Beiträge von Zonengabi

Kabarettist Georg Schramm gegen „Spekulanten“ und „Zinswucher“

[Das aktuellste zu Schramm HIER]

Nicht erst Verschwörungstheoretikerinnen und Rechtspopulisten nutzten die Protestbewegungen der letzten Monate, um ihre „Analysen“, Ideologien und Ressentiments (um nicht zu sagen Hass) kundzutun.
Auch der bekannte Kabarettist Georg Schramm brachte in seiner Lieblingsrolle sein Unbehagen gegen „Zinswucher“ und „Spekulanten“ vor einer jubelnden Menge zum Ausdruck. So fiel er bereits im März diesen Jahres durch eine Hetzrede vor tausenden „Wutbürgern“ im Rahmen der Stuttgart 21-Proteste auf, in der er seine tiefgründigen gesellschaftlichen Analysen durch ein ebenso tiefgründiges Geschichtswissen darlegte. So solle der Volkswille doch den Bänkern wieder zu dem „Ansehen“ verhelfen,

als man sie noch Geldverleiher nannte, als es noch ein dreckiges Handwerk war, das ein ehrbarer Christ [!] gar nicht ausüben wollte […]

…und die Ackermänner und Co. noch den Dienstboteneingang der „Herrschenden“ nehmen mussten. Die Anspielung ist eindeutig und auch wenn er es sich nicht auszusprechen getraut, so deutet er letztlich doch auf die (im Mittelalter von den Herrschern zum Geldverleih u.ä. gezwungenen) Juden und ihre „Rolle“ in der sogenannten Zirkulationssphäre. Amalgamiert mit seiner Hetze gegen „Bänker“, „Geldverleiher“, „Spekulanten“ und seiner Faszination für den geschlossenen Volkswillen, der diesen „Herrschenden“ entgegentritt, wird das Ganze zu einem ziemlich gruseligen Gemisch; noch dazu wenn tausende „Wutbürger“ dies kräftig beklatschen. Schramm weiß eben dem Volk aufs Maul zu schauen und nach dem Mund zu reden. Warum derartige Tiraden, die nichtmal mehr als verkürzte Kapitalismuskritik bezeichnet werden können, schlicht falsch und regressiv sind, wird hier kurz und knapp erklärt, oder ausführlicher hier, oder hier und noch öfter.

Besagtes findet sich in folgendem Video ab 4:40 bzw. 5:40

Nun durfte Schramm auf den Veranstaltungen der Occupy-Bewegung nicht fehlen. Warum auch, wo man sich inhaltlich doch so nahe steht. Der Kabarettist, der häufig in den öffentlich-rechtlichen Medien zu sehen und zu hören ist, hielt auf einer der großen Occupy-Kundgebungen in Frankfurt am Main eine ähnliche Rede wie im März in Stuttgart. Zwar ersetzte er den „ehrbaren Christen“ durch „ehrbaren Menschen“ und umging so die zuvor recht eindeutige Dichotomie, wusste aber, umjubelt von den 8000 „Kapitalismuskritikern/innen“, zu berichten, dass bis zu Beginn des Mittelalters alle Weltreligionen den „Zinswucher“ als die größte Sünde bezeichneten. Erst mit der Gründung katholischer Banken seien die Hintermänner dieses Zinswuchers, indem sie den Königen den Wahlkampf finanzierten [sic!] und als Pfand das Monopol auf die Silberprägung verlangten, an Macht und Ehre gekommen. (mehr…)

99% gegen ‘Bankster’ und Finanzkapital?

Über die fragwürdigen Hintergründe der „Occupy-Bewegung“ & den Unterschied zwischen Ressentiment und Kapitalismuskritik

Mi, 23.11.11 I 18.30 I Melanchthonianum, Uniplatz

Die Occupy-Bewegung ist in aller Munde. Nachdem zehntausende Demonstrant_innen am 15. Oktober 2011 überall in Deutschland auf die Straße gingen, wurden Plätze besetzt, öffentliche Versammlungen abgehalten oder gemeinsam gezeltet. „Wir sind die 99 Prozent“, hieß es selbstbewusst, nicht nur in Frankfurt und Berlin.

Die Occupy-Bewegung richtet sich gegen das eine Prozent, also gegen eine angenommene kleine Minderheit, die für alles Übel der kapitalistischen Gesellschaft verantwortlich gemacht wird – ein Übel, dass sie in dem Begriff des „Finanzkapitals“ beschrieben sehen. In Polittalkshows wie Maybrit Illner kommen die Wortführer der Bewegung zu Wort, um sich als idealistische und demokratische Avantgarde zu inszenieren. Spiegel, TAZ oder BILD-Zeitung erfreuen sich an den neuen Protesten gegen die „Bankster“. Unterstützung kommt auch von Gregor Gysi und von Konstantin Wecker. Er schrieb einen ganzen Song, der ein weiteres Motto der Bewegung aufgreift: „Empört Euch!“ (mehr…)

Fetenhits I

(Man muss vorklicken auf 0:42)

Sternstunden antideutscher Kritik II – Justus gegen Stephanie

Da glaubte man, der Bodensatz in der Auseinandersetzung um Justus Wertmüller in Jena sei erreicht, da wird man dank der Kartoffelbauern eines Besseren belehrt.
Im Grunde geht es darum: Frank, Mandy und Klaus luden den Justus zu einem Vortrag ein. Aber die Stephanie, die Carola und der Marcel wollten nicht mitspielen und verweigerten Frank, Mandy und Klaus die Finanzmittel. Da suchten die sich andere Möglichkeiten und schließlich waren doch eine Menge Leute zum Zuhören von Justus‘ Ergüssen anwesend. Trotzdessen waren Frank, Mandy und Klaus mächtig böse mit den drei Stura-Genossen und wollten den Justus gleich nochmal einladen, damit der erzählt, wie doof Stephanie, Carola und Marcel doch sind. Die aber, wohl doch nicht so doof, dafür umso bezeichnender in ihrem linksdeutschen Gemüt, ließen sich voll die fiesen Tricks einfallen, dass der Justus nicht noch mal wiederkommen konnte. Soweit, so bekannt. (mehr…)

Der „Orientale“ hat Schuld…

Kaum verbreitet sich die Panik wegen des EHEC-Erregers und die Vermutungen, dass verunreinigtes Gemüse die Ursache sein könnte, schon treiben die schönsten rassistischen „Theorien“ in den Kommentarspalten der Online-Nachrichtenblätter darüber aus. Den sich mir nicht erklärlichen Hinweisen auf „Hosenzwang“ folgend stieß ich auf einen Artikel aus dem Kopp-Verlag, der mich „aufklärte“. Der Kopp-Verlag ist ein kruder Verein für Verschwörungstheoretiker und Anhänger diverser Pseudowissenschaften, in dem sich so illustre Gestalten wie Verschwörungstheoretiker und Antisemit Gerhard Wisnewski, Eva Herman, die nun nur noch in den Kopp-Nachrichten auftreten darf, und auch Jürgen Elsässer tummeln.
Der Autor des besagten Artikels Udo Ulfkotte weiß, dass „bestimmte Migranten“, Ulfkotte nennt sie auch „die Orientalen“, völlig andere Vorstellungen von Hygiene haben und weil in Deutschland im Gegensatz zu Österreich auf den Feldern noch kein Hosenzwang herrscht, scheißen uns vornehmlich Erntehelferinnen aus dem „Orient“ auf den Feldern in die Erdbeeren, auf Gurken und Salate. Der studierte Rechts- und Politikwissenschaftler Ulfkotte, früherer Mitarbeiter der FAZ, nennt das allen Ernstes den Fäkalien-Dschihad. Bestimmt ist es das, denn Ulfkotte weiß ganz genau, dass Muslimen durch den Koran die Anwendung von Desinfektionsmitteln verboten ist. Und so kann er auch einen Zusammenhang herstellen zwischen der angeblich unterm Rock auf dem Feld ihr Geschäft verichtenden „orientalischen“ Saisonarbeiterin und dem „Fäkalien-Dschihad“ der Guantanamo-Häftlinge (siehe Artikel).
Verrückter gehts immer; der EHEC-Erreger – ein weiter Sieg für die „Islamisierung des Abendlandes“. Dass Gestalten wie Ulfkotte im deutschen Feulliton anerkannt sind, ist wohl sehr bezeichnend.

Das Problem der Dialektik – Einführung in die Kritische Theorie Adornos

Mit Stefan Müller

Die ältere Kritische Theorie, namentlich Adorno, gilt als schwierig, bürgerlich, kulturbeflissen, zuweilen auch als veraltet. Ähnlich verhält es sich mit der Dialektik. Adornos Projekt einer Negativen Dialektik macht es einem daher nicht leicht. Bereits ein grober Überblick genügt, um festzustellen, dass verbindliche Angaben darüber, womit und worauf, wogegen und wofür sich Dialektik richtet, kaum aufzufinden sind.
Im Vortrag wird von anderen Voraussetzungen ausgegangen. Grundlegende Probleme einer rationalen Dialektik im Anschluss an Adorno, allen voran der Begriff des Widerspruchs und der Vermittlung, sollen dargestellt und diskutiert werden. Im Verhältnis von Autonomie und Heteronomie erweist sich die repressive Bestimmung eines ‚universellen Verblendungszusammenhangs’ (Adorno); der emanzipatorische Horizont öffnet sich im Blick auf die ‚versöhnte Gesellschaft’ (Adorno).

Stefan Müller, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Lehrerbildung, Schul- und Unterrichtsforschung an der Goethe-Universität Frankfurt.
Letzte Veröffentlichung: Stefan Müller (Hg.): Probleme der Dialektik heute. Frankfurter Beiträge zur Soziologie und Sozialpsychologie, Wiesbaden, 2009.

Vortrag am Mittwoch, 24.11.2010 um 18.30 Uhr Medienraum im Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Heuchelei vom Feinsten

Auswärtiges Amt
Joschka Fischer entsetzt über NS-Bericht

Wie dumm ist das bitte? Als ob man das nicht vorher bereits wusste.
Na ja der Weizsäcker darf ja auch immer wieder im Spiegel von seinem tollen Vater, dem Widerstandskämpfer, schwadronieren.

Der Kaffee muss bitter sein, bitter wie das Leben.

Simone

„Die Bombe und das Erinnern“

Ich möchte auf einen, wie ich finde, sehr gelungenen Text von Nichtidentisches, welcher über die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im Kontext von Holocaust, japanischen Kriegsverbrechen und das Erinnern reflektiert, hinweisen.

Als die deutschen Heimatvertriebenenorganisationen das 60-jährige Jubiläum ihrer Charta feierten, sagte Ralph Giordano, die Vertreibung würde in der Charta so dargestellt, als habe sie in einem „historischen Vakuum“ stattgefunden. Dieser Begriff „historisches Vakuum“ trifft jenen verbreiteten Gestus des Erinnerns recht gut, der Kriegsereignisse aus den historischen Ereignissen isoliert und dadurch Schuldfragen und Ursachensuche im besten Falle neutralisiert, im gewöhnlichen verschiebt und verbiegt.

Ein solches Verhältnis prägt auch das Erinnern an die Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki. Im nachträglichen Entsetzen über das genozidale Potential dieser Waffe wurde schon jenes Entsetzen über die mit primitivsten Waffen (Hunger, Schläge, Krankheiten, Gas) durchgeführten Massenmorde des Holocaust eher getilgt als erinnert. Die in den folgenden 50 Jahren stattfindenden 2 000 Atomwaffentests (davon ca. 622 oberirdisch) und der Anstieg des weltweiten Arsenals auf möglicherweise 70 000 Atomsprengköpfe sorgten für zusätzliche und trotz ihrer Assoziation mit einer gewissen paranoischen Struktur sehr gerechtfertigte Bedrohungsängste, die mit dazu beitrugen, das Grauen des zweiten Weltkrieges in der amerikanischen und europäischen Wahrnehmung verblassen zu lassen. Die Opfer eines perhorreszierten „nuklearen Holocaust“ waren nunmehr „wir alle“ und dieser globale Genozid hatte bereits begonnen: in Hiroshima und Nagasaki.

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Radiohinweis: Wutpilger Streifzüge

Wutpilger Streifzüge. Fragmente aus Politik und Kultur ist eine kleine Radiosendung, die einmal im Monat auf Radio Lotte in Weimar (und in Kürze auch bei Radio Corax in Halle) gesendet wird, auf die ich hier in Zukunft regelmäßig hinweisen werde:

Wutpilger Streifzüge # 8 wird am Sonntag den 15. August um 22:00 Uhr gesendet – auf 106,6 Mhz oder per Livestream auf der Homepage von Radio Lotte. In dieser Sendung werden, ausgehend von Walter Benjamins Baudelaire-Buch, die Figuren des Dandys und des Flaneurs als Sozialfiguren der frühen Großstädte vorgestellt werden – mit Ausschweifungen zu analogen Überlegungen von Georg Simmel, Sartre, Magnus Klaue u.a.

via Ärgernis