen, ebenfalls alle Einzelnen dem Kollektiv zuordnen, und dann die breite Palette von coolem „IDF in Ramallah….“ und geilem Checkpoint-Watching im notorischen Israelurlaub (von Euch fashion-IDF-Shirt-Trägern muss ja auch keiner in den besetzten Gebieten jahrelang sein Leben riskieren) bis zum Enthumanisieren von Palästinensern. Man, seid Ihr zum Kotzen.

Mit diesem Kommentar des Lesers „opfer von allem“ ist zum Artikel „Gaza hautnah“, der sich in der neuen Ausgabe der Bonjour tristesse findet und in dem Jörg Folta mit Hilfe einer Gleichsetzung von Ossis mit den Bewohnern des Gaza-Streifens so etwas wie eine Satire zu fabrizieren versucht, eigentlich schon alles gesagt. (mehr…)

Simones Florilegium I

Dann ärgerte sich [Bundespräsident] Wulff im ZDF-“Sommerinterview“ publikumswirksam über die Macht der Ratingagenturen: „Er habe bisher nicht gelesen, daß eine Ratingagentur für irgendeine Fehleinschätzung in der Bewertung einer Firma oder einer Bank gehaftet habe … Haftung und Verantwortung müßten miteinander ein Paar bilden“ – dies freilich der frömmste aller Wünsche, der frühestens dann Realität werden dürfte, wenn Wulff in einem Revolutionsgefängnis sitzt.

Stefan Gärtner, Integration total oder: Die Kunst der Fugenlosigkeit. Ein Jahr Bundespräsiten Wulff, ausgewogen analysiert, in: Titanic 8 /2011, S. 16.

Bambi tranchiert

Bambi als Wurst
Hartmut Kiewert, Schlachtplatte XIV, 2011, Öl/Lwd., 16 × 24 cm

Ob größtmögliche Drastik das Publikum zu einem reflektierten Umgang mit dem Mensch-Tier-Verhältnis bewegt – diese Frage drängt sich bei der Betrachtung der Gemälde des veganen Künstlers Hartmut Kiewert auf. Ich bin jedenfalls nicht der Ansicht, dass Fleisch-Pornos etwas zur Gesellschaftskritik beitragen.

Die Königinnen der Universität Halle

Nach all der Aufregung um Jena soll es nun wieder etwas heiterer zugehen. Wir greifen die Idee eines besseren Blogs aus der thüringischen Metropole auf und wollen nun die Königinnen der Martin-Luther-Universität vorstellen. (mehr…)

Arabischer Nationalismus, Islam und die Auslandspropaganda der Nationalsozialisten

Wir empfehlen einen Vortrag von Vera Henßler (Berlin) mit einer Einführung von Hannes Bode (Halle)

Mittwoch, 29.06.2011 – 18.30
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges herrschte bei den für die Auslandspropaganda zuständigen NS-Ämtern bezüglich einer Propaganda in die „arabische Welt“ starke Zurückhaltung. Grund dafür war die nationalsozialistische Außen- bzw. Bündnispolitik, so stand z.B. die enge Verbindung mit der Kolonialmacht Italien einer Einbindung nationalistischer und gegen die Kolonialmächte gerichteter Bewegungen im Nahen Ostens entgegen. (mehr…)

Sternstunden antideutscher Kritik I – Justus gegen Stephanie

Die (post)antideutsche Bewegung ist ganz unten angekommen. Nachdem sich manche ihrer Protagonisten in Sachen „Islam-Kritik“ mehr als genug lächerlich gemacht haben, hat sich eine Gruppe von Bahamas-Kindergroupies aus Jena einen scheinbar angemesseneren Gegner ausgesucht: S. B., Vorstandsmitglied des Studierendenrates der Universität Jena. (mehr…)

Sternstunden antifaschistischer Kritik III – Antifa Task Force Jena

Im Osten Thüringens gibt es ein Tal, in dem sich Mandy und Maik gute Nacht sagen. Hier befindet sich die Stadt Jena. Und wie es sich für ein ostzonales Kaff gehört, gibt es neben Netto-Konsum und Plattenbau eine Antifa – die Antifa Task Force Jena. Aber einfach nur Nazis aufs Maul zu hauen, ist den Boys und Girls zu wenig. So versucht man sich an der Kritik reaktionärer Tendenzen in der örtlichen Linken. Schön und gut. (mehr…)