Archiv der Kategorie 'Antisemitismus'

Holocaust-Keule der Woche

Der nächste Bestseller kommt in die deutschen Buchläden, um endlich mal zu schreiben, was (sicherlich aufgrund des Einflusses „gewisser Kreise“) sich bisher keiner zu sagen traute. Die Befürworter von Euro und gemeinsamen Staatsanleihen sind „getrieben von jenem sehr deutschen Reflex, wonach die Buße für Holocaust und Weltkrieg erst endgültig getan ist, wenn wir alle unsere Belange, auch unser Geld, in europäische Hände gelegt haben“. Wie bitte? Was für ein debiler Scheiß. Aber Künast und Gabriel stehen schon bereit – Ring frei für den nächsten inszenierten „Skandal“, dessen Gewinner wie immer der Kontostand Sarrazins und die Dummheit sein werden.

P.S.:

Dabei profitierte die deutsche Wirtschaft bislang sogar von der Krise. Kurzfristig, weil die Zinsen für deutsche Staatsanleihen mittlerweile auf ein historisches Tief gefallen sind und nun sogar unter der Inflationsrate liegen. Langfristig, weil der Euro-Raum für die deutsche Exportwirtschaft die Basis für eine Geschichte rasanten Erfolgs lieferte. Seit Einführung der gemeinsamen Währung summierten sich die Überschüsse in der deutschen Leistungsbilanz nach Angaben der Bundesbank auf 750 Milliarden Euro. Entsprechend hoch fielen die Defizite der Schuldnerländer aus. Mit diesem ungleichen System schienen dennoch alle Beteiligten lange Zeit gut leben zu können. Denn durch den Euro konnten vor allem die südlichen EU-Staaten billige Kredite aufnehmen, während die deutschen Unternehmen von der steigenden Nachfrage profitierten.

Gedicht und Reaktion

Wenn eigentlich deutlich wird, dass alles noch viel schlimmer ist, als die Kritiker von Schuldabwehr und Antisemitismus immer dachten, wenn deutlich wird, dass selbst deutsche Intellektuelle, nein, intellektuelle Deutsche wie Jakob Augstein offen die Sicherheit des Staates Israels als Staat, sein Existenzrecht in Frage stellen, wenn alle sehen, dass das Tabu, Israel zu kritisieren, nicht existiert, dann wird seine Existenz nur um so wütender behauptet.

Sie bezeichnen eine Zäsur. Es ist dieser eine Satz, hinter den wir künftig nicht mehr zurückkommen: „Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden.“ Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst. Weil er richtig ist. […] Es muss uns nämlich endlich einer aus dem Schatten der Worte Angela Merkels holen, die sie im Jahr 2008 in Jerusalem gesprochen hat. Sie sagte damals, die Sicherheit Israels gehöre zur deutschen „Staatsräson“. Und damit es keine Missverständnisse gebe, fügte sie hinzu: „Wenn das so ist, dann dürfen das in der Stunde der Bewährung keine leeren Worte bleiben.“ Helmut Schmidt hat dazu gesagt, für Israels Sicherheit mitverantwortlich zu sein, sei eine „gefühlsmäßig verständliche, aber törichte Auffassung, die sehr ernsthafte Konsequenzen haben könnte.
Jakob Augstein, Spon

Bei der ganzen Scheiße bleibt eigentlich nur eine Reaktion wie sie Torsun wählte:

Sag was machen denn nur diese Leute
aus der Waffen-SS eigentlich heute
Sie gehn per Gedicht
mit Israel ins Gericht
Allen Deutschen ja stehts eine Freude

Früher hieß der Befehl Juden Vernichten
Heut versucht es der Grass mit Gedichten
Produziert er Content
nach dem Trend in Moment
Leider hatte Grass nie einen Lichten

doch ist er nur verwirrt? what a mess
Nein es ist nicht Demenz oder Stress
Er schreibt diesen Stuss
durchaus bewusst
Nicht Grundlos war er bei der SS

Eine Frage stellt sich irgendwann
Was tun mit dem dummen alten Mann?
Ich stell sie mir voll Hass
auf den Alt-Nazi Grass
Mit nem Knieschuss ists hier nicht getan

Einen Schuss forderte alter Tor ich?
Eine Kugel ins Hirn? metaphorisch?
Hör den Aufschrei “ STOP HALT!“
Du rufst auf zur Gewalt
Doch ich schoss auf ihn hier nur rhetorisch

BÄM! Grass halt´s Maul!

Stillleben: Grass & Mülltonne

Wenn einer in schlechtem Stil wirren Blödsinn schreibt, der es dann auf den Titel der renommiertesten deutschen Tageszeitung schafft, wenn einer Tabus bricht, die nicht existieren, und sich als Opfer eines Medienkartells geriert, obwohl er dessen Protege ist, wenn die Massen ihn schließlich dafür lieben – dann ist die Rede eigentlich immer von einem abgehalfterten deutschen Literaten (Walser, Grass etc.) und a) Israel, b) Palästina, c) beidem, d) Schuld und Schlussstrich, e) a, b & d.
Insofern ist zu dem absurden, grenzdebilen und dummdreisten Dreck, den dann eben dieses Mal Günter Grass in seinem „Gedicht“ verzapft hat, nichts weiter zu sagen.1 [Der beste Kommentar fand sich im Tagesspiegel] Man kann allerdings bemerken, dass diese Situationen für Arschlöcher wie Grass win-win-Situationen sind. Überall wurde und wird ihm ein Podium geboten, ob im Guten oder im Schlechten, er kann in schlechtem Stil wirren Blödsinn schreiben, schafft es damit auf den Titel der renommiertesten deutschen Tageszeitung, kann Tabus brechen, die nicht existieren, und sich als Opfer eines Medienkartells gerieren, obwohl er dessen Protege ist. Was für ein Kreislauf: Weil er Grass ist, wird der Dreck, der zudem viele Bedürfnisse befriedigt und sich gut verkauft, eben gedruckt. Weil der Dreck so sehr stinkt, und ihn alle Menschen mit Restvernunft kritisieren müssen, erscheint er daraufhin tatsächlich als Tabubrecher und Opfer des „Medienkartells“. Was für eine perfide, von den Medien (aka Kulturindustrie) mitverantwortete Show. Die Massen lieben Grass dafür, und wie Walser badet er in der Masse der wohlwollenden und lobenden Zuschriften „der einfachen Leute“. Genug geärgert. Ich ende mit dem Stillleben „Grass & Mülltonne“ und einer debilen Zugabe.
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Walser und der Stinkefinger

Per mail ging mir heute Nacht ein kurzer Bericht über eine Störaktion während einer Lesung anlässlich der Buchmesse an der Uni Halle zu. Zwischen 20 und 30 Studierende versuchten demzufolge am Freitag Abend, mit einem Transparent und Flugblättern ihren Unmut über die Einladung des – wie es im Flugblatttext heißt – „präsenilen“ Walser auszudrücken, dessen antisemitische Denkmuster spätestens seit dem Skandal um „Tod eines Kritikers“ allen bekannt sein müssten. Den Text des Flugblattes will ich niemandem vorenthalten, er folgt unten. Zuvor will ich allerdings noch die Reaktionen von Gästen erwähnen. Nach Aussagen einer Störerin reagierten einige Walser-Fans empört auf die Kritik an ihrem Idol und seinem und ihrem sekundären Antisemitismus, der sich vor allem in der konsequenten Täter-Opfer-Umkehr oder -Gleichsetzung ausdrückt. So kam es zu Beleidigungen, ein anwesender Bildungsbürger zeigte den Stinkefinger, einer der Verantwortlichen soll in Bezug auf das Transparent („..dass Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe“) mit dem zynischen Ausspruch „Was wollt ihr denn, ihr wart doch damals gar nicht dabei!“ reagiert haben. Relativ gewaltsam sollen alle dann rausgedrängt (bzw. eher rausgeschubst?) worden sein, wird berichtet. Folgendes uns mit der mail zugesendete Foto ist zu köstlich, um es nicht zu posten (insg.: danke für die mail, P.!):

Hier noch ein Bild von der „MZ“-Seite:

Und hier der Text:

Martin Walser – Schuldabwehr und Antisemitismus, literarisch verbrämt und enttabuisiert für den „gebildeten“ deutschen Bürger (mehr…)

Merkel und die Rummelnazis

In der aktuellen TITANIC 03/12 finden sich in der Fotostory zwei Fotos, die Merkel in den 1990er Jahren mit zwei Nazi-Skinheads zeigen. Leider ist mir nicht bekannt, in welchem Zusammenhang diese Bilder entstanden sind.
Auf dem Ost-Blog finden sich jedoch einige ähnliche Bilder, die 1993 entstanden und zu denen es dort heißt:

Wenige Monate nachdem der 23-jährige Thorsten Lamprecht 1992 bei einem Überfall von etwa 60 Skinheads auf eine Punk-Fete in dem Magdeburger Lokal „Elbterrassen“ mit einem Baseballschläger ermordet wurde, besuchten Anfang 1993 die Ministerinnen Angela Merkel und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger einen Magdeburger Jugendclub. Dieser Jugendklub wurde damals von den lokalen antifaschistischen Gruppen als Nazi-Treffpunkt eingestuft. Unter den Jugendlichen vermuteten sie auch Beteiligte des Skinhead-Überfalls.

Wir dokumentieren hier diese interessanten und heute durchaus skurril wirkenden Aufnahmen:
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Die Linke will den, der zu ihr passt

Der Jugendverband der Partei „Die Linke“, solid, hat als „linken“ Präsidentschaftskandidaten Georg Schramm vorgeschlagen und zur Bekräftigung ihres Vorschlags eine Petition gestartet. Oskar Lafointaine nannte den Vorschlag interessant. Auch aus der Piratenpartei wird Schramm favorisiert. Dieser, so hieß es bei solid, sei „seit Jahren für seine scharfzüngige Kritik am kapitalistischen Wirtschaftssystem bekannt“.
Endlich sind sie ehrlich. Ihr politisches Niveau, ihre Analyse und ihre Kritik sind ja eigentlich schon länger auf Kabarett-Niveau. Mit flapsigen, an der Oberfläche verharrenden und personalisierten Vorwürfen gegen bekannte Politiker, Bonzen oder ab und an „die Medien“ redet man den Stammtischen, auch den vermeintlich gebildeten mit ZEIT-Abo, nach dem Maul. In bestem NS-Jargon spricht man von „Ungeziefer“, „Geschmeiß“ und „Gesindel“. (Ja Leute, auch wenn es gegen „die Reichen“ geht, ist es reaktionär und menschenverachtend.) Man fordert Selbstmordanschläge auf „Orgien der Dekadenz“, auf Treffen von „den Reichen“. Wie bitte? Das macht ihr LINKEn, ihr Piraten gar nicht? Soweit würdet ihr nicht gehen? Ihr seid nur ein wenig mit Galgen-Bildern auf den Occupy-Demos mitgelatscht, quasi nur als Bürger, die mitreden, um unseren konservativen Gesinnungs-Gauck zu zitieren? Bloß gut, dass es Schramm gibt, und ihr diesem „Tabu-Brecher“ die Drecksarbeit überlassen könnt.

Georg Schramm hat das nämlich alles im Namen des Kabarett bereits getan, das BRD-Volk klatschte, Sozialneid und Unzufriedenheit konnten auf gewohnte Bahnen geleitet und mit den gewohnten Ventilen abgeleitet werde, und am Ende fühlen sich alle kritisch, aber den Kapitalismus hatte keiner kritisiert. Dafür haben wir Menschen ihr Menschsein abgesprochen, aufgrund kollekiver Zuschreibungen, haben Terroranschläge und Mord an Menschen gerechtfertigt und als „wohltätig“ bezeichnet, und das alles im Namen des „Zorns“, des Wutbürgers, der in Deutschland traditionell Sozialdarwinist, Rassist und Antisemit ist, und genauso über Türkenwitze oder dumme Hartz 4-Empfänger lachen würde, wobei Hartz 4-Empfänger wahrscheinlich auch über die Aufforderung zum Mord an Reichen wohlig lachen können, ohne den realen Hintergrund ihrer Misere zu verstehen. So wird Kabarett nicht zum Stachel in den Verhältnissen, sondern zu ihrem stabilisierenden Kitt.
Politik im Namen des Zorns, mit Parolen, die aus den Wohnzimmern und Stammkneipen der deutschen Ottonormalbürger entnommen sind, das ist reaktionäre Politik, auf Ressentiment aufbauende Politik, Politik, die in Deutschland schon öfters ins Pogrom geführt hat. Das gilt umsomehr, wenn man einen Antisemiten wie Georg Schramm zum Wortführer erklärt. Schramm, der schonmal fordert, dass der Volks­wil­le den Bän­kern wie­der zu dem „An­se­hen“ ver­hilft, dass sie hatten „als man sie noch Geld­ver­lei­her nann­te, als es noch ein dre­cki­ges Hand­werk war, das ein ehr­ba­rer Christ [!] gar nicht aus­üben woll­te“.

Edit 23.02.2011: Ergänzung via Schlamassel Muc

Rehabilitation alter Kampfbegriffe
Totgeglaubter Nazijargon wie „Zinsknechtschaft“ (Minute 0:40) und „Hochfinanz“ (Minute 15:10) geht Schramm leicht über seine preußischen Generalslippen, findet mittels vermeintlicher Satire somit wieder Eingang in Fernsehzimmer, Massenveranstaltungen und Tischgespräche. Dass Schramm – wenn nicht gar ein Anhänger von Gottfried Feder („Deutscher Kampfbund zur Brechung der Zinsknechtschaft“) – mindestens ein Anhänger der wahnsinnigen gesellschen Freiwirtschaftslehre ist, gab er bereits kund. Kürzlich stiftete der vielgerühmte Klartext-Redner den schweizer Verschwörungsopfern von „We are change“ ein Interview und weissagte angebliche Pläne der „Orthodoxen“ und der „militanten Siedler“ und des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu überhaupt. Sie kommen gut voran, die „Falken auf beiden Seiten“, deren „erklärtes Ziel“ Armageddon sei, die letzte Schlacht in Jerusalem, so Schramm. In einer vergangenen Sendung tönte er noch ganz anders, da bewegte sich sein ebenfalls halluzinierter Masterplan für den Nahen Osten noch einzig im Kontext des „Endkampfes um das eurasische [Öl]Becken.“ Keine Phantasie scheint zu abwegig, um das Offensichtliche umzulügen. In selbiger Sendung wiederholte Schramm auch die fäkal reproduzierte Falschmeldung der Politsekte „Arbeiterfotographie“, wonach die Vernichtungsdrohungen Ahmadineschads in Richtung Israel nur Übersetzungsfehler seien (Minute 1:00).

Die Angreifer sitzen in Jerusalem und Manhattan
Mitverantwortliche des Weltuntergangs sitzen also in Jerusalem, aber wie man weiß, sind die Feinde der kleinbürgerlichen Freiheit nicht nur dort, sondern seit jeher global – vor allem in den USA, konkret in New York – unterwegs . Und deshalb verortet auch Schrammchen, der ohne diesen Dienst an der Volksseele vermutlich deutlich weniger gefeiert wäre, die „Angreifer“ beim „Treffen in Manhattan“ im „Dauerabnutzungskrieg gegen Euroland“ um „faule Kredite in die Länder“ einzuschleusen. Ein schöner Bundespräsident wäre Schramm also schon, ein passender zumindest, weil er ein Wutbürger ersten Ranges ist, einer, der gerne hasst, wenig weiß und zu allem eine Meinung hat – wie sein Publikum.“

Leicht zu beantworten

kevin barth antisemit

Sicherlich würden viele in Deutschland wählen wollen:

a) Ja
b) Vielleicht
c) Nein, denn dass diese, diese Juden immer überall Krieg führen müssen, muss man als Pazifist einfach kritisieren!
d) Man wird doch wohl noch sagen dürfen!

Aber es ist ganz einfach so, dass Hackfressen wie Kevin Barth, der Kreisvorsitzende1 der Piratenpartei des Kaffs Heidenheim (er wurde von seinen Kumpels nach dieser twitter-Offenbarung gewählt), von Menschen mit ein wenig Verstand nur als antisemitische Widerlinge bezeichnet werden können, denen man bei Gelegenheit die Ohren langziehen müsste.

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Assads Mörderregime „letzte Festung arabischer Würde“

Ein neues Bonmot eines Kaders der sogenannten „Palästinasolidarität“ kam durch den Hackerangriff auf Postfächer des syrischen Regimes zu Tage. Der britische Oberguru von Flotilla und anderen Geschmacklosigkeiten schmierte dem Mörder Assad Honig ums Maul und baute auf seine Unterstützung im Kampf gegen Israel. Was sagen Inge Höger, Norman Paech und Co.? Ach ja, die sehen ja eine internationale Verschwörung gegen Assad am Werk. Wie konnte ich das nur vergessen.

Derweil in Syrien:

Hier Auszüge aus einem Exklusivartikel der Haaretz:
Galloway has for many years carried on close contacts with dictators and extremist elements in the Arab world. In the late 1990s, he was closely linked with Iraqi president Saddam Hussein, the Assad regime in Syria, Hamas in Gaza and the Iranian regime. In July 2011, at a time when Assad was perpetrating massacres of his own people, Galloway was interviewed on Hezbollah’s al-Manar network, where he heaped praises on the Syrian president. „Bashar Assad wants reform and change, to realize the aspirations of his people,“ he said in the interview, which was quoted in the official Syrian news agency Sana. „They are trying to pressure Syria and President Assad because of the good things that he did, such as supporting Palestinian and Lebanese resistance and rejecting to surrender to Israel.“ […]

On August 11, 2010, Galloway wrote to Bashar Assad’s media adviser, Bouthaina Shaaban, who is considered to be one of the closest aides to the Syrian president. In an email message that bore the subject heading „IMPORTANT – private and confidential,“ Galloway asked Shaaban for Syrian help in organizing the aid flotilla to Gaza. „I am writing once again to ask for Syria’s co-operation although I do not doubt it for one moment. Syria is as I have often said is the last castle of Arab dignity,“ Galloway noted. (mehr…)

Friedensbewegung brutal

Von falschen Friedensfreunden, die das Wort Frieden schon seit langem mit ihrer kruden Ideologie okkupiert haben, gibt es auch in Deutschland eine Menge. Einen besonders üblen Schlag ins Gesicht der Oppositionellen im Nahen Osten leisteten sich britische Linke und Friedensfreunde. Sie attackierten auf einer Demo Exiliraner, die lediglich die zwei Wörter „FREE IRAN“ auf ihre Fahne gemalt haben. Während des physischen Angriffs auf die Iraner durch britische Mittelschicht-Antiimp-Antisemiten, umringt von Fahnen des Assad-Regimes und der Hisbollah, gab es von den Veranstaltern auf der Bühne Schelte für die bedrängten Iraner in bestem british english: „Please stop this misbehaviour! (!!!)“
Es sagt viel über die Verfasstheit dieser Friedensbewegung aus, wenn die Rednerin den Angriff auf die paar Exilanten und ihren „Freien Iran“ mit den Worten kommentiert, wer denke, die Kritik an der iranischen Führung müsse die Rechtfertigung eines Krieges gegen den Iran zur Folge haben, begehe einen Fehler. Denn das hatten die beiden offensichtlich gar nicht behauptet. Andersherum wird ein Schuh draus: Offensichtlich ist die Forderung nach einem „Freien Iran“ und die damit ausgedrückte Kritik am Regime so radikal für die Friedensfreunde, dass sie sie gewaltsam zum Schweigen bringen müssen. Sie sind es, die sich ohne wenn und aber für Krieg und Gewalt positionieren – auf der Seite des syrischen und iranischen Regimes.

Minute 1:00 bis 4:00 reicht völlig aus, um sich ein Bild des ekelerregenden Vorfalls zu machen:

Rinks und Lechts in trauter Eintracht an der Seite von politisch korrekten Mördern

Eigentlich ist das nicht neu, nichts, was noch schockieren müsste. Die Deutlichkeit der jüngsten Solidaritätsbekundung mit den mörderischen Regimen in Syrien und Iran und die Tatsache, dass das „who is who“ der deutschen Traditionslinken und Friedensbewegung ohne Scham mit offenen Antisemiten und Rechtspopulisten gemeinsame Sache macht, hauen einen dann aber doch um.
Dass ihre „Solidarität“ und „Friedensliebe“ nur nach bestandenem Gesinnungstest geäußert wird (Diktatoren wie Mubarak, die die eigene Bevölkerung unterdrücken und mit westlichen Staaten kooperieren, werden gegeißelt, die „Revolution“ in ihren Ländern bejubelt, Diktatoren wie Assad und Ali Chamenei, die die eigene Bevölkerung unterdrücken und gegen westliche Staaten Stellung beziehen, werden als Opfer von Komplotten dargestellt und gestützt; Oppositionelle in „prowestlichen“ Diktaturen werden als authentisch und Stimme des Volkes gefeiert, Oppositionelle in Syrien und Iran als westliche Lakaien und Verräter diffamiert) ist so offen widersprüchlich bzw. schizophren wie menschenverachtend.

Eine Auswahl der Verschwörungsfreaks, Rechtspopulisten und Antisemiten, die mit Kadern und Sympathisanten des syrischen und iranischen Regimes die Solidaritätsadresse unterzeichnet haben, findet sich auf Reflexion. Allerdings gibt es neben den von Reflexion vorgestellten noch viel mehr zu entdecken – Diverse Abgeordnete und Funktionäre aus PDS/LINKE, Gewerkschafter, Freidenker, natürlich Gaddafi-Fan Norman Paech und als Sahnehäubchen-Beispiele Konsorten wie
*die irre Feministin (!) und Professorin für Frauenforschung, Claudia von Werlhof, die verbreitet, dass die USA um die Welt zu beherrschen überall auf der Welt Erdbeben auslösen, oder die
*Vororganisation des iranischen Regimes Ahl al-Bayt e.V. [Bericht vom letzten internationalen Treffen im Iran und den illustren hohen Gästen]

Gibt es eigentlich irgendwo noch ein paar Leute, die sich als links bezeichnen und ihre (westlichen) Staaten dafür angreifen, dass sie als kapitalistische fast immer einfach nur konsequent ihren strategischen und Wirtschaftsinteressen folgen, und dabei eben auf das Leid und die Armut der Menschen und die Unterdrückung und Folter in irgendwelchen Diktaturen grundsätzlich genauso scheißen, wie die linken und friedensbewegten Unterzeichner der Erklärung aufgrund ihrer politischen (Block-)Ideologie?
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