Archiv der Kategorie 'Provinziales'

Poetry Slam, große Brillen & KZ-Geschichten

Studierende sind blöd. Das ist keine Neuigkeit. Im Drang schnellstmöglich erfolgreich durchs Studium zu kommen, um die zertifizierten Skills durch Creditpoints für den Arbeitsmarkt zu erlangen und zugleich dem konformen Party- und Alternativindividualismus zu frönen, bleiben jegliche Inhalte auf der Strecke. Wenn sich Leute, die auch ihr zehnseitiges, zusammengeklaubtes Gestammel mit dem Namen Hausarbeit für anspruchsvollen Essayismus halten, zusammentun, kommt dabei so etwas heraus, wie das Leselicht – (mehr…)

Back to the roots?

Zurück aus dem Malle-Urlaub mit einer Überraschung. Wie es aussieht, hat die „AG Antifa“ aus Halle sich nach jahrelanger Clownerie dazu durchgerungen, sich wieder mit Themen zu beschäftigen, von denen einige ihrer Mitglieder halbwegs eine Ahnung haben. Die folgenden Vorträge seien allen ans Herz gelegt:

Mittwoch, 30. Mai, 19 Uhr
Gerhard Stapelfeldt: Kritik der Soziologie.

Mittwoch, 6. Juni, 19 Uhr
Magnus Klaue: Phantasie als Kompetenz. Zur Ideologie der Kreativität in der neueren Pädagogik.

Mittwoch, 20. Juni, 19 Uhr
Alex Gruber: »That politics may be reduced to a science«. Die politikwissenschaftliche Ersetzung von Herrschaft durch Psychologie der Herrschenden.

Montag, 25. Juni, 19 Uhr
Jörg Huber: Der Aberglaube des Positivismus.

[via Jugendantifa]

Walser und der Stinkefinger

Per mail ging mir heute Nacht ein kurzer Bericht über eine Störaktion während einer Lesung anlässlich der Buchmesse an der Uni Halle zu. Zwischen 20 und 30 Studierende versuchten demzufolge am Freitag Abend, mit einem Transparent und Flugblättern ihren Unmut über die Einladung des – wie es im Flugblatttext heißt – „präsenilen“ Walser auszudrücken, dessen antisemitische Denkmuster spätestens seit dem Skandal um „Tod eines Kritikers“ allen bekannt sein müssten. Den Text des Flugblattes will ich niemandem vorenthalten, er folgt unten. Zuvor will ich allerdings noch die Reaktionen von Gästen erwähnen. Nach Aussagen einer Störerin reagierten einige Walser-Fans empört auf die Kritik an ihrem Idol und seinem und ihrem sekundären Antisemitismus, der sich vor allem in der konsequenten Täter-Opfer-Umkehr oder -Gleichsetzung ausdrückt. So kam es zu Beleidigungen, ein anwesender Bildungsbürger zeigte den Stinkefinger, einer der Verantwortlichen soll in Bezug auf das Transparent („..dass Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe“) mit dem zynischen Ausspruch „Was wollt ihr denn, ihr wart doch damals gar nicht dabei!“ reagiert haben. Relativ gewaltsam sollen alle dann rausgedrängt (bzw. eher rausgeschubst?) worden sein, wird berichtet. Folgendes uns mit der mail zugesendete Foto ist zu köstlich, um es nicht zu posten (insg.: danke für die mail, P.!):

Hier noch ein Bild von der „MZ“-Seite:

Und hier der Text:

Martin Walser – Schuldabwehr und Antisemitismus, literarisch verbrämt und enttabuisiert für den „gebildeten“ deutschen Bürger (mehr…)

Merkel und die Rummelnazis

In der aktuellen TITANIC 03/12 finden sich in der Fotostory zwei Fotos, die Merkel in den 1990er Jahren mit zwei Nazi-Skinheads zeigen. Leider ist mir nicht bekannt, in welchem Zusammenhang diese Bilder entstanden sind.
Auf dem Ost-Blog finden sich jedoch einige ähnliche Bilder, die 1993 entstanden und zu denen es dort heißt:

Wenige Monate nachdem der 23-jährige Thorsten Lamprecht 1992 bei einem Überfall von etwa 60 Skinheads auf eine Punk-Fete in dem Magdeburger Lokal „Elbterrassen“ mit einem Baseballschläger ermordet wurde, besuchten Anfang 1993 die Ministerinnen Angela Merkel und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger einen Magdeburger Jugendclub. Dieser Jugendklub wurde damals von den lokalen antifaschistischen Gruppen als Nazi-Treffpunkt eingestuft. Unter den Jugendlichen vermuteten sie auch Beteiligte des Skinhead-Überfalls.

Wir dokumentieren hier diese interessanten und heute durchaus skurril wirkenden Aufnahmen:
(mehr…)

„Platitüden, Nonsense-Sätze und Stilblüten sonder Zahl“

Gauck und sein Gerede von Freiheit, Verantwortung und Demokratie auf allen Kanälen. Es ist nicht mehr auszuhalten und die kommenden Jahre mit ihm als Bundespräsidenten dürften nicht besser werden.
Um unserer kleine Reihe über seine zynische Rhetorik fortzusetzen, sei hier auf den Artikel „Die Larve“ von Rayk Wieland hingewiesen, der bereits in der KONKRET 08/97 erschien und den die Zeitschrift dankenswerterweise auf ihrer Website dem interessierten Publikum zur Verfügung stellt.

Zumal er [i. e. Gaucks Spitzenposten als Bundesbeauftragter für Stasiunterlagen] ihm Gelegenheit bot, bei seinen Auftritten den lange erprobten, zu DDR-Zeiten allerdings noch ziemlich rot eingefärbten Pastoren-Sermon in eine leuchtende Apologie der Gegenwart zu transformieren, in einen unerschütterlichen Pauschalvoluntarismus, dessen fade Grundelemente sind: – (mehr…)

Leicht zu beantworten

kevin barth antisemit

Sicherlich würden viele in Deutschland wählen wollen:

a) Ja
b) Vielleicht
c) Nein, denn dass diese, diese Juden immer überall Krieg führen müssen, muss man als Pazifist einfach kritisieren!
d) Man wird doch wohl noch sagen dürfen!

Aber es ist ganz einfach so, dass Hackfressen wie Kevin Barth, der Kreisvorsitzende1 der Piratenpartei des Kaffs Heidenheim (er wurde von seinen Kumpels nach dieser twitter-Offenbarung gewählt), von Menschen mit ein wenig Verstand nur als antisemitische Widerlinge bezeichnet werden können, denen man bei Gelegenheit die Ohren langziehen müsste.

  1. 1 ehemalige [zurück]

Sternstunden antifaschistischer Kritik IV – Jena keine Nazi-Stadt

Jena zum Ersten
Der bekannte autoritäre Jugendpfarrer und Antikommunist Lothar König durfte auf der Wohlfühlrockparty des guten, bunten Jena ein paar Worte ans Publikum richten. Anstatt das widerliche oberflächliche Wohlfühlrockkonzert zu kritisieren, oder gesellschaftlichen Rassismus und die alltägliche Ignoranz wahrscheinlich auch der meisten Partygäste zu thematisieren, also die „deutschen Abgründe“, verlor er sich nicht nur in Gestammel, sondern vor allem in Verschwörungstheorien, wobei in seinen Augen böse Politiker gar Auftraggeber der Morde sind, der Verfassungsschutz das einzige Problem darzustellen scheint und die Presse grundsätzlich lügt. Von den Konzertbesuchern, dem großen „Wir“, erheischte er im „Kumpel-Ton“ Zustimmung, und zwischen Dummheit, Verschwörungstheorie und gewollter (aber nicht gekonnter) Ironie verlor sich seine Rede in Sinnfreiheit und Pfiffen. Dass die Leute aus inhaltlichen Gründen pfoffen, ist allerdings nicht zu erwarten, sie wollten nur endlich die kostenlose Show kriegen, die Gutmenschen ihnen als Dank für ihre Teilhabe am Jenaer Normalzustand organisiert hatten.
Das FSK aus Hamburg dokumentiert Königs Rede dankenswerter Weise – als „aufrecht antifaschistisch“…! [hier anhören]

Jena zum Zweiten
In Reaktion auf einen Beitrag in der ZDF-Sendung Aspekte, in dem der Autor Steven Uhly Jena besucht und sein Unbehagen über die dortigen rassistischen Zustände zum Ausdruck bringt, hat der Jenenser „Rapper“ Airconda ein Lied geschrieben:

Da werden zwar in feinstem Dialekt und stilistisch etwas unbeholfen, aber deutlich die „stolzen Jenenser“ zum Lynchmord an Uhly aufgefordert. Ja, Jena ist wirklich keine Nazi-Stadt, sondern einfach ostdeutscher Durchschnitt.

via: Hallo Jena!

Berlin, Berlin… Anti-Anti-Anti-Anti-Antideutsch

Da Texte aus Berlin zu gewissen Themen uns offensichtlich unglaubliche Aufmerksamkeit und hochemotionale Kommentare einbringen, hier ein zweiter Versuch – ein uns zugesandter Text der Emanzipativen & Antifaschistischen Gruppe aus Berlin – die übrigens sehr aktiv war bei der Kritik der rechtspopulistischen Anti-Moschee-Kampagne in Berlin-Pankow bzw. den Protesten gegen diese – zur Kritik der hier schon erwähnten Veranstaltung „Rechtspopulismus und die Linke“ und der Veranstalter mit einigen interessanten und bezeichnenden Hintergrundinfos zu Widerlichkeiten, die für die im Mehringhof versammelten Verteidiger linker Ideale offensichtlich kein Problem darstellen. Was etwa der Antisemit und Nationalsozialist Makks Damage mit dem Ganzen zu tun hat und vieles mehr – folgt. [Hier zur Diskussion und verschiedenen Berichten zum Happening]

Die linke Szene hat offene Flanken nach
rechts? Erzählt uns was neues.

„Offene Flanken“-Parade im Mehringhof
Warum Kritik an regressiven Einstellungen richtig ist, aber diese Veranstaltung großer Quatsch

Diese Veranstaltung ist die logische Fortsetzung des Jungmacker-Gebarens auf Antifa-Parties die auf Verdacht hin Leute mit „Antideutsche sind keine Linken“ anbrüllen; sie ist die logische Konsequenz aus dem Bedürfnis von antiimperialistischen Jungantifas unter Plakaten von Hassan Nasrallah mitzulaufen, solange es gegen Israel geht.Vor einem Monat hat nun sogar ein Berliner Antifa-Aktivist geschafft, was vor ihm noch kein Berliner Antifa vollbracht hat. Er hat ein Plakat gestaltet, was unverändert von Neonazis adaptiert und in Lichtenberg plakatiert wurde. Hut ab.

(mehr…)

„Rechtspopulismus und die Linke“: Anti-antideutsches Versagen

Mit ihrer „Ausländer raus! “- Ideologie und ihrem dezidierten Hass auf alles Linke, vor allem jedoch auf die Antifa, kann man die Anti-Deutschen getrost dem rechten Lager zuordnen. Sie stellen den Brückenschlag zwischen linker und rechter Ideologie dar, und sind längst nicht passé. Während sie mit ihrer Islamhetze in die gesamtgesellschaftliche Diskursströmung einwirken, strahlen sie immer noch auf die Bewegung zurück. Ihre Schriften werden weiterhin von Linksradikalen gelesen, ihre ideologischen Gedankenfragmente kursieren noch in unserem Ideenpool und werden von jungen, unschuldigen Gemütern aufgenommen und in ihr politisches Weltbild eingebaut. […]
Damit stellen die Anti-Deutschen den Anknüpfungspunkt zur Einbindung der Linksradikalen in einen gesamtgesellschaftlichen Konsens der Islamfeindlichkeit dar und erschweren so das Zustandekommen einer eindeutigen Positionierung gegen diese Form des Rassismus.
Um den Antideutschen nicht in die ideologische Sackgasse zu folgen, die jeden Ansatz zu einer revolutionär-politischen Praxis unmöglich macht, ist es wichtig, an der Idee der Revolution festzuhalten und unsere Politik danach auszurichten. Unsere Haltung gegenüber der bestehenden Herrschaft kann nur der Kampf gegen sie sein, diese Freiheit lassen wir uns von den Anti-Deutschen nicht nehmen. Denn wir sind die letzten Residuen, die wirkenden Restgrößen der Freiheit. Erst wenn wir aufgeben, hat der Kapitalismus wirklich gewonnen.

Wer denkt, hier eine wunderbar gelungene Satire auf naive Bewegungs-und-Traditionslinke vorzufinden, muss leider enttäuscht werden – die Realität übertrifft potentielle Satiren bei Weitem. Vielmehr handelt es sich hier um das Résumé eines „Grundlagentextes“ (von den OrganisatorInnen auf der Mobiseite als „Der Text zum Thema“ bezeichnet) zur Kritik „der Antideutschen“, wobei die „Antideutschen“, von denen der Text handelt, eine großartige Konstruktion sind. Diejenigen, die sich dieses Feindbild konstruiert und der Gegnerschaft zu eben diesen „Antideutschen“ verschrieben haben, mobilisieren nun mit eben diesem Text zu einer hochkarätig besetzten Diskussionsveranstaltung, bei der mit diesen für „unsere revolutionäre Praxis“ absolut gefährlichen Subjekten ein für alle Mal (auf theoretischer Ebene) aufgeräumt werden soll.

Warum diese Veranstaltung anti-antideutscher IdeologInnen eher einer Selbsthilfegruppe von ZwangsneurotikerInnen gleichkommt und nichts zur notwendigen Kritik der post-antideutschen Clique rund um die Bahamas – die zwischen Halbwissen, Ressentiments, der Affirmation bürgerlicher Ideologie und K-Gruppen-Dogmatismus versumpft ist – beitragen kann, weshalb sie sogar weit hinter Grundaussagen der diffamierten „Antideutschen“ zurückfällt, darum soll es hier kurz gehen. So viel Zeit kann man sich nehmen, wenn es zu einer derart erheiternden Melange von Gerhard Hanloser, Bernhard Schmid, einem Hobbyexpertenblogger namens Attila Steinberger und – wer darf, wenn es gegen „die“ Antideutschen zur Verteidigung von „dem“ Islam geht, nicht fehlen, frotzeln einige – Georg Klauda kommt.

Die Bedeutung der Zeitschrift Bahamas wird von ihren GegnerInnen weit übertrieben, würde sich doch sonst auch nicht der an Verschwörungsdenken erinnernde Glaube einer „Gefahr“ für „die Linke“ (wer ist das?) aufrecht erhalten lassen, der das eigene Handeln und Schreiben (zu diesem Thema meist auf Blogs) antreibt. Doch kann man selbstverständlich die Artikel und Redebeiträge der Bahamas-Redaktionsmitglieder und der wenigen ihr verbundenen Gruppen (auseinander)nehmen. Meist handelt es sich dabei um von geringer Sachkenntnis ausgehende, eigene Ressentiments mangels Selbstreflexion/Selbstkritik als gesellschaftliche Realität wahrnehmende, bürgerliche Ideologie (Rechtsstaat, Bürgerlichkeit, Menschenrechte) unkritisch reproduzierende Schwurbeleien. (mehr…)

Sippenhaft

Ein israelischer Schriftsteller wurde von den Veranstaltern des mediterranen Schriftstellerkongresses abrupt aus dem Diskussionspanel geworfen, auf dem er ursprünglich sprechen sollte. Palästinensische Teilnehmer, die in den vergangenen Jahren die Konferenz aufgrund der Teilnahme jüdisch-israelischer Schriftsteller boykottierten, hatten sich dieses Mal ‚nur‘ geweigert, mit einem jüdisch-israelischen Gast an einem Tisch zu sitzen. Moshe Sakal, der 1976 in Israel in einer sephardischen Familie ägyptisch-syrischer Herkunft geboren wurde, musste sich zudem von einem palästinensischen Nationalisten, dem Dichter und Publizisten Najwan Darwish, aberwitzige Vorwürfe anhören: Er, Moshe Sakal, habe ihn, Najwan Darwish, „aus seinem Haus vertrieben“. Zudem würden die jüdischen Araber „die Palästinenser besonders hassen“. Darwish zeigte damit, dass einer der bekanntesten palästinensischen Schriftsteller sich in einem dichotomischen Weltbild gefällt, in dem es Einzelne nicht gibt, sondern jeder in ein auf ethnorassistischen Kategorien beruhendes Kollektiv eingeordnet wird. Seiner Beliebtheit tut dies scheinbar keinen Abbruch.

Sakal erklärte, es verstöre ihn, dass dieser „nicht versucht habe, herauszufinden, wer er sei, oder welche Positionen er habe“. Tahar Ben Jelloun sprach sich auf dem Kongress deutlich gegen diese politische Sippenhaft aus. Man müsse mit israelischen Autoren und Intellektuellen reden, auch wenn man ein Problem mit der Politik der israelischen Regierung habe. Diesen schlicht vernünftigen Worten des bekannten Schriftstellers und Psychotherapeuten stimmte jedoch leider nur (oder: immerhin) die Hälfte des Publikums zu, andere unterbrachen seine Rede lautstark.

[via]