Archiv der Kategorie 'Geschlechterverhältnis, Gender, Sexualität'

Bürgerlich? Islamistisch? Revolutionär? Der Maghreb nach dem Umbruch in Tunesien und Ägypten

Rachid Ouissa (Marburg)

Verblüfft und verwirrt waren große Teile der Medien und der Politik, als Tunesien nicht mehr in den Reiseführern, sondern in den Nachrichten Thema wurde, als hunderttausende zumeist jüngere Demonstranten in kurzer Zeit einen autoritären Herrscher stürzten. Noch weniger erwartete irgendjemand die täglichen Massendemonstrationen und das Ende der Mubarak-Diktatur in Ägypten. Mit reichlich Verspätung überbot man sich schließlich mit Analysen und Einschätzungen. Handelte es sich nun um Brotunruhen? Profitierten die Islamisten – eine Revolution wie 1979? Ging hier eine friedliche Demokratiebewegung für eine liberale Demokratie auf die Straße – wie vermeintlich 1989? Oder war es gar eine Revolution 2.0 – nur möglich wegen facebook und twitter?
Der Vortrag von Prof. Rachid Ouissa (CNMS, Universität Marburg) soll die Hintergründe des Umbruches im Nahen Osten beleuchten, mit dem Fokus auf Nordafrika. Die ökonomische Situation im Maghreb gilt es dabei ebenso in den Blick zu nehmen, wie die gesellschaftlichen Strukturen, den Anteil junger Menschen, die Rolle der vielbeschworene Mittelschicht oder die Auflösung tribaler Strukturen. Die Betrachtung und Analyse dieser Hintergründe ist die Voraussetzung, um die Frage nach Tradition und Moderne im Nahen Osten zu stellen.

Do, 28.04.11
18.30
Melanchthonianum, Uniplatz, Halle

Empfehlung: Neues Blog zum Nahen Osten

Hiermit wollen wir auf ein neues Infoblog zum Nahen Osten hinweisen: http://nahostinfos.wordpress.com. Auf dieser Seite werden ausgewählte Nachrichten, Berichte und Analysen zu politischen und sozialen Verhältnissen im Nahen Osten und Ereignissen in der Region verlinkt oder veröffentlicht.

Der Blog ist eine Art virtueller Beitrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Tradition oder Moderne – Die Aktualität der Aufklärung im Nahen Osten“, deren Ankündigungstext „Warum die Frage nach der Aktualitaet der Aufklärung im Nahen Osten?“ nach wie vor lesenswert ist.

Vortrag: Adoleszenz und politische Sozialisation in palästinensischen Flüchtlingscamps

Vor kurzem gingen Jugendliche aus dem Gazastreifen mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit, die neben Israel vor allem die Hamas und die islamistische Repression angriff. Viele Aktivisten der internationalen “Palästinasolidarität” waren offensichtlich damit überfordert, dass Objekte ihres antiisraelischen Diskurses sich als Subjekte mit einer eigenen, komplexen Position der ihnen im dichotomischen Weltbild zugewiesenen Rolle “als Palästinenser” verweigerten. Eine “Richtigstellung” der Verfasser der Erklärung, die nach massiver Kritik später folgte, identifiziert nun “wiederum” Israel als Hauptfeind. Während die Autoren von massiven Bedrohungen durch die Hamas vor Ort berichten, posten ihre „Unterstützer“ auf Facebook in erster Linie antiisraelische Kommentare.

Diese Geschichte mag man ebenso wie die massiven Jugendunruhen in nordafrikanischen Ländern im Hinterkopf haben, wenn am 20.01.2011 der Soziologe Christoph H. Schwarz in seinem Vortrag der Frage nachgehen wird, wie in palästinensischen Flüchtlingslagern der Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenstatus strukturiert ist: Seine Studie untersucht die Adoleszenz von Jugendlichen, die seit der Ersten Intifada kollektiviert zu den Protagonisten des palästinensischen „Befreiungskampfes“ stilisiert werden und ein zentraler Identifikationspunkt arabisch-nationalistischer und islamistischer Bewegungen sind. Mit welchen Erwartungen und politischen Implikationen findet Adoleszenz in diesem Kontext statt? Inwieweit kann man an einem solchen sozialen Ort überhaupt von einem modernen “adoleszenten Möglichkeitsraum” (Vera King) sprechen, der eine „Ablösung“ von den vorgegebenen Rollenerwartungen des Herkunftsmilieus und die Entwicklung eines eigenen Lebensentwurfes ermöglichen würde?

20. Januar 2011
18.30 Uhr
Melanchthonianum, Uniplatz, Halle

http://aktualitaet.wordpress.com/

Bonjour Tristesse #11 erschienen

Ostzone bizarr: Hallenser Provinz- und Szene-Experten versuchen, zusammen mit der kritischen Analyse arabo-islamischer Gesellschaften Marx und materialistische Religionskritik zu erledigen.

Interview mit Volkmar Sigusch zum Thema Pädophilie und Pädosexualität

In der aktuellen Ausgabe der GEW-Zeitschrift „Erziehung und Wissenschaft“ findet sich das lesenswerte Interview „Sexualitätsperspektive: ‚Es muss endlich um die Opf er gehen‘. Der Sexualforscher Professor Volkmar Sigusch spricht im Interview über die Motive von Pädophilen und das Tabu frühkindlicher Sexualität.“1, das an dieser Stelle auszugsweise zitiert wird: (mehr…)

Wir empfehlen: Länderbeispiel Iran: Dienstag Film, Mittwoch Vortrag

Iranischer Untergrundfilm von Moslem Mansouri

Am Vorabend des Vortrags zeigen wir im „Kino Zazie“ zwei Kurzdokumentationen des iranischen Untergrundfilmers und Aktivisten Moslem Mansouri. „Epitaph“ beschäftigt sich am Beispiel der Massenprostitution mit den Folgen der Geschlechterapartheid. Mansouri lässt Frauen zu Wort kommen, die sich, um überhaupt zu überleben, verkaufen müssen. Die Schärfe ihrer Analysen der sozialen und kulturellen Missstände, ihre Kritik der „kranken“ Gesellschaft der Islamischen Republik ist beeindruckend. „Utopia“ macht auf die menschenverachtende Behandlung der überlebenden Opfer des Iran-Irak-Krieges aufmerksam. Während die Toten in den Märtyrerphrasen des Regimes Ehrung finden, so sind die Überlebenden nur unwillkommener Ballast. In Armut und entrechtet vegetieren diese displaced persons in Wohnbaracken vor sich hin. Moslem Mansouri hat die Menschen in einer dieser Baracken besucht, ihnen Gehör geschenkt und ihre Aussagen aufgenommen. Ihre verzweifelten, pessimistischen Berichte sind eine Anklage gegen die Unmenschlichkeit des Regimes.

Dienstag, 08.06.2010 – 21.00 s.t. – Kino Zazie (Kleine Ulrichstr.), Halle (Saale)

Die islamische Diktatur, die „grüne Bewegung“ und der Kampf für einen säkularen Iran
Saba Farzan (Publizistin, Berlin)

Das Regime der Islamischen Republik Iran feierte dieses Jahr seinen 31. Geburtstag. Seine Herrschaft ist jedoch so bedroht wie nie zuvor, da sich seine Vorstellungen von Moderne mittlerweile von denen beachtlicher Teile der Bevölkerung unterscheiden. Auf immer lauter werdende Rufe nach Freiheit, mit der manche Reformen, andere den Sturz des Regimes und Demokratie, einige ein Ende der Geschlechterapartheid und andere kulturelle Pluralität verbinden, reagiert das Regime mit immer rücksichtsloserer Gewalt. Frauen werden weiterhin massiv diskriminiert, ethnische und religiöse Minderheiten unterdrückt und politische Oppositionelle mundtot gemacht.

Das sind einige der Gründe, weshalb der Iran bisher als das absolute Gegenteil einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft galt. Seit dem vergangenen Sommer, in dem die „grüne Bewegung“ ins Leben getreten ist, nimmt die Weltöffentlichkeit nun jedoch auch einen anderen Iran, vielleicht den „echten“ Iran wahr. Demokratie und Säkularismus in der nahen Zukunft dieses nahöstlichen Landes? Für manche ist diese Vorstellung utopisch, für die iranische Freiheitsbewegung jedoch ein Ziel, für das zu kämpfen es gilt. Die Freiheitsbewegung im Iran und ihr Kampf gegen die „Herrschaft der Rechtsgelehrten“ und die Macht der Revolutionsgarden haben im letzten Jahr einen Höhepunkt erreicht – mit dem Potential, den gesamten Nahen Osten langfristig zu prägen.

Doch welches sind die Wurzeln dieser emanzipatorischen und säkularen Tendenzen? Wohin steuert der Iran in naher Zukunft? Wie steht es um die iranische Zivilgesellschaft und warum sieht diese – im Gegensatz zum herrschenden Regime – den Westen nicht als dekadent an? Welche Akteure verbergen sich in dieser aufgeklärten Bewegung? Zu dieser Thematik referiert die deutsch-iranische Publizistin Saba Farzan.

Mittwoch, 09.06.2010 – 18.30 – Melanchthonianum (HS XVIII), Halle (Saale)

via: www.aktualitaet.wordpress.com

Hörempfehlung

Vortrag von Geert Hendrich „Der ‚homo islamicus‘ und die Aufklärung“ vom 11.05.2010, gehalten im Rahmen der Reihe „Tradition oder Moderne? Die Aktualitaet der Aufklärung im Nahen Osten“

Forehead Tittaes…

Der Bildungsstreik redet von den Zuständen an den Universitäten, wir wollen über die Zustände im Bildungsstreik reden.

Einige kritische Worte zum Bildungsstreik in Halle

Man könnte vom Aktionismus, vom Kollektivismus, von der Kritik- und Begriffslosigkeit, von der Theoriefeindlichkeit und der verkürzten Gesellschaftskritik sprechen. Selbstverständlich ist besonders die fehlende Reflexion der Verhältnisse der Wertvergesellschaftung zu kritisieren und der blöde Etatismus der Bildungsstreikfront. Das ist bekannt und äußerst gravierend. Mehr als nur gravierend sind die Zustände in der Gemeinschaft der Bildungsstreikler. Zwar wird viel geredet von Emanzipation und Selbstbestimmung, Autonomie und Freiräumen, doch die eigenen Ideale werden schnell vergessen, wenn es um Sexismus, Rassismus und Antisemitismus in den eigenen Reihen geht. (mehr…)

Mit Fleischverzicht zur Fleischeslust…oder billiger vögeln mit Peta

Wenn es nach der Tierrechtsorganisation Peta geht, wird es im Öko-Puff „Maison d’Envie“ in Berlin, welcher mit Rabatten die fahrradfahrende und umweltbewusste Kundschaft lockt, bald auch fleischloser zugehen, zumindest hinsichtlich des Essverhaltens der Besucher. „Fleischverzicht führt zu mehr Lebenslust!“ heißt dann das Ganze und bedeutet für die Pflanzenfresser Preisnachlässe im Ausleben der Fleisches- äh „Lebenslust“.
Wir wissen ja alle: Hamburger, Kassler und Currywurst machen dein Ding so schlaff, wie das Bratwürstchen auf der bildlichen Darstellung des Peta-Artikels. „Besser einen vegetarischen Burger in der Küche als ein schlaffes Würstchen im Schlafzimmer!“ witzelt dann auch ein Trottel von Peta „mit einem Augenzwinkern“.
Das Prostitution Zwangs- und Gewaltverhältnisse für die sich prostituierenden Menschen oder „Modelle“, wie es auf der Internetpräsenz des besagten Bordells so schön heißt, bedeuten kann, scheint für die Tierfreunde, die sich ja bereits des Öfteren mit bezeichnenden Kampagnen hervor getan haben, nicht von Bedeutung zu sein.
So belohnt man seine pflanzenfressenden Freunde mit billigen Sexsklavinnen, die selbstverständlich völlig freiwillig und aus Spass in einem Bordell arbeiten. Fragt sich nur, wie die Peta- und Tierrechtsweibchen belohnt werden?