Archiv der Kategorie 'Rassismus'

Merkel und die Rummelnazis

In der aktuellen TITANIC 03/12 finden sich in der Fotostory zwei Fotos, die Merkel in den 1990er Jahren mit zwei Nazi-Skinheads zeigen. Leider ist mir nicht bekannt, in welchem Zusammenhang diese Bilder entstanden sind.
Auf dem Ost-Blog finden sich jedoch einige ähnliche Bilder, die 1993 entstanden und zu denen es dort heißt:

Wenige Monate nachdem der 23-jährige Thorsten Lamprecht 1992 bei einem Überfall von etwa 60 Skinheads auf eine Punk-Fete in dem Magdeburger Lokal „Elbterrassen“ mit einem Baseballschläger ermordet wurde, besuchten Anfang 1993 die Ministerinnen Angela Merkel und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger einen Magdeburger Jugendclub. Dieser Jugendklub wurde damals von den lokalen antifaschistischen Gruppen als Nazi-Treffpunkt eingestuft. Unter den Jugendlichen vermuteten sie auch Beteiligte des Skinhead-Überfalls.

Wir dokumentieren hier diese interessanten und heute durchaus skurril wirkenden Aufnahmen:
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Die BRD bekommt den, der zu ihr passt

SZ: Sie werden also nicht noch mal antreten, um Bundespräsident zu werden?
Gauck: Das ist eher unwahrscheinlich. Ich sehe mich mehr als Bürger, der mitredet.
Joachim Gauck, Oktober 2010.

Nun kandidiert der große Bürgerrechtler Dr. Gauck doch wieder, als „Allparteienkandidat“. Gauck wird damit der nächste Bundespräsident. Er findet Kritik an der Vorratsdatenspeicherung ebenso wie an Hartz 4 lächerlich und naiv, wird selbst von CDU-Sozi Heiner Geißler dafür kritisiert, dass er zwar phrasenhaft immer wieder von „Freiheit“ reden, gleichzeitig aber die sozialen Probleme ignorieren würde. Von „Überfremdung“ will Gauck „ganz bewusst“ reden können. Gauck war Erstunterzeichner der „Prager Erklärung zum Gewissen Europas und zum Kommunismus“, in der Nationalsozialismus und Holocaust mit den „Verbrechen der kommunistischen Diktaturen“ gleichgesetzt werden.
Es ist auch kein Zufall, dass Gauck – nach Protesten von Opferorganisationen – in seinem totalitarismustheoretischen Hass auf die DDR mehrmals an der Ehrung von NS-Verbrechern festhielt, die nach dem Krieg in der SBZ/DDR teils zum Tode verurteilt wurden, bzw. an der Schaffung von Gedenkorten für solche beteiligt war. Ein Beispiel: „Geehrt wurden Walter Biermann und Arno Brake. Beide NSDAP-Mitglieder haben an der Ermordung von 1017 KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern in Gardelegen teilgenommen. Im April 1945, wenige Tage vor der Befreiung durch amerikanische Truppen fand dieses grausame Massaker in der Scheune von Isenschnibbe statt. 1017 Häftlinge auf dem Todesmarsch wurden in eine Scheune getrieben, das darin liegende Stroh angezündet und jeder, der flüchten wollte, wurde erschossen.“ (Quelle 1 Quelle 2)

Vielsagend auch folgende Aussagen Gaucks:

Gauck: Es ist ein Irrtum, zu glauben, Schröders Politik von Fördern und Fordern sei nicht in der Gesamtbevölkerung mehrheitsfähig gewesen. Der Erfolg war nur in der eigenen Partei und im eher linken Milieu begrenzt. Ein ähnliches Phänomen haben wir gesehen, als Helmut Schmidt Kanzler war und die Friedensbewegung den politischen Mainstream bestimmte. Das hat die SPD so stark geprägt, dass Schmidt mit seiner Position – wir müssen gegen das Imperium des Sowjetregimes Stärke zeigen – nicht mehr mehrheitsfähig war. Aber: Schmidt ist gestanden.
SZ: Hatte Schmidt mit seinem Einsatz für die Nachrüstung recht?
Gauck: Ja, er hat recht gehabt, und die Friedensbewegung unrecht.

Gauck: Ich setze große Hoffnungen auf die nachwachsende Generation – dass sie aus diesem phasenweise negativen Nationalismus, also unbedingt kein Deutscher sein zu wollen, etwas Besseres macht. Dass es ein Ja gibt zu dem Raum und dem Ort, an dem man lebt, zu dem man ja sagen kann, weil es dafür gute Gründe gibt. Ich frage mich, wie lange wir Deutschen unsere Kultur des Verdrusses noch pflegen wollen.

Gauck: Neulich erzählte mir mein Fahrer von seinem Cousin, der mit den gesamten Sozialleistungen ungefähr 30 Euro weniger als er hat. Mein Fahrer muss aber fast immer um fünf Uhr aufstehen. Er sei der Dumme in der Familie, aber er sagte mir auch: „Ich kann das nicht, ich kann nicht so dasitzen.“ Da habe ich gesagt, dass er denen erzählen soll, wie gut er sich mit Arbeit fühlt.

Gauck: Ich akzeptiere das linke systemkritische Denken so lange, wie es das Vorhandene ernst nimmt und sich mit allen Kräften einsetzt, die Mängel zu überwinden. Diesem Erlösungsmythos will ich ganz heftig widersprechen. Wissen Sie, dieses System kann man nicht einfach so unter Kapitalismus fassen. Das ist der semantische Trick der Linken gewesen. Ich sage: Das Land mag kapitalistisch sein, aber es ist lernfähig. Wer ausgerechnet aus der Wirtschaft alle Freiheit herausnimmt, der wird scheitern.

Gauck: Schuld ist eine personale Dimension. Sie unschuldigen Generationen anzuhängen, ist ein törichtes pädagogisches und politisches Unterfangen. Viele aus der Achtundsechziger-Bewegung – und ich habe mich dazu phasenweise gerechnet – haben das gemacht. Wir haben gedacht, wir sind politisch nur korrekt, wenn wir auch Schuld empfinden.

Alle Zitate aus: „Die Leute müssen aus der Hängematte aufstehen“, Interview mit Joachim Gauck, Süddeutsche Zeitung, Oktober 2010.

Einheimischen wie Vertriebenen galt der Verlust der Heimat als grobes Unrecht, das die Kommunisten noch zementierten, als sie 1950 die Oder-Neiße-Grenze als neue deutsch-polnische Staatsgrenze anerkannten.
Joachim Gauck, Nachwort, Schwarzbuch des Kommunismus

Es hat wohl noch keine Gesellschaft…gegeben, die den Verrat als Teil der selbstverständlichen Loyalität gegenüber dem Staat akzeptiert hätte. Selbst in der NS-Zeit ist die geheime Zusammenarbeit mit der Gestapo nicht als selbstverständlich betrachtet worden.
Joachim Gauck, der in der DDR selbst von der Staatssicherheit bevorzugt behandelt wurde, in „Winter im Sommer – Frühling im Herbst“

Denn wir würden uns eigentlich nicht helfen, wenn wir Fremdheit und Distanziertheit übersehen würden in der guten Absicht, ein einladendes Land zu sein. Diese gute Absicht ist ja lobenswert, aber wir haben doch ganz andere Traditionen, und die Menschen in Europa, das sehen wir allüberall, nicht nur in Deutschland, sind allergisch, wenn sie das Gefühl haben, dass was auf dem Boden der europäischen Aufklärung und auch auf dem religiösen Boden Europas gewachsen ist, wenn das überfremdet wird, um einen Begriff zu verwenden, der in Deutschland verpönt ist, aber ich verwende ihn hier ganz bewußt, denn ich habe in, sagen wir, älteren Zivilgesellschaften als Deutschland es ist, etwa in den städtischen Mileus von Rotterdam und Amsterdam oder Kopenhagen, wo wirklich die Menschen unverdächtig sind, Rassisten zu sein, dieses tiefe Unbehagen alteingesessener Europäer gegenüber dieser Form von, ja, plötzlicher Koexistenz […].
Joachim Gauck im NZZ-Interview

Pohrt pöbelt

[Nachtrag: Gerade gesehen, dass Verbrochenes einen wirklich wunderbaren Text geschrieben hat, der sich mit schwachsinniger Kritik an Pohrts Kommentar von Seiten sog. „Ideologiekritiker“ auseinandersetzt.]

FYI ein polemischer Kommentar zu Gegenwärtigem von good old Pöbel-Pohrt – ich weiß nicht was mich mehr fasziniert, dass er Sachen sagt, die ganz vernünftig sind und die in der Linken aber keiner hören will, oder dass ich diesen Text gerade vom Tagesspiegel kopiert habe… Die Nazikeule und der Vergleich von antimuslimischem Rassismus und NS-Antisemitismus sind allerdings bei aller Polemik Schwachsinn.

Wer was erreicht hat, wer es zu was gebracht hat, lebt fortan mit der Sorge, es wieder zu verlieren. Europa hat Angst. Seit 100 Jahren ist das so, seit Oswald Spenglers „Untergang des Abendlandes“. Der vergreisende und lendenschwache Kontinent igelt sich ein und geht in Abwehrstellung, mal gegen die USA, mal gegen die fürchterlich fleißigen Chinesen, neuerdings bevorzugt gegen den Islam. Daraus resultiert die Standardfrage im aufgeklärten Politikdiskurs, ob man eine wirkliche Revolution mit Beteiligung des Volkes überhaupt noch gutheißen kann, wenn diese bedeutet, dass anschließend die Scharia wieder eingeführt wird, wie das wahrscheinlich in Ägypten der Fall sein wird.

Mit der Scharia kenne ich mich nicht so gut aus. Ich weiß nur so viel: Wenn ein Idiot heute weder von Religion noch von Politik und auch sonst gar keine Ahnung hat – von der „Scharia“ quasselt er immer. Wenn es um den Islam geht, ist jeder Dorftrottel plötzlich Spezialist für Glaubensfragen, Orientalistik und Islamwissenschaft, ja sogar für Arabisch. In jedem Diskussionsforum im Internet gibt es faschistische Hetzer, die Koransuren angeblich aus dem Original zitieren, um zu beweisen, wie schrecklich und gefährlich der Islam sei.

Diese Akribie erinnert an Eichmanns Judenreferat im Reichssicherheitshauptamt der SS, wo mit der Zeit die umfassendste Sammlung von Judaika zusammengetragen wurde und die Beflissensten unter den Mördern sogar Hebräisch gelernt hatten. Die kannten den Talmud besser als jeder Jude. Und so ist das heute auch. Die Moslemfresser können Koransuren zitieren, die einem Moslem mit Sicherheit unbekannt sind. Breivik hat viele Brüder im Geiste.

Anzunehmen ist, dass im Koran tatsächlich einige unschöne Regeln stehen. Aber das ist bei allen monotheistischen Religionen so. Davor hatte man einen ganzen Haufen Götter, einen für den Krieg, einen für die Liebe etc. Jetzt hatte man nur noch einen. Um trotzdem gemäß den Vorschriften der Glaubenslehre leben zu können, brauchte man ein einziges Religionsbuch, worin alle Wechselfälle des Lebens berücksichtigt sind. Und das bedeutet, dass es wie im Bauernkalender zu jeder Regel eine andere gibt, die das genaue Gegenteil besagt. Religionsbücher sind Ratgeber für alle Lebenslagen.
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Rinks und Lechts in trauter Eintracht an der Seite von politisch korrekten Mördern

Eigentlich ist das nicht neu, nichts, was noch schockieren müsste. Die Deutlichkeit der jüngsten Solidaritätsbekundung mit den mörderischen Regimen in Syrien und Iran und die Tatsache, dass das „who is who“ der deutschen Traditionslinken und Friedensbewegung ohne Scham mit offenen Antisemiten und Rechtspopulisten gemeinsame Sache macht, hauen einen dann aber doch um.
Dass ihre „Solidarität“ und „Friedensliebe“ nur nach bestandenem Gesinnungstest geäußert wird (Diktatoren wie Mubarak, die die eigene Bevölkerung unterdrücken und mit westlichen Staaten kooperieren, werden gegeißelt, die „Revolution“ in ihren Ländern bejubelt, Diktatoren wie Assad und Ali Chamenei, die die eigene Bevölkerung unterdrücken und gegen westliche Staaten Stellung beziehen, werden als Opfer von Komplotten dargestellt und gestützt; Oppositionelle in „prowestlichen“ Diktaturen werden als authentisch und Stimme des Volkes gefeiert, Oppositionelle in Syrien und Iran als westliche Lakaien und Verräter diffamiert) ist so offen widersprüchlich bzw. schizophren wie menschenverachtend.

Eine Auswahl der Verschwörungsfreaks, Rechtspopulisten und Antisemiten, die mit Kadern und Sympathisanten des syrischen und iranischen Regimes die Solidaritätsadresse unterzeichnet haben, findet sich auf Reflexion. Allerdings gibt es neben den von Reflexion vorgestellten noch viel mehr zu entdecken – Diverse Abgeordnete und Funktionäre aus PDS/LINKE, Gewerkschafter, Freidenker, natürlich Gaddafi-Fan Norman Paech und als Sahnehäubchen-Beispiele Konsorten wie
*die irre Feministin (!) und Professorin für Frauenforschung, Claudia von Werlhof, die verbreitet, dass die USA um die Welt zu beherrschen überall auf der Welt Erdbeben auslösen, oder die
*Vororganisation des iranischen Regimes Ahl al-Bayt e.V. [Bericht vom letzten internationalen Treffen im Iran und den illustren hohen Gästen]

Gibt es eigentlich irgendwo noch ein paar Leute, die sich als links bezeichnen und ihre (westlichen) Staaten dafür angreifen, dass sie als kapitalistische fast immer einfach nur konsequent ihren strategischen und Wirtschaftsinteressen folgen, und dabei eben auf das Leid und die Armut der Menschen und die Unterdrückung und Folter in irgendwelchen Diktaturen grundsätzlich genauso scheißen, wie die linken und friedensbewegten Unterzeichner der Erklärung aufgrund ihrer politischen (Block-)Ideologie?
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Sternstunden antifaschistischer Kritik IV – Jena keine Nazi-Stadt

Jena zum Ersten
Der bekannte autoritäre Jugendpfarrer und Antikommunist Lothar König durfte auf der Wohlfühlrockparty des guten, bunten Jena ein paar Worte ans Publikum richten. Anstatt das widerliche oberflächliche Wohlfühlrockkonzert zu kritisieren, oder gesellschaftlichen Rassismus und die alltägliche Ignoranz wahrscheinlich auch der meisten Partygäste zu thematisieren, also die „deutschen Abgründe“, verlor er sich nicht nur in Gestammel, sondern vor allem in Verschwörungstheorien, wobei in seinen Augen böse Politiker gar Auftraggeber der Morde sind, der Verfassungsschutz das einzige Problem darzustellen scheint und die Presse grundsätzlich lügt. Von den Konzertbesuchern, dem großen „Wir“, erheischte er im „Kumpel-Ton“ Zustimmung, und zwischen Dummheit, Verschwörungstheorie und gewollter (aber nicht gekonnter) Ironie verlor sich seine Rede in Sinnfreiheit und Pfiffen. Dass die Leute aus inhaltlichen Gründen pfoffen, ist allerdings nicht zu erwarten, sie wollten nur endlich die kostenlose Show kriegen, die Gutmenschen ihnen als Dank für ihre Teilhabe am Jenaer Normalzustand organisiert hatten.
Das FSK aus Hamburg dokumentiert Königs Rede dankenswerter Weise – als „aufrecht antifaschistisch“…! [hier anhören]

Jena zum Zweiten
In Reaktion auf einen Beitrag in der ZDF-Sendung Aspekte, in dem der Autor Steven Uhly Jena besucht und sein Unbehagen über die dortigen rassistischen Zustände zum Ausdruck bringt, hat der Jenenser „Rapper“ Airconda ein Lied geschrieben:

Da werden zwar in feinstem Dialekt und stilistisch etwas unbeholfen, aber deutlich die „stolzen Jenenser“ zum Lynchmord an Uhly aufgefordert. Ja, Jena ist wirklich keine Nazi-Stadt, sondern einfach ostdeutscher Durchschnitt.

via: Hallo Jena!

Berlin, Berlin… Anti-Anti-Anti-Anti-Antideutsch

Da Texte aus Berlin zu gewissen Themen uns offensichtlich unglaubliche Aufmerksamkeit und hochemotionale Kommentare einbringen, hier ein zweiter Versuch – ein uns zugesandter Text der Emanzipativen & Antifaschistischen Gruppe aus Berlin – die übrigens sehr aktiv war bei der Kritik der rechtspopulistischen Anti-Moschee-Kampagne in Berlin-Pankow bzw. den Protesten gegen diese – zur Kritik der hier schon erwähnten Veranstaltung „Rechtspopulismus und die Linke“ und der Veranstalter mit einigen interessanten und bezeichnenden Hintergrundinfos zu Widerlichkeiten, die für die im Mehringhof versammelten Verteidiger linker Ideale offensichtlich kein Problem darstellen. Was etwa der Antisemit und Nationalsozialist Makks Damage mit dem Ganzen zu tun hat und vieles mehr – folgt. [Hier zur Diskussion und verschiedenen Berichten zum Happening]

Die linke Szene hat offene Flanken nach
rechts? Erzählt uns was neues.

„Offene Flanken“-Parade im Mehringhof
Warum Kritik an regressiven Einstellungen richtig ist, aber diese Veranstaltung großer Quatsch

Diese Veranstaltung ist die logische Fortsetzung des Jungmacker-Gebarens auf Antifa-Parties die auf Verdacht hin Leute mit „Antideutsche sind keine Linken“ anbrüllen; sie ist die logische Konsequenz aus dem Bedürfnis von antiimperialistischen Jungantifas unter Plakaten von Hassan Nasrallah mitzulaufen, solange es gegen Israel geht.Vor einem Monat hat nun sogar ein Berliner Antifa-Aktivist geschafft, was vor ihm noch kein Berliner Antifa vollbracht hat. Er hat ein Plakat gestaltet, was unverändert von Neonazis adaptiert und in Lichtenberg plakatiert wurde. Hut ab.

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„Rechtspopulismus und die Linke“: Anti-antideutsches Versagen

Mit ihrer „Ausländer raus! “- Ideologie und ihrem dezidierten Hass auf alles Linke, vor allem jedoch auf die Antifa, kann man die Anti-Deutschen getrost dem rechten Lager zuordnen. Sie stellen den Brückenschlag zwischen linker und rechter Ideologie dar, und sind längst nicht passé. Während sie mit ihrer Islamhetze in die gesamtgesellschaftliche Diskursströmung einwirken, strahlen sie immer noch auf die Bewegung zurück. Ihre Schriften werden weiterhin von Linksradikalen gelesen, ihre ideologischen Gedankenfragmente kursieren noch in unserem Ideenpool und werden von jungen, unschuldigen Gemütern aufgenommen und in ihr politisches Weltbild eingebaut. […]
Damit stellen die Anti-Deutschen den Anknüpfungspunkt zur Einbindung der Linksradikalen in einen gesamtgesellschaftlichen Konsens der Islamfeindlichkeit dar und erschweren so das Zustandekommen einer eindeutigen Positionierung gegen diese Form des Rassismus.
Um den Antideutschen nicht in die ideologische Sackgasse zu folgen, die jeden Ansatz zu einer revolutionär-politischen Praxis unmöglich macht, ist es wichtig, an der Idee der Revolution festzuhalten und unsere Politik danach auszurichten. Unsere Haltung gegenüber der bestehenden Herrschaft kann nur der Kampf gegen sie sein, diese Freiheit lassen wir uns von den Anti-Deutschen nicht nehmen. Denn wir sind die letzten Residuen, die wirkenden Restgrößen der Freiheit. Erst wenn wir aufgeben, hat der Kapitalismus wirklich gewonnen.

Wer denkt, hier eine wunderbar gelungene Satire auf naive Bewegungs-und-Traditionslinke vorzufinden, muss leider enttäuscht werden – die Realität übertrifft potentielle Satiren bei Weitem. Vielmehr handelt es sich hier um das Résumé eines „Grundlagentextes“ (von den OrganisatorInnen auf der Mobiseite als „Der Text zum Thema“ bezeichnet) zur Kritik „der Antideutschen“, wobei die „Antideutschen“, von denen der Text handelt, eine großartige Konstruktion sind. Diejenigen, die sich dieses Feindbild konstruiert und der Gegnerschaft zu eben diesen „Antideutschen“ verschrieben haben, mobilisieren nun mit eben diesem Text zu einer hochkarätig besetzten Diskussionsveranstaltung, bei der mit diesen für „unsere revolutionäre Praxis“ absolut gefährlichen Subjekten ein für alle Mal (auf theoretischer Ebene) aufgeräumt werden soll.

Warum diese Veranstaltung anti-antideutscher IdeologInnen eher einer Selbsthilfegruppe von ZwangsneurotikerInnen gleichkommt und nichts zur notwendigen Kritik der post-antideutschen Clique rund um die Bahamas – die zwischen Halbwissen, Ressentiments, der Affirmation bürgerlicher Ideologie und K-Gruppen-Dogmatismus versumpft ist – beitragen kann, weshalb sie sogar weit hinter Grundaussagen der diffamierten „Antideutschen“ zurückfällt, darum soll es hier kurz gehen. So viel Zeit kann man sich nehmen, wenn es zu einer derart erheiternden Melange von Gerhard Hanloser, Bernhard Schmid, einem Hobbyexpertenblogger namens Attila Steinberger und – wer darf, wenn es gegen „die“ Antideutschen zur Verteidigung von „dem“ Islam geht, nicht fehlen, frotzeln einige – Georg Klauda kommt.

Die Bedeutung der Zeitschrift Bahamas wird von ihren GegnerInnen weit übertrieben, würde sich doch sonst auch nicht der an Verschwörungsdenken erinnernde Glaube einer „Gefahr“ für „die Linke“ (wer ist das?) aufrecht erhalten lassen, der das eigene Handeln und Schreiben (zu diesem Thema meist auf Blogs) antreibt. Doch kann man selbstverständlich die Artikel und Redebeiträge der Bahamas-Redaktionsmitglieder und der wenigen ihr verbundenen Gruppen (auseinander)nehmen. Meist handelt es sich dabei um von geringer Sachkenntnis ausgehende, eigene Ressentiments mangels Selbstreflexion/Selbstkritik als gesellschaftliche Realität wahrnehmende, bürgerliche Ideologie (Rechtsstaat, Bürgerlichkeit, Menschenrechte) unkritisch reproduzierende Schwurbeleien. (mehr…)

Deutsche Zustände

Man muss Heitmeyer nicht wohlgesonnen sein, um den neuen Ergebnissen der Langzeitstudie „Deutsche Zustände“ Beachtung zu schenken. Jeder zweite Deutsche glaubt,

Deutschland ist in einem gefährlichen Maße überfremdet.

Immerhin fast jeder fünfte ist der Meinung:

Wenn sich andere bei uns breit machen, muss man ihnen unter Umständen unter Anwendung von Gewalt zeigen, wer Herr im Haus ist.

Dann kann man sich nochmal diese Gedanken durch den Kopf gehen lassen.

Sippenhaft

Ein israelischer Schriftsteller wurde von den Veranstaltern des mediterranen Schriftstellerkongresses abrupt aus dem Diskussionspanel geworfen, auf dem er ursprünglich sprechen sollte. Palästinensische Teilnehmer, die in den vergangenen Jahren die Konferenz aufgrund der Teilnahme jüdisch-israelischer Schriftsteller boykottierten, hatten sich dieses Mal ‚nur‘ geweigert, mit einem jüdisch-israelischen Gast an einem Tisch zu sitzen. Moshe Sakal, der 1976 in Israel in einer sephardischen Familie ägyptisch-syrischer Herkunft geboren wurde, musste sich zudem von einem palästinensischen Nationalisten, dem Dichter und Publizisten Najwan Darwish, aberwitzige Vorwürfe anhören: Er, Moshe Sakal, habe ihn, Najwan Darwish, „aus seinem Haus vertrieben“. Zudem würden die jüdischen Araber „die Palästinenser besonders hassen“. Darwish zeigte damit, dass einer der bekanntesten palästinensischen Schriftsteller sich in einem dichotomischen Weltbild gefällt, in dem es Einzelne nicht gibt, sondern jeder in ein auf ethnorassistischen Kategorien beruhendes Kollektiv eingeordnet wird. Seiner Beliebtheit tut dies scheinbar keinen Abbruch.

Sakal erklärte, es verstöre ihn, dass dieser „nicht versucht habe, herauszufinden, wer er sei, oder welche Positionen er habe“. Tahar Ben Jelloun sprach sich auf dem Kongress deutlich gegen diese politische Sippenhaft aus. Man müsse mit israelischen Autoren und Intellektuellen reden, auch wenn man ein Problem mit der Politik der israelischen Regierung habe. Diesen schlicht vernünftigen Worten des bekannten Schriftstellers und Psychotherapeuten stimmte jedoch leider nur (oder: immerhin) die Hälfte des Publikums zu, andere unterbrachen seine Rede lautstark.

[via]

Deutsche Abgründe

Übernahme von http://reflexion.blogsport.de

Zehn Menschen sind tot. Dreizehn Jahre verrichtete eine rechte Terrorgruppe, die sich den Namen „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) gegeben hatte, ihr mörderisches Handwerk, ohne dass bundesdeutsche Behörden den Nazi-Tätern auf die Spur kamen. Nun ermittelt das Bundeskriminalamt und ist auch auf der Suche nach den Unterstützern dieser Vereinigung. Am 13.11.2011 wurde beispielsweise Holger G. verhaftet, der den Mördern seine Ausweise hinterlassen haben soll. Beate Zschäpe, Mitglied des NSU, befindet sich bereits seit dem 08.11.2011 in Haft und spekuliert von dort auf Strafmilderung.

Die Terrorgruppe hatte in den vergangenen Jahren neun Migranten ermordet, Bomben gebaut und eine Polizistin hingerichtet. Journalist_innen gaben den Taten einen Namen. Es war von „Dönermorden“ die Rede. Dabei waren die meisten ermordeten Personen noch nicht einmal Dönerverkäufer, sondern beispielsweise Änderungschneider, Gemüsehändler, Kiosk- und Internetcafé-Besitzer, mit ganz konkreten Namen und einer Geschichte. Hier wurde der rassistische Diskurs, dem viele deutsche Medien verfallen sind, offensichtlich. So berichtete der Spiegel vor mehr als einem Jahr besonders ausführlich über die „Dönermorde“, was von der rassistischen Internetseite „PI-News“ begierig aufgegriffen wurde. „Düstere Parallelwelt“, hieß es im Spiegel. Die PI-News-Rassisten veröffentlichten diesen Artikel erneut und sprachen von der „importierten ‚Organisierten Kriminalität‘ aus dem Morgenland“. „Spur der Döner-Mörder führt zur Wettmafia“, sekundierte der Spiegel in einem weiteren Artikel. Auch die Bild-Zeitung machte die Taten zum Thema. Sie präsentierte als Täter die „Drogenmafia“ oder die „organisierte Kriminalität“ und zitierte den Leiter einer Sondereinsatzkommision, der nicht ausschliessen wollte, dass die Opfer „in der Drogenszene aktiv waren“.
Nur auf die naheliegende Vermutung, dass es sich um die Taten von Nationalsozialisten handeln könnte, ist niemand gekommen. Stattdessen ermittelten die Behörden im „Drogen-, Glücksspiel- und Schutzgeldmilieu“. In einem rassistischen Klima sollte dieser Umstand allerdings nicht verwundern. Hier wurden die Opfer auch nach ihrem Tod zu Tätern gemacht. Selbst „den Verdacht, es könnten Neonazis gewesen sein, hat die Polizei nie ernst genommen“, sagt beispielsweise Gamze Kubasik, Tochter eines Opfers heute.
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