Archiv der Kategorie 'Was deutsch ist'

Arbeit macht das Leben süß

MC Gurke weist auf folgendes Zitat hin:

Gauck: Neu­lich er­zähl­te mir mein Fah­rer von sei­nem Cou­sin, der mit den ge­sam­ten So­zi­al­leis­tun­gen un­ge­fähr 30 Euro we­ni­ger als er hat. Mein Fah­rer muss aber fast immer um fünf Uhr auf­ste­hen. Er sei der Dumme in der Fa­mi­lie, aber er sagte mir auch: „Ich kann das nicht, ich kann nicht so da­sit­zen.“ Da habe ich ge­sagt, dass er denen er­zäh­len soll, wie gut er sich mit Ar­beit fühlt.

Was für ein zynisches Arschloch! Der stellt offenbar einen Fahrer zu einem Niedriglohn an, bedient und teilt dessen Ressentiment gegen „Arbeitsscheue“ und palabert dann noch davon, wie gut sich Arbeit anfühle.
Da passt doch folgendes Foto sehr gut ins Gesamtbild:
Gauck und Maschmeyer
Prost! Gauck mit Drückerkolonnen-Chef Carsten Maschmeyer und „Schauspielerin“ Veronika Ferres (Foto: picture-alliance / Eventpress Schraps)
via: SPON

Die Linke will den, der zu ihr passt

Der Jugendverband der Partei „Die Linke“, solid, hat als „linken“ Präsidentschaftskandidaten Georg Schramm vorgeschlagen und zur Bekräftigung ihres Vorschlags eine Petition gestartet. Oskar Lafointaine nannte den Vorschlag interessant. Auch aus der Piratenpartei wird Schramm favorisiert. Dieser, so hieß es bei solid, sei „seit Jahren für seine scharfzüngige Kritik am kapitalistischen Wirtschaftssystem bekannt“.
Endlich sind sie ehrlich. Ihr politisches Niveau, ihre Analyse und ihre Kritik sind ja eigentlich schon länger auf Kabarett-Niveau. Mit flapsigen, an der Oberfläche verharrenden und personalisierten Vorwürfen gegen bekannte Politiker, Bonzen oder ab und an „die Medien“ redet man den Stammtischen, auch den vermeintlich gebildeten mit ZEIT-Abo, nach dem Maul. In bestem NS-Jargon spricht man von „Ungeziefer“, „Geschmeiß“ und „Gesindel“. (Ja Leute, auch wenn es gegen „die Reichen“ geht, ist es reaktionär und menschenverachtend.) Man fordert Selbstmordanschläge auf „Orgien der Dekadenz“, auf Treffen von „den Reichen“. Wie bitte? Das macht ihr LINKEn, ihr Piraten gar nicht? Soweit würdet ihr nicht gehen? Ihr seid nur ein wenig mit Galgen-Bildern auf den Occupy-Demos mitgelatscht, quasi nur als Bürger, die mitreden, um unseren konservativen Gesinnungs-Gauck zu zitieren? Bloß gut, dass es Schramm gibt, und ihr diesem „Tabu-Brecher“ die Drecksarbeit überlassen könnt.

Georg Schramm hat das nämlich alles im Namen des Kabarett bereits getan, das BRD-Volk klatschte, Sozialneid und Unzufriedenheit konnten auf gewohnte Bahnen geleitet und mit den gewohnten Ventilen abgeleitet werde, und am Ende fühlen sich alle kritisch, aber den Kapitalismus hatte keiner kritisiert. Dafür haben wir Menschen ihr Menschsein abgesprochen, aufgrund kollekiver Zuschreibungen, haben Terroranschläge und Mord an Menschen gerechtfertigt und als „wohltätig“ bezeichnet, und das alles im Namen des „Zorns“, des Wutbürgers, der in Deutschland traditionell Sozialdarwinist, Rassist und Antisemit ist, und genauso über Türkenwitze oder dumme Hartz 4-Empfänger lachen würde, wobei Hartz 4-Empfänger wahrscheinlich auch über die Aufforderung zum Mord an Reichen wohlig lachen können, ohne den realen Hintergrund ihrer Misere zu verstehen. So wird Kabarett nicht zum Stachel in den Verhältnissen, sondern zu ihrem stabilisierenden Kitt.
Politik im Namen des Zorns, mit Parolen, die aus den Wohnzimmern und Stammkneipen der deutschen Ottonormalbürger entnommen sind, das ist reaktionäre Politik, auf Ressentiment aufbauende Politik, Politik, die in Deutschland schon öfters ins Pogrom geführt hat. Das gilt umsomehr, wenn man einen Antisemiten wie Georg Schramm zum Wortführer erklärt. Schramm, der schonmal fordert, dass der Volks­wil­le den Bän­kern wie­der zu dem „An­se­hen“ ver­hilft, dass sie hatten „als man sie noch Geld­ver­lei­her nann­te, als es noch ein dre­cki­ges Hand­werk war, das ein ehr­ba­rer Christ [!] gar nicht aus­üben woll­te“.

Edit 23.02.2011: Ergänzung via Schlamassel Muc

Rehabilitation alter Kampfbegriffe
Totgeglaubter Nazijargon wie „Zinsknechtschaft“ (Minute 0:40) und „Hochfinanz“ (Minute 15:10) geht Schramm leicht über seine preußischen Generalslippen, findet mittels vermeintlicher Satire somit wieder Eingang in Fernsehzimmer, Massenveranstaltungen und Tischgespräche. Dass Schramm – wenn nicht gar ein Anhänger von Gottfried Feder („Deutscher Kampfbund zur Brechung der Zinsknechtschaft“) – mindestens ein Anhänger der wahnsinnigen gesellschen Freiwirtschaftslehre ist, gab er bereits kund. Kürzlich stiftete der vielgerühmte Klartext-Redner den schweizer Verschwörungsopfern von „We are change“ ein Interview und weissagte angebliche Pläne der „Orthodoxen“ und der „militanten Siedler“ und des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu überhaupt. Sie kommen gut voran, die „Falken auf beiden Seiten“, deren „erklärtes Ziel“ Armageddon sei, die letzte Schlacht in Jerusalem, so Schramm. In einer vergangenen Sendung tönte er noch ganz anders, da bewegte sich sein ebenfalls halluzinierter Masterplan für den Nahen Osten noch einzig im Kontext des „Endkampfes um das eurasische [Öl]Becken.“ Keine Phantasie scheint zu abwegig, um das Offensichtliche umzulügen. In selbiger Sendung wiederholte Schramm auch die fäkal reproduzierte Falschmeldung der Politsekte „Arbeiterfotographie“, wonach die Vernichtungsdrohungen Ahmadineschads in Richtung Israel nur Übersetzungsfehler seien (Minute 1:00).

Die Angreifer sitzen in Jerusalem und Manhattan
Mitverantwortliche des Weltuntergangs sitzen also in Jerusalem, aber wie man weiß, sind die Feinde der kleinbürgerlichen Freiheit nicht nur dort, sondern seit jeher global – vor allem in den USA, konkret in New York – unterwegs . Und deshalb verortet auch Schrammchen, der ohne diesen Dienst an der Volksseele vermutlich deutlich weniger gefeiert wäre, die „Angreifer“ beim „Treffen in Manhattan“ im „Dauerabnutzungskrieg gegen Euroland“ um „faule Kredite in die Länder“ einzuschleusen. Ein schöner Bundespräsident wäre Schramm also schon, ein passender zumindest, weil er ein Wutbürger ersten Ranges ist, einer, der gerne hasst, wenig weiß und zu allem eine Meinung hat – wie sein Publikum.“

Die BRD bekommt den, der zu ihr passt

SZ: Sie werden also nicht noch mal antreten, um Bundespräsident zu werden?
Gauck: Das ist eher unwahrscheinlich. Ich sehe mich mehr als Bürger, der mitredet.
Joachim Gauck, Oktober 2010.

Nun kandidiert der große Bürgerrechtler Dr. Gauck doch wieder, als „Allparteienkandidat“. Gauck wird damit der nächste Bundespräsident. Er findet Kritik an der Vorratsdatenspeicherung ebenso wie an Hartz 4 lächerlich und naiv, wird selbst von CDU-Sozi Heiner Geißler dafür kritisiert, dass er zwar phrasenhaft immer wieder von „Freiheit“ reden, gleichzeitig aber die sozialen Probleme ignorieren würde. Von „Überfremdung“ will Gauck „ganz bewusst“ reden können. Gauck war Erstunterzeichner der „Prager Erklärung zum Gewissen Europas und zum Kommunismus“, in der Nationalsozialismus und Holocaust mit den „Verbrechen der kommunistischen Diktaturen“ gleichgesetzt werden.
Es ist auch kein Zufall, dass Gauck – nach Protesten von Opferorganisationen – in seinem totalitarismustheoretischen Hass auf die DDR mehrmals an der Ehrung von NS-Verbrechern festhielt, die nach dem Krieg in der SBZ/DDR teils zum Tode verurteilt wurden, bzw. an der Schaffung von Gedenkorten für solche beteiligt war. Ein Beispiel: „Geehrt wurden Walter Biermann und Arno Brake. Beide NSDAP-Mitglieder haben an der Ermordung von 1017 KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern in Gardelegen teilgenommen. Im April 1945, wenige Tage vor der Befreiung durch amerikanische Truppen fand dieses grausame Massaker in der Scheune von Isenschnibbe statt. 1017 Häftlinge auf dem Todesmarsch wurden in eine Scheune getrieben, das darin liegende Stroh angezündet und jeder, der flüchten wollte, wurde erschossen.“ (Quelle 1 Quelle 2)

Vielsagend auch folgende Aussagen Gaucks:

Gauck: Es ist ein Irrtum, zu glauben, Schröders Politik von Fördern und Fordern sei nicht in der Gesamtbevölkerung mehrheitsfähig gewesen. Der Erfolg war nur in der eigenen Partei und im eher linken Milieu begrenzt. Ein ähnliches Phänomen haben wir gesehen, als Helmut Schmidt Kanzler war und die Friedensbewegung den politischen Mainstream bestimmte. Das hat die SPD so stark geprägt, dass Schmidt mit seiner Position – wir müssen gegen das Imperium des Sowjetregimes Stärke zeigen – nicht mehr mehrheitsfähig war. Aber: Schmidt ist gestanden.
SZ: Hatte Schmidt mit seinem Einsatz für die Nachrüstung recht?
Gauck: Ja, er hat recht gehabt, und die Friedensbewegung unrecht.

Gauck: Ich setze große Hoffnungen auf die nachwachsende Generation – dass sie aus diesem phasenweise negativen Nationalismus, also unbedingt kein Deutscher sein zu wollen, etwas Besseres macht. Dass es ein Ja gibt zu dem Raum und dem Ort, an dem man lebt, zu dem man ja sagen kann, weil es dafür gute Gründe gibt. Ich frage mich, wie lange wir Deutschen unsere Kultur des Verdrusses noch pflegen wollen.

Gauck: Neulich erzählte mir mein Fahrer von seinem Cousin, der mit den gesamten Sozialleistungen ungefähr 30 Euro weniger als er hat. Mein Fahrer muss aber fast immer um fünf Uhr aufstehen. Er sei der Dumme in der Familie, aber er sagte mir auch: „Ich kann das nicht, ich kann nicht so dasitzen.“ Da habe ich gesagt, dass er denen erzählen soll, wie gut er sich mit Arbeit fühlt.

Gauck: Ich akzeptiere das linke systemkritische Denken so lange, wie es das Vorhandene ernst nimmt und sich mit allen Kräften einsetzt, die Mängel zu überwinden. Diesem Erlösungsmythos will ich ganz heftig widersprechen. Wissen Sie, dieses System kann man nicht einfach so unter Kapitalismus fassen. Das ist der semantische Trick der Linken gewesen. Ich sage: Das Land mag kapitalistisch sein, aber es ist lernfähig. Wer ausgerechnet aus der Wirtschaft alle Freiheit herausnimmt, der wird scheitern.

Gauck: Schuld ist eine personale Dimension. Sie unschuldigen Generationen anzuhängen, ist ein törichtes pädagogisches und politisches Unterfangen. Viele aus der Achtundsechziger-Bewegung – und ich habe mich dazu phasenweise gerechnet – haben das gemacht. Wir haben gedacht, wir sind politisch nur korrekt, wenn wir auch Schuld empfinden.

Alle Zitate aus: „Die Leute müssen aus der Hängematte aufstehen“, Interview mit Joachim Gauck, Süddeutsche Zeitung, Oktober 2010.

Einheimischen wie Vertriebenen galt der Verlust der Heimat als grobes Unrecht, das die Kommunisten noch zementierten, als sie 1950 die Oder-Neiße-Grenze als neue deutsch-polnische Staatsgrenze anerkannten.
Joachim Gauck, Nachwort, Schwarzbuch des Kommunismus

Es hat wohl noch keine Gesellschaft…gegeben, die den Verrat als Teil der selbstverständlichen Loyalität gegenüber dem Staat akzeptiert hätte. Selbst in der NS-Zeit ist die geheime Zusammenarbeit mit der Gestapo nicht als selbstverständlich betrachtet worden.
Joachim Gauck, der in der DDR selbst von der Staatssicherheit bevorzugt behandelt wurde, in „Winter im Sommer – Frühling im Herbst“

Denn wir würden uns eigentlich nicht helfen, wenn wir Fremdheit und Distanziertheit übersehen würden in der guten Absicht, ein einladendes Land zu sein. Diese gute Absicht ist ja lobenswert, aber wir haben doch ganz andere Traditionen, und die Menschen in Europa, das sehen wir allüberall, nicht nur in Deutschland, sind allergisch, wenn sie das Gefühl haben, dass was auf dem Boden der europäischen Aufklärung und auch auf dem religiösen Boden Europas gewachsen ist, wenn das überfremdet wird, um einen Begriff zu verwenden, der in Deutschland verpönt ist, aber ich verwende ihn hier ganz bewußt, denn ich habe in, sagen wir, älteren Zivilgesellschaften als Deutschland es ist, etwa in den städtischen Mileus von Rotterdam und Amsterdam oder Kopenhagen, wo wirklich die Menschen unverdächtig sind, Rassisten zu sein, dieses tiefe Unbehagen alteingesessener Europäer gegenüber dieser Form von, ja, plötzlicher Koexistenz […].
Joachim Gauck im NZZ-Interview

Leicht zu beantworten

kevin barth antisemit

Sicherlich würden viele in Deutschland wählen wollen:

a) Ja
b) Vielleicht
c) Nein, denn dass diese, diese Juden immer überall Krieg führen müssen, muss man als Pazifist einfach kritisieren!
d) Man wird doch wohl noch sagen dürfen!

Aber es ist ganz einfach so, dass Hackfressen wie Kevin Barth, der Kreisvorsitzende1 der Piratenpartei des Kaffs Heidenheim (er wurde von seinen Kumpels nach dieser twitter-Offenbarung gewählt), von Menschen mit ein wenig Verstand nur als antisemitische Widerlinge bezeichnet werden können, denen man bei Gelegenheit die Ohren langziehen müsste.

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Pohrt pöbelt

[Nachtrag: Gerade gesehen, dass Verbrochenes einen wirklich wunderbaren Text geschrieben hat, der sich mit schwachsinniger Kritik an Pohrts Kommentar von Seiten sog. „Ideologiekritiker“ auseinandersetzt.]

FYI ein polemischer Kommentar zu Gegenwärtigem von good old Pöbel-Pohrt – ich weiß nicht was mich mehr fasziniert, dass er Sachen sagt, die ganz vernünftig sind und die in der Linken aber keiner hören will, oder dass ich diesen Text gerade vom Tagesspiegel kopiert habe… Die Nazikeule und der Vergleich von antimuslimischem Rassismus und NS-Antisemitismus sind allerdings bei aller Polemik Schwachsinn.

Wer was erreicht hat, wer es zu was gebracht hat, lebt fortan mit der Sorge, es wieder zu verlieren. Europa hat Angst. Seit 100 Jahren ist das so, seit Oswald Spenglers „Untergang des Abendlandes“. Der vergreisende und lendenschwache Kontinent igelt sich ein und geht in Abwehrstellung, mal gegen die USA, mal gegen die fürchterlich fleißigen Chinesen, neuerdings bevorzugt gegen den Islam. Daraus resultiert die Standardfrage im aufgeklärten Politikdiskurs, ob man eine wirkliche Revolution mit Beteiligung des Volkes überhaupt noch gutheißen kann, wenn diese bedeutet, dass anschließend die Scharia wieder eingeführt wird, wie das wahrscheinlich in Ägypten der Fall sein wird.

Mit der Scharia kenne ich mich nicht so gut aus. Ich weiß nur so viel: Wenn ein Idiot heute weder von Religion noch von Politik und auch sonst gar keine Ahnung hat – von der „Scharia“ quasselt er immer. Wenn es um den Islam geht, ist jeder Dorftrottel plötzlich Spezialist für Glaubensfragen, Orientalistik und Islamwissenschaft, ja sogar für Arabisch. In jedem Diskussionsforum im Internet gibt es faschistische Hetzer, die Koransuren angeblich aus dem Original zitieren, um zu beweisen, wie schrecklich und gefährlich der Islam sei.

Diese Akribie erinnert an Eichmanns Judenreferat im Reichssicherheitshauptamt der SS, wo mit der Zeit die umfassendste Sammlung von Judaika zusammengetragen wurde und die Beflissensten unter den Mördern sogar Hebräisch gelernt hatten. Die kannten den Talmud besser als jeder Jude. Und so ist das heute auch. Die Moslemfresser können Koransuren zitieren, die einem Moslem mit Sicherheit unbekannt sind. Breivik hat viele Brüder im Geiste.

Anzunehmen ist, dass im Koran tatsächlich einige unschöne Regeln stehen. Aber das ist bei allen monotheistischen Religionen so. Davor hatte man einen ganzen Haufen Götter, einen für den Krieg, einen für die Liebe etc. Jetzt hatte man nur noch einen. Um trotzdem gemäß den Vorschriften der Glaubenslehre leben zu können, brauchte man ein einziges Religionsbuch, worin alle Wechselfälle des Lebens berücksichtigt sind. Und das bedeutet, dass es wie im Bauernkalender zu jeder Regel eine andere gibt, die das genaue Gegenteil besagt. Religionsbücher sind Ratgeber für alle Lebenslagen.
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Rinks und Lechts in trauter Eintracht an der Seite von politisch korrekten Mördern

Eigentlich ist das nicht neu, nichts, was noch schockieren müsste. Die Deutlichkeit der jüngsten Solidaritätsbekundung mit den mörderischen Regimen in Syrien und Iran und die Tatsache, dass das „who is who“ der deutschen Traditionslinken und Friedensbewegung ohne Scham mit offenen Antisemiten und Rechtspopulisten gemeinsame Sache macht, hauen einen dann aber doch um.
Dass ihre „Solidarität“ und „Friedensliebe“ nur nach bestandenem Gesinnungstest geäußert wird (Diktatoren wie Mubarak, die die eigene Bevölkerung unterdrücken und mit westlichen Staaten kooperieren, werden gegeißelt, die „Revolution“ in ihren Ländern bejubelt, Diktatoren wie Assad und Ali Chamenei, die die eigene Bevölkerung unterdrücken und gegen westliche Staaten Stellung beziehen, werden als Opfer von Komplotten dargestellt und gestützt; Oppositionelle in „prowestlichen“ Diktaturen werden als authentisch und Stimme des Volkes gefeiert, Oppositionelle in Syrien und Iran als westliche Lakaien und Verräter diffamiert) ist so offen widersprüchlich bzw. schizophren wie menschenverachtend.

Eine Auswahl der Verschwörungsfreaks, Rechtspopulisten und Antisemiten, die mit Kadern und Sympathisanten des syrischen und iranischen Regimes die Solidaritätsadresse unterzeichnet haben, findet sich auf Reflexion. Allerdings gibt es neben den von Reflexion vorgestellten noch viel mehr zu entdecken – Diverse Abgeordnete und Funktionäre aus PDS/LINKE, Gewerkschafter, Freidenker, natürlich Gaddafi-Fan Norman Paech und als Sahnehäubchen-Beispiele Konsorten wie
*die irre Feministin (!) und Professorin für Frauenforschung, Claudia von Werlhof, die verbreitet, dass die USA um die Welt zu beherrschen überall auf der Welt Erdbeben auslösen, oder die
*Vororganisation des iranischen Regimes Ahl al-Bayt e.V. [Bericht vom letzten internationalen Treffen im Iran und den illustren hohen Gästen]

Gibt es eigentlich irgendwo noch ein paar Leute, die sich als links bezeichnen und ihre (westlichen) Staaten dafür angreifen, dass sie als kapitalistische fast immer einfach nur konsequent ihren strategischen und Wirtschaftsinteressen folgen, und dabei eben auf das Leid und die Armut der Menschen und die Unterdrückung und Folter in irgendwelchen Diktaturen grundsätzlich genauso scheißen, wie die linken und friedensbewegten Unterzeichner der Erklärung aufgrund ihrer politischen (Block-)Ideologie?
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Sternstunden antifaschistischer Kritik IV – Jena keine Nazi-Stadt

Jena zum Ersten
Der bekannte autoritäre Jugendpfarrer und Antikommunist Lothar König durfte auf der Wohlfühlrockparty des guten, bunten Jena ein paar Worte ans Publikum richten. Anstatt das widerliche oberflächliche Wohlfühlrockkonzert zu kritisieren, oder gesellschaftlichen Rassismus und die alltägliche Ignoranz wahrscheinlich auch der meisten Partygäste zu thematisieren, also die „deutschen Abgründe“, verlor er sich nicht nur in Gestammel, sondern vor allem in Verschwörungstheorien, wobei in seinen Augen böse Politiker gar Auftraggeber der Morde sind, der Verfassungsschutz das einzige Problem darzustellen scheint und die Presse grundsätzlich lügt. Von den Konzertbesuchern, dem großen „Wir“, erheischte er im „Kumpel-Ton“ Zustimmung, und zwischen Dummheit, Verschwörungstheorie und gewollter (aber nicht gekonnter) Ironie verlor sich seine Rede in Sinnfreiheit und Pfiffen. Dass die Leute aus inhaltlichen Gründen pfoffen, ist allerdings nicht zu erwarten, sie wollten nur endlich die kostenlose Show kriegen, die Gutmenschen ihnen als Dank für ihre Teilhabe am Jenaer Normalzustand organisiert hatten.
Das FSK aus Hamburg dokumentiert Königs Rede dankenswerter Weise – als „aufrecht antifaschistisch“…! [hier anhören]

Jena zum Zweiten
In Reaktion auf einen Beitrag in der ZDF-Sendung Aspekte, in dem der Autor Steven Uhly Jena besucht und sein Unbehagen über die dortigen rassistischen Zustände zum Ausdruck bringt, hat der Jenenser „Rapper“ Airconda ein Lied geschrieben:

Da werden zwar in feinstem Dialekt und stilistisch etwas unbeholfen, aber deutlich die „stolzen Jenenser“ zum Lynchmord an Uhly aufgefordert. Ja, Jena ist wirklich keine Nazi-Stadt, sondern einfach ostdeutscher Durchschnitt.

via: Hallo Jena!

Gesellschaftskritik gibt es hier nicht

Auch in den Diskussionen um die letzten Geschehnisse und Kommentare auf diesem Blog wurde wieder vorgeführt, dass die politische Bloggerei der Linken, egal welchem Lager vom jeweils anderen zugerechnet, eine sowohl politisch als auch dem reinen inhaltlichen Gehalt nach völlig irrelevante Existenz führt, die lediglich der stetigen Versicherung der eigenen Verortung und Identität dient.

Bildung transzendiert, trägt sogar das kritische Potential in sich, zu emanzipieren; Halbbildung hingegen integriert. Prinzipielles Einverständnis ist gleichsam ihr Kalkül, mit dem die bestehende gesellschaftliche Ordnung als ganze immer schon bestätigt wird; zugleich bleibt das Ganze verhangen. Zustände werden persönlich genommen und entweder als Schicksal erklärt, oder auf andere abgeschoben: »Dem Halbgebildeten verzaubert alles Mittelbare sich in Unmittelbarkeit, noch das übermächtige Ferne. Daher die Tendenz zur Personalisierung: objektive Verhältnisse werden einzelnen Personen zur Last geschrieben oder von einzelnen Personen das Heil erwartet. Ihr wahnhafter Kult schreitet mit der Depersonalisierung der Welt fort. Andererseits kennt Halbbildung, als entfremdetes Bewusstsein, wiederum kein unmittelbares Verhältnis zu irgendetwas, sondern ist stets fixiert an die Vorstellungen, welche sie an die Sache heranbringt. Ihre Haltung ist die des taking something for granted…Kritisches Bewusstsein ist verkrüppelt zum trüben Hang, hinter die Kulissen zu sehen.«* Damit konvergiert Halbbildung schließlich auch mit dem politischen Bewusstsein, das »das beschränkte Wissen als Wahrheit hypostasiert«** und die eigene Meinung stolz als Standpunkt verabsolutiert: beruht Bildung auf der reflexiven Macht des Selbstbewusstseins, so Halbbildung auf der Ohnmacht des konformistischen Charakters.

Roger Behrens: Bildungskrise und Bildungskritik. Bemerkungen, Überlegungen, Hinweise;
* Adorno, ›Theorie der Halbbildung‹, GS Bd. 8, S. 118; ** Adorno/Horkheimer, ›Dialektik der Aufklärung‹, GS Bd. 3, S. 221.

Besser wäre es, jeder würde sich in aller Gelassenheit die westliche Aufklärung zu eigen machen. Erst durch solch eine Aneignung wird die Wahrheit der Aufklärung in ihrem vollen Glanz erstrahlen: Wenn sich jeder Nicht-Europäer an ihr erleuchtet, tritt diese Wahrheit endlich aus dem Nebel hervor, hinter dem sie verborgen bleibt, weil sie von den Nachkommen derer, die sie der Welt geschenkt haben, in ihr Gegenteil verkehrt wird.

Abdelwahab Meddeb

Es geht in Szenedebatten schon lange nicht mehr um die grundlegenden Fragen, was Gesellschaft ist und wie sie strukturiert ist, weshalb und wie sie zu kritisieren, gar zu verändern sei. Verschiedene ausgebildete Kollektive und Wohlfühlgemeinschaften sind der Balsam für die Identität des Einzelnen, der innerhalb der Verhältnisse und auch angesichts des so weit fortgeschrittenen Verfallszustands der „Linken“ ohnmächtig ist. Auch wenn man noch so oft betont, dass die anderen nicht links, sondern neuerdings rechts, bzw. man selbst nicht links ist, das eigene Wirken bleibt krampfhaft auf die „Szene“ bezogen.

Man definiert sich nur noch über Bekenntnisse, die gleichsam inhaltsleer geworden sind, und so ist das floskelhaft heruntergebetete, zur identitären und dogmatischen Ideologie erstarrte Bekenntnis zu Israel nicht weniger unverständig gegenüber der historischen Notwendigkeit der Existenz Israels und nicht weniger empathielos gegenüber den unmittelbar bedrohten Israelis, als die zwanghaft auf eine angebliche „israelische Apartheid“ fixierte Wahnsinnsgemeinschaft a la Schmok, mondoprinte und lysis. Während die einen von Revolution und Praxis sprechen, ohne zu verstehen, was es zu verändern gilt und ohne die Frage zu stellen, wie eine bessere Gesellschaft einzurichten wäre, gefallen sich die anderen in „Abrissarbeit“ an einer Linken, die schon lange nicht mehr ist, als eine Ruine, und affirmieren die falschen Verhältnisse durch ihre Fixierung auf marginale linke Strömungen und Gruppen, auf ihren eigenen ideologischen Ursprung. (mehr…)

Berlin, Berlin… Anti-Anti-Anti-Anti-Antideutsch

Da Texte aus Berlin zu gewissen Themen uns offensichtlich unglaubliche Aufmerksamkeit und hochemotionale Kommentare einbringen, hier ein zweiter Versuch – ein uns zugesandter Text der Emanzipativen & Antifaschistischen Gruppe aus Berlin – die übrigens sehr aktiv war bei der Kritik der rechtspopulistischen Anti-Moschee-Kampagne in Berlin-Pankow bzw. den Protesten gegen diese – zur Kritik der hier schon erwähnten Veranstaltung „Rechtspopulismus und die Linke“ und der Veranstalter mit einigen interessanten und bezeichnenden Hintergrundinfos zu Widerlichkeiten, die für die im Mehringhof versammelten Verteidiger linker Ideale offensichtlich kein Problem darstellen. Was etwa der Antisemit und Nationalsozialist Makks Damage mit dem Ganzen zu tun hat und vieles mehr – folgt. [Hier zur Diskussion und verschiedenen Berichten zum Happening]

Die linke Szene hat offene Flanken nach
rechts? Erzählt uns was neues.

„Offene Flanken“-Parade im Mehringhof
Warum Kritik an regressiven Einstellungen richtig ist, aber diese Veranstaltung großer Quatsch

Diese Veranstaltung ist die logische Fortsetzung des Jungmacker-Gebarens auf Antifa-Parties die auf Verdacht hin Leute mit „Antideutsche sind keine Linken“ anbrüllen; sie ist die logische Konsequenz aus dem Bedürfnis von antiimperialistischen Jungantifas unter Plakaten von Hassan Nasrallah mitzulaufen, solange es gegen Israel geht.Vor einem Monat hat nun sogar ein Berliner Antifa-Aktivist geschafft, was vor ihm noch kein Berliner Antifa vollbracht hat. Er hat ein Plakat gestaltet, was unverändert von Neonazis adaptiert und in Lichtenberg plakatiert wurde. Hut ab.

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„Rechtspopulismus und die Linke“: Anti-antideutsches Versagen

Mit ihrer „Ausländer raus! “- Ideologie und ihrem dezidierten Hass auf alles Linke, vor allem jedoch auf die Antifa, kann man die Anti-Deutschen getrost dem rechten Lager zuordnen. Sie stellen den Brückenschlag zwischen linker und rechter Ideologie dar, und sind längst nicht passé. Während sie mit ihrer Islamhetze in die gesamtgesellschaftliche Diskursströmung einwirken, strahlen sie immer noch auf die Bewegung zurück. Ihre Schriften werden weiterhin von Linksradikalen gelesen, ihre ideologischen Gedankenfragmente kursieren noch in unserem Ideenpool und werden von jungen, unschuldigen Gemütern aufgenommen und in ihr politisches Weltbild eingebaut. […]
Damit stellen die Anti-Deutschen den Anknüpfungspunkt zur Einbindung der Linksradikalen in einen gesamtgesellschaftlichen Konsens der Islamfeindlichkeit dar und erschweren so das Zustandekommen einer eindeutigen Positionierung gegen diese Form des Rassismus.
Um den Antideutschen nicht in die ideologische Sackgasse zu folgen, die jeden Ansatz zu einer revolutionär-politischen Praxis unmöglich macht, ist es wichtig, an der Idee der Revolution festzuhalten und unsere Politik danach auszurichten. Unsere Haltung gegenüber der bestehenden Herrschaft kann nur der Kampf gegen sie sein, diese Freiheit lassen wir uns von den Anti-Deutschen nicht nehmen. Denn wir sind die letzten Residuen, die wirkenden Restgrößen der Freiheit. Erst wenn wir aufgeben, hat der Kapitalismus wirklich gewonnen.

Wer denkt, hier eine wunderbar gelungene Satire auf naive Bewegungs-und-Traditionslinke vorzufinden, muss leider enttäuscht werden – die Realität übertrifft potentielle Satiren bei Weitem. Vielmehr handelt es sich hier um das Résumé eines „Grundlagentextes“ (von den OrganisatorInnen auf der Mobiseite als „Der Text zum Thema“ bezeichnet) zur Kritik „der Antideutschen“, wobei die „Antideutschen“, von denen der Text handelt, eine großartige Konstruktion sind. Diejenigen, die sich dieses Feindbild konstruiert und der Gegnerschaft zu eben diesen „Antideutschen“ verschrieben haben, mobilisieren nun mit eben diesem Text zu einer hochkarätig besetzten Diskussionsveranstaltung, bei der mit diesen für „unsere revolutionäre Praxis“ absolut gefährlichen Subjekten ein für alle Mal (auf theoretischer Ebene) aufgeräumt werden soll.

Warum diese Veranstaltung anti-antideutscher IdeologInnen eher einer Selbsthilfegruppe von ZwangsneurotikerInnen gleichkommt und nichts zur notwendigen Kritik der post-antideutschen Clique rund um die Bahamas – die zwischen Halbwissen, Ressentiments, der Affirmation bürgerlicher Ideologie und K-Gruppen-Dogmatismus versumpft ist – beitragen kann, weshalb sie sogar weit hinter Grundaussagen der diffamierten „Antideutschen“ zurückfällt, darum soll es hier kurz gehen. So viel Zeit kann man sich nehmen, wenn es zu einer derart erheiternden Melange von Gerhard Hanloser, Bernhard Schmid, einem Hobbyexpertenblogger namens Attila Steinberger und – wer darf, wenn es gegen „die“ Antideutschen zur Verteidigung von „dem“ Islam geht, nicht fehlen, frotzeln einige – Georg Klauda kommt.

Die Bedeutung der Zeitschrift Bahamas wird von ihren GegnerInnen weit übertrieben, würde sich doch sonst auch nicht der an Verschwörungsdenken erinnernde Glaube einer „Gefahr“ für „die Linke“ (wer ist das?) aufrecht erhalten lassen, der das eigene Handeln und Schreiben (zu diesem Thema meist auf Blogs) antreibt. Doch kann man selbstverständlich die Artikel und Redebeiträge der Bahamas-Redaktionsmitglieder und der wenigen ihr verbundenen Gruppen (auseinander)nehmen. Meist handelt es sich dabei um von geringer Sachkenntnis ausgehende, eigene Ressentiments mangels Selbstreflexion/Selbstkritik als gesellschaftliche Realität wahrnehmende, bürgerliche Ideologie (Rechtsstaat, Bürgerlichkeit, Menschenrechte) unkritisch reproduzierende Schwurbeleien. (mehr…)