Archiv der Kategorie 'Termine'

Vortrag: Das Verhältnis von Theorie und Praxis. Oder: Zum Versprechen von Bildung und Emanzipation

Mit Stefan Müller & Janne Mende (Berlin).

Theorie und Praxis zusammenzufügen, ist häufig von vergeblichen Bemühungen und gescheiterten Anstrengungen geprägt – zum Glück! Theorie kann weder bruchlos in Praxis noch Praxis unvermittelt in Theorie überführt werden. Dass beide nur in ihrer Trennung, in ihrer Eigenständigkeit angemessen verstanden werden können, soll im Vortrag skizziert und ausgeführt werden. Überlagert wird die Theorie/Praxis-Problematik zudem davon, dass das Zusammenführen beider oftmals von der Vorstellung begleitet wird, dass erst in der (unterschiedslosen) Einheit von Theorie und Praxis Bildungsbemühungen, gar Emanzipation erreicht sei.

Das Gegenteil ist der Fall: Erst im Festhalten der Unterschiede von Theorie und Praxis in ihrer intrinsischen Vermittlung eröffnet sich der Horizont einer ‚versöhnten Gesellschaft’ (Adorno). Das Versprechen von Bildung und Emanzipation befindet sich damit in einer Zwickmühle, die durch das Verhältnis von Theorie und Praxis geprägt ist.

Di, 07.02.12 I 18.30 I Melanchthonianum, Uniplatz, Halle

Vortrag im Rahmen der Reihe „Was tun? Zum Verhältnis von Theorie und Praxis“

via: Kritische Intervention

99% gegen ‘Bankster’ und Finanzkapital?

Über die fragwürdigen Hintergründe der „Occupy-Bewegung“ & den Unterschied zwischen Ressentiment und Kapitalismuskritik

Mi, 23.11.11 I 18.30 I Melanchthonianum, Uniplatz

Die Occupy-Bewegung ist in aller Munde. Nachdem zehntausende Demonstrant_innen am 15. Oktober 2011 überall in Deutschland auf die Straße gingen, wurden Plätze besetzt, öffentliche Versammlungen abgehalten oder gemeinsam gezeltet. „Wir sind die 99 Prozent“, hieß es selbstbewusst, nicht nur in Frankfurt und Berlin.

Die Occupy-Bewegung richtet sich gegen das eine Prozent, also gegen eine angenommene kleine Minderheit, die für alles Übel der kapitalistischen Gesellschaft verantwortlich gemacht wird – ein Übel, dass sie in dem Begriff des „Finanzkapitals“ beschrieben sehen. In Polittalkshows wie Maybrit Illner kommen die Wortführer der Bewegung zu Wort, um sich als idealistische und demokratische Avantgarde zu inszenieren. Spiegel, TAZ oder BILD-Zeitung erfreuen sich an den neuen Protesten gegen die „Bankster“. Unterstützung kommt auch von Gregor Gysi und von Konstantin Wecker. Er schrieb einen ganzen Song, der ein weiteres Motto der Bewegung aufgreift: „Empört Euch!“ (mehr…)

Vortrag: Kunst und Politik in der Bundesrepublik

mit Prof. Heinrich Dilly (Halle)

Mi, 02.11.11 I 18.30 I Melanchthonianum, Uniplatz, Halle (Saale)

Laut Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland sind Wissenschaft und Kunst frei. Unter dieser Grundvoraussetzung ist die Förderung der Kunst und die Ausbildung von Künstlerinnen und Künstlern institutionalisiert – als Ländersache. Ganz bestimmte Kunstwerke genießen zudem einen besonderen Schutz; bestimmte Teile des „Systems Bildende Kunst“ sind ohne gesamtstaatliche Förderung nicht mehr denkbar.
Um welche handelt es sich, und wer trägt die Verantwortung? Gibt es Kontrollmechanismen? Wie ist diese Praxis legitimiert? Wie weit reicht die Freiheit? Ist die Kunst nur „Dekoration des Systems“ (Beuys) oder hat sie emanzipatorisches Potential? Erstickt, erwürgt vielleicht der Staat die Kunst in mehr als wohlwollender Umarmung? Wir haben den Kunsthistoriker und -theoretiker Heinrich Dilly eingeladen, um diese Fragen mit uns zu diskutieren.

http://www.kritischeinterventi​on.wordpress.com

Designte Gedankengänge

Addicted to Love
In der Hallischen Galerie „Die Schöne Stadt“ findet vom 12. bis zum 27. August eine Designausstellung unter dem Titel „Addicted to Love“ statt, für deren Besuch mit einem Flyer geworben wird.
Der dort abgedruckte Ankündigungstext beginnt unmittelbar mit einer (nicht nur sprachlich) sehr gewagten Behauptung: (mehr…)

Empfehlung: Vortrag über die Unmöglichkeit poststrukturalistischer Staatskritik

Die Differenz als Souverän
Über die Unmöglichkeit poststrukturalistischer Staatskritik

Vortrag von Alex Gruber (Wien)
Di, 05.07.11 I 18.30 Uhr
Melanchthonianum, Universitätsplatz, Halle
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Arabischer Nationalismus, Islam und die Auslandspropaganda der Nationalsozialisten

Wir empfehlen einen Vortrag von Vera Henßler (Berlin) mit einer Einführung von Hannes Bode (Halle)

Mittwoch, 29.06.2011 – 18.30
Melanchthonianum, Universitätsplatz Halle

Vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges herrschte bei den für die Auslandspropaganda zuständigen NS-Ämtern bezüglich einer Propaganda in die „arabische Welt“ starke Zurückhaltung. Grund dafür war die nationalsozialistische Außen- bzw. Bündnispolitik, so stand z.B. die enge Verbindung mit der Kolonialmacht Italien einer Einbindung nationalistischer und gegen die Kolonialmächte gerichteter Bewegungen im Nahen Ostens entgegen. (mehr…)

Zum Maul-Vortrag in Halle

Anlässlich des Vortrages „Der gefesselte Odysseus. Über die Dialektik der Aufklärung im Islam“ von Thomas Maul an diesem Mittwoch in Halle (Saale) hat der Freundeskreis „25. Januar“ ein Kritik am Referenten, AG Antifa, AG No tears für Krauts und der Zeitschrift „bonjour tristesse“ veröffentlicht, deren Lektüre wir hiermit ausdrücklich empfehlen.

Essentialistische Märchenstunde

Eine Kritik der antiaufklärerischen Thesen Thomas Mauls, denen die AG Antifa (Halle) nun ein Podium bietet

So wie Ikarus, sich selbst überschätzend, zu nah an die Sonne flog und abstürzte, versucht Thomas Maul sich mit seiner „Dialektik der Aufklärung im Islam“ zu intellektuellen Höhen zu erheben, die seine Fähigkeiten bei weitem übersteigen. Die Tragödie wiederholt sich jedoch nun als Farce – als auf den ersten Blick erheiternde, auf den zweiten aber Widerspruch erregende Hybris. Schon vor einem halben Jahr wurde mit Blick auf die seichten Ergüsse eines Autoren der halleschen Loseblatt-Sammlung bonjour tristesse bemerkt, „AG und bonjour tristesse sollten nun so konsequent sein, und sich durch die Einladung des Komikers Thomas Maul endgültig lächerlich machen, der für seine Analyse von arabo-islamischen Gesellschaften und islamischer Ideengeschichte ausgerechnet Ghazalis asketische Lebensanleitung für den Mystiker heranzieht. Das ist ebenso absurd und schwachsinnig, wie das Unterfangen, die europäische Neuzeit und Moderne anhand Thomas von Kempens De imitatione Christi zu analysieren. Und kann noch viel besser kritisiert werden, als das halbgebildete und ressentimentgeladene Geseier in der bonjour tristesse.“
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Bürgerlich? Islamistisch? Revolutionär? Der Maghreb nach dem Umbruch in Tunesien und Ägypten

Rachid Ouissa (Marburg)

Verblüfft und verwirrt waren große Teile der Medien und der Politik, als Tunesien nicht mehr in den Reiseführern, sondern in den Nachrichten Thema wurde, als hunderttausende zumeist jüngere Demonstranten in kurzer Zeit einen autoritären Herrscher stürzten. Noch weniger erwartete irgendjemand die täglichen Massendemonstrationen und das Ende der Mubarak-Diktatur in Ägypten. Mit reichlich Verspätung überbot man sich schließlich mit Analysen und Einschätzungen. Handelte es sich nun um Brotunruhen? Profitierten die Islamisten – eine Revolution wie 1979? Ging hier eine friedliche Demokratiebewegung für eine liberale Demokratie auf die Straße – wie vermeintlich 1989? Oder war es gar eine Revolution 2.0 – nur möglich wegen facebook und twitter?
Der Vortrag von Prof. Rachid Ouissa (CNMS, Universität Marburg) soll die Hintergründe des Umbruches im Nahen Osten beleuchten, mit dem Fokus auf Nordafrika. Die ökonomische Situation im Maghreb gilt es dabei ebenso in den Blick zu nehmen, wie die gesellschaftlichen Strukturen, den Anteil junger Menschen, die Rolle der vielbeschworene Mittelschicht oder die Auflösung tribaler Strukturen. Die Betrachtung und Analyse dieser Hintergründe ist die Voraussetzung, um die Frage nach Tradition und Moderne im Nahen Osten zu stellen.

Do, 28.04.11
18.30
Melanchthonianum, Uniplatz, Halle

Firmvorführung: Moderne in Sprache und Poesie? Ahmad Shamlou – Irans „Master Poet of Liberty“

„In einer … Welt, deren Leitung und Verwaltung in die Hände von Verbrechern und Irren gefallen ist, ist Kunst ein Mittel zur Unterhaltung; man kann von ihr keine Rettung erwarten…“

Ahmad Shamlou (1925-2000) war Schriftsteller, Journalist, Dichter – der wohl einflussreichste und berühmteste Poet der iranischen Moderne. In fünfzig Schaffensjahren in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verfasste er mehr als 70 Bücher – zum größten Teil Gedichte, aber auch Kurzgeschichten, Romane oder Drehbücher. Seine Revolutionierung der persischen Lyrik, so etwa die systematische Arbeit mit „Kolloquialismen“ und der Bruch mit der traditionellen Metrik und anderen Konventionen, sein komplexer und anspruchsvoller Stil heben seine persische Dichtung von der anderer Zeitgenossen ab. Er gilt vielen als größter persischsprachiger Dichter seit Hafez und Firdausi; man sagt, in fast jedem iranischen Haus finde sich eines seiner Bücher.

Seine Jugend prägten der kulturelle Aufbruch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, die Jahre Mossadeghs und dessen Sturz. Die Welt grundsätzlich zu verändern, beschrieb er einmal als Ziel der Poesie. Sein kontinuierlicher huma-nistischer Nonkonformismus brachte ihn als utopischen Kommunisten, der Parteien und Regierungen ablehnte, in Opposition zu Shah und islamischem Regime.

Den beeindruckenden Menschen Shamlou, den großen „Dichter der Freiheit“, porträtiert der Dokumentarfilm „Ahmad Shamlou – Master Poet of Liberty“ des iranischen Regisseurs und Filmaktivisten Moslem Mansouri. Im Film finden sich nicht nur ausgiebige Interviewsequenzen, die in Gesprächen mit Shamlou aufgezeichnet wurden. Zudem kommen verschiedene iranische Dichter, Schriftsteller, Filmemacher und Literaturwissenschaftler zu Wort, die sich zu seinem Werk äußern.

Mittwoch, 26. Januar 2011 – 18.30 Uhr

Melanchthonianum, Uniplatz, Halle

Vortrag: Adoleszenz und politische Sozialisation in palästinensischen Flüchtlingscamps

Vor kurzem gingen Jugendliche aus dem Gazastreifen mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit, die neben Israel vor allem die Hamas und die islamistische Repression angriff. Viele Aktivisten der internationalen “Palästinasolidarität” waren offensichtlich damit überfordert, dass Objekte ihres antiisraelischen Diskurses sich als Subjekte mit einer eigenen, komplexen Position der ihnen im dichotomischen Weltbild zugewiesenen Rolle “als Palästinenser” verweigerten. Eine “Richtigstellung” der Verfasser der Erklärung, die nach massiver Kritik später folgte, identifiziert nun “wiederum” Israel als Hauptfeind. Während die Autoren von massiven Bedrohungen durch die Hamas vor Ort berichten, posten ihre „Unterstützer“ auf Facebook in erster Linie antiisraelische Kommentare.

Diese Geschichte mag man ebenso wie die massiven Jugendunruhen in nordafrikanischen Ländern im Hinterkopf haben, wenn am 20.01.2011 der Soziologe Christoph H. Schwarz in seinem Vortrag der Frage nachgehen wird, wie in palästinensischen Flüchtlingslagern der Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenstatus strukturiert ist: Seine Studie untersucht die Adoleszenz von Jugendlichen, die seit der Ersten Intifada kollektiviert zu den Protagonisten des palästinensischen „Befreiungskampfes“ stilisiert werden und ein zentraler Identifikationspunkt arabisch-nationalistischer und islamistischer Bewegungen sind. Mit welchen Erwartungen und politischen Implikationen findet Adoleszenz in diesem Kontext statt? Inwieweit kann man an einem solchen sozialen Ort überhaupt von einem modernen “adoleszenten Möglichkeitsraum” (Vera King) sprechen, der eine „Ablösung“ von den vorgegebenen Rollenerwartungen des Herkunftsmilieus und die Entwicklung eines eigenen Lebensentwurfes ermöglichen würde?

20. Januar 2011
18.30 Uhr
Melanchthonianum, Uniplatz, Halle

http://aktualitaet.wordpress.com/